Zwei Gründe zum Feiern

Der Frühlingsmonat März wurde mit einem Doppelkampftag eröffnet. Glücklicherweise waren zwei unabhängig voneinander agierende Mannschaften im Einsatz, wodurch beide Teams aus dem Vollen schöpfen konnten.

Um 9 Uhr durfte die Dritte beim Lokalderby gegen die zweite Mannschaft der TSG Heilbronn antreten. Der bisherige Saisonverlauf suggerierte, dass diese Begegnung ein Zuckerschlecken sei, da die TSG bis jetzt keinen Mannschaftspunkt erkämpft hatte. Von Zahlen sollte man sich nicht täuschen lassen. Es gab einen 5-3-Sieg, wobei ein kampfloser Sieg von Edeljoker Stephan Dietrich diesem Ergebnis zugute kam. Weitere ganze Punkte erzielten Joachim Weißbeck (Brett 2), Jan Müller (Brett 4) und die Jugendspieler Jonas Dudt (Brett 6) sowie Lars Bertsch (Brett 7). Mit nunmehr acht Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz bei zwei ausstehenden Spielen gibt es auch keine theoretischen Zweifel mehr am Klassenerhalt der Dritten.
Herzlichen Glückwunsch dazu!

Dritte Mannschaft

Die Erste durfte sich mit der Überraschungsmannschaft aus Willsbach messen. Die Hohenloher waren aufgrund eines sehr knappen Klassenerhalts in zwei aufeinanderfolgenden Saisons (2012/13 übrigens mit mir als Fast-Totalausfall an Brett 1) und einer weiterhin DWZ-schwachen Mannschaft im Vornhinein als einer der Abstiegskandidaten gehandelt worden.

Pustekuchen! Die Willsbacher spielten stark auf und verloren nur gegen die Wolfbuscher in der zweiten Runde. Ja, ich weiß, sie haben auch gegen Erdmannhausen verloren, aber wir brauchen an dieser Stelle nicht so zu tun, als hätte irgendeine Mannschaft gegen Erdmannhausen eine realistische Chance auf einen Punktgewinn.
Zu allem Überfluss fielen mit Nicolas, Ramin und Simon gleich drei Stammspieler aus. In Mannschaftsführer Julian haben wir zwar zumindest einen beständigen „Stammersatz-Spieler“, jedoch müssen erst einmal zwei weitere Ersatzspieler gefunden werden. Mit dem Wenninger-Gen und „Magic Marcel“ wähnten wir uns auf der sicheren Seite.

Als Spielleiter dirigierte ich meine Minions dazu, die Bretter und Verpflegung bereitzustellen. Die Arbeit an andere abzudrücken steht mir sicher besser als selbst zu arbeiten, wenn man sich folgenden Zwischenfall vor Augen führt:
Julian: „Wir begrüßen die Gäste aus Willsbach […] Kaffee wird sicher noch aufgesetzt.“
Also trotte ich zur Kaffeemaschine und fülle die Kanne so mit Wasser, dass 12 Tassen voller Kaffee entstehen können. Das Kaffeepulver wird eingefüllt, auch den Kaffeefilter habe ich nicht vergessen. Kommt Alexander Pfaff (Spieler des TSV Willsbach) zu mir…
Alex: „Äh Enis, ich glaube nicht, dass der Kaffee so durchläuft.“
Ich: „Ich verstehe nicht…“
Alex: „Ja, wenn das Wasser nicht von oben runterlaufen kann, dann gibts keinen Kaffee! Das Wasser darf ja nicht unten in der Kanne sein.“
Ich: „Oh…“
Kommen wir zum Sportlichen.

