Heimsiege auch am Sonntag

Auch am heutigen Sonntag können wir uns über die Ausbeute nicht beklagen: Sowohl in der Verbandsliga als auch in der 4er-Liga bleiben die Mannschaftspunkte in Heilbronn!

Unsere Vierte konnte sich knapp gegen Lauffen durchsetzen

Unsere Vierte konnte sich knapp gegen Lauffen durchsetzen



In der 4er-Liga stand heute die 3. Runde an, in der unsere 4. Mannschaft die Vierte des SK Lauffen empfing. Obwohl wir relativ bald durch Siege von Lars Bertsch und Leonard Sawadski mit 2:0 in Führung gingen, sah es lange Zeit nicht nach einem Sieg aus, da sowohl Manuel Grimm als auch Nikolas Sawadski Materialnachteil hatten. Durch aktives Gegenspiel konnte Nikolas seine Partie aber doch noch Remis halten und somit den 2.5:1.5-Mannschaftssieg sichern.

Auch unsere Erste gab heute ihr Heimspiel-Debüt in der Verbandsliga Nord. Da Nicolas und Adam fehlten, mussten alle außer Robin und Enis zwei Bretter aufrücken; dennoch konnten wir an fast allen Brettern ein klares DWZ-Plus aufweisen. Die erste Entscheidung fiel aber trotzdem überraschend früh, als mein Gegner in einer scharfen Eröffnungsvariante einen Bauern zu viel schlug und ich dadurch seine Dame fangen konnte. „Black is okay“ – dieses Motto zog sich eigentlich durch den gesamten Mannschaftskampf, da wir auch an den übrigen Schwarzbrettern relativ bald überlegene bis gewonnene Stellungen erreichen konnten. Den zweiten Punkt holte Robin am Spitzenbrett, der sich nach einem Figurengewinn nicht von eventuellen Gegenangriffs- und Dauerschachdrohungen beirren ließ und seinerseits den weißen König in ein Mattnetz trieb.

Einen Rückschlag mussten wir hingegen am 8. Brett hinnehmen, da Patrick Wenninger zwar eine vorteilhafte Stellung hatte; dieser Vorteil jedoch nur durch einen richtig getimten Zentrumsvorstoß e2-e4 zum Tragen kommen konnte. Leider nahm Patrick keine der Gelegenheiten wahr, an denen der Vorstoß gegangen wäre (dass e4 eigentlich immer oft genug gedeckt war und der Vorstoß jeweils aufgrund von taktischen Schlägen gegangen wäre, machte es nicht einfacher). Sein Gegner konsolidierte seine Stellung und nutzte schließlich sein Übergewicht im Zentrum, um entscheidend in Patricks Stellung einzudringen und die Partie zu Gunsten unserer Gäste zu entscheiden.

Christian konnte in einem etwas unorthodox behandelten Königsinder seinen Springer unangefochten nach e6 manövrieren und auch gleich einen Bauern gewinnen. Dafür erhielt Schwarz das typische Gegenspiel am Königsflügel, welches Christian mit dem Manöver Lc1-d2-e1-f2-g1 einzudämmen versuchte. Als sein Gegner scheinbar keinen Weg mehr fand, den Druck auf die Königsstellung zu verstärken, entschloss er sich zu einem Springeropfer, das jedoch inkorrekt war. Mit einem präzisen Damenmanöver konnte Christian den Angriff abwehren und in ein gewonnenes Endspiel abwickeln.

Jürgen spielte gewohnt solide und konnte mit Schwarz problemlos ausgleichen bzw. sich dank eines starken Läufers auf d5 sogar einen kleinen Vorteil sichern. Sein Gegner konnte diesen Läufer zwar abtauschen, aber nur auf Kosten seiner Bauernstruktur, sodass Jürgen auch im Doppelturmendspiel dank aktiverer Türme seinen Vorteil behielt. Ein verzweifelter Versuch seines Gegners, doch noch zu Gegenspiel zu kommen, brachte Jürgen letztendlich einen Mehrbauern ein, den er auch sicher verwertete und den Mannschaftsstand somit auf 4:1 erhöhte.

Am Anfang waren die Stellungen von Julian und Simon noch relativ überschaubar

Am Anfang waren die Stellungen von Julian (v.r.) und Simon noch relativ überschaubar

Die beiden spannendsten Partien des Tages spielten Simon und Julian: Während Simon mit einer sehenswerten Abwicklung in einem Endspiel mit Läuferpaar gegen Läufer und drei Bauern landete; musste Julian nach einem Einsteller in Zeitnot mit drei Bauern gegen einen Springer spielen:

In dieser Partie wäre definitiv ein halber Punkt mehr drin gewesen, dafür stand jedoch Simon das Glück des Tüchtigen zur Seite:

In der Zwischenzeit konnte auch Enis sein Schwerfigurenendspiel gewinnen, sodass nach fünf harten Stunden Spielzeit ein 6.5:1.5-Sieg zu Buche stand. In der Tabelle stehen wir nun auf dem 3. Platz, haben aber mit langjährigen Verbands- und Oberligateams sowie dem Oberliga-Absteiger Stuttgart II noch ein hartes Restprogramm – Grund genug, über die Winterpause nochmal ordentlich Kraft zu tanken, bevor es am 11. Januar in Stuttgart weitergeht.

