Hart (umkämpft), aber fair

Bei der Spielerversammlung hieß es noch, wir hätten 3 starke Neuzugänge für die Erste; leider machten 2 dann einen Rückzieher, sodass die Personaldecke jetzt sehr dünn ist und wahrscheinlich viele Spieler der Zweiten dreimal ran müssen. Glücklicherweise gibt es in dieser Saison erstmals zwei Jugendmeldeplätze, was die Problematik etwas entschärft. Da Ulrich einem anderem Turnier Priorität einräumte, war ich heute nicht nur dran, sondern zum zweiten Mal Mannschaftssenior (Das erste Mal war interessanterweise auch gegen Schwäbisch Gmünd). Da zeitgleich die Dritte bei uns und die Vierte im Sitzungssaal spielten, war es kuschelig. Außerdem war noch eine DGB-Veranstaltung, was die Parkplatzsuche für den sehr knapp eintreffenden Tobias knifflig gestaltete. Doch genug der Exposition; auf zu den Partien in loser chronologischer Ordnung.

Enis Zuferi hatte wohl nicht gut geschlafen und stellte gegen den GM an Eins in einer eigentlich recht trockenen Grünfeldvariante eine Figur ein. Dies war aber seine erste Oberliganiederlage seit ungefähr anderthalb Jahren.

An 4 setzte Simon Degenhard den Sizilianer des Gmünder Manschaftsführers nicht wirklich unter Druck und in ungefähr ausgeglichener Stellung, welche ich aber bei sehr oberflächlicher Betrachtung lieber mit Schwarz gespielt hätte, wurde recht früh Remis vereinbart.

An 8 wusste Patrick Wenninger nicht wirklich, was er gegen die Tschigorin-Verteidigung seines Gegners spielen sollte und baute sich zunächst sehr zahm auf, kam dann aber zum thematischem Minoritätsangriff am Damenflügel, während sein Gegner am Königsflügel einen Bauern bis f3 vorschob. Da über die Bauernstruktur hinweg schon einige Figuren getauscht worden waren, verblieben Patrick noch Dame, Turm und Läufer gegen Dame, Turm und Springer. Nun beging er meiner Meinung nach einen schweren strategischen Fehler, als er den Turmtausch anstrebte, obwohl Dame und Springer besser harmonieren als Dame und Läufer. Glücklicherweise konnte er die Stellung noch Remis halten, aber ambitioniertes Spiel sieht anders aus.

Wie ich am vorletzten Brett gegen ein Jugentalent den Ausgleich im Mannschaftskampf wieder herstelte habe ich kommentiert (Und sofern Harald Keilhack mit für ihm geringem Aufwand die Anzahl der Partien in seinen Oberligastreiflichtern verdoppeln will, lassen wir ihm die pgn gerne zukommen; an dessen journalistischen Qualitäten reiche ich aber natürlich nicht heran):

Kristina Petrová vormals Havlikowa scheint gegen Heilbronn kein Glück zu haben: Vor zwei Jahren verlor sie gegen mich, letztes Jahr rang Niko sie nieder und dieses Mal hatte Tobias Schmidt mit Engine-Hilfe eine sehr giftige Variante im Alapin-Sizilianer für sie vorbereitet: Nach frühem Damentausch opferte er einen Bauern und seine Bauernstruktur für Läuferpaar und deutlich Entwicklungsvorsprung. Die WIM fand keinen soliden Defensivaufbau und nach der Zeitnotphase hatte Tobias im Turmendspiel einen Mehrfreibauern auf a7 und ihren König auf h6 abgeklemmt. Der Rest war eine Sache der Technik.

Leider war unsere Führung nicht von langer Dauer: Nachdem Thomas Tschlatscher an 5 mit einer seiner typischen ambitionslosen defensiven Schwarzvarianten den Gegner zu einem doppeltem Bauernopfer für vage Angriffsmöglichkeiten verleitet hatte, steckte dieser noch eine Figur mehr ins Geschäft. Ich bin ganz sicher, dass es möglich war, den Angriff abzuschlagen doch nach der Zeitkotrolle hatte Thomas nicht nur das Material zurückgegeben; seine Königstellung war ein Krater schlimmer als das Bikini-Atoll. Er verbrauchte fast die gesammten 30 Bonusminuten auf der Suche nach einer Verteidigung, aber vergeblich.

Steffen Mages bekämpfte an 6 einen Grünfeldinder mit einem schönem postionellen Bauernopfer auf e6 wonach er starkes Druckspiel gegen den isolierten Doppelbauern in der e-Linie beginnen konnte. Während der über zwanzigzügigen Lavierphase des Spiels gegen zwei Schwächen (die andere war der b-Bauer) hätte er sich wirklich mal die Zeit nehmen können, Kg1-h1 einzuschieben. Aber nein, als die Stellung schließlich geöffnet wurde, bekam er mindestens zweimal ernsthafte Probleme wegen Motiven entlang der Diagonale a7-g1. Obwohl seine Zeit viel besser war, agierte Steffen in dieser Phase insgesammt sehr ungeschickt und schließlich hatte der Gegner einen unaufhaltbaren Mehrfreibauern in der c-Linie.

Jetzt setzte Steffen zum letzten Verzweiflungsschlag an und opferte seinen Turm auf g6. Es gab zwar einen recht einfachen Gewinnweg, doch ohne Bedenkzeit fand der Gegner diesen nicht. Nach einer Königstreibjagd quer übers Feld bis nach a6 hatte Steffen die Möglichkeit Dauerschach zu geben, verschmähte diese aber zum Entsetzen der Heilbronner Zuschauer und eliminierte lieber den C-Freibauern. „Er hat ja schon mal nicht das Beste gefunden; vielleicht stellt er ja noch was ein.“ Die Cojones mit Minusturm auf Gewinn zu spielen, muß man erstmal haben. Ich und alle anderen Heilbronner waren gottfroh, als dann doch Remis vereinbart wurde.

Am längsten spielte Niko Pogan an 3. Nachdem er sehr gut aus seinem Philidor gekommen war und im Endspiel mit verteilten Bauernmehrheiten dank seines Läuferpaares bereits einen Mehrbauern eingeheimst hatte, löste er sein Läuferpaar falsch auf, sodass ungleichfarbige Läufer entstanden. Da der Gegner nicht nur Umwandlungs-, sondern auch Mattdrohungen hatte, wog dessen Aktivität schwerer als Nikos beide Randfreibauern. Niko mußte die Reißleine ziehen und seinen Läufer für die beiden letzten weißen Bauern geben. Glücklicherweise beherrschte er die Technik T gegen T + L Remis zu halten.
So stand am Ende ein hart umkämpftes Mannschaftsremis, welches, da es in beide Richtungen hätte kippen können, durchaus gerechtfertigt ist.

Kommentare

Hart (umkämpft), aber fair — 3 Kommentare

  1. Witzigerweise gibt die Analyse Steffen recht! 78…Kb7 hätte Schwarz nämlich fast noch die Partie gekostet, hätte Steffen noch das geniale 79. Db2+ nebst Tg3 gefunden!! Der Trick ist, dass die weiße Dame hinter den Turm muss, um das Dazwischenziehen der schwarzen zu verhindern 😀

    • Was heißt „fast die Partie gekostet“…das ist eine klare Gewinnstellung für Weiß, weil Schwarz die Dame geben muss. Dann hätte Steffen wirklich noch gewonnen…