Gmündet nicht jeder kleine Fluss ins große Meer?

Endlich ist dieses Jahr vorbei. Eine Reihe persönlicher, individueller Enttäuschungen gepaart mit wenigen mannschaftlichen Misserfolgen lässt zumindest mir nicht zu, dieses Jahr in besonders guter Erinnerung zu behalten. Dabei fing eigentlich alles gut für mich an: am 1. Februar 2019 hatte ich eine Elo von 2372 aufzuweisen und nachdem ich in der Vergangenheit mehr als ein Mal mehr oder weniger um eine IM-Norm betrogen wurde, schien der Weg dafür geebnet, 2020 oder spätestens 2021 den durchaus mächtigen IM-Titel tragen zu können.

Dann passierten einige unliebsame Dinge: erst vergeigte ich eine immens wichtige Partie an Brett 1 im Deutschen Pokal, sodass wir mit 1,5:2,5 gegen Regensburg rausflogen. In der Oberliga mussten wir uns trotz einer an sich unglaublichen Siegesserie von fünf Mannschaftskämpfen den Stuttgartern Schachfreunden im Fernduell geschlagen geben. Negativer Höhepunkt war dann wohl der Bodensee-Cup mit unsäglichen 0 aus 3. Zwar rehabilitierte ich mich leicht mit einem Sieg gegen GM Ikonnikov bei den Stuttgarter Stadtmeisterschaften, aber seit Juni bewege ich mich um die 2300 Elo herum, was durchaus nervig ist, denn so einfach geht es nicht hoch und schon gar nicht auf 2400.

Natürlich war nicht alles schlecht. Ein zweiter Platz in der Oberliga ist trotzdem sehr gut, wir wurden bei der dritten Auflage der württembergischen Schnellschachmannschaftsmeisterschaften erstmal Meister, wobei wir den Titelträgern vom SC Weiler ein Schnippchen schlagen konnten. Außerdem war die Zweite erstmals in die Verbandsliga Nord aufgestiegen. Obwohl wir nicht die perfekte Saison spielten, können wir behaupten, eine gewisse Vormachtstellung im Schachverband zu haben. Egal ob normaler Spielbetrieb, Pokal, Blitz, Schnellschach, Einzel oder im Team, Jugend oder Senioren, auf uns wird man immer treffen und wir sind nicht einfach zu schlagen.

Trotzdem freue ich mich auf die kleine „schachfreie“ Zeit. Ein Wochenende ohne Schach, dann folgt das Böblinger Open, woraufhin ich nach dem Jahreswechsel…mal gar nichts spiele, sondern mich zurücklehnen kann. In Böblingen werde ich sowieso nur trollen, das zähle ich mal nicht als Anstrengung. Und ich muss bis zum nächsten Oberliga-Spiel am 19. Januar nichts organisieren…hach, wie herrlich.

Es sei mir mal gegönnt, hätte ich doch fast für eine Katastrophe am 14. Dezember gesorgt. Nun, im September trug ich alle wichtigen Schachtermine in meinen Kalender ein, darunter auch die Spiele der Jugendbundesliga Süd. Mein Kalender sagte: Heimspiel gegen Kornwestheim. Ich schwöre, ich habe nichts getrunken, aber eine Woche davor hatte ich „Auswärtsspiel in Kornwestheim“ im Kopf. Schnell alle Spieler und Fahrer organisiert, stand die gesamte Planung bereits am Sonntag, dem 8. Dezember. Da konnte ich mir selbst auf die Schulter klopfen, ein vorbildlicher Mannschaftsführer. Nur irgendwann fühlte sich die Hand auf meiner Schulter anders an, bildlich gesprochen war es Daniels Hand, welche mich daran erinnerte, dass wir doch ein Heimspiel hatten. Ok, ich muss zugeben, dass es extrem witzig gewesen wäre, wenn wir nach Kornwestheim gefahren wären, während unsere Gegner verwirrt vor dem Robert-Mayer-Gymnasium gestanden hätten. Ich meine, ich wäre dann wahrscheinlich „gefeuert“ worden (ich werde nicht bezahlt, also nur bis zu einem bestimmten Grad „feuern“), aber jeder muss mal lachen.