Christian ging voran, wie er es als langjähriger Vorsitzender tat, er war nämlich zuerst fertig. Wie üblich fand sich Cheffe an Brett 4 gegen den bis hierhin solide punktenden Bernd Hähnle in einer symmetrischen Bauernstruktur wieder, in welcher er mit einem Bauernopfer gegen einen in der Mitte gebliebenen König ein Ungleichgewicht erzeugen wollte. In offener Stellung waren Läuferpaar und Entwicklungsvorsprung Kompensation für den Bauern, jedoch war die schwarze Königsstellung nicht so gefährdet, dass mehr heraussprang. So wurde nach 22 Zügen ein Remis durch Zugwiederholung vereinbart.
Die friedliche Atmosphäre dieser Partie zog sich übrigens durch den gesamten Mannschaftskampf, was sicher auch daran lag, dass sowohl wir als auch die Willsbacher quasi nicht mehr absteigen konnten und folglich keiner noch besonders hohen Druck verspürte.

Ebenso friedlich trennte sich Magic Marcel von Friedrich Wartlick an Brett 8. Er erreichte wie Cheffe mit Weiß eine absolut symmetrische Bauernstruktur, machte jedoch keinerlei Anstalten, irgendein Ungleichgewicht in die Partie zu bringen. So tröpfelte die Partie nur vor sich hin, Marcel lehnte in einem 0.00-Endspiel ein Remisangebot ab, schob noch ein paar Klötze und willigte nach weiteren Abtäuschen doch noch ins Remis ein. An sich keine schlechte Partie, doch gab die sich aus der Eröffnung ergebende Spielanlage einfach viel zu wenig für realistische Gewinnversuche her. Robin meinte zu mir mal, dass man sich nicht einbilden sollte, aus der Eröffnung heraus direkt zu gewinnen. Das stimmt, aber wer nicht an seinen Eröffnungen arbeitet, erreicht seltener Stellungen, aus welchen man etwas herausholen kann, wie es heute bei Marcel der Fall war.

Den ersten ganzen Punkt am Spieltag durfte ich einheimsen. An sich spielte ich einen ähnlichen Aufbau wie Marcel, wich jedoch der Symmetrie aus und bewegte meinen Gegner Karl Wartlick dazu, eine Igel-Stellung einzunehmen. Dank einer Gegenüberstellung von meinem Tc1 und seiner Dc7 konnte ich mit schwarzer Mithilfe seinen d-Bauern isolieren und meine Läufer gegen seinen König in Position bringen. Der Schluss der Partie war ähnlich schön wie gegen Frank Hofmann am Donnerstag, dieses mal eben nur gegen einen stärkeren Gegner:

Wie beendete ich die Partie in wenigen Zügen?

Wie beendete ich die Partie in wenigen Zügen?

Tipp: Die Stellung ist nach dem 16. Zug von Schwarz entstanden, mit meinem 21. Zug setzte ich Matt.

Dennoch blieb das ein Duell auf Augenhöhe, was Alexander Pfaff an Brett 5 bewies. Er ließ einen unserer zuverlässigsten Scorer, Jürgen, böse in eine vorbereitete Variante laufen, in welcher Jürgen die beste Fortsetzung nicht am Brett fand. So ging bald die Qualität für einen Bauern verloren, was jedoch wegen des präzisen weißen Spiels keine ausreichende Kompensation war. Als Jürgen dann eine weitere Qualität eingestellt hat, war es leider um ihn geschehen. Sehr schade, jedoch kann jeder mal einen schlechten Tag haben.

Ein weiterer Spieler, welcher an seinen Eröffnungen arbeiten sollte, ist Patrick. Gegen Hartmut Klotz an Brett 7 stand er aus der Eröffnung heraus gedrückt und hätte bei besserem weißen Spiel Schwierigkeiten gehabt, auszugleichen. Die weißen Pläne erwiesen sich als zu zeitintensiv, als dass der weiße Raumvorteil einen ausreichenden „Schild“ gegen das zunehmende schwarze Gegenspiel geboten hätte. So zog Weiß seine beiden Springer zur Vollbringung seines Plans auf b1 und e1 zurück, was Patrick stark ausnutzte und sofort Linien öffnete, um die unkoordinierten weißen Figuren zu überrollen. Infolgedessen gewann er eine Qualität und kurz darauf die gesamte Partie. Ich bleibe dabei, dass unsere Jugendlichen 100-200 Punkte mehr hätten, wenn sie ihre Eröffnungen lernen würden. Schließlich haben sie jetzt auch noch die Zeit dazu…

