Es ist getan

Nach einer Geschichte von J.R.R. Tolkien

Geneigter Leser, sei gewarnt: Dieser Beitrag ist lang, sehr lang. Lange hat es gedauert, ihn zu schreiben, lange wird es dauern, ihn zu lesen. Zwar nicht so lang wie die über 1000 Seiten starke Trilogie selbst, doch annähernd. Und natürlich lohnt es sich, sich noch einmal auf diese, für viele von uns doch sehr unerwartete, Reise zu begeben.

(Wer es lieber kurz und s(ch)achlich mag, dem sei der eigens für die Presse verfasste Beitrag unseres Teammitglieds Philipp Huber ans Herz gelegt, oder natürlich der am 23.5. im Sportteil der Heilbronner Stimme erschienene Artikel „Heilbronner SV steigt als Meister in die 2. Bundesliga auf.“)

„Where do I begin?“

Diese Frage stellt sich der vielgereiste Hobbit Bilbo Beutlin, als er im reifen Alter von fast 111 Jahren auf sein Leben zurückblickt und damit beginnt, seine Memoiren niederzuschreiben: There and Back Again – A Hobbit’s Tale.

Wo also fange ich an? Vielleicht zu Beginn dieser Spielzeit, als wir nach den Aufstiegen der Stuttgarter und Böblinger in den letzten Jahren und den Rückzügen von Weiler und Jedesheim wohl nicht nur von uns selbst endgültig als Favorit gehandelt wurden?

Oder vielleicht in der Spielzeit 2016/17, als wir erstmals in der für uns noch übermächtig erscheinenden Oberliga Württemberg antraten?

Oder in der Spielzeit 2013/14, als wir nach vielen vergeblichen Versuchen endlich den ersehnten Wiederaufstieg aus der Landesliga Unterland in die Verbandsliga Nord schafften?

Oder gar im Jahre 1992, als der Heilbronner Schachverein kurz vor seiner Auflösung stand, und nur durch das plötzliche Erscheinen des jungen Zauberlehrlings Robin Stürmer und des jungen Hobbits Saygun Sezgin (die Verwandtschaft mit dem Volk der Halblinge hört man schon an der letzten Silbe) gerettet werden konnte? Zu jener Zeit ging es dem Verein so schlecht, dass im hohen Rat sogar eine Fusion mit dem Nachbarverein SV ‘23 Böckingen erörtert wurde. Ob es wohl an dem schlecht gebrauten Bier lag, das in der damaligen Vereinsgaststätte, der „Silbernen Kanne“, ausgeschenkt wurde? So zumindest erzählen es die Überlieferungen, die die Altvorderen Böhringer, Löchner, Gerner, Funk und wie sie alle hießen seinerzeit feinst säuberlich auf Schreibmaschine angefertigt hatten, und die seither nur von erstem Vorsitzenden an ersten Vorsitzenden weitergegeben wurden. Doch es kam zu keiner Fusion, stattdessen wurde von Saygun eine Jugendarbeit aus dem Boden gestampft, die seit nunmehr 30 Jahren schachbegeisterte Nachwuchs-Hobbits aus nah und fern in den Bann des königlichen Spiels zieht. „Aber das ist eine andere Geschichte…“ könnte man nun fortfahren. Doch wer diesen Beitrag aufmerksam liest, wird rasch erkennen, dass es im Grunde genau diese Geschichte ist.

Wo also fange ich an?

Wir setzen ein in der Spielzeit 2009/10: Der Heilbronner Schachverein hatte im Vorjahr den Aufstieg in die Verbandsliga Nord geschafft und wollte sich dort dauerhaft ansiedeln. Doch waren die damals noch jungen Hobbits Sascha Seiler, Simon Weißbeck, Nhi Huynh, Ramin Geshnizjani, Julian Bissbort, Thomas Tschlatscher, Enis Zuferi, Benjamin Häusinger, Philipp Wenninger und wie sie alle hießen noch zu grün hinter ihren Ohren. Die erfahrenen Hobbits Jürgen Menschner, Christian Wolbert und der ewig blonde und inzwischen im ganzen Schachlande sehr angesehene Zauberer Robin Stürmer unterstützten sie zwar nach Kräften, doch hatten sie manch übermächtig erscheinendem Gegner nur wenig entgegenzusetzen. Nach 7 Runden standen zwar respektable 8 Mannschaftspunkte zu Buche, doch dann geschah es: Gegen Böblingen II setzte es eine denkbar knappe 3,5-4,5 Niederlage, sodass in der letzten Runde gegen den VfL Sindelfingen, einst ein mächtiges Imperium im württembergischen Schach, ein Punkt hermusste. Beim Stande von 3,5 zu 3,5 spielte mit Christian Wolbert, genannt „Cheffe“, der Anführer des Vereins, der ersten Mannschaft, und überhaupt aller Heilbronner Hobbits, mit Weiß gegen den weisen H. Weisenburger. Cheffe sah sich einem epischen Kampf ausgesetzt, der hin- und herwogte wie die Gezeiten. Mal war er im Vorteil, mal im Nachteil und dann geschah es: die Bedenkzeit beim Gegner wurde knapper und knapper – und fiel! Doch es war wie verhext. Cheffe sah es nicht. Sollte er nun wirklich in dieser entscheidenden Partie für all den „Cheffe-Dusel“ bestraft werden, der ihn all die Jahre begleitet hatte, und die ganze Mannschaft gleich mit? Cheffe zog, der Gegner zog, 40 Züge waren geschafft, Cheffe verlor die Partie und wir stiegen mit 8 Punkten auf Platz 8 aus der Verbandsliga ab. Zu allem Unglück hatte Sindelfingen nicht einmal was davon, sie stiegen als Siebter mit ab, was (soweit ich mich erinnern kann) schon vor der Begegnung klar gewesen war. Und wir wurden einfach mit ins Verderben gerissen wie Gandalf vom Balrog in den Minen von Moria. Eine der schwersten Stunde in der Geschichte des Vereins und sicherlich auch in der schachlichen Laufbahn des Autors dieser Zeilen.

Doch war die Hoffnung nicht verloren. Viele der jungen Hobbits blieben dem Verein treu und versuchten den nächsten Anlauf in der Landesliga. Da warteten die üblichen Verdächtigen Schwäbisch Hall, Erdmannhausen, Lauffen… aber alle hatten sie in der Zwischenzeit mächtige Kader zusammengeschmiedet. Und so scheiterten wir Jahr auf Jahr an eben diesen Mannschaften – wobei wir in der Spielzeit 2012/13 nur wegen eines halben Brettpunktes Rückstand auf die Lauffener auf den undankbaren zweiten Platz verbannt wurden.

„Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu…“ munkelte einer unser Hobbits. „Irgendetwas muss man doch tun können!“ stöhnte ein zweiter. „Werden wir denn auf ewig in der Landesliga verbleiben?“ fragte ein dritter. „Die aus den umliegenden Vereinen vergleichen uns schon mit Michael Ballack!“ klagte ein anderer. Das war zu viel. Und so fasste ich mir, inzwischen Mannschaftsführer der gebeutelten Hobbit-Truppe, ein Herz und trat in Kontakt mit einem noch jungen Hobbit, der uns inzwischen den Rücken gekehrt hatte, womöglich um schon mal vorsorglich Oberliga-Erfahrung in Willsbach zu sammeln: Enis Zuferi.