Schlussendlich löste sich die gesamte Verwirrung auf und wir konnten das Heimspiel normal antreten. Kornwestheim muss schon fast Angst vor uns haben: bei der Schnellschachmeisterschaft 0:4, in der 1. Runde der Verbandsliga revanchierte sich die Zweite für die letzte Landesliga-Niederlage, im Unterländer Blitz wurden wir tatsächlich besiegt, blieben aber dennoch Meister und stellen gar drei Mannschaften bei den Württembergischen Blitzmannschaftsmeisterschaften, welche wir ausrichten werden.
Jedoch war Angst genauso förderlich wie die Existenz von Moskitos auf diesem Planeten. Gerade Moskitos können dezent sterben gehen, schade, dass Elon Musk keine Flammenwerfer mehr verkauft, sonst würde ich den Kreuzzug gegen diese Biester persönlich anführen. Nun…

Kornwestheim stand in der Jugendbundesliga Süd trotz eigentlich (schon wieder dieses Wort) starker Mannschaft mit dem Rücken zur Wand. Alle drei Spiele gingen verloren, Karlsruhe I deklassierte die Kornwestheimer gar mit 5,5:0,5. Nun, unser Team ist jetzt wirklich nicht so stark, aber irgendwie schafften wir vor ein paar Monaten ein 3:3 gegen Karlsruhe I.
Das passt definitiv nicht so ganz, Kornwestheim müsste schon gegen uns gewinnen, um aus dem Abstiegsstrudel herauszukommen. Bei einer Niederlage wäre wahrscheinlich die letzte Runde gegen Bebenhausen entscheidend und darauf würde ich persönlich es nicht ankommen lassen, ansonsten steigt man noch irgendwie am grünen Tisch ab, abgesehen davon, dass Bebenhausen eine gute Mannschaft hat.
Wir hingegen brachten keine gute Mannschaft an die Bretter, sondern die beste Mannschaft. Simon Degenhard köderte ich mit dem vermeintlichen Auswärtsspiel und Weiß an Brett 1 und als die Zusage fest war, konnte er sich am Freitag nicht mehr herausreden und musste halt mit Schwarz an 1 spielen. Ich muss zugeben: die „falsche Planung“ war ein diabolischer Plan von mir, Simon zum Spielen zu bewegen. Für einen Sieg würde ich echt alles tun, auch meine eigenen Leute verarschen muahahahaha.
An 6 spielte Leonard Sawadski anstatt seines Zwillingsbruders, was ja auch egal war, denn beide sehen absolut gleich aus. Falls einer von beiden dem anderen bezüglich der Spielstärke davonziehen würde, könnte ja der schwächere Bruder einfach den stärkeren spielen lassen. Merkt eh keiner, da bin ich mir 100% sicher. Im Italiener holte Leonard wie schon gegen Biberach den Läufer auf c5 ab und startete dann erneut eine Initiative am Königsflügel, dieses Mal war sein Gegner etwas fahrlässig, was von Leonard konsequent bestraft wurde. Irgendwie dauerte die Partie trotzdem noch vierzig Züge nach einem entscheidenden Bauerngewinn, aber ich hab mir die Partie noch nicht wirklich angeschaut, also kann ich seine Spielweise noch nicht in der Luft zerreißen.

