Ein Unentschieden zum neuen Jahr

Am Sonntag war die fünfte Runde der Landesliga angesetzt und die SG Ludwigsburg kam als Gast. Wie jedes Jahr hat man gute Vorsätze, zum Beispiel besser Schach zu spielen. Dem Gegenüber stand der Grundsatz, dass man Gäste nicht leer heimgehen lässt und dieser Konflikt endetet in einem Unentschieden.

Die Mannschaftskampf startete etwas ungünstig, da Thomas eine Minute zu spät den Turniersaal erreichte und damit ein kampfloser Punkt den Gästen gutgeschrieben ward. An Brett 1 hatte es Robin mit der scharfen Anti-Moskauer Variante zu tun. Versprach sehr interessant zu werden, da ich selber mir schon mal überlegt hatte, diese Variante aufs Brett zu bringen. Jürgen sah sich mit Holländisch konfrontiert. Aber da kennt Jürgen sich aus und es besteht nicht die Gefahr, dass er überrannt wird. Ich musste mich einmal mehr mit Englisch auseinandersetzen, aber diesmal hatte ich keine Lust auf scharfe Varianten und tauschte im Zentrum ab. Julian hatte eine Caro-Kan auf dem Brett und Simon wieder seine Standard-Französisch Variante, wo er das letzte Mal den a-Bauer verloren hatte und trotz totaler Verluststellung es doch noch zum Sieg schaffte. Thomas, wie gesagt, war nur Zuschauer. Michael spielte wieder Königsindisch und Heinz hatte es mit einem Sizilianer zu tun. An meinem Brett bekam ich schnell Vorteile, als mein Gegner unvorbereitet b4 zog, was ich mit a5 sofort kontern konnte. In der Folge erhielt er einen schwachen Isolani, ich dafür gut Felder für meine Figuren. Das konnte ich nutzen, um Druckspiel zu erzeugen, wo ich zuerst einen Bauern eroberte und nachdem dann noch der zweite Bauer fiel, hatte mein Gegner genug von seiner Stellung: zerstörter Königsflügel, 4 Bauerninseln, 2 Minusbauern, keine Koordination seiner Figuren, kein Aussicht auf Gegenspiel. Da gab er auf. So stand es nach 1h20 1:1. Und hier war auch schon der Sieg von Robin abzusehen, der dann auch prompt 5 Minuten später erfolgte. Jürgen stand gut. Zwar waren noch alle Linien geschlossen, aber der schwarze Läufer, nebst Damenturm hatten keine Perspektiven, so dass Jürgen in Ruhe entscheiden konnte, ob er im Zentrum oder am Königsflügel operieren wollte. Julian spielte auf Angriff am Königsflügel, dort war aber alles dicht und es war fraglich, ob er durchkommen würde. Simon stand schlechter, allerdings nicht auf Verlust. Michael stand ausgeglichen und Heinz stand sehr gut. Er kontrollierte das Zentrum und das Spiel. Im Großen und Ganzen konnte man zufrieden sein. So kurz vor der erste Zeitkontrolle fielen die nächsten Entscheidungen bzw. Vorentscheidungen. Simon übersah einen einfachen Figurengewinn und nach seiner Abwicklung blieb das Heft fest in weißer Hand. Das sah bestenfalls nach Remis aus. Jürgen stand überlegen und hätte mit Tc7 vorzeitig das Spiel für sich entscheiden, aber auch so reichte es noch zum Gewinn. Julian kam nicht durch und es wurde Remis gemacht. Heinz, der lange Zeit besser stand, geriet wie sein Gegner in Zeitnot und im 40. Zug fiel das Blättchen von Heinz. Die letzten Züge zeichneten auf beiden Seiten ein grausames Spiel, da konnte man doch froh sein, nicht weiter zuschauen zu müssen. Michael hatte ein Endspiel auf dem Brett, wo jedes Durchkommen blockiert war und so endete die Partie unentschieden, wie der Mannschaftskampf auch.

Kommentare

Ein Unentschieden zum neuen Jahr — 1 Kommentar

  1. Thomas kamm 31 Minuten zu spät; eine mehr als toleriert wird.
    Wenn du die gravierenden Unterschiede zwischen Anti-Moskauer-Variante und Shirow-Shabalow-Angriff (den mein Gegner tatsächlich gespielt hat) nicht kennst, solltest du deine Überlegungen eines davon selbst aufs Brett zu bringen lieber fahren lassen. Mein hatte schon keine Ahnung mehr, bevor es richtig interessant wurde und du hast ja gesehen, wie er auf die Schnauze geflogen ist. Streng genommen hatte Heinz‘ Gegner c5 in zwei Schritten gemacht, also wars kein Sizilianer. Heinz stand auch nicht lange überlegen. Diese sizilianischen Strukturen verleiten nur bei oberflächiger Betragetrachtung zur irigen Annahme weißen Vorteil zu verheißen. Hätte Heinz auf e5 mit dem Läufer zurückgenommen, hätte er möglicherweise minimalen Vorteil gehabt, aber nach dxe5 stand er klar schlechter. Wenigstens hast du deine Neigung zu überoptimistischen Stellungseinschätzungen diesmal an den anderen Brettern im Zaum gehalten. Um Simon mach ich mir langsam Sorgen; er spielt schon die ganze Saison weniger gut und jetzt übersieht er auch noch einen elementaren Figurengewinn.
    Wer hat eigentlich das Photo gemacht? du selbst sitzt an deinem Brett.