Dass er ein Rohdiamant war, der nur auf seinen Feinschliff wartete, darüber waren sich alle einig. Doch galt er schon damals als enfant terrible, der Umgang mit schwarzer Magie wurde ihm nachgesagt. „Sind wir uns sicher, dass wir seine unbändige Energie positiv für uns nutzen können?“ lautete die große Frage im hohen Rat. „Lasst das mal meine Sorge sein“, antwortete ich. „Ich bringe ihm einen Hauch Diplomatie bei, dazu eine Prise political correctness. Und was Ihr schwarze Magie nennt, ist in Wahrheit nur ein Haufen Billig-Tricks aus Yu-Gi-Oh. Da sind die Sprüche, die mir Robin in unseren Magic-Matches sonst so um die Ohren haut, weitaus schlimmer.“

Es funktionierte. Von Beginn an stellte er sich voll in den Dienst der Mannschaft, schrieb Berichte, trainierte die Jugend. 2015 übernahm er beim Heilbronner SV das Amt des Spielleiters und schmiss jeden Donnerstagabend den Laden. 2016 pfefferte er zum letzten Mal nach einer Niederlage einen Stift durch den Spielsaal, ein paar Monate später überließ er dem internationalen Zaubermeister Ulrich Schulze den Vortritt an Brett 1 in der Oberliga. „Take one for the team“, sagt er damals. 2018 übernahm er die Führung der ersten Mannschaft und schrieb fortan nur noch Rundmails in staatsmännischem Ton. Zu Beginn der abgelaufenen Saison 2021/22 degradierte er sich gar an Brett 4, um die Brettreihenfolge für alle verträglich zu gestalten. „Take three for the team“ wäre das dann wohl. Kurz vor Saisonende referierte er dann höchstpersönlich nach der bitteren Niederlage bei Bebenhausen in einem Beitrag auf unserer Homepage über die Bedeutung von „Emotionskontrolle“ im Schach. Eine tolle Entwicklung, auch persönlich. Vom Bordstein zur Skyline.

Aber zurück zum Geschehen. Nach einem gelungenen Start mit 6 Siegen aus 6 Mannschaftskämpfen (bei denen die Nachwuchs-Hoffnungen Tobias Peng, Patrick Wenninger, Marcel Mikeler und Dmitriy Ignatov in der ersten Mannschaft debütierten und sich dabei den ein oder anderen Spitznamen verdienten), ging es in der Spielzeit 2013/14 in Runde 7 gegen den SK Schwäbisch Hall – II wohlgemerkt. Der SK Schwäbisch Hall I war inzwischen in der 2. Bundesliga angelangt und hatte mit Boris Gelfand einen den größten Zaubermeister ganz Mittelerdes im Kader. „Was ist denn das für eine neue Teufelei?“ fragte man sich im Auen… äääh Unterland. Berichte von hohen Sponsorensummen machten die Runde. Ein Hexenmeister sei in Schwäbisch Hall gesichtet worden, der dort sein Unwesen treibe und allerlei sonstigen Unfug verbreite. Schon bald hörte man, er habe sich mit der Vereinsführung zerstritten. Er verließ den Verein bzw. „wurde verlassen“, prozessierte (meines Wissens ohne Erfolg), und bot uns seine Dienste an, die wir dankend ablehnten. Der Höhenflug der Haller hielt noch einige Jahre bis in die 1. Bundesliga an, wo sie bis auf Platz 4 vorstießen. Und natürlich wollte man da die zweite Garde nicht einfach so in der Landesliga versauern lassen…

Das Match gegen Hall II begann auf Augenhöhe, und obwohl Robin schon bald den internationalen Zaubermeister an Brett 2 sehenswert entzaubert, und unser Hobbit Nicolas aus dem schönen Nachbarlande Frankreich den internationalen Zaubermeister an Brett 1 scheinbar mühelos neutralisiert hatte, standen wir kurz vor Schluss mit dem Rücken zur Wand, denn es stand 4-3 gegen uns und „Cheffe“ hatte im Übergang zum Endspiel einen Bauern weniger. Doch dann geschah das Unglaubliche… Seine Figuren erlangten auf einmal ungeahnte Kräfte und entfalteten eine nie dagewesene Aktivität. Wie von Zauberhand bewegte sich der weiße Monarch hinter seinen vorrückenden Bauern über das Spielbrett und eskortierte sie zum Sieg. The Return of the King. Wer hätte dem Altmeister eine solch nervenstarke und zugleich feinfühlige Endspielbehandlung noch zugetraut? Er war unser Gandalf (nur ohne Bart), der dem Dämon in den Minen von Moria standhält: „Thou shalt not pass!!“ 4-4 Unentschieden und wir behielten die Tabellenführung fest in den eigenen Händen. Zwar verloren wir die anschließende 8. Runde, aber da wir den Hallern wohl endgültig den Zahn gezogen hatten, traten auch sie nicht mehr voll an und wir konnten mit einem ungefährdeten 6,5-Sieg über Neckarsulm in der letzten Runde alles klar machen. Aufstieg!

2014/15, Verbandsliga: in der zweiten Runde beim Aufstiegsaspiranten Erdmannhausen scherzte deren Mannschaftsführer, dass sie uns als ärgsten Mitkonkurrenten um den Aufstieg in die Oberliga erachteten. Beziehungsweise wir hielten es für einen Scherz, er meinte es wohl ernst und zeigte sich damit vorausschauender als wir alle zusammen: Erdmannhausen ging hoch, wir beendeten die Saison als Dritter. Ein toller Erfolg, aber noch wichtiger war, dass wir mit Adam Szabo einen neuen, spielstarken Hobbit hinzugewonnen hatten, dazu mit Eberhard Schulze einen ganz erfahrenen Spieler, der schon in der 2. Bundesliga gespielt hatte, als die meisten von uns noch nicht einmal das Brett richtig aufbauen konnten. Als sich dann noch dessen Bruder, der internationale Zaubermeister Ulrich, von dem weiter oben schon die Rede war, für die Folgesaison ankündigte, wollten wir natürlich mehr – das Projekt „Aufstieg in die Oberliga“ nahm zum ersten Mal Gestalt an.

Mit drei Auftaktsiegen startete die Mannschaft in die Spielzeit 2015/16, wobei es vor allem die dritte Runde gegen Lauffen in sich hatte. Nachdem er mehr oder weniger kompensationslos im 6. Zug einen Bauern eingestellt hatte, musste Tobias Peng gegen den Ex-Heilbronner Thomas Heerd schon ganz tief in diverse Trickkisten greifen, um den Bauern erst wieder zurückzuerobern und seinen Gegner schließlich im Endspiel zu bezwingen. Die Gefährten waren also auf Kurs, doch wartete da in Runde 4 der Gegner, den man doch eigentlich ein für alle Mal besiegt geglaubt hatte – Schwäbisch Hall II war inzwischen in die Verbandsliga aufgestiegen, und sie waren noch stärker als zwei Jahre zuvor. Waren sie am Ende etwa doch der Endgegner auf unserer langen Reise, wie Sauron nicht totzukriegen und am Ende womöglich gar siegreich? Als wäre es nicht schon schlimm genug, ging uns auch noch in dieser entscheidenden Phase der Saison unser IM abhanden. Gegen eine Übermacht aus gleich vier Titelträgern versuchten wir es mit der gleichen Mannschaft wie zwei Jahre zuvor (einzig Ramin fehlte, für ihn spielte Adam) und es geschah das noch Unglaublichere: wir spielten wie entfesselt auf und gewannen die Schlacht denkbar knapp mit 4,5 zu 3,5! Fast schon traditionell verloren wir die Folgerunde gegen Böblingen II. Doch auch in diesem Jahr zog die Haller Bundesligareserve nicht mehr voll durch und so konnten wir uns sogar noch in Runde 8 ein weiteres (eher peinliches) 4-4 gegen Stuttgart II erlauben, bevor wir in Runde 9 gegen Willsbach (und wieder mit Uli) den Aufstieg in die Oberliga perfekt machten. Das Beste an der ganzen Sache war aber wohl, dass unser Eigengewächs Niko Pogan nach vielen Jahren endlich wieder zum Verein zurückkehrte. In Hall hatte er sogar Bundesliga-Luft schnuppern dürfen und trug wie Enis inzwischen den Titel eines FIDE-Zaubermeisters.

