Integration von muslimischen Mitbürgern doch erfolgreich

Gleich mal vorneweg: Der Bericht vom vergangenen Oberliga-Spiel in Ulm ließ leider auf sich warten, aber nicht wegen des (wohl allseits bekannten) schlechten Ergebnisses, wie der offizielle SVW-Schreiber Harald Keilhack zu Unrecht vermutet, sondern weil uns Heilbronnern etwas bekannt ist, was heutzutage „real life“ heißt, d.h. Verpflichtungen im Leben, welche leider eine höhere Priorität haben als das Schreiben eines Spieltagsberichts innerhalb einer ehrenamtlichen Tätigkeit.
Wenn ich Geld bekommen würde, fünf Zeilen auf die Heilbronner Homepage zu setzen wie es bei der SVW-Homepage bezüglich der Oberliga passiert, würde ich das auch liebend gerne sofort erledigen, nur ist dem nicht so.
Kommen wir nun zum Wesentlichen.

Wir merkten schon an vielen Dingen, dass Weihnachten wirklich schnell kam. Der erste Schneefall war schon geschehen und zu allem Überfluss mussten wir nach Ulm fahren, wodurch wir noch „schneeanfälliger“ waren, Absagen der Spieler trudelten reihenweise ein, auch aus natürlichen Gründen wie Krankheiten, welche temperaturbedingt nun öfter auftraten, aber am Freitag vor dem Spiel, dem 8. Dezember, schienen wir tatsächlich eine Mannschaft zu haben und Kapitän Julian nutzte die Situation, um sich zu entspannen, jedenfalls nahm keiner den Hörer bei ihm zuhause ab, als ich ihn am Sonntag frühmorgens anrief.
Was, wieso musste ich Julian anrufen? Leider schien der Schnee nicht nur mit den Ulmer Straßen übel mitzuspielen, auch Steffen Mages kam nicht so recht vom Fleck aus seiner Haller Heimat. Leider kam er viel zu spät in die Gänge, sodass er etwas egoistisch entschied, gar nicht erst die Direktfahrt nach Ulm zu versuchen und Ersatz schien so kurzfristig nicht griffbereit zu sein. Ganz christlich und nächstenliebend verkündete ich dann nach gemütlicher Hinfahrt die für die Ulmer freudige Nachricht, ihr seht, ich bin viel mehr christlich gebildet, als ich es bei einem meiner letzten Berichte durchschienen ließ!

Neben den Absagen aufgrund von weihnachtlicher Beschäftigung, den winterlichen Krankheiten und meiner Nächstenliebe zeigte sich der Schneefall wieder, kurz nach „Anpfiff“ schüttete es weihnachtlich aus allen Rohren, Thomas Leykauf meinte noch: „Bis zur Rückfahrt ist das alles schon getaut!“, glauben wir ihm mal.

Das 0:1 aus unserer Sicht sollte nicht das einzige Geschenk aus meiner Hand sein, doch dazu später mehr.
Auch wenn wir ersatzgeschwächt waren, zeigte sich nach und nach, dass wir an den hinteren Brettern merklich überlegen waren. Patrick hatte einen respektablen Gegner im hohen Alter vor sich sitzen, welcher die Partie fast schon vorurteilshaft ruhig anlegte. Im Mittelspiel war jedoch Patrick der Einzige, welcher sinnvolle Dinge unternahm. Den Druck am Königsflügel in Kombination mit der immer knapper werdenden Zeit konnte der Senior nicht standhalten und Patrick besorgte souverän den Ausgleich.
An Brett 6 kam Thomas Tschlatscher nach Pause wieder zum Einsatz, viel mussten wir erwarten, auch wenn sein Gegner Rainer Wolf eine starke Saison spielt. Wie am letzten Brett gab es eher eine Eröffnung zum Einschlafen, Thomas merkt man sein fortgeschrittenes Alter schon an, so lässt er sich immer öfter auf „langweilige“ Varianten ein, ganz im Gegensatz zu früher. Weiß öffnete relativ schnell mit e3-e4 das Zentrum und nahm eine Isolanistellung in Kauf, in welcher Thomas einen hauchdünnen Vorteil hatte. Jedoch meldete sich sein Verdauungstrakt zu oft und er stellte ohne Not eine Qualität ein. So ähnelte seine Stellung eher einem Haufen Kot. In der Folge konnte Thomas seinen Gegner vor praktische Probleme stellen, welche unzureichend gelöst wurden, somit nahmen wir hier ein verdientes Remis mit, auch weil in der Endstellung mit Turm vs. Läufer + Bauer (mit paar Bauern für jede Seite) tatsächlich 0.00 angezeigt wurde.