Italienisch war scheinbar angesagt am Spieltag. Auch an Brett 2 eröffnete Kim-Luca Lahouel italienisch. Nachdem ich diverse Tricks für Schwarz gegen das Evans-Gambit zeigte, habe ich Kim-Luca wohl erfolgreich aus dem Evans-Lager gemobbt. Julian, du bist als Nächstes dran.
Leider machte Kim-Luca gerade das Grundlegende falsch, er vergaß den subtilen, jedoch essentiellen Rückzug Lc4-b3 und nach anschließendem …Sc6-a5 von Schwarz folgte eine komplette Annihilation des Zentrums, sodass die Partie schnell ins Remis abflachte.
An Brett 5 dachte sich Lukas Dietzel wohl „hey was Kim-Luca macht, mache ich auch, er hat ja schließlich 2000 DWZ, er muss richtig liegen“, mit Schwarz zog er im Italiener seinen Läufer nach g4 raus und tauschte ihn gegen den Springer auf f3 ab. Schade, dass Lukas so gedacht hat. Dank der Herrschaft des weißen weißfeldrigen Läufers konnte sich der Kornwestheimer schnell auf f7 bedienen. Lukas‘ Reaktion war „yolo“, er ließ seinen Damenflügel im Stich, Weiß wilderte dort herum wie die Brasilianer im Amazonas, aber glücklicherweise war Lukas konsequenter bei der Bestrafung als die Supermächte der Welt. Während der brasilianische Präsident Bolsonaro mit allem davonzukommen scheint, nutzte Lukas die abgelenkten weißen Figuren am Damenflügel dazu, einen erfolgreichen Königsangriff zu starten. Eine wichtige Grundregel des dynamischen Spiels: greif mit allen Figuren an, die angreifen können und benutze den Rest zur Ablenkung des Gegners. Ich glaube nicht, dass Lukas das bewusst gemacht hat, aber ich bin trotzdem stolz.

Severins Partie hatte wenig Aufregendes an sich, er könnte sie höchstens als Medikament zum Einschlafen anmelden, so wenig war in einem Stonewall-Holländer los.
Simon Degenhard und Danny Yi spielten irgendetwas im Sizilianer und weil sie beide ungefähr eine Spielstärke von 2200 haben, glaubten sie wohl, dass das gegnerische Spiel total sinnvoll und logisch ist, also machten sie auch Remis.
Daniel gewann einfach, wenn er mir seine Partie geschickt hätte, würde ich sicher etwas finden, um ihn bloßzustellen, aber leider ist das noch nicht passiert.

Kornwestheim durfte mit einem 1,5:4,5 wieder nach Hause fahren und befindet sich jetzt ganz tief im Abstiegsstrudel. Es ist so schlimm, dass sie es wahrscheinlich gar nicht mehr aus eigener Kraft schaffen können, denn sie haben schon gegen Karlsruhe II verloren, welche gerade den Platz vor dem ersten Abstiegsplatz belegen.
Aber vielleicht will mal wieder keiner aus Baden aufsteigen, dann gibt es nur einen Absteiger und wir können uns alle freuen. Wobei, selbst dann müsste Kornwestheim gegen Viernheim gewinnen.
Und wir? Naja, wir bleiben „best of the rest“. Gegen Karlsruhe, OSG „wir haben Geld“ und SK Rudi ist in der Jugendbundesliga aktuell wohl nichts zu machen.
1. Jugendmannschaft

Eine Liebesgeschichte könnte sich zwischen dem SV Gaildorf/Fichtenberg und unserer Dritten entwickeln. 2017/18 sind beide in die Bezirksliga aufgestiegen, in der letzten Saison lief bei beiden Teams nichts und so trifft man sich in der Kreisklasse wieder. Den direkten Vergleich führten die Gegner mit einem Sieg und einem 4:4 an. Das musste ja besser werden. An dieser Stelle möchte ich Levent Balkan danken, welcher mir und anderen Leuten einige Bilder von der Gaildorfer Umgebung schickte, als er zum Spiel fuhr. So konnte ich definitiv besser mit der Dritten mitfiebern.

