Da ist das Ding! Der Aufstieg! Oder…?! HSchV I – SK Schwäbisch Hall II 4-4

Der 16.02.2014 könnte als unser persönlicher „Tag X“ in unsere Geschichte eingehen: für diesen Termin war nämlich das Spiel gegen den SK Schwäbisch Hall II angesetzt, die nominell gesehen ca. 70 Punkte im Durchschnitt besser sind als wir und folglich die klaren Favoriten auf den Aufstieg waren. Die Haller hatten aber bis zu diesem 7. Spieltag der Landesliga Unterland 13/14 zwei Mannschaftspunkte Rückstand auf uns angesammelt, da sie gegen Ludwigsburg und Kornwestheim die Punkte nur teilten, während wir (auch gegen Kornwestheim, das Duell gegen Ludwigsburg steht noch aus) alle sechs Mannschaftskämpfe für uns entscheiden konnten. Als passende Antwort zum wahrscheinlichen Haller Topaufgebot an Spielern konnten auch bei uns die ersten acht gemeldeten Bretter spielen, wodurch das Spiel wahrlich den Charakter eines Spitzenspiels hatte, auf welches sicherlich hingefiebert wurde.
Robin G. Stürmer hat nach dem Spiel dankenswerterweise einen Spielbericht verfasst:

Am Samstag spielten Nicolas, Ich, Julian und Enis mitsamt Coach Ramin in Ingersheim (Pokal); wir wurden zwar furchtbar versenkt, waren dann aber warm gespielt für das viel, viel wichtigere Spiel am Sonntag. Wir gingen (zurecht) davon aus, dass Schwäbisch Hall gegen uns mit allen 4 Tschechen antreten würde, und bereiteten uns im Spiellokal mithilfe umfangreicher Datenbanken vor: Als vor einigen Jahren die Haller Erste aufgestiegen ist, hatte mich der Josef Mudrak dermaßen überspielt, dass ich frustriert feststellte, er sei schlicht und einfach signifikant besser. Bei Begutachtung seiner Partien konstatierte ich auch noch, dass er einen sehr ähnlichen Stil mit denselben Stärken und Vorlieben wie ich hat, nur halt deutlich stärker. Wenigstens hab ich diesmal Weiß. Irgendwann war es dann spät, und wir bauten noch auf, um am Spieltag Zeit zu sparen.

Auf unseren Topscorer Jürgen (heute zum ersten Mal mit Weiß) hatte ich eigentlich große Hoffnungen gesetzt, doch mußte ich mit Entsetzen schon nach anderthalb Stunden feststellen, dass er eine Ruine verwaltete. Anscheinend war er in eine Variation eines bekannten Fallenmotivs bei sich beobachtenden Fianchettoläufern reingelaufen. Wenig später war es um.

Ich selbst spielte seit grob geschätzten 3 Jahren endlich mal wieder eine richtig gute Partie gegen einen richtig starken Gegner (Ebenjenen Josef Mundrak):

Das war zwar der Anschlußpunkt doch sah es trotzdem nicht gut aus: Nach Enis‘ Gegners eigenwilliger Eröffnungsbehandlung bot dieser einen halbvergifteten Bauern an. Diesen zu fressen war schon richtig, doch nach einer Serie zweitbester Züge (Zuerst der falsche Damenrückzug, dann das ausgelassene Damenopfer, schließlich der falsche Befreiungsplan) war Enis besser verschnürt als ein DHL-Paket.

Ramin saß am 5. Brett Micha Bahmann gegenüber. Bevor Hall auf Einkaufstour ging, war er jahrelang der Spitzenspieler. Auch wenn seine Kinder-verrückt-mach-Zahl (Anmerkung Enis: Robin meint damit die DWZ 😉 ) nicht ganz so hoch ist, spielt er bärenstark und kann tief in Stellungen hineinschauen, wovor ich Ramin am Samstag auch warnte. Jedesmal wenn ich vorbeikam, sah die Situation schwierig und anspruchsvoll aus. Bei der gemeinsamen Analyse entdeckten wir viele hochinteressante Varianten. Am Ende gewann der Erfahrenere, doch ich denke, Ramin kann für die Lehrstunde dankbar sein.

