Taktik aus dem wahren Leben (80)

Das Thema dieser Serie ist die „Taktik des Alltags“, also taktische Situationen, mit denen wir Normalsterbliche in unseren Partien konfrontiert sind. Wer genügend Partien gespielt hat, weiß, dass brillante Opferangriffe leider die Ausnahme bilden; entscheidend ist viel häufiger, die kleinen Chancen, die sich links und rechts am Wegesrand auftun, zu erkennen und zu nutzen.

Alle Beispiele kommen aus dem „wahren Leben“, entstammen also meinen eigenen oder Heilbronner Partien. Manchmal kam die Kombination oder taktische Möglichkeit aufs Brett, manchmal wurde sie jedoch auch übersehen. Die Spanne reicht vom simplen kurzzügigen Bauerngewinn bis zu komplexeren Kombinationen, bei denen klassische Motive eventuell in versteckter oder „verfälschter“ Form auftreten können. Hin und wieder ist auch mal eine „Perle“ dabei, entweder in Form einer Kombination „für die Galerie“ oder als gehaltvolle Stellung mit vielen interessanten Motiven und Möglichkeiten, die naturgemäß zum großen Teil unter der Oberfläche bleiben und erst in der Analyse auftauchen.

Statt der Partiefortsetzung 22… Lf6-e7 hätte Schwarz direkt mit 22… a4 seinen eigenen Angriff vorantreiben sollen. Warum ist der Partiezug keine verbesserte Version davon (schließlich hängt der weiße Turm und …a4 liegt immer noch in der Luft)?


Lösung


Kommentare

Taktik aus dem wahren Leben (80) — 1 Kommentar

  1. Der offensichtliche Nachteil Le7s ist die Aufgabe der langen Diagonale, was Weiß mit 23.Dg7 ausnützen kann. Dies erzwingt Tf8, wonach Weiß entweder mit 24.De5 a4 25.Td7 Dc5 26.Dxc5 (Lxa4 Dxe5 27.fxe5 Txa4 28.T1d1 ist noch so ein unklares Opfer, aber da gefällt mir das Qualitätsopfer weiter unten besser.) Lxc5 27.Lc4 in ein wahrscheinlich bessseres Endspiel abwickeln kann, oder mit 24.Tf6 ein aussichtsreiches Qualitätsopfer für starken Angriff gegen den offenen SK mit unverbundenen Türmen bringen kann. Für was auch immer Weiß sich entscheidet, 22. … a4 wäre für Schwarz besser gewesen.

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