So kann es gerne immer Lauffen!

Heute war doppeltes Lokalderby angesagt – die Erste spielte gegen Lauffens Erste, während die Dritte gegen Lauffens Dritte antrat. Beide Teams gingen als Tabellenführer ins Rennen und wollten diese Position natürlich halten. Die Lauffener hatten jedoch nicht vor, uns Punkte zu schenken.

Die eigentlich junge Dritte war durch die Kreisjugendeinzelmeisterschaft merklich geschwächt. So fielen mit Jonas, Leonard und Nikolas gleich drei Topscorer aus. Jene konnten aber adäquat ersetzt werden. Andreas Usov hatte durch einen kampflosen Sieg besonders leichtes Spiel. Als die Spieler der Ersten um kurz vor 10 kamen, war er schon weg, ich habe ihn beneidet, weil er sich wieder schlafen legen konnte.
An den meisten anderen Brettern wurden ziemlich schnell entscheidende Vorteile erspielt. Besonders sehenswert war Michael Eberhards Partie, welcher zwischenzeitlich Turm und Figur geopfert hatte, um danach Turm und Dame einzusacken. Für weitere Siege sorgten Uwe Bäuerle, Lars Bertsch und Karl-Werner Weißbeck. Stephan Dietrich erzielte ein solides Remis. Pechvogel des Tages war leider Reiner Scholte, welcher in besserer Stellung im 39. oder 40. (weiß nicht genau) Zug auf Zeit verlor. Kopf hoch! Am Nikolaustag gibt es die erste Chance zur Rehabilitation und den Mannschaftssieg hat es auch nicht mehr gefährdet.
Der „Aufsteiger am grünen Tisch“ steht damit mit vier Siegen aus vier Spielen unangefochten an Platz 1. Das Ziel bleibt offiziell erstmal der Klassenerhalt, aber vielleicht sollte man anfangen, die Augen nach oben zu richten – schließlich gibt es zwei Aufsteiger in die Kreisklasse und der Vorsprung auf den dritten Platz beträgt schon drei Mannschaftspunkte.

Dritte Mannschaft

Der Ersten kam zugute, dass das Lauffener Spitzenbrett Gunnar Schnepp lieber in Bad Wiessee spielen wollte, anstatt uns das Leben wie letzte Saison schwer zu machen. Im Vergleich zum 4-4 letzte Saison hatten wir uns sogar noch einmal verstärkt! Wer aber gedacht hat, dass es ein leichtes Spiel geworden ist, hat sich tief getäuscht.

Fangen wir ganz vorne an. Thomas „Big Pommes“ Heinl hatte mich beim letzten Aufeinandertreffen mit Schwarz überspielt. Nun fanden wir uns mit vertauschten Farben in einer ähnlichen Struktur wieder. Irgendwie bin ich aber noch nicht ganz erholt vom Disaster in Deizisau und so meinte ich, mich langsam aufbauen zu können, da die Bauernstruktur fast überall komplett festgefahren war. Im Trott des langsamen Aufbauens übersah ich eine taktische Kleinigkeit und so gewann Thomas einen Bauern. Die Stellung war trotzdem ziemlich blockiert und so schrie es nach einem Sprengungsopfer, welches ich erblickte, mein Gegner zum Glück jedoch nicht. Er sah es erst nach dem Damentausch und dann verlor das Figurenopfer sehr an Kraft, im Gegenteil, hier fand ich dann präzise Züge und kam in Vorteil. Thomas versuchte dann noch Vieles aufgrund des Stands im Mannschaftskampf, jedoch waren drei verbundene Bauern im Turmendspiel dann zu viel.

Robin spielte eine seiner gewohnt ungewohnten Varianten, gegen Holger Scherer im Königsinder. Er walzte sehr schnell mit den Bauern am Königsflügel und sein Gegner schloss den Flügel nach h4-h5 mit g6-g5 ab. Hier erwartete ich ein Figurenopfer auf g5 (Sh3 und Ld2+Dc1 zielten darauf, Th1 unterstützte Bauer h5), Robin entschloss sicher aber zu einer positionellen Herangehensweise und fand sich in einem höchstens ausgeglichenen Endspiel wieder. Daraufhin fasste Schwarz aber den komplett falschen Plan und überließ Robin die c-Linie ohne Gegenwehr. Nach gekonntem Austempieren schnappte sich Robin den allein gelassenen Bauern auf d4 und behielt seine dominante Stellung – Aufgabe.

Ulrich bekam seine (meiner Meinung nach zweifelhafte) Vorbereitung aufs Brett, auf die Frank Amos aber nicht mit der kritischsten Fortsetzung reagierte. Danach entwickelte sich ein typisch dynamisches Spiel, wie wir es von 1.e4 und nicht-1.e5 kennen. Hier kombinierte Ulrich wild und gab zwei Figuren für Turm und zwei Bauern sowie einen ziemlich offenen weißen König. In beginnender Zeitnot gab Frank Amos dann noch seine Dame gegen zwei Türme, ließ Ulrichs Dame jedoch den weißen Königsflügel entblättern. Mir schien es, dass Frank hier eine Zugwiederholung hatte, möglicherweise wollte er aber mehr. Vier verbundene Bauern am Königsflügel ließen zusammen mit der Dame nicht mehr zu, dass Ulrich noch irgendwie ins Straucheln kommen würde.