Simon hatte am 8. Brett einen nominell schwachen Gegner, doch statt ihn für sein Eröffnungsexperiment zu bestrafen, verbriet Simon zu viel Zeit und mußte mit dem Remis noch sehr zufrieden sein. Und wenn ich schon beim Schimpfen bin: Gewöhn dir das Rauchen bloß schnell wieder ab!

Julian hatte endlich Schwarz. Er probierte eine neue Abart seines geliebten Beschleunigten Drachens aus und kam auch in einen Stellungstyp, wie er ihn mag. Als er aber anfing, sich zu viel Zeit zu lassen, musste ich ihn wie angekündigt mit einen gezieltem Schlag gegen den Oberarm in die Realität zurückholen. Die Kur funktionierte und Julian gewann endlich mal wieder eine Partie, die ihm sichtlich Spaß gemacht hat. (Dass sein Gegner einmal eine Remiesschaukel ausgelassen hat, ist negligierbar (schreibt man das so? – Enis: ja, das schreibt man so, für den Durchschnittsmensch: negligierbar = vernachlässigbar), denn erstens stand er da optisch besser und zweitens hat ein Weißspieler ja eine gewisse Verpflichtung). Die ganzen vermurksten Weißpartien sind egal, solang du die wichtige Schwarzpartie gewinnst!

Am Spitzenbrett hatte Nicolas gegen das andere Schwergewicht Pavel Zpevak (Waren die beiden bei der Stasi? Aus den Aufstellungseiten des WSV geht das nicht hervor) Schwarz. Er verteidigte sich sauber Damenindisch. Bis zum Remisschluß nach überstandener Zeitnot hatte ich nie den Eindruck, dass die nominelle Überlegenheit des Gegners zum Tragen käme. Wirklich eine reife Leistung.

Doch der Held des Tages war unser langjähriger Vorsitzender am 4.Brett: Nachdem er die Eröffnung wie schon so oft misshandelt hatte, machte er aus der Not eine Tugend und verspeiste einen halbvergifteten Bauern. Um der daraus resultierenden schwarzen Aktivität Herr zu werden, musste er zwei Bauern spucken, hatte also im entstandenen T+L-Endspiel einen weniger. Dafür stand er nun aktiver und bei ungleichfarbigen Läufern ist dies bekanntlich sehr wichtig. Nun zelebrierte Christian das Eine, was er außer rumduseln noch kann, und pflückte einen schwarzen Bauern nach dem andern ab, bis er schließlich mit zwei verbundenen Freibauern die Türme tauschen konnte. Auch wenn er nur noch wenig fürs Schach tut, manchmal zeigt unser ausgewandertes Urgestein halt doch noch, was für eine Kampfmaschine in ihm steckt.

4:4 das Endergebnis; nominell ein Unentschieden, aufgrund der Tabellensituation de facto ein Sieg. Auch wenn wir danach noch ein bisschen gefeiert haben, ist dass eigentlich zu früh, denn Ludwigsburg unser nächster Kontrahent hat sich auf den zweiten Platz vorgeschoben (Enis: die könnten theoretisch ja jetzt aus eigener Kraft aufsteigen…), und die können halt durchaus was.

Zum Schluss noch einige Impressionen vom Spieltag:

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Kommentare

Da ist das Ding! Der Aufstieg! Oder…?! HSchV I – SK Schwäbisch Hall II 4-4 — 11 Kommentare

  1. Gratulation zum „gefühlten“ Sieg! 🙂
    Freu mich schon auf unser Duell nächste Saison, also zieht das jetzt mal schön noch voll durch!
    Ps: Der Sieg von Jul hatte sich ja durch seine bisherige überragende Saisonleistung durchaus schon vorab abgezeichnet! 😉

  2. Nun ja, meine Partie war nur halb so glorreich. Habe Sie mal hinzugefügt.
    Christian

  3. Achja, anders als Robin bin ich der Meinung, dass man durchaus im Königsinder abtauschen kann, nur sollte man dann noch die Damen tauschen und Endspiele gut kneten können, aber dass du Letzteres gut kannst, hat man ja sehen können 😛

  4. Tach zusamnen,
    Glückwunsch auch von mir zu diesem Erfolg. Hätte nicht gedacht, dass sich Hall das nehmen läßt…

    Gruß,
    Holger

  5. Hallo Holger,

    besten Dank! Ebenfalls Glückwunsch an Euch zum sehr wahrscheinlichen Verbleib in der Verbandsliga.
    Hall hat es sich ja auch nicht nehmen lassen, vielmehr haben wir es uns geholt 😉

    @Cheffe: uiuiui, nach der 39. Lf8-Variante siehts ja ganz schön düster aus..