Kommentare

Heimsiege auch am Sonntag — 6 Kommentare

  1. 29. … Txe2 ist wirklich ein Hammer. Aber ganz so überzeugt bin ich von der Wiederlegung durch 27. … Le4 noch nicht. Was kommt gegen 28. Lb5 mit der Drohung Le7 und der Idee, die Dame (noch) in der Veteidigung zu lassen? Falls es da auch eine Entgegnung gibt, bleibt mir immer noch 27. De3. Nach d4 28.De5 geht kein Le4. Und bei Dc7 28. Lb5 habe ich ein Tempo gewonnen. Falls tatsächlich beide Damenzüge nichts taugen, war d7 wohl doch falsch und das simple 26.Lc5 wäre besser gewesen.

    Zu den anderen Partien:
    Ich habe mal wieder mit meinem Lieblingszug, der späten langen Rochade gewonnen. Aber er hätte auch mehr Gegenwehr leisten können.
    Enis Gegner hätte nach Se5 die Remiesabwicklung wählen sollen. Mit Springer gegen Läufer bei schlechterer Bauernstruktur kann man nicht auf Gewinn spielen.
    Dein Gegner hatte wohl noch nicht gelernt, dass man mit der Dame keine B-Bauern fressen soll. Und dann wählt er auch noch eine ganz hoffnungslose Abwicklung. Einmal wenn ich die Chance hab, als erster zu gewinnen.
    Christians Damenläufer machte ein äußerst hübsches W-Mamöver: W wie Wolbert!
    Nächstes Mal behalt ich Julians Zeit besser im Blick und schlag in gegebenenfalls wider. In einer simplen Gewinnstellung soll man keine Zeit verplemmpern sondern einfach gewinnen.
    Da wir Patrick nur dreimal einsetzen dürfen und er angekündigt hatte, am Sonntag übernächtigt zu sein, hätte Julian in meines Erachtens nicht anfordern dürfen, sondern einem unkritischem Zweitmannschaftspieler die Gelegenheit bieten sollen Verbandsligaluft zu schnuppern.
    Immerhin hat unser Edelkibitz seinen Spaß gehabt.

  2. Hi Robin,

    nun, anfangs dachte ich auch, dass nach 23. Sxe5 Lxg2 Weiß das Dauerschach mitnehmen muss. Deswegen habe ich Julian auch gefragt, ob ich Remis machen darf.
    Mit zunehmendem Nachdenken habe ich aber gesehen, dass Weiß nach 23…Lxg2? auf Gewinn steht!
    24. Dxf7+ Kh7 25. Dg6+ Kg8 26. Sg4!
    Folgt jetzt 26…Ld5, so hatte ich 27. Sf6+ Kf8 28. Sxe8 Lf7 (…Txe8 29. Dd6+ mit Gewinn des Ld5) 29. Dxg7+ Kxe8 30. Dh8+ Ke7 31. Dxh6 geplant. Ja, Schwarz hat zwei Figuren für den Turm, Weiß hat dafür aber drei Freibauern und potenziellen Angriff auf den schwarzen König.
    Zwar kannst du die Blechkiste nicht ausstehen, aber sie findet zwei Verbesserungen für meine Idee:
    26. Sd7!! Dc7 27. Sf6+ Kf8 28. Sxe8 Txe8 29. Kg2 +-
    28. Dxe8+ Txe8 29. Sd7+ und +-
    22…a6 war von ihm einfach schlecht und das habe ich geahnt. Das lässt die Dame ungedeckt.

    Grüße
    Enis

  3. Tja, die Blechkisten – leider können sie halt einfach besser rechnen als wir, was in Stellungen wie der von Simon natürlich Einiges ausmacht…

    In der Variante 27. Df4 Le4 28. Lb5 kann Schwarz scheinbar einfach 28… Txa2 spielen, da der La3 wegen 29… Ta1+ 30. Lf1 Db5! nicht wegziehen kann. Stockfish schlägt daraufhin 29. De3 Dc7 30. Dc1 Tc2 vor und beharrt auf seiner Mehrqualität (-2.5). Also kein sofortiger KO, aber der Freibauer scheint einfach nicht durchzukommen.