Unterdessen trat der hohe Rat des Vereins zusammen, um über den Tellerrand des nördlichen Verbands-Gebiets zu blicken: was da im Süden in der Oberliga wartete, war furchteinflößend: Biberach, Bebenhausen, Jedesheim, Weiler im Allgäu… würde die Gemeinschaft dort bestehen können? Zumal es gleich in unserer ersten Oberliga-Spielzeit einen zusätzlichen Absteiger geben sollte (wir erinnern uns an ein zweifelhaftes „Gnadengesuch“…).

Unsere erste Oberliga-Saison 2016/17 begann mit einer knappen Niederlage in Jedesheim und einer deftigen zuhause gegen Schwäbisch Gmünd. Doch dann gelang uns bei den Stuttgarter Schachfreunden I ein unerwarteter Sieg und wir waren plötzlich wieder im Soll. Ungeschlagen an allen Brettern gingen wir an jenem denkwürdigen Tag nach Hause; Matchwinner waren der damals erste, zwischenzeitlich gar nicht, und heute wieder zweite Vorsitzende Ramin sowie Robin, der damit 3 aus 3 hatte und uns mit seiner kompromisslosen Auf-Sieg-Spielweise (es sollten zwischenzeitlich sogar fünf Siege bei nur einer Niederlage sein), den nötigen „Glamour“ gab, wie er selbst unlängst sagte – vom Zauberer zum Rockstar!

Dann jedoch verdüsterte sich der Himmel nochmals nach einer vollkommen unnötigen 4,5-3,5 Niederlage zuhause gegen Bebenhausen. Vor allem an den hinteren Brettern gaben wir zu viele Unentschieden, aus denen man hier oder da vielleicht doch noch einen Sieg hätte herausquetschen können. Dann aber lief es wieder besser und wir sorgten mit einem Punkt gegen Böblingen, sowie Siegen gegen die direkten Abstiegskonkurrenten Erdmannhausen und Sontheim/Brenz für den vorzeitigen Klassenerhalt. Ein knapper Sieg bei Schmiden und ein 4-4 bei der zentralen Endrunde gegen Weiler waren dann das Sahnehäubchen auf unserer ersten Oberliga-Spielzeit, in der wir am Ende mit 9 zu 9 Punkten sogar ein ausgeglichenes Mannschafts- und Brettpunkte-Konto erreichten und von einem Abstieg soweit entfernt waren wie das Auenland von Mordor.

Mordor… was war das eigentlich? Noch wusste das niemand so genau zu benennen. Jenes Land, in dem das Böse herrscht… und er, dessen Name nicht genannt werden darf. Schwäbisch Hall, unser Nemesis aus vergangenen Tagen, war es jedenfalls nicht. Die hatten wir ein für alle Mal hinter uns gelassen, denn sie zogen ihre 1. Bundesliga-Mannschaft alsbald in die Bezirksliga zurück. Glück für uns, denn dadurch schloss sich mit Steffen Mages ein neuer Hobbit vorübergehend der Gemeinschaft an, der sich durch seine Kreativität und seinen Kampfgeist schon bald in die Herzen der übrigen Hobbits spielte. Ein zweiter Hobbit, Jewgeni Pogorelow, hatte einen tollen Einstand beim Spiel gegen Wolfbusch, konnte in der Folge aber leider nicht richtig Fuß fassen und verließ die Gemeinschaft nach einem Jahr wieder. Und dann war da noch der dritte im Bunde, Tobias Schmidt. Hatte er Niko in der Vorsaison (noch in Diensten des SC Erdmannhausen) in einer überfallartigen Partie böse mitgespielt, brachte er nun vorne bei uns die nötige Qualität. Außerdem wurden die Gemeinschaft von zwei Gefährten aus den eigenen Reihen verstärkt: Simon Degenhard und Thomas Tschlatscher. Beide fügten sich sofort großartig ein und gaben der Mannschaft den nötigen Rückhalt. Dafür rückten Robin und Jürgen nun zurück ins zweite Glied, was den Beginn des Aufstiegs der zweiten Mannschaft markieren sollte, die seinerzeit um den Verbleib in der Landesliga kämpfte.

2017/18 wurde eine Saison der Unentschieden, zumindest am Anfang. Gegen Gmünd gab es ein 4-4, ebenso gegen Weiler, Jedesheim und Ulm. Einzig gegen Wolfbusch hatte man gewonnen, sodass die Tendenz wenigstens eher in Richtung vordere Tabellenhälfte zeigte als nach unten. Es folgten ein knapper Sieg gegen Biberach, eine Schlappe gegen Stuttgart und eine überzeugende Vorstellung gegen Schmiden. Zu guter Letzt gab es bei der zentralen Endrunde ein weiteres 4-4 gegen Bebenhausen, bei dem es für beide Seiten schon lange um nichts mehr ging. Kurzum: auch diese Saison befand sich für uns im Gleichgewicht der Kräfte, was aber voll in unserem Sinne einer dauerhaften Etablierung in der Oberliga war: Platz 4 im zweiten Jahr, mit genauso vielen Mannschaftspunkten (3) Rückstand auf Platz 1 wie Vorsprung auf Platz 8, aber nur einer Saisonniederlage.

