Erdmannhäuser Erfolgsgeheimnis gelüftet!

Da die Verbandsliga wie alle anderen Ligen auch im Rundensystem gespielt wird, muss jede Mannschaft einmal nach Erdmannhausen (bzw. wird von Erdmannhausen besucht), um sich eine Tracht Prügel abzuholen mit dem wohl sicheren Aufsteiger in die Oberliga zu messen. In der heutigen 2. Runde traf es nun also uns. Da wir auswärts in Erdmannhausen antraten, hatten wir immerhin die Möglichkeit herauszufinden, weshalb unsere Gastgeber so viele Punkte machen – aber dazu später mehr.

Pünktlich um 10 Uhr fanden wir uns mit einer doch recht schlagkräftigen Truppe im Erdmannhäuser Rathaus ein – im Vergleich zur ersten Runde fehlten zwar Nicolas, Eberhard und Tobias; dafür konnten wir wieder auf unsere langjährigen Stammspieler Christian, Jürgen und Simon zurückgreifen, sodass Teamchef Julian uns vom achten Brett aus mit der Devise „Hauptsache Spaß haben“ in den Kampf gegen Goliath schicken konnte. Der Erdmannhäuser Mannschaftführer schien dies bei seiner Begrüßung jedoch etwas anders zu sehen – getreu seinen Worten „Heilbronn nehmen wir sehr ernst – ich denke, nach uns seid ihr die zweitstärkste Mannschaft der Liga“ (welche wir mit überraschten Gesichtern und einhelligem Kopfschütteln quittierten) hatte er mit den drei Fidemeistern Junesch, Gheng und Müller wohl seine stärkste Truppe aufgeboten.

Dem Kräfteverhältnis entsprechend steuerte der Mannschaftskampf dann auch zielsicher in Richtung „Klatsche“ – Adam hatte heute offenbar einen schlechten Tag erwischt und konnte nach einem frühen Fehler nur noch hilflos mitansehen, wie die gegnerischen Springer in seiner Stellung herumsprangen und letztendlich Material einsackten. Bei Christian lief es nicht viel besser: Irgendwie spielte er die Eröffnung etwas zu passiv und hatte wohl ein Loch zu viel in seiner Stellung – jedenfalls stand die schwarze Dame auf einmal auf d3 und drohte alles Mögliche: Auf c3 hing eine Figur, auf e2 drohte gar Matt und die Rochade war natürlich auch verhindert. Den sofortigen Zusammenbruch konnte Christian zwar gerade noch verhindern, auf Dauer wurde der schwarze Druck aber einfach zu stark.

Stand nach gut zwei Stunden also 0:2 und lediglich bei Simon war Vorteil in Sicht – alle anderen Bretter unklar bis leicht schlechter. Kurz vor der Zeitkontrolle keimte jedoch etwas Hoffnung auf: Mit Michael Hüttig hatte Julian einen Gegner mit offensichtlich ähnlichem Spielstil: Feuer traf auf Feuer, Opfer auf Opfer getreu dem Motto „Wer zuerst annimmt, verliert“. Letztendlich entschloss sich Julian zur rechten Zeit dazu, doch ein (diesmal Figuren-)Opfer anzunehmen und konnte diese spannende Partie für sich entscheiden. In den nächsten Tagen wird er sie wahrscheinlich kommentieren und hochladen – das Nachspielen lohnt sich!

Am Spitzenbrett hatte FM Junesch mit Robin noch ein Hühnchen zu rupfen – vor vier Jahren (damals noch in der Landesliga) trafen die beiden schon einmal aufeinander und Robin konnte ihm tatsächlich den ganzen Punkt abnehmen. Auch heute war er kurz davor: Zunächst verlief die Partie in positionellen Bahnen; beide Seiten beäugten die Bauernschwächen des Gegners, ohne jedoch entscheidenden Druck generieren zu können. Nach der Öffnung des Damenflügels wurde es aber plötzlich ziemlich taktisch und mit Minusbauer verpasste Robin eine Gelegenheit, die ungünstige Stellung des gegnerischen Turmes auszunutzen. Die zweite Chance war noch versteckter – nachdem Junesch die Stellung mit einem Turmopfer noch weiter verschärfte, hätte Robin mit dem korrekten Königszug entscheidenden Materialvorteil behalten können. In der Partie hatte er die Wahl, entweder mit Mehrfigur oder mit Mehrqualität gegen drei Bauern bei offener Königsstellung weiterzuspielen – oder das Remisangebot seines Gegners anzunehmen.