    27. De3 ist tatsächlich deutlich stärker als 27. Df4 – meine Interpretation ist, dass Weiß ohne die permanente zweite Mattdrohung auf f2 etwas mehr Spielraum hat. Nach 27… Dc7 entstehen verrückte Varianten, in denen beide Seiten oft einzige Züge finden müssen und sich die Bewertung in der Hauptvariante 28. Lb5 Le4 29. Dg3 Dd8 30. g5! zwischen -0.8 und -1.4 einpendelt. Als Mensch würde ich also sagen, dass Weiß für die Minusqualität gefährliches Gegenspiel hat und die Stellung am Brett mit beiden Seiten sehr schwer zu spielen ist.

    Nach 27. De3 kann Schwarz aber auch 27…Dd8 ziehen, wonach 28. Lb5 Le4 29. Lc5 Dc7 30. Lb6 Tc1+ 31. Lf1 Txf1+ 32. Kxf1 Dxd7 mehr oder weniger erzwungen erscheint und Schwarz mit zwei Mehrbauern bei Damen und ungleichfarbigen Läufern herauskommt.

    Objektiv gesehen wäre wie gesagt 26. Lxc5 stärker gewesen, aber nachdem Schwarz 28…d4 mit einfachem Remis versäumte, blieb die Stellung kompliziert, ohne dass Simon objektiv schlechter stand. Im Nachhinein also aus praktischer Sicht gut für uns.

    Zum Thema Läuferpaar gegen Läufer gibt es in diesem Thread eines Schachforums übrigens ein paar interessante Beispiele.

    In meiner Partie ist Dd1-b3xb7 die kritische Fortsetzung, sonst hat Schwarz mit dem Läufer auf f5 ja eigentlich überhaupt keine Probleme mehr. Wichtig ist nur, dass man einen Zug investiert, um die Springergabel abzuwehren.

    In deiner Partie, Enis, habe ich ehrlich gesagt auch ein paar Sachen nicht verstanden, die hauptsächlich mit hängenden Bauern zusammenhängen: Irgendwann hing einmal h6, den du aber nicht genommen hast; und dann hat Schwarz auf einmal seinen Isolani geopfert?!

  4. Hi Ramin,

    h5 war halt der zweitbeste Zug, der „nur“ mittel- und langfristigen Vorteil (schwacher schwarzer König) verspricht. Das war aber meine ursprüngliche Idee, als ich irgendwann mal h4 gespielt habe. Mit wenig Zeit wollte ich nicht unbedingt sehen, ob Dxh6 taktisch klappt (Le4 ist eine taktische Schwäche), auch wenn es objektiv gesehen natürlich „einfach“ geht.
    Das Opfern des Isolanis war hingegen schon das Beste. Kurzfristig kann er den Bauern vielleicht halten, aber auf lange Sicht ist es ein Minusbauer. Ich glaube, da habe ich einfach den Zeitpunkt verpasst, meinen Läufer gegen seinen Springer zu tauschen. Hätte er mehr Zeit gehabt, hätte er mit seiner Blockade auf d4 und potenziellem Druck auf c- und e-Linie schon etwas anstellen können (objektiv natürlich immer noch ein Mehrbauer, aber Schwarz hat Kompensation). Dass er im 40. Zug seinen Springer abtauscht, hilft mir nur.

  5. Hi an alle,

    nachdem ich wohl Jahre bräuchte, um die ganzen Varianten zu den Partien von Ramin, Enis und Simon zu verstehen, beschränke ich mich darauf, ein paar interessante Gedanken aus meiner Partie zum Besten zu geben.

    Ich hatte diese Variante des Budapester Gambits (Weiß mit verfrühtem 6.b4?) schonmal gespielt, und zwar bei der Stuttgarter Stadtmeisterschaft 2013 gegen Vadym Kaplunov.

    Hier brachte ich ebenfalls im 9. Zug das korrekte Springeropfer auf b4 und setzte damals im 11. Zug mit Sc5!? fort, wonach sich folgende Fortsetzung ergab: 12.Lc3 a5!, 13.Lxb4 axb4, 14.Sb-d2 0-0, 15.h3 Ta8! und bald wurde der schwarze Druck am Damenflügel zu stark, so dass Weiss bald die Figur für den gefährlichen b-Freibauern zurückgeben musste und ich mit einem Mehrbauern ins Endspiel ging und diesen zum Sieg verwerten konnte.

    Aus der Analyse von damals wusste ich aber noch, dass es zu 11….Sc5!? die Verbesserung Le6! für Schwarz gab. Versucht nicht nur, den dritten Bauern einzukassieren, sondern droht auch hübsch matt. Hier hätte Weiss nur mit 12. Se1! die Stellung halten können, das ist aber in der Praxis schwer zu sehen.