    @Robin: tolle Partie!

    @Enis: toller Bericht 😉

  6. Hallo,

    vielen Dank, Moritz und Holger, für eure Glückwünsche; ich hoffe, wir sehen uns dann nächstes Jahr in der Verbandsliga.

    Von meinem Patzerniveau aus gesehen, finde ich es echt klasse, wie Nicolas und Robin
    den beiden Titelträgern Paroli geboten haben.

    Zu meiner Partie kann man eigentlich nur sagen, dass mein Gegner mich innerhalb der 27 Züge klar überspielt hat. Bei kurzer Befragung der Blechkiste erweist sich natürlich die Hälfte der in der post-mortem-Analyse gefundenen hochinteressanten Varianten als inkorrekt, mein Gegner hat aber auch wirklich präzise gespielt und mir so ziemlich jede Gelegenheit, spürbares Gegenspiel zu erzeugen, aus der Stellung genommen. Der zweite, längere Teil der Lehrstunde geht aber wohl erst los, wenn ich mal die Zeit habe, die Partie wirklich zu analysieren…

    Ansonsten müssen wir jetzt „nur“ noch dafür sorgen, dass uns auf der Zielgeraden nicht die Puste ausgeht – dass das keine leichte Aufgabe wird, sollte klar sein, u.a. warten noch sehr starke Ludwigsburger auf uns. Und wie viel 2 Mannschaftspunkte Vorsprung wert sind, hat Marbach letztes Jahr eindrucksvoll bewiesen…

    Viele Grüße

    Ramin

  7. Ich muss ehrlich zugeben, dass ihr eigentlich schon die gesamte Saison über besser und souveräner als Hall gespielt habt 😉 Ich wünsche euch natürlich auch, dass ihr den Aufstieg dieses Jahr nicht mehr aus der Hand gebt und wir uns in 2 Jahren in der Verbandsliga wieder begegnen!

    64 Grüße,
    Steffen

  8. Hallo Steffen,

    besten Dank für die aufrichtigen Glückwünsche. Habe eben auch Deinen Bericht auf der Haller Homepage gelesen. Ich stimme Dir in Deiner Analyse voll zu. Was mich jedoch interessieren würde: Hatte es an Brett 1 tatsächlich ein frühes Remisangebot von Nicolas gegeben? Hatte ich gar nicht mitbekommen.. Und: was meinst Du denn mit den Bananen? Kann mich gar nicht erinnern, welche ausgeteilt zu haben ;).

    Beste Grüße

  9. Hab den Haller Bericht jetzt auch gelesen.
    http://www.sk-sha.schachvereine.de/2.-mannschaft.html
    Was da als besser und souveräner bezeichnet wird, sehe ich eigentlich eher als kompaktere Aufstellung.
    Hall hat es sich sehr wohl nehmen lassen: An Brett 4 und 7 hätten sie Remies haben können; wir hingegen hätten an keinen Brett mehr drin gehabt.
    Selbst falls wir in Ludwigsburg nicht straucheln, werden wir in zwei Jahren wahrscheinlich wieder Landesliga spielen, denn mit dieser Mannschaft ist der Klassenerhalt nicht drin, und ich weiß nicht, aus welchem Hut wir Verstärkungen zaubern sollten.
    @ Christian: der gloreiche Teil began nach der Zeitkontrolle.
    @ Königsindisch: In einer privaten Partie (Open oder so) darf Enis natürlich spielen, was er will, aber wenn er für die Mannschaft spielt und abtauscht (Ausnahme: Schwarz hat einen Fehler gemacht und der Abtausch gewinnt forciert Material) schimpf ich ihn aus und schick ihn ohne Abendessen ins Bett. Die Kompensation für die positonellen Schwächen ist so gering, dass sie eher früher als später Geschichte ist; und dann knetet Schwarz den Weißen statt umgekehrt. Diese Variante ist bestenfalls was für Masochisten. Und wie Philipp richtig anmerkt, gibt es viele starke Möglichkeiten Königsindisch zu bekämpfen.