Schach bei brütender Hitze reloaded

In den vergangenen zwei Wochen war wieder viel los im Verein. Pfingsten und Fronleichnam geben ausreichend Gelegenheit, sich am Schachspiel zu laben. Hier folgt dann noch der obligatorische Dank an eine unbekannte Macht, welche dafür gesorgt hat, dass ich in Baden-Württemberg geboren wurde und mein Leben in diesem Bundesland verbringen darf. Eine ungeheuerliche Ausnutzung katholischer Bräuche durch einen ganz und gar nicht katholischen Mitbürger. Ich Schmarotzer!

Direkt am ersten Pfingstwochenende verließen einige Leute jedoch dieses wunderschöne Bundesland. Einige Kinder machten sich, in Sayguns Obhut, auf nach Gernsheim (Hessen), Simon Degenhard fuhr nach Willingen (Sauerland, NRW) zur DEM, Nikolas Pogan verließ Deutschland sogar komplett und machte sich in den Niederlanden beim Limburg-Open breit.

In Gernsheim merkte man den Generationenwechsel in der Jugend, welcher bereits voll im Gange ist. Nur Kim-Luca Lahouel stellte sich in der Königsklasse der Herausforderung, während fünf mal so viele Kinder (in Zahlen: fünf) im B-Open Erfahrungen sammelten. Kim-Luca schlug sich ganz ordentlich und landete in den Top 10 – fünf Punkte aus sieben Runden, 9. Platz. Das B-Turnier war fast schon überfüllt mit 152 Teilnehmern. Den Vereinskollegen ein Schnippchen schlagen konnte Dennis Birke (4,5 Punkte), wobei Eric Krohmer nur nach Buchholz zurücklag. Komplettiert wurde die Gruppe von drei Leuten, welche mit 50% zufrieden zu sein schienen, namentlich Auror Kabashi, Richard Walter und Calvin Wolff.
Pfingst-Jugendopen 2018.

Willingen bot immer schöne DEMs, leider konnte ich dort nur wenige erleben, bis das Turnier nach Oberhof umzog und jetzt bin ich fast schon zu alt, um an der offenen DEM U25 teilzunehmen. Wie dem auch sei, wenigstens können andere Leute das Event genießen. Wie oft Simon sich jetzt schon qualifiziert hat, weiß ich nicht auswendig, habe ich jedoch sicher in einem der vorherigen Berichte erwähnt. Wiederum bedeutet dies, dass es auch bei Simon auf das Ende der Jugendzeit zugeht, dieses Jahr durfte er zum ersten Mal U18 spielen. Gegen Ende des Turniers, in den Runden 6+7, litt Simon unter einer kurzen Rochade in engen Partien, was sein Ergebnis etwas schlechter machte, als es eigentlich gewesen wäre. Zum Schluss holte er noch einmal 1,5/2 und belegte mit insgesamt 4,5/9 Punkten den 16. Platz, seinen Setzlistenrang.
DEM 2018.
Aus württembergischer Sicht gab es noch zwei herausragende Ergebnisse zu bestaunen. Bei den Kleinen der U10 holte sich der erstgesetzte Marius Deuer (Weiße Dame Ulm) nach elf anstrengenden Runden die Silbermedaille. Fast noch besser war Jacqueline Kobald (Stuttgart-Wolfbusch) in der U16w. Sie musste sich nur nach Buchholz der Siegerin Lara Schulze geschlagen geben, welche sie sogar besiegen konnte. Beide Mädchen lagen ganze 2,5 Punkte vor der Drittplatzierten, ein Zeichen von Dominanz.

Unsere „Nordwest“-Tour (Heilbronn -> Gernsheim -> Willingen -> Limburg) endet in den Niederlanden, dort spielte Nikolas Pogan das zweite Mal mit. Es tut sicher gut, nicht immer den gleichen Gesichtern gegenüberzusitzen. Jedoch war natürlich absolut klar, dass er auf deutsche Spieler treffen würde. Einer von ihnen fügte ihm seine einzige Niederlage des Turniers zu, insgesamt lief es dennoch ziemlich gut für Niko. 4,5/7 Punkte bescherten ihm ein gutes Plus in der Endabrechnung. Für uns abgehalfterte Pseudo-Jugendliche (man ist halt so alt, wie man alt ist – danke Marteria) zählt sowieso nur noch der Gewinn von Elo. Und Geld.
Limburg-Open.