    Stattdessen machte er den Fehler 12.Sa3?, den ich mit der nicht ganz so genauen Partiefortsetzung 12…Lg4?! 13.Sb1 (der prompte Springer-Rückzug ist erzwungen, da Td2! droht) und anschließendem Sd2 (korrekt!) auszunutzen versuchte.

    @Ulrich:

    Stimmt, 12. …0-0 scheint an dieser Stelle tatsächlich der beste Zug zu sein, aber nach 13.Lxe5 muss man unbedingt c5! nachschieben, um den weißen Springer nicht nach d4 zu lassen, sonst ist der Vorteil verspielt. Nach 13….c5 kann man hingegen in aller Ruhe die Türme verdoppeln.]

    Nach 13…Sd2 meinerseits hätte er mit der Befreiung 14.e4! wiederum ausgleichen können, sein 14. Lc3?! hingegen nahm zwar ein wenig den Druck aus dem Spiel, brachte mir aber die Figur zurück bei gleichzeitigem Mehrbauer und guter Stellung: 14… Lxc3 15.Sxc3 e4! 16.Sxe4 Sxe4 usw.

    In der Folge konnte ich meinen Vorteil durch ziemlich genaues Spiel auf zwei Mehrbauern erhöhen, sodass mir der Computer nach 27….b5! einen Vorteil von +2,7 bescheinigt.

    Leider fing ich kurz danach an, dubiose Königszüge (g8-f8-e7-d6) zu machen und fand mich alsbald unter Zeitnot in der von Ramin kommentierten (natürlich immer noch gewonnen) Diagrammstellung nach 33.Se2 wieder.

    @Ramin:

    Natürlich, die Qualität geben, hätte glatt gewonnen – lustigerweise kann Schwarz auf 4 verschiedene Arten die Qualität geben: Tdxd5, Texd5, Tdxe4 oder Texe4. Wann gabs sowas schonmal? 33…Td2? war hingegen einfach nur eine Schnapsidee, und nach seinem prompten 34.Txd2 sah ich auch sofort was ich da angerichtet hatte – das noch bessere 34.Lxc4! hatte ich erst gar nicht gesehen…

    35…Sxe4?? von mir war natürlich genauso Schnaps; tatsächlich hatte ich überlegt, lieber auf d5 die Qualität zu geben, war mir allerdings in der Kürze der Zeit nicht sicher und traf die falsche Wahl. Wieso, kann ich mir im Nachhinein auch nicht mehr erklären..

    Sein Angebot zum Turmtausch (38. Td5?) schlug ich mit Kf6? aus, da ich mir sicher war, dass er den Turm tauschen würde, und mein König dann schon ins Zentrum vorgerückt wäre – Pustekuchen! Auf das von dir angesprochene Prinzip „je weniger Figuren auf dem Brett, desto schwerer wiegen die Bauern“ kam ich erst gar nicht, da ich meine knappe Zeit an der Berechnung von 38… Txe2 mit der Idee 39…Lb7 vergeudete. Nachdem ich aber auf die weiße Antwort 39.Txc5 nicht weiter wusste, spielte ich leider Kf6.

    Als sich nach der Zeitkontrolle das Schlamassel gelichtet hatte und ich mir die Stellung wieder in Ruhe anschaute, war mir sofort klar, dass Weiß jetzt eigentlich nur mit 41. Sc1 sinnvoll fortsetzen kann und dann automatisch auf Sieg spielt.
    [Genau genommen kann Schwarz sogar diese Stellung noch halten über die oben von Ramin angegebene „verrückte“ Variante.. 41…Lb7, 42.Sd3 Td5!! – so gesehen hat Weiß gar keinen Vorteil und mein 40…Kd7 war auch keine „letzte Zeitnotungenauigkeit“ 😛 ]

    Nach seinem Fehler 41.Tb6? hatte ich allerdings wieder Zuversicht, die Partie noch zu gewinnen und setzte auch mit 41…a5! 42.Sc1 c4! zunächst korrekt fort.

    43…b3?! war dann letztendlich der Zug, der die Partie zum Remis vergeigte – dabei war auch ich mir sicher gewesen, damit zu gewinnen! Ich hatte lediglich nervtötendes Turmschach am Ende der forcierten Variante übersehen: 44.Txc4 b2 45.Sd3 b1=D 46.Sxe5+ Ke6 47.Txc8 und hier erst dämmerte es mir: der a-Bauer geht verloren…
    43…c3! hatte ich in meinem Irrglauben gar nicht groß angeschaut.

    Schade, aber nichts zu machen. Immerhin können wir sonst mit unserer Leistung zufrieden sein und mit einem guten Punktekonto in die Winterpause gehen.

    @Robin: Hm, ich empfand Patrick trotzdem als beste Wahl (er hat ja bestimmt bis 9.30 Uhr geschlafen ;).. Und, ja, bitte schlag mich wieder, ich glaube es geht einfach nicht ohne…

    Viele Grüße an alle