War ein Witz, war mir völlig egal, ich musste selbst spielen.
Nun, weil der SV Ivanchuk und HN-Biberach II den anderen davonrennen, kommt es wohl auch in der kommenden Saison zu einem Aufeinandertreffen der beiden Teams, aber aktuell hat die Dritte die Bilanz wieder ausgeglichen. Ein 6:2-Sieg spricht für sich. Es gewannen Daniel Schäfer, Ole Wartlick, Levent Balkan, Michael Eberhard und Lukas Dietzel. Remisen kamen von Uwe Bäuerle und Stephan Dietrich. Schön gemacht.
3. Mannschaft

Das wegweisende Heimspiel gegen Schwäbisch Gmünd bereitete ich wie sonst auch gewissenhaft vor. Ich verbesserte die Variante meiner Vorjahrespartie gegen GM Velicka, wiederholte die Varianten mehrmals am Tag und ging früh schlafen. Auch gegen Kristyna Petrova bereitete ich mich vor.
Nein, das tat ich nicht, zumindest das mit dem „früh schlafen“ nicht. Abends ging es erstmal auf den Weihnachtsmarkt und anschließend war bis fast 2 Uhr Abtanzen zu Hardstyle angesagt. Zu viel Schlaf ist auch nicht gesund. Scheinbar war Jens Hirneise beim gleichen Event wie ich, jetzt muss er nur noch zu uns wechseln, dann können wir öfters gemeinsam am Vorabend eines Spiels zusammen feiern. Ich frage ihn mal, ob er sich das vorstellen kann.
Völlig ausgeruht und wohlgenährt machte ich mich auf dem Weg ins geliebte ver.di-Jugendheim. Auf dem Weg dahin traf ich auf eine polizeiliche Straßensperre aufgrund eines leichten Unfalls. Als ob die Leute Sonntag morgens nichts anderes zu tun hätten als Unfälle zu bauen. Geht lieber feiern und schlaft dann aus! Und wichtig: fangt nie mit Schach an.

Aufbauen durfte ich wie immer fast alleine, immerhin half mir Arno Reindl von den Gegnern. Vielleicht sollte der auch noch zu uns wechseln, damit ich jemanden für den Aufbau sonntags habe. Nächstes Mal rolle ich für meine Teamkollegen den roten Teppich aus, denn wenn sie kommen, ist eh schon alles fertig aufgebaut. Danke dafür.
Sdiss.

Mit dem Gmünder Schreck Robin und dem hochmotivierten Patrick ging es an die Bretter. Wie erwartet spielte nur einer der beiden Tschechen vorne (Jurek spielt eh immer), ich hatte im dritten Jahr in Folge mit GM Velicka das Vergnügen. Ansonsten brachten unsere Gegner die wie erwartet die von Nummer 3 bis 9 gemeldeten Spieler. Gerade an den hinteren Brettern sollten wir damit überlegen sein. Konnte das in einen Sieg gmünden?
Ok, genug schlechte Wortspiele.
Es fing gut an, wobei fast wie erwartet. Robin spielte gewohnt inkorrekt in einer merkwürdigen Eröffnung, sein Gegner wusste nicht ganz so recht, wo der Gewinn ist, immerhin kam er gefühlt fünf Mal nach der Partie zu mir und sagte „Enis, da ist der Gewinn!“. Schade war’s. Hinterher ist man immer schlauer yada yada yada
Der zweite Streich folgte bald, was auch wichtig für meinen kleinen Tobias Schmidt war, der war sich nämlich unsicher, ob er in seiner +1-Stellung, offensichtlich besser ohne Risiko, ein Remis annehmen sollte. Ganz im Tandem-Stil ließ Tobias die Zeit herunterlaufen und ich beobachtete die Bretter. Da spielte der Gegner von Thomas Tschlatscher (in dieser Saison erstmalig mit Weiß spielend) im höheren Sinne den Verlustzug und wir machten schnell noch einmal 1,5 Punkte klar – Tobias willigte ins Remis ein und Thomas ließ mit seinem Mehrbauern im Turmendspiel nichts mehr anbrennen. 2,5:0,5.