Für die Quasi-Entscheidung sorgte Julian an Brett 6 gegen den bis jetzt sehr stark punktenden (5/6) Senior Ferdinand Lang. Eine Abwandlung des Zweispringerspiels im Nachzugs führte dazu, dass Julian einen Einengungsbauern auf e5 etablieren konnte. Solche Bauern sind oftmals Fluch und Segen zugleich, weil sie zum Einen das gegnerische Spiel sehr stark einschränken, andererseits leicht zur Zielscheibe werden. Julian nutzte gekonnt die positiven Aspekte dieses Bauern und schnürte seinem Gegner komplett die Luft ab. Als die Zeit reif war, öffnete er die e-Linie und brach mit zwei Türmen auf ihr ein – dass ein schwarzer Läufer von Zug 1 bis zum Ende auf c8 stand, ist bezeichnend für die Partie.

Mit einem 4-2 im Rücken konnten Adam und Robin beruhigt dem Ende entgegenblicken.

Adam zeigte sich erholt von seiner Niederlagenserie und lieferte Eugen Holzinger an Brett 3 einen scharfen Kampf. Weiß hatte mehr vom Zentrum, während Adam Grünfeld-ähnliches Gegenspiel aufbauen wollte. Auf dem Weg zum Gegenspiel gingen zwei Bauern verloren, dafür wurde die Stellung aber mehr als unklar. In beiderseitiger beginnender Zeitnot behielt Adam den besseren Überblick, wodurch er zwei ganze Leichtfiguren gewann. Eine Leichtfigur gab er zurück, um das Gegenspiel des Weißen komplett einzudämmen, so blieb die Aufgabe seines Gegners nicht mehr weit. Somit wurde der Sieg gegen die Willsbacher eingetütet.

Robin blieb als Letzter übrig. Seine Lieblingsvariante, in der er bis jetzt noch nie verlor, führte wie üblich zu einer äußerst chaotischen Stellung. Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit gegenüber seinem Gegner Michael Kleinknecht verlor Robin ein einziges Mal den Überblick und übersah ein vernichtendes Zwischenschach. Hätte er seinen Lieblingszug bringen können, so wäre dies alles nicht passiert. In der Folge gab sich das Spitzenbrett der Willsbacher keine Blöße, gewann Robins Dame und konnte zudem noch einen Bauern in eine weitere Dame umwandeln.

Summa summarum steht ein 5-3 zu Buche und damit der Klassenerhalt. Zu 100%. Es werden keine zwei Vereine aus der Oberliga in die Verbandsliga Nord absteigen, weil die beiden aktuell Letztplatzierten (Ebersbach und Ulm) noch gegeneinander spielen müssen und beide in die Verbandsliga Süd absteigen würden. Somit kann es maximal drei Absteiger aus der Verbandsliga Nord geben. Mit sechs Punkten Vorsprung auf den Drittletzten SC Böblingen II sollten nunmehr alle Zweifel beseitigt worden sein. An dieser Stelle kann man auch den Willsbachern und Lauffenern zum Klassenerhalt gratulieren! Beide Mannschaften haben auf Böblingen II fünf Mannschaftspunkte Vorsprung. Die Mannschaften des Landkreises Heilbronn-Hohenlohe halten sich also eine Saison in der Verbandsliga.