Ohne Neuzugänge, aber mit einer sichtlich gereiften Gemeinschaft gab es in der Spielzeit 2018/19 nach dem Auftaktsieg gegen Sontheim/Brenz das zweite 4-4 gegen Gmünd in Folge, was sich damals sicher mehr als ein gewonnener Punkt (gegen den Abstieg) denn als ein verlorener Punkt (um den Aufstieg) anfühlte. Doch nach dem überzeugenden Sieg bei Bebenhausen, wo Uli eine sehr dominant geführte Partie gegen seinen Lieblingsgegner Georg Braun leider nicht in einen vollen Punkt ummünzen konnte, war die Gemeinschaft mit 5 von 6 möglichen Punkten ganz vorne mit dabei. Doch dann folgte gegen die Stuttgarter Schachfreunde im KnowCube der Hochschule eine wegweisende Niederlage. Einerseits war der Aufstieg damit (eigentlich) passé, andererseits musste man fortan endgültig ohne Zaubermeister Ulrich auskommen, der nach der krachenden Niederlage gegen Mark Kvetny seinen Rückzug ankündigte. Was wie eine kaum zu kompensierende Schwächung der Gemeinschaft aussah, erwies sich als Glücksfall, denn nun setzten die übrigen Gefährten ungeahnte Kräfte frei. Hintereinander weg wurden die Mannschaften aus Weiler, Biberach, Schmiden und Deizisau (Wieso fehlen hier zwei Berichte? Wolf Böhringer, der größte Chronist unserer Zeit, wäre entsetzt!) bezwungen, woran auch die jungen Hobbits Kim-Luca Lahouel und Severin Bühler einen großen Anteil hatten, denn sie erfüllten ihre Ersatzspieler-Debütanten-Rollen mit Bravour. Es war ein wenig wie vor der WM 2010, als Michael Ballack (der schon wieder!) wegen seines Knies (der Nation) ausfiel und man sich fragte, wie Deutschland eine WM ohne ihn überhaupt überstehen sollte. Müller, Özil, Schweinsteiger, Khedira und co. gaben damals in Südafrika die Antwort, so wie Tobi, Niko, Steffen und co. in den Runden 5 bis 8 ihre starken Scores von 2,5 oder – im Falle von Simon –  sogar 3 aus 4 holten. Und dann war da ja auch noch Petr, der aus fernen Landen hinzugestoßen war, um die Gemeinschaft zu unterstützen. So auch bei der zentralen Endrunde in Böblingen. Da auch Nicolas mit von der Partie war, boten wir wirklich alles auf, was wir im Köcher hatten, um zu schaffen, was eigentlich nicht geschafft werden konnte: mit einem Sieg über Böblingen bei gleichzeitiger Niederlage der Stuttgarter Schachfreunde gegen Weiler würden wir tatsächlich als Meister der Oberliga in die 2. Bundesliga aufsteigen! Leider war ein Sieg gegen Böblingen alles andere als eine einfache Aufgabe, denn für sie galt die gleiche Konstellation wie für uns. Und so lieferten sich die beiden Verfolger einen großartigen Kampf (wohl am besten verdeutlicht in Petrs denkwürdiger Schwarzpartie gegen Branimir Vujic), der in einem knappen 4,5-3,5 Erfolg für uns endete. Leider bot Weiler den Stuttgartern nicht ganz so viel Gegenwehr, und damit blieb uns nur die Vizemeisterschaft. Schade, aber auch irgendwie genial. Denn mit dem Sieg über Böblingen (das dritte 4,5 in dieser Saison) hatten wir endgültig gezeigt, dass wir nicht nur mit allen Oberliga-Mannschaften mithalten, sondern im Prinzip auch alle schlagen konnten. Und natürlich hieß es fortan: mit voller Kraft zum Aufstieg. Unsere Zeit würde kommen, davon waren wir überzeugt.

Gegen Bebenhausen wurde in der ersten Runde der Spielzeit 2019/20 mit einem erneuten 4,5-Erfolg ein Grundstein gelegt. Inzwischen hatten sich mit Thilo Kabisch und Richard Dudek zwei sehr erfahrene Kräfte der Gemeinschaft angeschlossen. Beide wohnten in Heilbronn, und Thilo hatte zudem vor 30 Jahren schon mal für den Heilbronner SV gespielt. Das passte. Und da auch Simon inzwischen den Titel eines FIDE-Zaubermeisters innehatte, boten wir in dieser Saison eine wahre FM-Phalanx an den ersten sechs Brettern auf: Zuferi, Kabisch, Schmidt, Degenhard, Pogan, Timagin. Doch bei Thilo lief nicht viel zusammen und so verordnete er sich nach einer langen Rochade (0-0-0 in den ersten drei Runden) erst mal eine schöpferische Spielpause. Richard hingegen fand mit einem Auftaktsieg gut in die Saison und holte am Ende solide 50%, wie fast alle unserer Hobbits. Eine Ausnahme hiervon bildeten die Ersatzkräfte, die wie im Vorjahr wieder sehr zuverlässig punkteten. Auch Daniel Schäfer krönte seinen ersten Einsatz in der ersten Mannschaft gleich mit einem vollen Punkt und hat damit genauso viele Siege in der Oberliga vorzuweisen wie der Schreiber dieser Zeilen (okay, der hat dafür noch ein paar Remisen…). Runde 2 bot mit Jedesheim schon einen richtig dicken Brocken, und damit eine von zwei Oberliga-Mannschaften, die wir bislang nicht geschlagen hatten. Und so blieb es auch, mit 2-6 wurden wir nachhause geschickt. Dafür wartete mit dem SK Schmiden/Cannstatt in Runde 3 unser Lieblingsgegner. Es sollte ein rauschendes Fest werden, wir spielten zum ersten Mal beim Sponsor Prisma, dessen historische Räumlichkeiten uns die nötige Gravitas verleihen sollten, boten mit einem Schnitt von 2225 die nominell stärkste Heilbronner Truppe aller Zeiten auf – und verloren deutlich mit 5,5 zu 2,5. Gegen Deizisau II berappelten wir uns mit einem 4 zu 4, und immerhin konnte in Runde 5 erstmals die SG Schwäbisch Gmünd bezwungen werden. Auch Nürtingen bereitete uns keine Probleme, dafür hatten wir dieses Mal in Böblingen, die aus der 2. Liga wieder abgestiegen waren, mit 3,5 zu 4,5 das Nachsehen. Auch in Weiler wurde es trotz Thilos überzeugendem Comeback gegen IM Henrichs eine knappe 3,5-Niederlage, und so ging es in der letzten Runde gegen Schönaich II sogar (theoretisch) noch gegen den Abstieg. Dies erledigte sich dann von selbst, eine mysteriöse Krankheit überzog ganz Mittelerde binnen Wochen und der Kampf wurde erst verschoben, dann von Schönaich abgesagt, was uns letztlich Tabellenplatz 5 bei 9 zu 9 Mannschaftspunkten bescherte. Ein sehr durchschnittliches Ende einer sehr durchschnittlichen Saison. Tabellenführer Weiler aber brachte das Kunststück fertig, die letzte Runde gegen Deizisau gerade so knapp zu verlieren, dass sie trotz des Kantersieges des Verfolgers Böblinger über Nürtingen am Ende immer noch einen Brettpunkt Vorsprung hatten und stolz das Meisterbrett in die Höhe streckten, nur um dann letztendlich zugunsten der Böblinger doch auf den Aufstieg in die 2. Liga zu verzichten und ihre erste Mannschaft in die Bezirksliga zurückzuziehen. Verrückte Welt, aber seit 2020 ist ja bekanntlich nichts mehr normal.

Inzwischen hatte man auch vernommen, dass mit Jedesheim unser „Angstgegner“ zurückgezogen hatte. Die Pandemie hatte einiges durcheinandergewirbelt, vor allem bei den Mannschaften, die mit Legionären spielten. Nach einer komplett ins Wasser gefallenen Saison 2020/21 hieß es im letzten Sommer: Stuttgart weg, Böblingen weg, Weiler weg, Jedesheim weg. Wer war da noch? Gut, Deizisau II hatte einen starken Kader, doch hatte man in den vergangenen Spielzeiten nicht den Eindruck gehabt, dass die Bundesliga-Reserve mit aller Macht selbst in die 2. Bundesliga aufsteigen wollte. Natürlich die „Mittelfeld-Mannschaften“ der letzten Jahre, also Schmiden, Bebenhausen, Schwäbisch Gmünd und die wiedererstarkten Biberacher, die zwischenzeitlich abgestiegen waren.

Und dann eben wir. Mit Neuzugang Philipp Huber hatten wir die Gemeinschaft weiter verstärkt, und das nicht nur mit einem Hobbit aus dem Heilbronner Raum, sondern auch mit einem absoluten Teamplayer. Und an Brett 1 bahnte sich eine Sensation an: Sage und schreibe elf Spielzeiten lang war er fort gewesen, um in fremden (Bundes-)Ländern sein Wissen zu vertiefen und sein Spiel zu verfeinern (und ordentlich einen zu heben, wie man hörte), nun endlich kehrte er heim: Philipp Wenninger, der wahrscheinlich höchst-geratede Nicht-FM westlich des Nebelgebirges. Mit ihm sollten wir die Chance auf den ersehnten Aufstieg doch noch einmal deutlich verbessern können. Wer sollte uns da noch schlagen?

