Zwischen Genie und Wahnsinn

Mit riesigen Schritten nähern wir uns dem Ende aller Ligen und damit leider auch dem generellen Beginn der Vorlesungen (wann bin ich davon erlöst?). Highlights bleiben jedoch auf beiden Seiten der Skala nicht aus.

Am 15. März startete die 72. Stadtmeisterschaft. Nach dem Zwischenhoch im Jahr 2014 war ich als Spielleiter zunächst wieder ernüchtert, da die Teilnehmerzahlen wieder rückläufig waren. Umso mehr freute es mich, dass sich 16 Spieler in das Turnier eingeschrieben hatte, unter anderem unser Neu-Vorsitzender Julian Bissbort, aber auch Spieler anderer Vereine gaben sich die Ehre.
Ergebnisse der ersten Runde sowie die Teilnehmerliste sind bereits auf unserer Seite zu finden. „Highlight“ war wohl mein Dameneinsteller, welcher meine Titelambitionen gleich mal leicht einschränkt.
Stadtmeisterschaft.

Vergangenes Wochenende war der Plan, mit sechs (!) Mannschaften in einen Wettkampf zu gehen. Leider erkrankte Reiner Scholte, der Mannschaftsführer der Senioren, kurzfristig. Das Match gegen den SV Tübingen am 17. März mussten wir daher leider absagen.
Senioren.

In der Jugend gab es wieder einen berüchtigten Doppelspieltag, dafür immerhin den letzten. Zu allem Überfluss gab es zwei Auswärtsspiele, sodass wir uns schon arg verbiegen mussten. Glücklicherweise schafften wir es, zwei komplette Mannschaften zu stellen inklusive ausreichend Fahrer.
Unsere Gegner schienen da zum Teil Probleme zu haben. Im Kellerduell beim VfL Sindelfingen stand unserer Zweiten nur eine halbe Mannschaft gegenüber. Das 3:0 nahmen wir gerne mit, im restlichen Duell trennten wir uns „unentschieden“, insgesamt gewannen wir 4,5:1,5 mit einem Sieg von Ardit Molliqaj und einem Remis durch Nikolas Sawadski. Ein extrem wichtiger Sieg, mit dem sich die Zweite von den Abstiegsrängen befreien konnte, da der zweite Konkurrent Nürtingen erwartungsgemäß gegen Bebenhausen hoch verlor. Im direkten Duell am 16. Juni wird sich die Ligazugehörigkeit unserer zweiten Jugendmannschaft endgültig entscheiden.
Verbandsjugendliga.

Für die „Erste“ ging es mal wieder nach Baden, all unsere Auswärtsspiele scheinen da zu sein. Beim tabellarischen Nachbarschaftsduell gegen Karlsruhe ging es um sehr viel, was man auch an den Partien sah. Auf beiden Seiten wurden teilweise grobe Schnitzer ohne große Not begangen. Der Druck ist da, auch wenn die Betroffenen das bei Befragung sicher ignorieren würden. Schlussendlich glichen sich alle Fehler zu einem Unentschieden aus. Auf unserer Seite punkteten Severin Bühler, Max Breitenbach (beide voll), Kim-Luca Lahouel und Daniel Schäfer (beide remis) zum 3:3. Viel wurde dadurch nicht gewonnen, denn Baden-Baden gewann gegen Walldorf (was uns immerhin den absolut sicheren Klassenerhalt beschert, für alle Zweifler) in einem Nachholspiel am 25. März. Im direkten Duell zuhause am 14. April entscheidet sich also, ob eine historische Serie reißt, oder ob sie mit aller Mühe noch fortgesetzt wird.
Bundesjugendliga Süd.

Die 3. Jugendmannschaft, in der Kreisjugendliga startend, zähle ich absichtlich nicht zum Doppelspieltag, da sie für Anfänger gedacht ist und auch aus diesen besteht. Sie ist daher schon fast als unabhängige Mannschaft zu sehen. Bis dato 50% aus drei Spielen, ging es zum dominierenden Tabellenführer SF Schwaigern 2. Etwas bitter, dass das resultierende 0:4 schon zu erwarten war, jedoch spielen bei Schwaigern Kinder, welche erheblich mehr Wettkampferfahrung haben als unsere Zöglinge. Außerdem hat Schwaigern 2 jetzt schon drei von vier Spielen mit 4:0 gewonnen. Unglücklich, jedoch kein Beinbruch.
Kreisjugendliga.

