Kreis-Dähne-Pokal 2015

Was haben Claus Seyfried und Thomas Klaiß gemeinsam? Beim Surfen auf Schachseiten würde man zunächst feststellen, dass beide Menschen Schachspieler sind. Zudem saßen sich beide im Finale des Württembergischen Einzelpokals am 05.12.2014 gegenüber.
Betrachtet man das Ganze jedoch mit der „Heilbronner Brille“, so fällt vor allem auf, dass beide Finalisten in der ersten Runde des Verbandspokals einen Heilbronner Teilnehmer schlagen konnten.
Eine mögliche Revanche ist nur über den Kreis- und Bezirks-Dähne-Pokal zu erreichen.

Dass es zumindest für diese Turnierserie überhaupt nicht ungewöhnlich ist, dass das deutsche Pokalfinale für das Jahr 2014 erst Anfang Juni 2015 stattfinden wird, liegt daran, dass es weder zentrale Spielorte noch einen engen Zeitraum, geschweige denn einen festen Zeitpunkt , für die einzelnen KO-Runden ab der Bezirksebene gibt.
So brauchte es einen Schachspieler nicht verwundern, wenn der Kreis-Dähne-Pokal des Landkreises Heilbronn-Hohenlohe am 31.01.2015 stattfand, knapp zwei Monate nach dem württembergischen und vier Monate vor dem deutschen Pokalfinale. Der Heilbronner Schachverein richtete den Pokal wie in der Saison 2013/14 aus.
Turnierleiter Eric Hermann kam dabei dem Wunsch vieler Spieler nach und änderte den Modus des Turniers dahingehend, an einem Spieltag zwei statt eine Runde spielen zu lassen, um nach nur einem Spieltag die vier Qualifikanten für den Bezirkspokal zu ermitteln.

Leider stieß die gute Organisation auf wenig Resonanz, was in einer Teilnahme von acht Spielern resultierte. Im Vergleich zum Vorjahr nahmen also fünf Spieler weniger am Kreis-Dähne-Pokal teil.
Einen Vorteil hatte die Teilnehmerzahl doch: die Qualifikanten konnten bereits nach einem Spiel bestimmt werden.

Den Anfang machte Nikola Vintonjak sen. vom SV Ivanchuk. Er spielte mit Schwarz gewohnt schnell und impulsiv. Sein Gegner Eric Hermann (SF Schwaigern) ließ sich von der schnellen Spielweise anstecken und beging dabei mehr Ungenauigkeiten als Nikola. So blieben Eric nach etwas mehr als einer Stunde nur noch Bauern, während Nikola sich eine neue Dame holen konnte. Letzterer kann sein Können nun auf der Bezirksebene zeigen.

Vladimir Nidens (SV Böckingen) ist für Mitglieder des Heilbronner SV, welche schon ein paar Jahre dabei sind, in keinster Weise ein unbeschriebenes Blatt. Mit einer unkonventionellen Eröffnungswahl brachte er Sven Stark (SC Neckarsulm) sehr früh in Bedrängnis und konnte bereits nach acht Zügen mit Schwarz einen Bauern gewinnen. Sven konnte den schwarzen Entwicklungsrückstand nicht ausnutzen und kam entsprechend in eine schlechtere Stellung. Plötzlich setzten bei Vladimir – ohne Zeitnot oder andere Zwänge – für einen Zug die Nerven aus, wodurch er ein einzügiges Matt übersah. Sven hat damit die Chance, beim Bezirkspokal zu zeigen, was er wirklich kann, während Vladimir sich auf jeden Fall sicher sein kann, bis zum Matt ein starkes Spiel an den Tag gelegt zu haben.

Die dritte beendete Partie hatte einen leicht faden Beigeschmack, da es ein vereinsinternes Duell des Heilbronner SV war. Kim-Luca Wasielewski (leider der einzige Jugendliche im Turnier – das sah letztes Jahr noch anders aus) saß mit den schwarzen Steinen dem Berichterstatter (Enis Zuferi) gegenüber. In einem abgelehnten Damengambit konnte Kim-Luca das Problem seines eingesperrten Läufers auf c8 nie lösen. Der Berichterstatter nutzte seinen Raumvorteil und expandierte im Zentrum, wodurch er dank eines taktischen Tricks einen gedeckten Freibauern auf d6 bekam – vor der traurigen Gestalt des schwarzen Läufers auf d7. Technisch sauber brachte Weiß seinen Vorteil nach Hause.

Das letzte Spiel zwischen Reiner Scholte (Heilbronner SV, Weiß) und Frank Hofmann (SK Lauffen, Schwarz) lief buchstäblich bis zur letzten Sekunde. Reiner erreichte nach der Eröffnung eine hübsche positionelle Druckstellung mit einem schwarzen Isolani auf d5, weil Frank einen Nimzoinder leicht misshandelte. Mit einem taktischen Trick konnte sich Reiner sogar einen Bauern einverleiben. Wie bei Vladimir schienen bei Reiner ein paar Gehirnzellen ihre Arbeit einzustellen; Frank kam zu gutem Gegenspiel. Letztendlich musste Reiner in ein für ihn leicht besseres Turmendspiel abwickeln, in dem jedoch nicht viel zu holen war, weil nur noch jeweils drei Bauern ohne nennenswerte Ungleichgewichte verblieben.
Die Entscheidung musste also im Ausblitzen fallen. Reiner verlor dieses unglücklich mit 0-2, sehr schade für ihn! Frank qualifizierte sich dadurch für den Bezirkspokal.

Die vier Qualifikanten noch einmal in einem Aufwasch:
Frank Hofmann (SK Lauffen, 1877)
Sven Stark (SC Neckarsulm, 1832)
Nikola Vintonjak (SV Ivanchuk, 1788)
Enis Zuferi (Heilbronner SV, 2171)

Während 2014 noch drei Heilbronner in dieser Liste zu finden waren, ist es heuer leider nur noch ein Heilbronner.
So begab sich der Berichterstatter einsam auf den langen Weg, um eine Möglichkeit zur Revanche – und vielleicht sogar mehr – zu erlangen…

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