“The stars align, my friend”, sagte Enis vor Saisonbeginn zu mir. Zu gerne wollte ich ihm Glauben schenken, doch wie Frodo hörte ich die Stimme Galadriels in meinem Kopf: „The quest stands upon the edge of a knife. Stray but a little and it will fail, to the ruin of all. Yet hope remains while the Company is true.“  Ein Balanceakt also. Und eine Frage der Treue. Zur Gemeinschaft, zum gemeinsamen Ziel, zum Verein, aber auch zu sich selbst und zu den eigenen Werten und Prinzipien. Und so kam uns vor der Saison unser langjähriger Gefährte und eifriger Punktesammler Tobias Schmidt abhanden, den wir bis heute sehr vermissen. „My heart tells me that he has some part to play yet…” sagt Gandalf an einer Stelle. Wir lassen das mal so stehen und geben die Hoffnung auf eine Rückkehr nicht auf.

Die Saison begann vielversprechend, mit einem knappen 4,5-Sieg zuhause gegen Deizisau II, den vermeintlichen Mitkonkurrenten um den Aufstieg. Dabei konnten wir gleich unsere Top-Aufstellung an die Bretter bringen, mit der wir eigentlich vorhatten, die Saison durchzuspielen: Philipp W. – Thilo – Simon – Enis – Niko – Thommy – Philipp H. – Richard. „Wer soll uns jetzt noch schlagen?“ wurde beim anschließenden Festschmaus gefragt, so zumindest wurde mir berichtet. „Wir selbst“, so die krachende Antwort. Ich weiß nicht, wer sie letzten Endes gegeben hatte, aber derjenige muss ein weiser Mann gewesen sein. Gesagt, getan: beim ersten Auswärtsspiel in Gmünd traten wir nur zu siebt an – unser neuer Hoffnungsträger an Brett 1 hatte verschlafen. Und so holten mal wieder unser Premium-Ersatzspieler Ramin und der ewig mahnende und kopfschüttelnde Robin die Kohlen aus dem Feuer, doch auch Thilo zeigte sich endlich wieder in guter Verfassung und fuhr mit präzisem Spiel den vollen Punkt ein, genauso wie Neuzugang Philipp Huber in einer sehenswert geführten Partie gegen Andreas Weiss – bereits sein zweiter voller Punkt im zweiten Spiel, ein toller Einstand! 5-3. Wer sollte uns jetzt noch schlagen?

Corona. Haufenweise Begegnungen wurden verschoben oder abgesagt, die Aufstellungen der Mannschaften wurden aufgrund der Verschärfung bis hin zu 2G+ ordentlich durcheinandergewirbelt, so auch unsere. Doch waren wir uns einig, mit dem Credo „Spielen und Fakten schaffen“ am besten zu fahren und so fand die dritte Runde zuhause gegen die TG Biberach unter strengsten Hygienemaßnahmen statt. Biberach war ebenfalls mit zwei Siegen in die Saison gestartet und lange sah es so aus, als könnten sie zumindest einen Mannschaftspunkt mit nach Hause nehmen. Doch dann drehte sich ein Brett nach dem anderen zu unseren Gunsten. Der spannungsgeladene Höhepunkt war dabei mit Sicherheit Nicolas‘ Partie gegen Holger Namyslo. Letzterer hatte sich in einer großartig geführten Partie dazu entschieden, seine Dame gegen drei Figuren zu geben und Nicolas‘ Monarchen die Luft abzuschnüren. Und bald schon hieß es: Turm und zwei Figuren gegen Dame. Nicolas war anzusehen, dass ihm über weite Strecken der Partie einfach nur zum Aufgeben zumute war, zumal er hoffte, seinen Schnellzug in Stuttgart noch rechtzeitig zu erreichen. Aber er spielte weiter, solange er noch lebte, und just als Schwarz sich anschickte, seine Dame mittels Umwandlung des b-Bauern zurückzuholen, passierte es: er machte den 63. Zug vor dem 62. und Nicolas konnte die umgewandelte Dame mit Schach schlagen. Alles hielt den Atem an. Die Stellung war immer noch Remis, doch Nicolas‘ Gegner wollte es nicht wahrhaben, spielte weiter und stand bald mit bloßem Turm gegen die weiße Dame. Es dauerte bis zum 120. Zug, bis Nicolas die theoretische Philidor-Gewinnstellung verwertet hatte, da war der Kampf natürlich längst entschieden. 6,5 zu 1,5 in der Endabrechnung und vor allem Nicolas konnte sein Glück kaum fassen.

Das zweite Auswärtsspiel bei Stuttgart II bestritten wir ebenfalls nur zu siebt. Wer sollte uns noch schlagen? Ein platter Reifen, eine verpasste Ausfahrt… da gab es noch unzählige Möglichkeiten. Ohne Thommy machten die anderen ihre Sache aber recht gut und gewannen am Ende deutlich mit 5,5, wobei kein Brett verloren ging. Noch mal gut gegangen, aber wie lange noch?

In Runde 5 gegen Schönaich II (auch hier fehlt der Bericht – bitte nachholen – danke) bekamen unsere beiden Spitzenbretter Philipp und Thilo die volle Macht des Schönaicher Duos Kölle/Richter zu spüren. Ab Brett 3 machten wir es dann aber besser und ließen nichts anbrennen – wieder ein klares 5,5 zu 2,5. „Jetzt schaffen wir’s“, war auch ich mir nach dem Spiel sicher. Die Verfolger hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits gegenseitig Punkte weggenommen und würden dies im Idealfall noch weiter tun, während wir in den Runde 6 und 7 mit Nürtingen bzw. Ulm vergleichsweise machbare Aufgaben hatten. Als beide Mannschaften ihre Spiele gegen uns absagten und uns die Punkte kampflos überließen, waren wir nicht mehr nur auf Kurs, sondern eigentlich schon durch, zumal Bebenhausen im Nachholspiel gegen Schönaich II nicht über ein 4-4 hinausgekommen war. Wie gesagt, „eigentlich“. Die Tabellenkonstellation nach 7 von 9 Runden war 1. Heilbronn (14 Mannschaftspunkte), 2. Bebenhausen (11), 3. Deizisau II (11). Wir mussten in Runde 8 nach Bebenhausen, Deizisau zum Schlusslicht Ulm. Ein 4-4 würde also angesichts der schlechten Deizisauer Brettpunkt-Ausbeute schon fast sicher zur vorzeitigen Meisterschaft reichen, und außerdem war ja da als letzter Rettungsanker noch das Schlussrundenspiel gegen Schmiden, während die beiden Verfolger in Runde 9 gegeneinander würden antreten müssen. Was sollte da noch passieren?

Für das vorentscheidende Spiel in Bebenhausen hatten wir zum ersten Mal seit unserem Erstrundensieg gegen Deizisau unsere acht Stamm-Gefährten versammelt – bis zwei Tage vor dem Spiel… Dank Ramin, der sich einmal mehr spontan dazu bereit erklärt hatte, auszuhelfen, waren wir an jenem Sonntagmorgen dennoch bis an die Zähne bewaffnet, mit acht starken Spielern, zu diesem wichtigsten (Auswärts-)Spiel der Vereinsgesch… moment mal, acht? Bei einem Auswärtsspiel? Weit gefehlt. Um Punkt 10 Uhr befanden sich nur zwei unserer Spieler im Herzen der Tübinger Altstadt: Ramin und Niko, der aus der Schweiz angereist war. Der Rest befand sich noch auf der A81 bei Stuttgart, nachdem er etwa eine dreiviertel Stunde in einer Vollsperrung vor dem Engelberg-Tunnel gesteckt hatte. „Die Fahrt nach Tübingen ist kein Zuckerschlecken“ hatte Enis zuvor in einer Rundmail gewarnt. „Unterschätzt sie nicht und plant bitte alle genug Puffer ein. Die Strecke ist sehr stauanfällig, es gibt Blitzer, Einbahnstraßen und die Parkplatzsituation rund um das Spiellokal ist katastrophal…“.