So bleibt noch Sonntag, der 18. März, denn am Wochenende des 24./25. März 2018 hatten wir keine Mannschaft im Einsatz. Wieder ein doppeltes Heimspiel, bei dem sich Erste und Dritte die Ehre gaben.
Für Letztere geht es noch um den ganz großen Wurf des Aufstiegs. Während Tabellenführer Gaildorf/Fichtenberg mit 100% einsam seine Kreise zieht, bleibt der Kampf um den zweiten Aufstiegsplatz in die Bezirksliga Nord spannend. Gegner Neckarsulm 2, noch abstiegsgefährdet, trat mit sechs von acht Stammspielern ziemlich stark an, zudem setzten sie ihr Brett 1 Sandra Weber zum ersten Mal ein. Leider hatte ich nur kurz am Anfang die Möglichkeit, den Kampf zu beobachten – die Dritte spielte in einem separaten Raum – sodass ich wenig über die Spielverläufe sagen kann. Das Ergebnis spricht auf jeden Fall für einen spannenden Kampf. Am Ende hatten wir mit 4,5:3,5 leicht die Nase vorn und sammelten zwei wichtige Punkte in Sachen Aufstieg. Die Matchwinner waren Andreas Usov, Nikolas Sawadski, Utz Kammerer (jeweils 1:0), Daniel Schäfer, Uwe Bäuerle und Stephan Dietrich (jeweils Remis). Zudem profitiert die Dritte von einer Niederlage der Friedrichshaller. Am 29. April schafft die Dritte den Aufstieg aus eigener Hand, wenn sie mindestens 4:4 spielt, mit ein wenig Glück reicht sogar eine Niederlage bei Böckingen 2, wenn Künzelsau zeitgleich gegen Meimsheim-Güglingen nicht punktet.
Kreisklasse.

Zu guter Letzt – ok, gelogen, ist nicht der letzte Teil des Berichts – bleibt noch die erste Mannschaft. Nachdem sowohl unsere schemenhaften Aufstiegschancen als auch die unseres Gegners Schmiden/Cannstatt in der 7. Runde zerschmettert wurden, geht es für uns um gar nichts mehr. Unsere Gegner schienen das teilweise sehr wörtlich zu nehmen. Thilo Kabisch kam zur Partie gegen mich merklich zu spät (auch wenn dies von ihm manchmal zu erwarten ist), während IM Oliver Niklasch gar nicht erschien. Das ist jetzt das zweite Mal, dass Schmiden uns einen Punkt kampflos schenkt nach unserem KO-Pokal-Spiel im vergangenen Sommer. Nehmen wir gerne mit!
Schade für Jewgeni, welcher ausnahmsweise Weiß in einem Heimspiel gehabt hätte…
Trotzdem waren die Partien an den anderen Brettern teilweise hochklassig, auf jeden Fall aber spannend. Relativ schnell konnte Steffen Mages mit seinem zweiten Sieg in Folge auf 2:0 erhöhen. Ein (wahrscheinlich unabsichtliches) Gambit in der Eröffnung behandelte er im Mittelspiel einfach genauer als sein Gegner. Die Partie endete dann auch ziemlich plötzlich wie mit einem Paukenschlag.
Simon Degenhard geriet über Zugumstellung in einen beschleunigten Drachen, eigentlich eine seiner Paradeeröffnungen. Während der Partie hatte ich jedoch nicht das Gefühl, dass er sich wohlfühlte. Er wickelte in ein Turm-Leichtfiguren-Endspiel mit Minusbauer ab, in diesem schaffte er es durch ausreichend Figurenaktivität, ein dynamisches Gleichgewicht zu erzeugen. Weiß fand keinen Ausweg mehr und willigte in ein Remis ein.
An Brett 1 konterte Ulrich Schulze mit passender Vorbereitung den unorthodoxen gegnerischen Aufbau im geschlossenen Sizilianer. Gekonnt opferte er einen Bauern, um einen isolierten Doppelbauern auf der d-Linie sowie dazugehörige Felderschwächen und Entwicklungsprobleme zu schaffen. Ein Remisangebot lehnte unser IM auch auf meine Anweisung hin ab, spielte daraufhin wohl aber nicht die besten Züge und musste sich mit einem ausgeglichenen Turmendspiel begnügen. Ebenfalls Remis.
Das Remisangebot ließ ich Ulrich ablehnen, da die Lage an den anderen Brettern nicht so klar war. Thomas Tschlatscher ließ sich Schritt für Schritt in eine sehr passive Stellung drängen und spuckte einen Bauern. Daraufhin war es jedoch sein Gegner, der das aktive Spielen einstellte. So holte Thomas nicht nur seinen Bauern zurück, sondern holte sich zuerst Freibauern, die weißen Gegenstücke wurden schnell gezähmt, also gab es hier einen weiteren Sieg für uns.