Simon hatte zwischen den Spielzeiten ein paar gute Turniere gespielt und bestätigte heute seine gute Form: In einem Alapin-Sizilianer mit französischem Touch überspielte er den fast 150 DWZ-Punkte schwereren Wilhelm Haas souverän und sicherte sich erst das Läuferpaar, dann einen Mehrbauern und schließlich eine Qualität. Als der schwarze König kurz nach der Zeitkontrolle auch noch ins Kreuzfeuer kam, streckte sein Gegner die Waffen.

Auf einmal hatten wir ausgeglichen und das Ziel, die übermächtigen Erdmannhäuser zumindest zu ärgern, definitiv erreicht – sollte tatsächlich ein Punktgewinn drin sein? Es sah ganz danach aus! Enis stand zwar seit der frühen Mittelspielphase unter starkem Druck und mit drei Bauernschwächen gegen Läuferpaar und FM-Titel schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Weiß durchbrechen würde. Aber irgendwie wollte der entscheidende Durchbruch einfach nicht stattfinden; Enis musste zwar einen Bauern geben, konnte dafür aber das gegnerische Läuferpaar halbieren und seine Figuren aktivieren, sodass wir einen weiteren halben Zähler gut machten – 3:3.

Zwei Partien liefen also noch und eine davon war meine gegen Tobias Schmidt, der als einziger Erdmannhäuser nur einen minimalen DWZ-Vorsprung aufwies. So ausgeglichen wie die Zahlen verlief die Partie allerdings nur 16 Züge lang, bis ich mir einen groben Patzer leistete und ihm einfach so eine traumhafte Angriffsstellung schenkte. Tatsächlich hätte er die Partie bereits zwei Züge später mit einem netten Turmopfer entscheiden können, da meine geplante Verteidigung schlicht nicht ausgereicht hätte. Glück für mich, dass er die Chance ausließ und mich in eine nur leicht schlechtere Stellung entkommen ließ. Bei knapper Zeit war die Verteidigung gegen permanenten Druck und allgegenwärtige Opferdrohungen aber sehr unangenehm und nach ein paar weiteren Fehlern landete ich in einem Endspiel mit zwei Minusbauern, aber ungleichfarbigen Läufern, sodass ich mir noch ein paar Rettungschancen ausrechnete. Objektiv wäre das Endspiel wohl sogar remis gewesen, nur wartete ich an der entscheidenden Stelle einen Zug zu lange und als sein König in meine Stellung eindringen konnte, war es vorbei.

Beim Stand von 3:4 hatte Jürgen nun die undankbare Aufgabe, eine objektiv nicht gewinnbare Stellung auf Gewinn spielen zu müssen: In einem typisch katalanischen Positionskampf stand er zwar anfangs etwas gedrückt, konnte sich jedoch nach und nach befreien und seinen Springer auf einem schönen Vorposten installieren. Dieser drückte so stark auf die weiße Stellung (und/oder das weiße Gemüt), dass sein Gegner für ihn die Qualität gab, dafür aber einen Bauern und seinerseits starken Druck erhielt. Als dann ein zweiter Bauer verloren ging, hatte Weiß schon mehr als genug Kompensation und zwischen der schwierigen Verteidigung und der für die Mannschaft erforderlichen Suche nach irgendwelchen Gewinnmöglichkeiten lief Jürgen am Ende die Zeit davon – schade!

Letzten Endes wurden wir also mit 3:5 wieder nach Hause geschickt, aber wenigstens das Ziel „Ärgern“ konnten wir erreichen. In drei Wochen steht das erste Heimspiel der Saison an, wenn wir am 16.11. den Mit-Aufsteiger aus Rommelshausen empfangen. Ich glaube, bis dahin sollten wir unsere Preisliste aktualisieren:

Kein Wunder, dass Erdmannhausen so viele Punkte holt!

Kein Wunder, dass Erdmannhausen so viele Punkte holt!

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