Taktik aus dem wahren Leben (42)

Das Thema dieser Serie ist die „Taktik des Alltags“, also taktische Situationen, mit denen wir Normalsterbliche in unseren Partien konfrontiert sind. Wer genügend Partien gespielt hat, weiß, dass brillante Opferangriffe leider die Ausnahme bilden; entscheidend ist viel häufiger, die kleinen Chancen, die sich links und rechts am Wegesrand auftun, zu erkennen und zu nutzen.

Alle Beispiele kommen aus dem „wahren Leben“, entstammen also meinen eigenen oder Heilbronner Partien. Manchmal kam die Kombination oder taktische Möglichkeit aufs Brett, manchmal wurde sie jedoch auch übersehen. Die Spanne reicht vom simplen kurzzügigen Bauerngewinn bis zu komplexeren Kombinationen, bei denen klassische Motive eventuell in versteckter oder „verfälschter“ Form auftreten können. Hin und wieder ist auch mal eine „Perle“ dabei, entweder in Form einer Kombination „für die Galerie“ oder als gehaltvolle Stellung mit vielen interessanten Motiven und Möglichkeiten, die naturgemäß zum großen Teil unter der Oberfläche bleiben und erst in der Analyse auftauchen.

Außer Konkurrenz

…läuft gewissermaßen die heutige Stellung. Zwar stammt sie auch aus dem „wahren Leben“, allerdings handelt es sich um eine Fernschachpartie unseres mittlerweile verstorbenen, aber bis ins hohe Alter aktiven Mitglieds Friedrich Löchner. Die Partie wurde immerhin vor dem Computerzeitalter gespielt, also durften die Spieler die Figuren zwar nach Belieben hin- und herziehen, selber denken mussten sie aber trotzdem. Die Wahrscheinlichkeit ist daher hoch, dass Schwarz das nun folgende Finale bereits viele Züge und damit viele Wochen oder gar Monate im Voraus gesehen hatte. Bis Sonntag findet Ihr den netten Abschluss sicher auch!


Am Sonntag werde ich diesen Beitrag mit der Lösung aktualisieren. Lösungsvorschläge als Kommentare sind erlaubt – wer sich also zunächst selbst an der Aufgabe probieren möchte, sollte die Kommentare erst mal ignorieren.


Kommentare

Taktik aus dem wahren Leben (42) — 1 Kommentar

  1. Eines Problemkomponisten würdig – möge Frieder in Frieden ruhen (nicht nur der Alliteration wegen).

    1. – Txe2 2. Txe2 [2. Dxe2 geht natürlich wegen 2. – Dc3+ mit Matt nicht.] e4! und weil sich 3. Dxe4 wieder wegen 3. – Dc3+ verbietet, bekommt Schwarz seinen Turm zurück und hat den starken (???!) Le7 mehr. 🙂

    Wenn es doch immer so einfach wäre, das löst sich ja quasi von alleine. Oder vielleicht ist’s auch falsch, aber ich freue mich, dass du ein „Problem“ des Altmeisters gebracht hast, Ramin. Schön, dass ich ihn gerade noch kennenlernen durfte.

    Herzliche Grüße
    Jochen

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Kommentare sind moderiert und werden in der Regel innerhalb eines Tages freigegeben. Sollte es länger dauern, haben wir den Kommentar entweder übersehen oder der Spamfilter hat zugeschlagen. In diesem Fall bitten wir um eine kurze E-Mail an webmaster@schachverein-heilbronn.de.