Heilbronn steigt auf! Update: Mit kommentierter Partie

Wir haben mal wieder ein ereignisreiches Wochenende hinter uns, welches ich aufgrund von Zeitknappheit nur kurz zusammenfassen werde. Die Leser mögen mir dies nachsehen.

Freitag: Unterlandpokal
Freitag abends reiste eine U25-Truppe zu der SV Rochade Neuenstadt für die 2. Runde des diesjährigen Unterlandpokals. Die Reise endete im ver.di-Jugendheim bei uns in Heilbronn, da die Neuenstädter uns darum baten. Also ein Heimspiel mit Weiß am ersten Brett, was will man mehr?
Diesen Umstand konnte ich gleich ausnutzen und nach ca. 25 Minuten (Bedenkzeit 1 Stunde pro Spieler und Partie) einen stürmischen Angriffssieg gegen Michael Edam erringen. Thomas Tschlatscher spielte an Brett 2 ein bisschen zu viel „yolo“ („you only live once“) und opferte inkorrekt eine Figur, anstatt das inkorrekte Figurenopfer von Marco Thiele anzunehmen. So verloren wir an Brett 2.
Bei Kim-Luca ging es an Brett 4 von Eröffnung bis zum Ende hin und her. In beginnender Zeitnot behandelte sein Gegner Philipp Hübener das Endspiel ziemlich schlecht, was Kim-Luca im Gegenzug gut ausnutzen konnte.
Mannschaftssiege gibt es im Unterlandpokal ja nicht, es geht nur um Brettpunkte. Und da war Simon Degenhard auf einem guten Weg zum vollen Punkt gegen Holger Spahn. Einen Mehrbauern schob er mehr oder weniger gekonnt zu einer Gewinnstellung. Als beide nur noch eine halbe Minute hatten, unterlief Simon ein furchtbarer Fingerfehler, der ihm eigentlich die ganze Partie kosten sollte, stattdessen wählte Holger nur eine Remisvariante.
Wir „gewannen“ damit 2,5-1,5, aber wenn wir diese Liga gewinnen wollen, sollten wir mal mehr Brettpunkte holen.

Samstag: 6. Biber Jugend-Cup
Das mittlerweile mehr als etablierte Jugendturnier der Biberacher durfte sich wieder über einen großen Zulauf freuen. Unter den ganzen Teilnehmern stellten wir 15 tapfere Soldaten, die in die Schlacht zogen. Spieler wie Lukas Steinmüller oder Lukas Dietzel, die noch am Anfang stehen, wollten Erfahrungen sammeln, andere Jungs wie Nikolas Sawadski oder Daniel Schäfer wollten sich mit den Besten ihres Jahrgangs messen und die alten Säcke (inklusive mir) wollten in der Königsklasse das Preisgeld absahnen.
Dabei erfüllten wir unsere Ziele in der Hinsicht komplett.
Leider sind die Ergebnisse noch nicht online, aber bei 15 Teilnehmern alle Plätze aufzuzählen wäre ohnehin redundant. Podestplatzierungen nahmen Patrick Wenninger (2. Platz U25, 5,5/7 Punkte), ich (1. Platz U25, 7/7 Punkte) und meiner Erinnerung nach auch Felix Hagenmeyer in der U10 ein. Bei Felix‘ genauer Platzierung sowie Punktzahl in der U10 müsste ich aber lügen, da müssen wir auf die Ergebnisse warten.
Mit insgesamt 61,0 Punkten gewannen wir auch den Mannschaftspreis!

Die Ergebnisse sollten im Laufe der Zeit auf der Turnierseite erscheinen.

Sonntag: Erste Mannschaft
Heute mussten wir (glücklicherweise zum letzten Mal diese Saison, was für ein Verkehrschaos…) nach Stuttgart reisen, um uns der Stuttgarter Dritten zu stellen. Robin hat dankenswerterweise seine Sicht der Dinge in einen Bericht gepackt:

„Heute mussten wir uns durch die Stuttgarter Innenstadt den Weg zum Ausweichlokal des Traditionsvereins suchen, wo wir dann zusammen mit den Hallern dicht gedrängt eine nominelle Pflichtaufgabe angingen. Die Blamage von Böblingen wollten wir nicht wiederholen, auch wenn unsere Aufstellung vergleichbar schwach war.

Als erstes gewann Tobias Peng an 8, weil er aus seiner Misshandlung des Spaniers (Anmerkung Enis: war streng genommen ein Italiener heute) beim letzten Mal gelernt hatte, und sein Gegner etwas zu schwach war.

Als nächsten schob Adam am dritten Brett seinen Gegner gründlich zusammen.

Am siebten Brett hatte Eberhard mal wieder seien Lieblingsstellungstyp, und weil sein Gegner den Damenflügel nicht entwickelte und den Königsflügel abtauschte, konnte er ein Remisgebot beruhigt ablehnen, wonach er noch einen hübschen Abschluss zeigte.