Die Stellung von Richard Dudek gefiel mir persönlich zwischenzeitlich nicht so ganz. Wahrscheinlich hätte Andreas Hönick mit einem gut getimten f3-e4-Hebel die wacklige Stellung des schwarzen Ld5 sowie der Dame auf f6 betonen können, denn ein weißer Turm stand auf f1 und der Läufer, obwohl in zentraler Stellung, hatte nicht wirklich ein Rückzugsfeld. Jedoch machte der Weißspieler (in meinen Augen) keine natürlichen Züge mehr, da muss er sich wohl von Naturburschi Robin eine Scheibe abschneiden, der wäre sicher im Zentrum vorgeprescht. In der Folge gewann Richard gar einen Bauern, aber ein einsamer Landwirt hat noch aufgrund wiederkehrender Unterdrückung durch Feudalsystem und Kapitalismus nie in der Geschichte der Menschheit einen Unterschied ausgemacht, folglich gab es ein Remis, 3:1.

Nun, ich bin garantiert kein Bauer, sondern der King und als King versprach ich folgerichtig, beide Oberliga-Partien im Dezember zu gewinnen. Dazu experimentierte ich gleich mal in der Eröffnung und opferte mit Schwarz einen Bauern. Kollege, wenn du mit 1. Sf3 und 2. c4 gegen mich anfängst…das klappt nicht immer. Da hab ich schon eine ganze Oberliga-Saison voller Traumata hinter mir. Tobias und Simon Degenhard mochte meine Stellung nicht, aber was soll ich dazu sagen außer, dass ich an Brett 1 aufgestellt bin und die beiden irgendwo hinter mir. Mein Gegner fand nichts Konkretes, um seinen Mehrbauern in etwas Zählbares umzuwandeln, sah sich jedoch durch die langfristige Perspektive, den Bauern zu verlieren und danach eine schlechtere Bauernstruktur zu verteidigen, bedroht. So schloss er zu meiner Zeitnot auf und versuchte etwas Aktives, um mich zu besiegen, plötzlich hatte ich den Mehrbauern. Tatsächlich hatte ich ganz königlich seine vergeblichen Versuche, meinen König mattzusetzen, vorausgesehen, als ich ihn zum vermeintlich siegbringenden Durchbruch provozierte. Die unmittelbaren Drohungen waren abgewehrt, während sich mein Mehrbauer manifestierte und zum Sieg rennen wollte.


Auf diese Stellung baute mein Gegner. Ein genauer Verteidigungszug (nicht besonders schwer) und plötzlich muss Weiß schwitzen.


So weit, so gut. Quo vadis, Springer?


Fast geschafft. Welchen Gewinn verpasste ich, als beide Spieler nur noch vom Inkrement lebten?
Nun, in der letzten Stellung spielte ich leider nicht perfekt, also ließ ich den Großmeister mit einem Remis davonkommen. Mein Bauer auf c4 war halt kein Usain Bolt.
Schade um mein Geld, denn damit musste ich Tobias einen Döner ausgeben. Glücklicherweise lebt Kazuki Takahashi noch, also werde ich in nächster Zeit nicht verarmen.

Der Spielstand war damit 3,5:1,5, aber effektiv war alles klar: bei Simon Degenhard und Nikolas Pogan hatten nur unsere Spieler Gewinnchancen und bei Patrick Wenninger verstand wohl keiner der beiden direkt Beteiligten, was eigentlich abging. Eigentlich hätte Patrick die Partie verlieren müssen, denn im Mittelspiel stand er so schlecht…nun, es war Brett 8 in der Oberliga, weiter kommentiere ich das nicht. Das Turmendspiel wurde dafür von beiden Parteien umsichtig geführt, auch hier remis.

