Das Nervenflattern kam doch nicht

Die Zweite schlug sich zum Saisonabschluss sehr gut und schlug die Nachbarn aus Biberach mit dem knappsten aller Ergebnisse. Es fehlten sogar mit Patrick Wenninger und Benjamin Häusinger die zwei besten Spieler, die in der Ersten aushelfen mussten. Zwar reichte dies nicht, um die Biberacher in der Tabelle zu überholen, immerhin konnte Schw. Hall III hinter sich gelassen werden, womit mit 50% aller Mannschaftspunkte und einem siebten Platz das Erreichen des Saisonziels „Klassenerhalt“ schön abgerundet wurde.

Zur Ersten dann wie gewohnt ein bisschen ausführlicher:
Für den heutigen Tag war ein Treffpunkt von 8.15 Uhr angesetzt, den ich, vorbildlich wie ich bin (ich will ja schließlich Lehrer werden, diese sind für ihre unglaubliche Pünktlichkeit bekannt), auch so eingehalten habe. Erfreulicherweise waren auch alle anderen Spieler der Ersten und Zweiten, die da sein sollten, anwesend – bis auf Mannschaftsführer Julian Bissbort, dem wir aber das Zuspätkommen nicht mehr nachtragen.

In Marbach angekommen, stellten wir zunächst fest, dass kein Neckarsulmer da war und zudem „unser bestes Pferd im Stall“, Nicolas Blum, fehlte. Diese Verspätungen scheint Julian wie eine Seuche mit sich rumzutragen, denn Nicolas sollte von Julians Freundin nach Marbach gefahren werden und kam grad so rechtzeitig innerhalb der Karenzzeit, um 9.26 Uhr, an. Die Neckarsulmer trafen ca. 10 Minuten davor ein, womit einem spannenden Kampf nichts mehr im Wege stehen sollte.

Motiviert durch Nicolas‘ Erscheinen ließen wir aber nicht viel anbrennen. Den ersten Sieg lieferte unser Topscorer und zuverlässigster Mann, Jürgen Menschner. Er überspielte seinen Gegner Sven Stark nach einem Stonewall-Holländer mit Weiß im Mittelspiel, wonach er „nur noch“ seine Mehrfigur nach Hause bringen musste. Dies klappte auch gut, somit stand es 1-0.

Wie am Samstag bei der BW-Jugendliga war Enis Zuferi als Zweiter fertig. Im Caro-Kann wählte Hans Oette die aggressivere Fortsetzung in der Vorstoßvariante (5…c5), spielte aber nach 6. Le3 den unüblichen Zug Sd7. Beide Spieler verbrauchten daraufhin bereits in der Eröffnung viel Zeit, um die richtigen Züge zu finden. Mit einem doppelten Bauernopfer erzeugte Enis eine höchst unklare Stellung, in der der Schwarze den Überblick verlor und eine Figur hergab. Nach einem Angriff auf den schwarzen König stand es dann auch schon 2-0.

„notre meilleur cheval“ Nicolas kam zu spät und spielte gegen Philipp Müller nicht viele Züge. Nach einer Pirc-Eröffnung ging es schnell ins Endspiel, in dem Weiß durch die bessere Entwicklung und Raumvorteil einen minimalen Vorteil behaupten konnte. Nicolas griff dann leider fehl, als er einen Bauern auf d4 zurückschlug (zugegebenermaßen war es sehr natürlich, mit dem c-Bauern zu nehmen und dabei den Doppelbauern aufzulösen), wodurch die Stellung ausgeglichen war, weil Schwarz sich befreit entwickeln konnte. Das angebotene Remis nahm er logischerweise an, was ein 2,5-0,5 bedeutete.

Robin Stürmer zeigte an Brett 2, dass man die Grundprinzipien des Schachs niemals vernachlässigen darf. Mit Schwarz ist seine Idee im Winawer-Gegengambit des Slawischen (1. c4 c6 2. Sc3 d5 3. cxd5 cxd5 4. d4 e5), seinen Gegner in der Entwicklung einzuschränken und die schwerblütigen symmetrischen Stellungen zu vermeiden. Sein Gegner Thomas Mädler verbrauchte dabei zudem sehr viel Zeit, indem er bereits entwickelte Figuren weitere Male zog. Dies erlaubte Robin, einen taktischen Schlag auszuführen, nach dem Materialverlust garantiert war, sein Gegner lief dabei sogar in ein Matt. Bezeichnend für die Partie war, dass der weiße Königsläufer am Ende immer noch auf f1 stand. 3,5-0,5.