Erste Mannschaft

Kommentare

Zwei Gründe zum Feiern — 8 Kommentare

  1. Ich hab ja schon einige Partien übel versiebt, aber nur wenige, die so weh taten wie die heute. Michael Kleinknecht kenn‘ ich noch aus Jugendtagen, er ist einen Jahrgang jünger als ich. Das normale Spitzenbrett der Willsbacher war heute ausnahmsweise verhindert. In meiner Spezialvariante stand ich nach 10 Zügen klar besser bis gewonnen (schaff‘ das mal mit Schwarz!). Im 12. Zug kommt mein erster duhuhummer Fehler und im 13. werf‘ ich die Partie komplett weg. Ich hab mich zwar noch bis nach 40 gequält, doch es war hoffnungslos.

    Und nun zu etwas ganz anderem: Beim Aufräumen habe ich festgestellt, daß insgesammt ein Schal, ein Paar Handschuhe und ein Nobelkuli vergessen wurden. Das Sach‘ liegt jetzt im Fressalienschrank. Ich tippe auf Enis als Besitzer, aber falls jemand weiß, daß es jemand anderes ist, der diese Seite nicht ließt, weißt in bitte darauf hin.

  2. Hallo Enis,

    schickst Du die Partien noch rum? Bin gespannt, diese zu sehen, war ja doch wieder einiges dabei, was interessant war.

    Ich habe es tatsächlich mal geschafft, eine fehlerfreie Partie zu spielen 🙂
    Die Analyse ergab, dass ich nicht nur grundsätzlich die richtigen Entscheidungen getroffen habe, sondern sogar in den konkreten Gewinnstellungen jeweils die richtigen Fortsetzungen gefunden habe. Da hat sich doch die nicht ganz so saubere Zeiteinteilung gelohnt.. 😉

    • Servus Julian,
      ich hab die Partien Ramin zur Eingabe geschickt. D.h. wir warten einfach mal, bis von Ramin etwas kommt.
      Nach den Spielen gegen Stuttgart bzw. Lauffen hatten wir die Nase voll und jetzt spielen wir wieder gut^^ Unglaublich 😀

      • Hi,

        zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum doppelten Punktgewinn! Sieht so aus, als würden wir uns zum ersten Mal seit 15+ Jahren in der Verbandsliga halten.

        Partien schicke ich noch rum, sobald ich wieder etwas fitter bin – liege gerade krank im Bett…

        PS: Hübsche Kombi, Enis. Style-Punkte u.a. dafür, dass ein drohender Qualitätsverlust mit einem Qualitätsopfer beantwortet wird („Du willst die Qualle? Kannste haben!“ 🙂 )

  3. Diese Taktikaufgabe scheint einfacher zu sein. Wenn ich das (ausnahmsweise) richtig berechne, ist das ein tolles Detail, dass auch die dann ungedeckte Dame auf a5 noch ihre wichtige Rolle spielt. Und die Variante nach Lf6 mit Sh6+! und zwei Varianten ist auch sehr gut.
    Wenn das alles so stimmt, dann ist das ja fast schon komponiert, sehr schön!

    Robin, kriegen wir deine Partie zu sehen? Klingt spannend!

    Jochen

  4. Gratuation zum Klassenerhalt auch aus Lauffen. Wenn jetzt noch die vierte, (noch) Unterländer Mannschaft Erdmannhausen eingerechnet wird, ist das schon ein Erfolg. Dazu auch Glückwunsch nach Willsbach, die spielen stark mit!

  5. @Jochen:
    Das ist alles vollkommen korrekt, hätte mein Gegner statt …Lg5 den Zug …Lf5: gespielt, so wäre nach Df5: die Gegenüberstellung der Damen sehr nervig.
    Die Partie ging weiter mit:
    1. Tc6:! bc6: 2. Dd4 Lf6 3. Sh6+ Kh8 4. Df6:! (B-Note 10/10) Tg8 5. Sf7: matt

    @Frank:
    Danke! Erdmannhausen ist halt Kreis Ludwigsburg, deswegen habe ich die nicht erwähnt 😉