Gegen mich kam Thilo Kabisch einen Zug lang wirklich zu einer „königsindischen Traumstellung“ (zumindest laut seinem Kommentar). In der Analyse sah ich das auch ohne Engine so, die Engine bestätigte jedoch auch meine „Rettung“: Thilo spielte nach Erreichen der „Traumstellung“ einfach nicht genau und ließ zu, dass ich mit meiner auf der h-Linie eingedrungenen Dame seinen gesamten Königsflügel lahmlegte. Zudem schielte meine Dh6 noch auf die typisch königsindische Schwäche auf d6. Mein verbliebener Turm drang über den Damenflügel ein, die Umklammerung kostete Schwarz sein ganzes Zentrum und insgesamt einen Bauern, die Verwertung gelang mir ausnahmsweise tadellos. In der Oberliga bin ich weiterhin unschlagbar…ich glaube, wenn ich bei jedem anderen Turnier „Oberliga“ aufs Partieformular schreibe, kann ich nie wieder verlieren.
Bei Niko Pogan war die gesamte Partie wohl am Heißesten. Ganz hypermodern behandelte er die Eröffnung, sein d-Bauer stand bis zur weißen Aufgabe auf d7. Mit einer schönen taktischen Wendung konnte Niko einen Bauern erobern, während Weiß am Königsflügel anrannte. Beide Zeiten waren gefährlich nah an „00:00“, als die entscheidende Partiephase begann. Tatsächlich hatte Mark Trachtmann einen forcierten Gewinn auf dem Brett, verwechselte jedoch die Züge. Gut für Niko, welcher in ein gewonnenes Turmendspiel mit Läufer vs. drei Bauern einlenken konnte. Läufer und Turm im Tandem konnten die weiße Bauernstruktur zum Kollaps bringen.
Bleibt nur noch der Mann der Extreme, Robin Stürmer. Schon der Anfang war vielversprechend, wenn es darum ging, eine eigenartige Partie zu erwarten: 1. d4 d5 2. c3 g6 3. Lg5 Lh6!? 4. h4 Lg7!? Schwarz provozierte also h2-h4, wobei mir zumindest nicht klar war, welchen Zweck das hatte. Jedoch kam Robin trotz dieses Tempogeschenks am Königsflügel nicht voran, denn er wurde im Zentrum und am Damenflügel beschäftigt. Seine Dame stellte er dabei so ins Abseits, dass er eine Figur gegen wenige Bauern verlor. Zu dem Zeitpunkt war jedoch klar, dass wir den Sieg in der Tasche hatten. So nahm die Partie noch eine weitere Wendung, denn die Bauern wurden erstaunlich stark, sodass Schwarz Robin zu einer Zugwiederholung zwang, bzw. auf Basis dieser Remis anbot. Robin meinte Tage danach noch, dass er sogar noch auf Gewinn spielen konnte, aber das wäre echt zu viel gewesen…

1,1,1,1,1,remis,remis,remis, Schmiden/Cannstatt schickten wir mit 6,5:1,5 wieder nach Hause. Weiler verlor (zu siebt) gegen Biberach, also schließen wir zu ihnen auf, während wir es uns auf Platz 4 gemütlich machen. Oben sieht es sehr stark nach Jedesheim aus, da diese konstant aufstellen und bei bester Aufstellung sind sie die beste Mannschaft, Weiler ist dafür hinten zu schwach. Die Absteiger hingegen stehen schon sicher fest, die Erwartung ist eingetroffen: Wolfbusch und Weiße Dame Ulm konnten das Oberliga-Niveau nicht konstant halten.
Oberliga.

Wer von unten kommt, steht teilweise auch schon fest, es sieht sogar nach zwei Rückkehrern aus, welche ironischerweise zwei „Söldnertruppen“ ein Schnippchen schlagen konnten: In der Verbandsliga Nord steht Sontheim/Brenz eine Runde vor Schluss schon als Meister und Aufsteiger fest. Favorit Schönaich 2 liegt ganze fünf Punkte zurück, sogar hinter Spraitbach auf Platz 3. Weiter im Süden (wobei das von Sontheim aus gedacht wohl eher im Westen ist) liegt Ebersbach, vor wenigen Jahren noch Stammgast in der Oberliga, nach Brettpunkten klar auf Platz 1, vor Deizisau 2. Ebersbach muss am 8. April nur noch gegen Langenau (~ Mittelfeld) gewinnen, um die Rückkehr zu perfektionieren.
Mal alle Rührseligkeiten bezüglich Rückkehrern in die Oberliga zur Seite gelegt, tut es in Sachen Klassenerhalt 2018/19 sicher nicht schlecht, wenn solche überfinanzierten „Projekte“ wie Schönaich oder Deizisau vorerst nicht aufsteigen…

Als Sahnehäubchen fand noch die 3. Runde des Unterlandpokals in Neckarsulm statt, voraussichtlich die letzte Runde, da kein Verein im Unterland die zentrale Schlussrunde ausrichten möchte. Unsere Gegner stellten stark auf, nur waren wir stärker, wobei wir vor allem schneller waren. Nur Kim-Luca an Brett 4 konnte davon reden, seinen Gegner zu überspielen. Robin und Marcel Mikeler an 2 und 3 (gegen Alexander Lindemann bzw. Alexander Schimmele) hatten etwas Glück, als sie in eine Stellung kamen, welche eher bedenklich war. Die Zeitnot machte beide Neckarsulmer merklich zu schaffen und so gewannen unsere Jungs ausreichend Oberwasser zum Sieg. Ich hingegen konnte früh gegen Thomas Maedler einen Bauern gewinnen, gab mich daraufhin aber der Faulheit hin, da Schwarz beim Eintritt ins Endspiel schon viel zu wenig Zeit hatte. Also gewann ich etwas unrühmlich auf Zeit.
4:0 heißt es, womit wir uns temporär an die Tabellenspitze setzen, da Ludwigsburg mit zwei Brettpunkten Rückstand jedoch noch spielt, werden wir da nicht mehr lange sein.
Unterlandpokal.


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