Erfolgreich in Sulzfeld abgestaubt

Objektiv gesehen hat das Open in Sulzfeld sicher schon zur Stuttgarter Stadtmeisterschaft ausgeschlossen. Zwar sind die Hauptpreise in Stuttgart signifikant höher als in Sulzfeld, zum Einen wird das aber durch diverse Faktoren wie eine geräumige Location, eine wunderbare Organisation und umfangreiches wie preiswertes Essensangebot aufgefangen, zum anderen schauen wir Amateurspieler ohnehin nicht auf die üppigen drei- bis vierstelligen Preise.

Insgesamt nahmen sechs Spieler unseres Vereins teil. Daniel Schäfer und Nilofar Banai spielten im B-Turnier (80 Teilnehmer) mit. Beide sammelten wichtige Erfahrungen, so landete Nilofar mit 3 Punkten aus 7 Runden auf dem 47. Platz. Darauf kann man auf jeden Fall aufbauen, vor allem, wenn man bedenkt, dass in vereinzelten Partien mehr für Nilofar drin was – ebenso wichtig ist die Tatsache, dass sie selbst gemerkt hat, dass mehr drin war.
Daniel landete bei soliden 50% und zeigte durchweg gute Partieanlagen. Seine gute Leistung wurde mit einem (bis jetzt inoffiziellen) DWZ-Sprung von satten 81 Punkten belohnt. Mit weiterem Training wird die Leistungskurve sicher weiter nach oben zeigen.

Neuzugang IM Ulrich Schulze, Jungspieler Simon Degenhard, Vize Michael Eberhard und ich mussten unser Glück im A-Open versuchen. Interessanterweise konnte Simon im Bezug auf Sulzfeld als „alter Hase“ angesehen werden – Ulrich hat ein Jahr mehr oder weniger kein Schach gespielt und ich hatte seit 2010 kein Turnier über Christi Himmelfahrt gespielt, während Simon nicht zum ersten Mal in Sulzfeld gespielt hat. Michael hingegen war in Sulzfeld Stammgast.
Nach drei Runden war fast alles nach Wunsch verlaufen, so hatte Ulrich wenig Probleme, mit 3/3 durchzustarten, Simon startete sehr stark mit 2,5/3 und behauptete sich dabei gegen eindeutig stärkere Gegner; so gewann er überzeugend gegen Eugen Holzinger (früher Biberach, jetzt Willsbach / 2019 DWZ) und remisierte gegen FM Edwin Bach (2268). Ich hingegen quälte mich, vor allem in Runde 2 in einem ewig langen Endspiel, zu 2/2 Punkten, um gegen den erstgesetzten GM Vadim Shishkin (2513) einzügig eine Figur einzustellen. Damit wäre immerhin mein alljährliches Pensum an Einstellern ausgeschöpft.

Michael hingegen machte im gesamten Turnier eine eher unglückliche Figur. Trotz vielversprechender Stellungen startete Michael nur mit einem halben Punkt aus drei Runden. Dazu ist zu sagen, dass Michael einen sehr schweren Stand hatte, da im A-Turnier jeder Spieler mit einer Wertungszahl von über 1500 teilnehmen musste. Somit war Michael wortwörtlich ein Underdog. In den letzten vier Runden besann sich Michael auf seine Stärken und verlor nur noch eine Partie, sodass er es mit 2,5 Punkten auf den 93. Platz schaffte.

Im weiteren Turnierverlauf spielte Simon weiterhin sehr solide. Zwar verlor er in Runde 4, remisierte (auch wegen unambitionierter Spielanlagen der Gegner) die verbliebenen drei Runden allesamt gegen stärkere Gegner und erreichte unter 120 Teilnehmern einen guten 34. Platz. Simon konnte folglich wie Daniel (DWZ + 61, Elo + 74) sehr gut zulegen.

Ulrich hatte zwischenzeitlich mit 4,5/5 alle Chancen und traf in der 6. Runde mit Weiß auf GM Shishkin. Es entstand eine ziemlich ausgeglichene Stellung, in der beide Seiten wenig konstruktive Pläne hatten, auch wenn Schwarz etwas angenehmer stand. Leider verrechnete sich Ulrich bei einer Abtauschabwicklung und landete in einer minderwertigen Stellung mit Turm + Bauer gegen zwei Leichtfiguren. Die Verwertung dieses Endspiels war für den Großmeister kein Problem. In der letzten Runde machte sich bemerkbar, dass sieben Runden Höchstleistung nach einem Jahr Pause gewöhnungsbedürftig sind, so stellte Ulrich Material ein und verlor die Partie und damit jede Chance auf einen Hauptpreis.

Was sich bei mir nicht änderte, war die Tatsache, dass ich immer in irgendein Endspiel kam. Zwar könnte man das auch positiv, im Sinne von „nie nach der Eröffnung verloren“ auslegen, jedoch sind Spielzeiten von 4-5 Stunden in 6 von 7 Runden schon sehr ermüdend. Im Stile eines Carlsens gewann ich ausgeglichene Endspiele dank gegnerischer Ungenauigkeiten, reizte kleine Vorteile meisterlich aus und fand remisrettende Ressourcen in schlechteren Endspielen – nur um während des Spiels durch eigene Ungenauigkeiten daran erinnert zu werden, dass ich doch Enis Zuferi bin und nicht Magnus Carlsen. In den Runden 4-7 erzielte ich sagenhafte 3,5 Punkte und profitierte vom Scheitern dreier vor mir platzierter Spieler – darunter auch Ulrich selbst – massiv. So lande ich hinter GM Shishkin, IM Vadim Chernov und FM Christopher Noe auf einem unerwarteten 4. Platz (an 14 gesetzt).
Nebenbei knackte ich (endlich) die 2200 DWZ, an dieser Stelle möchte ich Christian Biefel grüßen!

Insgesamt also ein sehr gelungenes Turnier. Vielleicht spielen wir im nächsten Jahr alle noch einen Tick stärker und vielleicht schaffen wir dann auch die Top 3.
Die Impressionen habe ich leider noch nicht gefunden. Vielleicht tauchen sie noch auf den Turnierseiten auf:

A-Turnier
B-Turnier

v.l.n.r: ich, FM Noe, GM Shishkin, IM Chernov, FM Stefan Bücker

v.l.n.r: ich, FM Noe, GM Shishkin, IM Chernov, FM Stefan Bücker (5. Platz)

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