Ramin Geshnizjani folgte kurz darauf. Nach ungewöhnlichem Anfang (1. d4 Sf6 2. Sd2!?) fand sich Ramin mit Schwarz gegen Matthias Spanner in einer Isolani-Stellung wieder. Weiß übersah dabei aber eine kleine taktische Möglichkeit und stellte einen seiner Blockadespringer zu früh auf d4, was einen Bauern kostete. Diesen gab Ramin im Laufe der Partie zurück, um die Initiative zu ergreifen. Um die schwarze Dame von der Grundreihe abzulenken, opferte Weiß einen ganzen Läufer – übersah dabei aber, dass eben dieser Läufer mit Schach geschlagen wird – 4,5-0,5 für uns.

Da Ludwigsburg im selben Moment einen halben Brettpunkt gegen Ingersheim abgegeben hatte, besiegelte das Remis von Benjamin Häusinger gegen Jugendspieler Alexander Schimmele den sicheren Aufstieg. Auch hier kam Caro-Kann auf das Brett, beide Seiten versuchten aber nicht viel, um in Vorteil zu kommen. Mit relativ vielen Figuren einigten sich beide Spieler schließlich auf ein friedliches Remis. 5-1.

Patrick Wenninger kam gegen Branko Drofenik zu einem weiteren Einsatz in der Ersten und machte seine Sache zunächst gut. Schritt für Schritt drängte er seinen Gegner in die Defensive mit den weißen Steinen. Um mit seinem Turm auf die Grundreihe einzudringen, gab Patrick seinen isolierten Freibauern auf d5 auf. Der Figurengewinn war nur noch zwei Züge entfernt (auch der Gewinn der Qualität war möglich), jedoch schien es, als wollte Patrick den schwarzen König gleich mattsetzen, was leider nicht klappte. Im entstandenen Endspiel Springer + Läufer vs. Turm + 2 Bauern musste Patrick mit seinen Leichtfiguren genau spielen, um die Freibauern zu neutralisieren – ein Remis war damit das gerechte Ergebnis, 5,5-1,5.

Die verantwortlichen Personen sollen ja bekanntlich mit gutem Beispiel vorangehen und so zeigte Julian Bissbort mit Schwarz gegen Michael Wickenheisser, dass Ausdauer sich lohnt. Es wurde insgesamt fünfeinhalb Stunden gespielt! Dabei ging es immer hin und her. Zunächst schien Schwarz aufgrund von Raumvorteil im Zentrum Vorteil zu haben, dann ergriff Weiß plötzlich die Initiative im Damenflügel. Nachdem der Staub sich nach der Zeitkontrolle gelegt hatte, besaß Julian eine Mehrfigur. Er ermöglichte durch ungenaues Spiel jedoch eine Remismöglichkeit: der weiße König hätte ganz alleine den Läufer so weit jagen können, um entweder eine Stellungswiederholung oder den Abtausch des schwarzen d-Bauern zu erzwingen. Mit dem verbleibenden h-Bauern hätte Julian nicht gewinnen können, da der Läufer die falsche Farbe für das Umwandlungsfeld h1 hatte. So viel dazu, dass Könige in Endspielen die stärksten Figuren sind – Weiß übersah dies aber, was in einem 6,5-1,5 für uns endete.

Nach einer harten Saison haben wir den Aufstieg nun klargemacht, womit mir nur noch übrig bleibt, den anderen Spielern für ihren Einsatz zu danken und zu hoffen, dass wir diese gute Form nächste Saison in die Verbandsliga mitnehmen.
Bei einem Essen und Trinken im benachbarten Restaurant auf der Schillerhöhe ließen wir den passend zum Ergebnis sonnigen Tag noch ausklingen.

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