Natürlich hatte er Recht. Aus eigener, berufsbedingter Pendel-Erfahrung weiß ich, dass der Spitzname „Staugart“, den die teils bis heute stationierten US-Truppen der Landeshauptstadt einst gaben, keine Übertreibung ist. Zu Stoßzeiten sind die Minen von Moria ein Kinderspiel dagegen. Enis sagte mir mal, dass er die Trilogie nie gesehen habe. Kaum zu glauben, wenn man sich Boromirs Worte aus dem ersten Teil The Fellowship of the Ring vor Augen führt: „One does not simply walk into Mordor. Its black gates are guarded by more than just orcs. There is evil there that does not sleep. The great eye is ever watchful.”

Bebenhausen… Mordor… das Böse…

Plötzlich ergab alles einen Sinn. Neben den hart umkämpften Oberliga-Begegungen der letzten Jahre hatten wir mehrere Schlachten gegen Bebenhausen vor dem Verbandsschiedsgericht geschlagen; ihr Anführer, genannt Rudi der Bräune, befand sich seit geraumer Zeit in einem Schwarze-Magie-Duell mit unserem Anführer Enis (man könnte auch sagen, sie hatten „ordentlich Beef“, aber das passt nicht so schön ins Bild). „Rudi hat nen LKW gerammt“, schrieb einer unserer Hobbits mit einer gehörigen Portion Galgenhumor in den Vereinschat. Wie bitte? War es gar am Ende gar möglich, dass Rudi der Bräune selbst die Sperrung des Tunnels verursacht hatte, um uns vom Spielen abzuhalten…? Im Film zumindest bringt der Zauberer Saruman aus der Ferne einen schneebedeckten Berg zum Einsturz, den die Gemeinschaft verzweifelt zu überqueren versucht… Ganz auszuschließen war es nicht.

Wie dem auch sei, es hatte wohl keiner der Gefährten mehr ernsthaft damit gerechnet, an jenem Sonntag überhaupt noch zum Spiel nach Tübingen zu kommen. Und wenn, dann natürlich nicht innerhalb der Karenzzeit. Die Bebenhausener würden das kampflose 8-0 (Niko und Ramin durften zu zweit ja nicht mal antreten) mit Kusshand nehmen, da sie ja selbst noch Chancen auf den Aufstieg hatten. Wir hingegen würden uns am grünen Tisch auf „höhere Gewalt“ berufen müssen, den insgesamt dritten Prozess vor dem Verbandsschiedsgericht gegen Bebenhausen anstrengen, und auf eine zügige Neuansetzung hoffen… aber vor Gericht und auf der Autobahn ist man ja bekanntlich in Gottes Hand.

Doch es kam anders. Von Bebenhausen kam die überraschende Zusage, dass man die Karenzzeit ignoriere, sofern diese nicht deutlich überschritten würde. Und so reiste die Gemeinschaft weiter gen Süden und kam doch tatsächlich kurz vor halb 11 im Spiellokal an – zwar mit gut 20 Minuten weniger auf der Uhr, aber sie durften zumindest spielen. Nur der achte im Bunde fehlte: Thilo. Einerseits war er ohnehin dafür bekannt, nicht immer ganz pünktlich zu erscheinen, andererseits wussten die sieben übrigen Gefährten nicht einmal, ob er denn überhaupt noch erscheinen würde. Und so vergingen die Minuten. Der Schiedsrichter machte mehrfach Anstalten, seinem Gegner den kampflosen Punkt zuzusprechen – doch Rudi der Bräune wollte warten, wollte spielen. Um kurz vor 11 Uhr stoppte der Unparteiische dann die Uhr, wir lagen mal wieder mit 0-1 hinten. Klar, war ja auch ein Auswärtsspiel, das hatte ja fast schon Tradition. Wer sollte uns jetzt noch schlagen? Ach, lassen wir das…

Zwei Minuten später stand Thilo in der Tür. „Zu spät“ hieß es da nur noch seitens des Schiedsrichters. Mit einem coolen Filmzitat à la Gandalf hätte er die Situation vielleicht noch retten können: „Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es für richtig hält.“ Aber das fiel ihm wohl in dem Moment nicht ein und so ergab er sich seinem Schicksal und reiste wieder ab.

Nach einem Dauerschach-Remis an Brett 1 besorgte unser Anführer Enis bald den Ausgleich mit seinem vierten Sieg in Folge. Philipp Huber sollte bald verlieren, an den restlichen Brettern stand es entweder ausgeglichen oder unklar. Wir würden dem kampflosen Punkt noch eine ganze Weile hinterherrennen, das zeichnete sich jetzt schon ab. Doch Ramin stellte bald die Weichen auf Sieg, Niko und Simon standen remislich. Richard hatte eine vorteilhafte, aber leider auch sehr scharfe Stellung, in der noch alles passieren konnte. Gerade als wir die Hoffnung hatten, wir könnten das Match am Ende sogar mit 4,5 zu 3,5 für uns entscheiden, überzog Richard die Stellung und lief in eine Mattdrohung, aus der es kein Entrinnen gab. Das Match war vorbei, wir hatten 4,5 zu 3,5 verloren. Ein 4-4 hätte den Aufstieg schon perfekt gemacht, stattdessen hieß es jetzt Zittern und alle Augen auf die letzte Runde. Tabellenkonstellation nach der achten Runde: 1. Heilbronn (14 Mannschaftspunkte), 2. Bebenhausen (13), 3. Deizisau II (13).

The board is set, the pieces are moving. We come to it, at last, the great battle of our time. – Gandalf der Weiße