Nach Pfingsten kamen erstmal alle zur Ruhe (bis auf mich, denn „Ferien“ habe ich nicht mehr im konventionellen Sinne), bis es über bzw. nach Fronleichnam weiterging. Beim Seebach-Open (Langschach, über mehrere Tage) und beim Schach im Schloss in Künzelsau (Schnellschach) am 3. Juni kämpften Heilbronner Spieler um Ruhm und Ehre. Geld dürfen wir aber nicht vergessen.
Severin Bühler schnitt im Seebach-Open sehr gut ab und machte einigen Favoriten das Leben schwer. In der Schlussrunde verlor er zwar nochmal, dennoch bleiben 4/7 Punkte und der 32. Platz von 124 Teilnehmern ein respektables Ergebnis. Das Turnier gewann zum zweiten Mal in Folge ein gewisser Philipp Wenninger, welcher laut DSB in unserem Verein passiv gemeldet ist. Der Name sagt mir aber nicht wirklich etwas, jedoch habe ich gehört, dass er in seiner einzigen Verlustpartie die Dame eingestellt hat, wodurch ich mir sicher sein kann, dass er nicht sehr viel besser als ich sein kann, da ich solche Aktionen auch mal bringe. Wenn er sich anstrengt, überholt er mich in der DWZ-Liste auch irgendwann.
Seebach-Open 2018.

Abschließend noch das Schach im Schloss in Künzelsau. Aus meiner persönlichen Sicht nahm ich mir wie jedes Jahr vor, nicht total zu versagen. Hiermit bedanke ich mich auch bei den Jugendlichen Markus und Johannes Rupp, welche mich nach der sechsten Runde verfluchten: Vor den letzten drei Runden stand ich noch mit 5/6 (zwei Remis, eins davon geschoben gegen N. Pogan, danke Auslosung) ziemlich gut da, als die beiden Brüder mit mir über meine Ziele für das Turnier redeten. Der kleine Johannes schlug mir vor, ich solle doch Fünfter werden, was sich auch gleich in meinem Partien niederschlug, denn ich verlor sowohl Runde 7 als auch 8. Immerhin konnte ich noch den Schönaicher Jugendlichen (also er wurde nicht in Schönaich ausgebildet, sondern spielt neuerdings da) Jan Brunner in einer knappen Partie besiegen, was sich noch als wichtig erweisen sollte.
Unsere Heilbronner Gruppe war erfreulicherweise wieder sehr groß, konkret bestand sie aus: Uwe und Matthias Jahn, Levent Balkan (auch im Erwachsenenbereich gibt es Neulinge bzw. Wiedereinsteiger!), Johannes und Markus Rupp, Calvin Wolff, Richard Walter, Lukas Dietzel, Daniel Schäfer, Simon Degenhard, Kim-Luca Lahouel, Nikolas Pogan, Thomas Tschlatscher, Steffen Mages und eben ich stellten, wenn ich es richtig gesehen habe, sogar vor den Ausrichtern aus Künzelsau die größte Gruppe. Die Zielsetzung war dementsprechend unterschiedlich. Am Schlauesten machte es Steffen Mages: Anfangs schwächelte er, dafür drehte er zum Ende noch einmal richtig auf und wurde bester Heilbronner mit 7/9 Punkten. Zu einem Hauptpreis (Top 6) reichte es jedoch aufgrund der Buchholz nicht, dort rächte sich das „Schweizer Gambit“. Als Blitz- und Schnellschachaffiner hat er seinen wichtigen Letztrundensieg gegen den Bad Mergentheimer Michael Pfleger für uns kommentiert:

Bei den anderen lief es so wie erwartet. Kim-Luca landete vor Simon, Niko hatte den gleichen „Meltdown“ wie ich in der Schlussphase und als wir den 1. Preis für die Mannschaftswertung (Schönaich bei Buchholz ausgestochen), zeigten wir unsere verblendete Arroganz dadurch, dass die Sieger Steffen, Thomas Tschlatscher, Niko und ich geschlossen mit Sonnenbrillen auftraten. Jedoch ist noch zu erwähnen, dass die Fotografen darauf bestanden haben, dass wir die Sonnenbrillen tragen. Ich wasche meine Hände in Unschuld.

Schach im Schloss 2018.

Bis zu den Sommerferien werde ich nun im Angesicht der ermüdenden elektromagnetischen Strahlung der Sonne dahinvegetieren, meine Klausuren schreiben und dann irgendwann wieder Schach spielen.
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