Adam spielte gegen Bruno Geigle über zehn Züge Theorie runter (er schrieb mir zuerst auf Facebook, dass er 1. Sf3 spielt, aber der kam dann nicht…), wonach sein Gegner meiner Meinung nach überreagierte und eine Qualität gegen einen Bauern opferte. Scheinbar baute er auf das Läuferpaar auf zwei langen Diagonalen. Adam provozierte danach Schwächen und zeigte, wie stark verdoppelte Türme auf einer halboffenen Linie sein können. Als er mit einem Turm auf e6 eindrang und später noch seine Dame auf g6 erschien, kollabierte die schwarze Stellung komplett. An den ersten vier Brettern erzielten wir somit einen überzeugenden Teilsieg in Höhe von 4-0!

An Brett 5 begann dann das große Straucheln. Jürgen spielte gegen Wolfgang Sattler eine Variante, die ich aus schwarzer Sicht immer für ziemlich gut hielt. Zumindest ist das die Hauptvariante in Jürgens Stellung laut Mega Database 2015, in der Schwarz unglaubliche 57,5% holt. Irgendwie behandelte Jürgen die Stellung aber nicht optimal und so ließ er zu, dass Weiß gefährliches Spiel auf beiden Flügeln bekam. Das Resultat war ein ziemlich glatt verlorenes Turm+Springer-Endspiel mit Minusbauer. Schade, aber dann holt Jürgen halt 8 aus 9, ist immer noch sehr gut.

Simon merkte man an Brett 6 gegen Alexander Hahn die fehlende Spielpraxis an. So schaffte er es in symmetrischer Bauernstruktur, seine Türme so einzuparken, dass zwangsweise eine Qualität verloren ging. Sein Gegner ließ ihm danach auch im Prinzip keine Chance und beide schafften die 40 Züge souverän. Als alle dachten, dass Simon aufgeben kann, ließ sein Gegner sich ohne Not auf eine Zugwiederholung ein (sehr zum Unmut vom Lauffener Mannschaftsführer Bruno Geigle). Das freute uns natürlich umso mehr. Vor allem, weil es zu diesem Zeitpunkt 3-2 für uns stand und noch zwei andere kritische Partien (Tobias‘ und meine) liefen.

Stichwort Tobias: Er verlor direkt aus der Eröffnung heraus einen Bauern und stellte genau genommen sogar eine ganze Figur ein, sein Gegner und Ex-Vereinsmitglied Thomas Heerd wollte nicht direkt gewinnen. Danach bekam Tobias merkliche Kompensation und Thomas H. gab den Bauern zurück, um ein ausgeglichenes Endspiel zu erreichen. Tobias versuchte aufgrund des kritischen Spielstands sehr viel und zwang seinen Gegner langfristig zu kleinen Ungenauigkeiten. Diese summierten sich dann zu einem verlorenen Bauernendspiel. Schön zu sehen, dass Tobias nicht nur „opfer opfer Matt“ kann, sondern auch präzise Endspielführung beherrscht!

Bleibt nur noch das Schicksal unseres Mannschaftsführers Julian. Er war heute gegen Axel Widmer nicht in der besten Verfassung; kurios war jedoch, dass ihm nicht wie sonst so oft das zu langsame Spielen, sondern das zu schnelle Spielen zum Verhängnis wurde. So machte er in der Eröffnung den zweiten Zug vorm ersten und stand direkt schlecht. Der Rest der Partie war für Julian dann eher eine Qual, als dass sie noch großartig Chancen bot, im Endeffekt beeinflusste diese Niederlage wie Reiners Patzer in der Dritten den Ausgang des Kampfes nicht wesentlich.

Zum dritten Mal in Folge können wir ein 5,5-2,5 feiern. Aufgrund einiger Partieverläufe muss man klar sagen, dass wir hier eine Portion Glück hatten, jedoch beschweren wir uns nicht darüber und werden versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen. Schließlich sind wir in drei Wochen in Schwäbisch Hall zu Gast – das erste Aufeinandertreffen zweier Aufstiegsfavoriten wird zeigen, wohin der Weg für uns gehen wird. Aktuell führen wir vor Stuttgart II (ebenfalls 6 MP) und ebenjenen Hallern (5 MP).

Läufft bei uns!

Erste Mannschaft

Enis Zuferi

Kommentare

So kann es gerne immer Lauffen! — 3 Kommentare

  1. Hi enis,

    Was meinst du mit Tobias‘ stellte genau genommen eine Figur ein?

    Es war schön euch mal wieder zu sehen. Viel Erfolg bei euren weiteren spielen.

    VG
    Thomas

    • Hi Thomas, nach d5 exd5 Lxd5?? Einfach …cxd5 Dxd5 Sc5! und nach Dxa8 Lb7 Dxa7 Sc6 ist die weiße Dame gefangen.
      Auch euch noch viel Erfolg!
      Grüße
      Enis

  2. Hi Enis zugwiederholung war nur für mich moglich
    Außnahmsweise war meine Partie ab der taktischen Abwicklung lt.Houdini
    immer besser für Schwarz.Konnte sie leider nicht schicken.Ansonsten finde ich
    die Kommentare prima.Weiter so
    Uli