Auch an Brett 5 kann ich nicht mit dem offiziellen SVW-Schreiber d’accord gehen; Robin merkte man schon an, dass er wochenlang von einer Lungenentzündung geplagt wurde, wo Schwarz jedoch eine „aussichtsreiche Angriffsstellung“ hatte, konnte ich weder live am Brett noch post mortem noch zuhause am PC sehen. Mag sein, dass Robin vor dem groben, finalen Fehler seines Gegners einen nicht minder schweren Fehler beging, aber so wie ich das sehe, spielte Robin bis zu diesem Fehlerduo sein Material gekonnt aus – immerhin hatte der weiße König mehr Bauernschutz vorzuweisen als sein stark pigmentierter Kollege.

Simon vernachlässigte an Brett 4 etwas den Schutz seines Königs – das Zentrum war zwar fest geschlossen, der Damenflügel jedoch volatil, sein Gegner, nebenbei bemerkt der Entwickler der weltberühmten Turniersoftware „Swiss Chess“, erblickte eine starke taktische Abwicklung, bei welcher seine Dame Simons König auf e8 gefährlich wurde, während die schwarze Dame unpassenderweise die weißen Damenflügelbauern ziemlich anziehend fand. Die Partie sah schon stark nach Verlust aus, im entscheidenden Moment griff Weiß jedoch fehl und zog seinen aktiven Springer von g5 nach h7 (sofortiges Rüberschwenken der weißen Dame nach h8 hätte wohl den Sieg gebracht, da der schwarze Königsflügel dann gefallen wäre). Getreu nach „Springer am Rand bringt Kummer und Schand“ fand Simon …Da2-b1!, was nicht nur den Springer angriff, sondern auch De4+ mit nervigem Gegenspiel drohte. Weiß hatte genug und gab lieber selbst Dauerschach.

Brett 3 sah eine der Lieblingsvarianten von Tobias Schmidt, sein Gegner spielte jedoch nicht nur die Eröffnung sehr gut, sondern behandelte auch die Stellung im Mittelspiel merklich besser. Pünktlich bis zum 40. Zug konnte Tobias jedoch die Stellung so kompliziert halten, dass Schwarz ins Schwimmen geriet. Erstmals gab es die Chance, als Weißer die Initiative zu übernehmen.


Hier hätte ein geschickter Königstanz ein paar Chancen gegeben: 45. Kh3! f4+ (zwar provoziert, aber was sonst?) 46. Kh2 und plötzlich hätte Schwarz wohl lieber einen f-Bauern weniger, da sie nur seine Diagonalen blockieren. Der weiße König wäre temporär sicher gewesen und Turm + Dame sind einfach stärker als Läufer + Dame.
Auch in der Partiefortsetzung stand Tobias keineswegs schlechter. Er konnte in ein dynamisch ausgeglichenes Endspiel mit Turm vs. Läufer + zwei Bauern abwickeln, welches bei richtigem Spiel tatsächlich Remis war. Einmal zu viel ließ er jedoch ein Schachgebot aus, spielte einen „stillen“ (zumindest keinen schachgebenden) Zug und verlor das Endspiel in der Zeitnot noch.

Da bei Ulrich wirklich sehr wenig los war, stelle ich meine Partie als letzte an, denn an Brett 1 gab es ein ziemlich blutleeres Remis, denn im Turmendspiel konnte Ulrich kein Wasser mehr aus dem Stein quetschen, aber mach dir nichts daraus Ulrich, nicht jeder schafft gegen einen FM ein Remis!