Die zentrale Endrunde sollte in Stuttgart stattfinden. Das ergab Sinn, denn die Schachfreunde II waren das einzige Team, für die es auch höchst-theoretisch-rein-hypothetisch um nichts mehr ging. Und gut für uns, denn so konnte ich den Kampf der Verfolger Bebenhausen – Deizisau II aus dem Augenwinkel mitverfolgen. Bei einem Sieg Deizisaus oder einem 4-4 würde uns ebenfalls ein 4-4 reichen. Nur verlieren durften wir natürlich nicht. Insgesamt war einiges an Spannung geboten: Drei Mannschaften konnten noch aufsteigen, ganze sechs noch absteigen – wenn man mal davon ausging, dass der achte Platz ein Abstiegsplatz wäre (das klärt sich erst noch, aber es sieht inzwischen wirklich nicht mehr danach aus). Dabei hatte Gmünd die schwierigste Aufgabe, denn sie mussten nicht nur gegen Ulm gewinnen, sondern das auch noch hoch, um Brettpunkte aufzuholen. Wenn ihnen das allerdings gelänge, könnte unser Gegner Schmiden Gefahr laufen, noch bis Platz 8 durchgereicht zu werden. Kurzum, es ging für sie noch um etwas und es war trotz massiver Aufstellungsprobleme während der Saison nicht auszuschließen, dass sie mit voller Kapelle antreten würden. Zwar durften sie ihr Brett 1, GM Shishkin, aufgrund der „Strohmannregelung“ nicht mehr einsetzen, und auch einige Ersatzkräfte hatten bereits dreimal ausgeholfen, doch war die eigentliche Schmidener Kernmannschaft von den Positionen 2 bis 9 wirklich nicht zu verachten. Also alle Hebel in Bewegung gesetzt und Petr aus den fernen Landen geholt, um ja nichts anbrennen zu lassen. Mit einem Schnitt von 2250 überboten wir den Rekord aus Runde 3 gegen Biberach (2238) nochmals und dieses Mal waren auch wirklich alle acht Gefährten vor der Runde – sogar fast eine halbe Stunde vor der Runde – anwesend, denn man hatte einen so großen Puffer eingeplant, dass es zur Not über die Landstraße nach Stuttgart gereicht hätte. „Da stehen wir ja jetzt noch ewig rum, bis es losgeht“, meinte Thilo zu mir, etwa 10 Minuten vor Spielbeginn.  Er sollte noch sehr viel länger rumstehen, und zwar bis 10:31 Uhr, aber das wussten zu diesem Zeitpunkt weder er noch ich. Stattdessen zuckte ich ordentlich zusammen, als ich die Schmidener Aufstellung vernahm: wie befürchtet Position 2-9, noch mit einem Fide-Meister an Brett 8! Doch bei Spielbeginn blieben drei Bretter leer. „Schmiden ist nur zu fünft“ sagte Philipp Wenninger zu mir. „Woher weißt Du das?“ fragte ich. „Rudi hat’s mir gesagt. Er hat den Schmidener Mannschaftsführer gefragt.“ Blitz und Donner! Erleichterung wollte sich breit machen, aber nein, das konnte nicht sein. Undenkbar. Sollten wir es nun wirklich so einfach schaffen, nachdem wir uns Wochen lang auf einen epischen Kampf eingestellt hatten? Noch drei Remisen und wir würden unsere Meisterschafts-Shirts überstreifen. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga wäre geschafft… Das Unvorstellbare wäre Wahrheit geworden. Vor 10 Jahren noch Landesliga, nächstes Jahr 2. Liga. Eigentlich aus eigener Kraft nicht zu schaffen. Und doch hatten wir es gesch… Aber halt. Es roch gewaltig nach faulem Zauber. Während Petr über seiner Grundstellung brütete und nicht allzu glücklich darüber schien, dass er gegen Bach, und nicht wie erwartet, gegen Holzhäuer spielen würde, ging ich im Kopf sämtliche Szenarien durch, was uns jetzt noch passieren könnte, und landete schließlich bei folgender Variante: Rudi der Bräune und der Schmidener Mannschaftsführer hatten einen dunklen Pakt geschlossen, um uns zu destabilisieren. Um kurz vor halb 11 würden die drei fehlenden Schmidener triumphierend einlaufen und uns den psychologischen Garaus machen (natürlich hätten alle Beteiligten vorher Enis‘ online-Training zum Thema „Psychologie im Schach“ auf Schwächen durchleuchtet). Schmiden würde uns ein 4-4 abtrotzen, Bebenhausen Deizisau schlagen und an unserer Stelle aufsteigen…

Kurz noch mal tief durchgeatmet und auf die Uhr geschaut. 10:28 Uhr. Der Oberschiedsrichter begab sich allmählich in Richtung der Bretter, an denen Petr, Thilo und Enis auf ihre Kontrahenten warteten. Noch ein Augenblick, dann wurde die Uhr abgeschaltet und das Ergebnis eingetragen. Petr war etwas ungläubig als ich zu ihm sagte: „Petr, you have won by forfeit. I’m so sorry you travelled all the way here for nothing.” Aber es war nicht umsonst gewesen, und das wusste auch er. 3-0 für uns. Was sollte da noch schief gehen?

Frodo und Sam im „Mount Doom“, dem Schicksalsberg im Lande Mordor, aus dessen Feuern der eine Ring erschaffen wurde, und in dessen Feuern er vernichtet werden muss, um das Böse ein für alle Mal zu besiegen. Frodo steht am Abgrund, der Berg droht, einzustürzen. „Destroy it!“ ruft Sam ihm zu. „Throw it into the fire! What are you waiting for?“

Immer noch im völligen Unglauben drehte ich eine Runde, um mir die übrigen Bretter, die in diesem Augenblick unsere Welt bedeuteten, in Augenschein zu nehmen. Philipp Huber hatte einen Bauern für die Initiative geopfert. Hm, okay. Niko ging die Partie wie immer positionell-gemächlich an. Gut. Thommy wollte im Zentrum wildes Gegenspiel kreieren, keine Ahnung, ob das funktionieren würde. Naja, egal, ich war sowieso zu nervös zum Zuschauen, also brach ich meine Runde ab und blitzte erstmal mit Tobi Peng, der wie Daniel, Adrian, Ramin, Patrick und Nikos Freundin Steffi extra angereist war, um die Gemeinschaft zu unterstützen. „Thommy steht schlecht“ hieß es bald, ich glaube von Daniel. „Philipp auch.“ – „Philipp Huber meinst Du?“ – „Nee, Philipp Wenninger.“ – „Hä, was, der stand doch gerade noch gut?!“ – „Ja, hat glaub‘ nen Fehler gemacht.“ – „Bist Du Dir sicher, dass Du nicht Philipp Huber meinst? Der hat doch ‘nen Bauern weniger“ – „Ja, der steht auch schlecht.“

In meinem Kopf stand es bereits 3 zu 3. Tobi Peng verspürte wohl dasselbe wie ich und hielt die Hände vors Gesicht. „Das darf doch alles nicht wahr sein…“. Wir trauten uns kaum, in den Spielsaal zurückzukehren. Stattdessen kam Philipp Wenninger rein. „Ich bin fertig. Remis.“ – „Hä, was, wie? Gerade hieß es noch, du standest schlecht?!“ – „Ich stand richtig scheiße!“ lacht er lauthals. Der Typ hat keine Nerven.

Immerhin trauten wir uns jetzt wieder in den Spielsaal. Simon stand optisch gut, Niko bequem ausgeglichen. Die Stellungen von Thommy und Philipp bereiteten weiter Sorgen, aber zwei Remisen würden ja definitiv reichen. Dann plötzlich überschlugen sich die Ereignisse: Thommy und sein Gegner reichten sich die Hand. „Was ist los?“ – „Remis.“ sagte Thommy ganz cool. „What?!“. Die Stellung des gegnerischen Läuferpaars auf Thommys Königsstellung sah zumindest in meinen Augen ziemlich einschüchternd aus, aber Thommy argumentierte alles weg. „Kann ich alles verteidigen“. Schön anzusehen war es trotzdem nicht. Aber das war das 4 zu 1, bei noch drei laufenden Partien. Was sollte jetzt noch schiefgehen? Enis rannte zu Simon und machte eine „Nimm an!“-Geste, wenn es so etwas gibt. Offensichtlich hatte Simon ein Remis-Angebot vorliegen. Er brauchte nur noch die Hand auszustrecken um den Aufstieg unter Dach und Fach zu bringen. Doch Simon zögerte. Seine Stellung gefiel ihm eigentlich sehr gut. Nur zu gerne würde er sie weiterspielen.