Am zweiten Brett wollte mein Gegner mich wohl in eine vorbereitete Variante locken (wieso sonst zieht ein e4-Spieler plötzlich d4?), also vertauschte ich die Züge ein bisschen, um meinen Meraner Aufbau zu bekommen. Als er seinen Königsläufer fianchettierte, bediente ich mich rotzfrech auf c4 und wollte mir mal zeigen lassen, wie er den vernünftig zurückerobert. Weil ihm dies nicht gelang und er auch keine nennenswerte Kompensation verbuchen konnte, spuckte er d4 im 10.Zug gleich hinterher. Als im 15. Zug noch eine Qualität folgte, wurde sein Angriff tatsächlich taktisch gefährlich, aber sauber rechnen kann ich ja. Nach 24 Zügen hatte er noch zweieinhalb Minuten, eine Qualität und 3 Freibauern weniger, sowie überhaupt keine Angriffschancen mehr. Zum Vergleich: In vernünftigen Eröffnungen hört die Theorie da erst auf und Schwarz hat nicht gewonnen, sondern Ausgleich. Weils so schnell ging, hatte ich auch erst zwei Äpfel gemampft.

Am vierten Brett lief mit Jürgens Franzosen irgendetwas schief. Er musste eine Figur für drei Bauern geben, hatte aber noch einen unterentwickelten Damenflügel und ’ne Menge Löcher. Glücklicherweise fand der Gegner nicht die richtige Bekämpfungsmethode, sondern gab zwei Figuren für Turm und Bauern. Jetzt hatte Jürgen zwei Bauern und eine sanierte Stellung für die Qualität. Kurz vor der Zeitkontrolle fand er eine „petite combination“ mit Damenscheinopfer, die auch dieses Spiel zu unseren Gunsten entschied.

Julian wurde am sechsten Brett mit dem b3- Sizilianer konfrontiert und hatte keine Ahnung, weshalb er mal wieder Unmengen Zeit investierte. Wenigsten fand er starke Kontermethoden, die vom Gegner eine genaue Angriffsführung verlangt hätten. Als dieser nicht lieferte, gewann Julian die Zeitnotschlacht.

Update: Julian hat seine Partie bereitgestellt.

Am Spitzenbrett bekämpfte Enis das Aljechin-Fianchetto seines Gegners mit frühen h4-h5. Das seltsam anmutende a5 seines Gegners ist anscheinend eine Großmeisterempfehlung (Anmerkung Enis: nie gesehen, und ist auch kein guter Zug). Ich hätte mit h6, Lf6, Se4 positionellen Vorteil zementiert, aber Enis ließ mit g4 den nächsten Flügelbauern von der Leine. Nach dem thematischem Gegenstoß im Zentrum griff Enis mit Se4 den Schwächling auf d6 an. Nun hatte Schwarz die Wahl entweder mit d5 scharfe Verwicklungen anzustreben, oder mit Sxg4 eine Figur einzustellen; er entschied sich dafür, letztere Variante als Opfer zu interpretieren. Tatsächlich gelang es ihm auch den weißen König kreuz und quer übers Brett zu treiben, aber es war zu viel Material abgetauscht und irgendwo gab es immer noch ein sicheres Plätzchen. Letztendlich entschied die Mehrfigur auch hier für uns.

Am fünften Brett stand Ramin immer optisch überlegen und eroberte schließlich auch im Endspiel einen Bauern. doch war das Material schon stark reduziert und ich glaube, vor der Zeitkontrolle verpasste er eine druckvollere Fortsetzung, sodass er die Gastgeber mit einem Gnadenremis vor der Höchststrafe bewahrte.

Den Parallelkampf der Stuttgarter Zweiten gegen Hall habe ich nicht ganz so genau verfolgt, aber wie IM Zpevak mit Schwarz einen kleinen Vorteil zum Mannschaftssieg knetet, war schon nachhaltig. Wir hoffen einfach mal, dass diese Doppelniederlage noch in zwei Wochen nachhallt, wenn wir gegen die besseren Stuttgarter ranmüssen.“

Wer nicht mitgezählt hat: Wir haben wirklich 7,5-0,5 gewonnen…

Erste Mannschaft.

Sonntag: Dritte Mannschaft
Für mich das, wohl von vielen weniger beachtete, Highlight war das Heimspiel der Dritten gegen Böckingen. Wie bereits in einer früheren Newsmeldung erwähnt, konnte die Dritte mit einem Sieg den Aufstieg perfekt machen. Leider konnte ich nicht zuschauen, da ich ja selbst im Einsatz war. Wobei, so schnell, wie die Partien manchmal vorbei sind, wäre ich wohl eh zu spät gekommen, wenn ich klassisch studentisch um 12 Uhr aufgestanden wäre.
Langer Rede kurzer Sinn: Die Dritte besiegte Böckingen mit 5,5-2,5 und steigt damit in die Kreisklasse auf! Herzlichen Glückwunsch!

Es gewannen Michael Eberhard, Uwe Bäuerle, Jonas Dudt und Stephan Dietrich. Die Remisen des Tages holten Reiner Scholte, Andreas Usov und Sabine Schäffer-Henoch. Leonard Sawadski war gesundheitlich angeschlagen (er war auch nicht samstags in Biberach, opferte sich aber am Sonntag für die Mannschaft!) und verlor leider. Im Anbetracht des Erfolges aber verschmerzbar.

Als Krönung kann man am 17.4. in Schwäbisch Hall sogar mit einer 5:3-Niederlage – und natürlich mit jedem besseren Ergebnis – die Meisterschaft perfekt machen.

Dritte Mannschaft.

Einen schönen Restsonntag noch!


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