Stichwort FM; ich hatte meine erste Partie als frischgekaufter FM (zumindest bei der FIDE steht es), war aber, wie eingangs erwähnt, aufgrund von „real life“ kaum vorbereitet. Mein Gegner blitzte eine ziemlich tote (d.h. ausanalysierte) Variante herunter, welche ich schon beim GRENKE-Open 2016 auf dem Brett hatte, also konnte das schon mal keine Vorbereitung sein, weil ebenjene Partie aus Karlsruhe nicht in der Datenbank zu finden ist. Schon damals schnappte ich mir das Material und behielt Recht – ohne Computerwissen, Herr Keilhack, so nebenbei bemerkt – beim nachträglichen Check fand ich auch keinen Grund, das Material nicht zu nehmen. Zwar vergaß ich die Theorie wieder und musste daher etwas überlegen, aber auch hier wurde mir nicht die Widerlegung aufgetischt, weil sie einfach nicht existiert. Kurz vor Zug 30 musste Weiß auch noch eine Qualität geben, wodurch ich eine sehr glatte Mehrfigur hatte. Leider spielte ich ab Zug 36 nicht mehr die erste Wahl des Computers (Schande über mich – Sarkasmus), im 40. Zug stellte ich die Partie noch komplett ein mit Figureneinsteller (Schande über mich – jetzt wirklich), also noch mehr Geschenke für die Ulmer. Weiß schien jedoch sichtlich erleichtert zu sein und überlegte nicht viel, um ins Dauerschach zu gehen.

Jetzt ist natürlich die Frage, ob wir die verbleibenden vier Spiele überhaupt spielen müssen, denn wir scheinen nur 4:4 spielen zu können, egal, gegen wen. Ach ja, realistische Aufstiegschancen hatten wir schon vor diesem Unentschieden nicht, da Weiler ohne unseren Einfluss durchmarschieren könnte, ihr Sieg gegen Bebenhausen unterstreicht dies.
Verwunderlich ist nur noch, dass zu unserer Begegnung wieder fast nichts in den „Oberliga-Streiflichtern“ steht, aber ist ja nicht mein Geld, was dort investiert wird.

Die Senioren hätten am vergangenen Tag, dem 16. Dezember, eigentlich Dettingen/Erms empfangen müssen, jedoch traten die Gegner gar nicht an, was unseren Senioren ein positives Punktekonto beschert.

Kommentare

Integration von muslimischen Mitbürgern doch erfolgreich — 3 Kommentare

  1. Habe im 40ten Ta8 verpasst und nix mehr blutleer.Trotzdem glaube ich der FM (fast Meister) schaffte das Remis.Wenn bei Robin die Noztation stimmt war er nach Le5 statt Lc3 verloren.
    Deine Berichte lese ich immer wieder gern

  2. Sehr schoener Bericht. Auch ich kann die Einschätzungen und Kommentare des SVW Berichterstatters nicht wirklich teilen. Gefühlt waren wir Ulmer mit dem 4:4 gut bedient was z.B. die Partien an Brett 2 und 3 angeht. Was unsere Partie an Brett 2 betrifft hatte ich am Schluss zwar kurz ueber moegliche Fortsetzungen nachgedacht (z.B. Te3) aber die Kontermoeglichkeiten von Schwarz ueberschaetzt (und dann aus Angst vor einer potentiellen Niederlage lieber Dauerschach gegeben). Ist halt in der Nachanalyse (und mit Fritz) immmer sehr leicht zu sehen was einem am Brett sehr schwierig erscheint.

    Viele Gruesse aus Ulm

    Frank

    • Danke für den treffenden Kommentar!
      Ja, ehrlich gesagt hatte ich ganz am Ende auch gedacht „hm, Weiß kann Te3 versuchen, aber ich denke, ich komme schneller zum Dauerschach als ich Matt werde“. Die Computerbewertung ist da natürlich etwas desillusionierend, aber wohl richtig.

      Grüße zurück,
      Enis