Frodo zieht den Ring aus seiner Westentasche und betrachtet ihn sorgfältig, während um ihn herum das Feuer wütet und die Funken sprühen. Er weiß, was zu tun ist. Er muss nur noch die Hand ausstrecken und den Ring in die ewigen Feuer fallen lassen. Doch er zögert. Eigentlich gefällt ihm der Ring sehr gut. Nur zu gerne würde er ihn behalten… Die Macht des Rings ergreift Besitz von ihm. „It is mine!“ ruft er Sam zu und streift den Ring über seinen Finger. „Noooooooooooooooooooooooo…!“ entfährt es Sam, doch es ist zu spät.

Simon zögert noch immer. Ein ums andere Mal wechselt sein Blick zwischen Brett und Uhr. Die Bedenkzeit könnte ihm zum Verhängnis werden, trotz guter Stellung, das weiß er. Dann der Blick auf die Terrasse, wo gerade alle ihre Stoßgebete sprechen. Wieder zurück aufs Brett. Es ist sein Geburtstag. Mit einem Sieg könnte er sich selbst das größte Geschenk machen. „It is a gift…“ hatte ihm das nicht erst vor kurzem jemand gesagt? Ach nein, das war im Film. Ein-zwei weitere Minuten folgen, die uns vorkommen wie ein ganzes Zeitalter. Und dann plötzlich streckt er die Hand aus und nimmt an. 4 ½. Es ist getan.

Zwar explodiert kein Berg und es kommen auch keine Adler, um uns aus den Lavaströmen zu befreien. Und auch der Himmel öffnet sich nicht, um unseren Triumph mit Blitz und Donner zu untermalen. Aber innerlich kommt alles auf einmal. Wer einmal am Ende eines langen „Quests“ einen Sieg errungen hat, für den er immer und immer wieder geschwitzt, geackert, geschuftet, gekämpft, gezittert, gelitten, gebangt und geblutet hat, weiß, wovon ich spreche. Bei Enis sehe ich die Tränen kommen. Harte Schale und so weiter.

Klar, von außen betrachtet hätte man vor dem Spiel gegen Schmiden sagen können: „Heilbronn ist ja eh schon durch“, erst recht dann nach der 3-0 Führung. Oder man hätte vor dem Spiel gegen Bebenhausen sagen können: „3 Punkte Vorsprung, da kann beim besten Willen nichts mehr passieren.“ Man hätte auch vor der Saison sagen können: „Heilbronn steigt sicher auf, es gibt ja keinen wirklichen Konkurrenten“, und ich weiß auch, dass einige Leute das gedacht, und sich nach unserem guten Start auch bestätigt gesehen haben.

Aber der Punkt ist, man muss es halt erst noch machen. So wie Geld allein beim Fußball keine Tore schießt, bringt halt auch eine hohe Elo auf dem Papier allein nichts ein, wenn man sie nicht aufs (oder in mehreren Fällen nicht mal ans) Brett bringt. Und wer nun sagt, „Naja, selbst das Liga-Orakel hatte Euch doch zwischenzeitlich eine Aufstiegswahrscheinlichkeit von rund 95% bescheinigt…“ den frage ich, was uns das Liga-Orakel wohl zu Beginn der Saison 2013/14 für eine Wahrscheinlichkeit dafür ausgespuckt hätte, in der Saison 2022/23 in der 2. Bundesliga zu spielen? „It cannot be done“ hätte es wohl gesagt, wenn es bereits existiert hätte. „And yet it is done“, können wir dem heute entgegnen.

Wahrscheinlichkeiten können trügerisch sein, vor allem wenn Menschen im Spiel sind. Denn letztlich geht es doch viel mehr um die Frage des Willens, des Teamgeists, des Zusammenhalts, des gesunden Mannschaftsgefüges, der Identifikation mit dem Verein, der Disziplin, des Fokussiert-Seins, des Anderen-den-Vortritt-Lassens, des Sich-einem-gemeinsamen-Ziel-Verschreibens als es von außen den Anschein haben mag. Und so gut wir alle diese Dinge über die Jahre gemeistert haben, waren sie am Ende paradoxerweise doch das Zünglein an der Waage, an dem wir hätten scheitern können.

Unser Endgegner war nicht Schwäbisch Hall. Es war auch nicht Schmiden oder Deizisau oder Bebenhausen (die sich ohnehin im entscheidenden Moment so viel fairer verhalten hatten, als wir es ihnen je zugetraut hätten). Unser Endgegner waren letzten Endes wir selbst. In einem enormen Kraftakt hatten wir den einen Ring bis ins tiefste Herz von Mordor getragen, aber das Hineinwerfen stand noch einmal auf einem ganz anderen Blatt. Für diese schwierigste aller Aufgaben mussten wir keinen Gegner, sondern uns selbst überwinden. Womöglich war dabei entscheidend, dass wir genau dies frühzeitig (oder auch „grad noch rechtzeitig“, das ist wohl eine Sache der Interpretation) begriffen hatten. Und so waren wir am Ende siegreich.

Doch anders als bei Der Herr der Ringe sind wir nicht am Ende aller Dinge angelangt, sondern nur am Ende eines Abschnitts unserer langen Reise. Sie wird weitergehen und neue Abenteuer für uns bereithalten. Und nicht nur für uns. Vielleicht werden zukünftige Generationen die Geschichte des Vereins irgendwann auf eine ganz andere Art und Weise weiterschreiben, wenn der Glanz dieser Tage verblasst ist. „Don’t adventures ever have an end?“ fragt Bilbo und gibt sich sogleich selbst die Antwort: „I suppose not. Someone always has to carry on the story.“

Sollten sie also jemals auf diesen Beitrag stoßen, so hoffe ich, dass sie sich davon dazu inspiriert fühlen werden, sich auf ihre eigenen schachlichen Abenteuer zu begeben und als Teil einer Gemeinschaft ihre eigenen großen Taten zu vollbringen.

May it be a light to you.

Da ist der Ring… äääääh das Ding!

Die Gefährten des Aufstiegs

Unser Anführer Enis mit der Urkunde, die unseren Aufstieg amtlich macht – rechts Staffelleiter Florian Siegle

Ich bin nicht mal drauf…

…durfte die begehrte Trophäe aber trotzdem anfassen…

…und sogar mit nach Hause nehmen – Danke nochmal an Phil fürs Einladen!

Erste Feierlichkeiten auf der Stuttgarter Karlshöhe

Vordere Reihe von links nach rechts: Philipp Huber, Patrick Wenninger, Julian Bissbort, Ramin Geshnizjani, Adrian Kohlmann, Daniel Schäfer                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 Hintere Reihe von links nach rechts: Nikolas Pogan, Thomas Tschlatscher, Petr Timagin, Tobias Peng, Philipp Wenninger, Enis Zuferi, Simon Degenhard                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Es fehlen (in alphabetischer Reihenfolge): Christian Biefel, Nicolas Blum, Severin Bühler, Richard Dudek, Carole Forestier, Benjamin Häusinger, Thomas Heerd, Nhi Huynh, Dmitry Ignatov, Thilo Kabisch, Kim-Luca Lahouel, Steffen Mages, Jürgen Menschner, Marcel Mikeler, Jewgeni Pogorelow, Tobias Schmidt, Eberhard Schulze, Ulrich Schulze, Sascha Seiler,  Robin Stürmer, Adam Szabo, Simon Weißbeck, Christian Wolbert

Und zum guten Schluss noch die Endtabelle der Oberliga-Saison 2021/22 zum Ausdrucken und sich-übers-Bett-Hängen

 

 

 


Kommentare

Es ist getan — 1 Kommentar

  1. Toll geschrieben, faszinierend :))
    Glückwunsch an die gesamte Mannschaft!!
    Macht weiter so, let the show go on.

    Bis bald am 23.07. 🙂

    Ole

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