An Brett 3 dachte Simon, dass er Remis machen müsste, wenn sein Gegner seinen Läufer für den entfernten g-Freibauern opfert, aber Simon ist nur ein CM und weiß nicht, dass zwei Läufer gegen einen Springer theoretisch gewinnen. Laut Tablebase schaffen die Läufer es nicht in unter 50 Zügen, den Springer zu gewinnen, jedoch war bei Simon noch ein gegnerischer Bauer auf dem Brett, theoretisch stand Simon im Endspiel also immer auf Gewinn. Eine größtenteils sehr schön und genau geführte Partie, welche nun sicher als Beleg für GM Lankas „30 Züge-Regel“ im Sizilianer gilt. Ich bin mir sicher, dass Herr Lanka stolz auf Simon ist.

Da ich jetzt schon etwas älter bin, wächst die Anzahl meiner Gehirnzellen sicher nicht mehr an, also muss ich vorsichtig damit sein, welche schädlichen geistigen Ergüsse ich über mich ergehen lasse. Zu Nikos Endspiel an 4 wurde mir gesagt, dass das doch remis sei, an mehreren Stellen. Zuerst sah ich ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern bei Niko, wobei Schwarz sehr aktiv stand. Von den anderen hieß es „das gewinnt er sicher nicht mehr“, ich dachte mir nur „was?“. Dann opferte Niko korrekt einen Bauern, um sich einen entfernten, vom Turm unterstützten a-Freibauern zu machen und das große Rechnen ging los. Es würde zu einem Endspiel Turm vs. Bauer kommen. Hier wurde mir wieder eingebläut, dass das Remis sei und ich dachte mir nur „was?“. Nun, ich sah die Gewinnvariante nicht direkt, aber da der weiße König schon so nah am Geschehen war, schrie mich jede Zelle meines Körpers quasi an: „das muss gewonnen sein!“.
So kam es auch, Niko spielte das Endspiel perfekt runter. Vielleicht sollten manche Leute bei ihm Endspieltraining in Anspruch nehmen. Im Übrigen spielte Niko mal wieder am Längsten.
So wurde Schwäbisch Gmünd mit 6:2 besiegt und die Gäste dachten sich sicher nur „was?“, denn sie hatten sicher mehr erwartet, nachdem sie zwei Wochen zuvor 5:3 gegen Weiler gewannen.

Mehr Momente, in denen ich mir nur „was?“ dachte:
Nürtingen spielt zu siebt 4:4 gegen Deizisau II.
Böblingen spielt 4:4 gegen Schmiden, die wollen doch nicht aufsteigen, oder?
Schönaich II trat ohne die neu gemeldeten IMs an (was? Ist das wirklich Schönaich?), gewann aber 5,5:2,5 gegen Jedesheim (was?), welche nur zu sechst antraten (was?!?!). Ich meine, ok, wenn man eine Liga noch mehr verfälschen will, tritt man als Titelkandidat nur zu sechst an, mit drei Ersatzspielern aus der zweiten Reihe.
Weiler spielt 4:4 gegen Bebenhausen. So wie das aussieht, will nur eine Mannschaft aufsteigen und die heißt Schmiden/Cannstatt. Da kann das Liga-Orakel noch 420,69% Aufstiegswahrscheinlichkeit für Weiler berechnen, solange die nicht mit acht Söldnern auftreten, werden sie weiter Punkte lassen.

1. Mannschaft

Und so gmündet ein weiteres Jahr in das große Meer der Historie. Wie geht es mit uns weiter? Oder mit mir? Wer weiß das schon. Vielleicht erreichen wir das große Meer der Helden irgendwann, vielleicht vertrocknet unser Fluss aber auch und wir krepieren elendig. Schade, dass ich nicht in die Zukunft blicken kann.

Kommentare

Gmündet nicht jeder kleine Fluss ins große Meer? — 1 Kommentar

  1. Etwas mehr Selbstkritik wär nicht schlecht betrogen? na ja wahrscheinlich auch manchmal Glück gehabt