Versöhnlicher Abschluss

Nach einem wirklich bitteren Auftritt bei der 2. Mannschaft der Karlsruher Schachfreunde (Bericht ) sollte gegen deren erste Mannschaft in unserem einzigen Heimspiel der Saison eine entsprechende Reaktion erfolgen. Dies gelang uns mehr oder weniger gut, aber der Reihe nach:

Nach einer Spielverlegung auf 10 Uhr begann unser Spiel im altbekannten Zimmer 1 des Robert-Mayer-Gymnasiums, und es begann sehr gut. Nach gut zwei Stunden hatte sich noch nicht viel getan, waren die Karlsruher SF doch als Tabellenführer auf dem Blatt irgendwie klarer Favorit. Erste beendete Partie war der Verlust von Leonard an Brett 5, der gegen den stark aufspielenden Simon Fidlin ohne Chance war. In einem unorthodoxen Spanier blieb dieser auch nach Bauernopfern im Marshall-Stil ruhig und fuhr später mit einigen Mehrbauern den ersten Sieg für Karlsruhe ein, es sollte der einzige an diesem Tag bleiben. Während die Stellungen bei Severin (Brett 3), Kim-Luca (Brett 2) und mir (Brett 1) irgendwie nichts hergaben, führte ein Bauernopfer von Nikolas an Brett 4 zu starken Komplikationen, die von dessen Gegner Leon Wegmer offensichtlich unterschätzt wurden. Nikolas gewann unter gewisser Kompensation durch das Läuferpaar irgendwie eine Figur gegen 2 Bauern, konnte diese aber in einem Springerendspiel nicht verwerten. Trotzdem sieht man bei beiden Sawadskis eine deutliche Verbesserung der Spielstärke. Diese wird mit vermehrten Turnierteilnahmen wohl weiter anwachsen, schon hier bewies Nikolas Comeback-Qualitäten nach zuletzt 4 Niederlagen in Folge. Ein wichtiges und stark erkämpftes Remis! Severin und ich fuhren kurz darauf unsere doch sehr öden Stellungen, in denen Weiß irgendwie nichts riskieren wollte, an die Wand und remisierten. 1 ½ – 2 ½ aus unserer Sicht also!

Derweil lieferte sich noch Daniel gegen den sehr jungen Hendrik Hänselmann ein echtes Duell, während es bei Kim-Luca wohl eher nach einem Remis-Franzosen aussah. In einem interessanten Endspiel, Daniel hatte einen Turm und 2 Bauern gegen Läufer und Springer, ließ er seine Muskeln spielen und fuhr in stilvoller, von Erfahrung strotzender Manier nacheinander alle schwarzen Bauern ein und gewann.

Derweil passierten unschöne Dinge, den irgendwie kippte die Stellung an Brett 2 bei Kim-Luca und alles Erkämpfte schien verloren. Doch scheinbar war nicht nur Kim-Luca sich seines Remis sicher, sondern auch sein Gegner konnte seine Überheblichkeit offenbar nicht überwinden und versuchte mit dem König in Kim-Lucas Stellung einzudringen, statt durch Schachs eine Art „Mattnetz“ zu kreieren. Als dann auch noch aufgrund von Bauarbeiten ein Feueralarm ausgelöst wurde, beendeten beide die Partie (wohl dann in nicht mehr gewinnbarer Stellung) freundschaftlich mit einem Remis.

Endstand war also 3:3, und da parallel Baden-Baden nicht gegen Biberach gewinnen konnte (1 ½ – 4 ½ ), können wohl beide Mannschaften mit diesem Ergebnis leben:

(Die Tabelle – Erste Jugendmannschaft)

 

Nun ein kurzes Fazit zur Saison: Nach anfänglich starkem Start (4/4 MP) kam dann das unrühmliche Intermezzo mit dem Protest gegen Bebenhausen, gefolgt von der klaren Niederlage in Baden-Baden und kurioser Weise zwei Unentschieden gegen beide Karlsruher Mannschaften!

Während bei uns wohl allein Daniel mit seiner Leistung (3,5/4 Punkten) ganz zufrieden sein kann, haben vor allem die beiden Sawadskis einige Erfahrungen sammeln können.

Für unser verpasstes Ziel DVM muss sich wirklich keiner Vorwürfe machen, in Anerkennung an die Leistungen der Karlsruher und Baden-Badener kann ich diesen nur gratulieren, dort wird seit Jahren starke Jugendarbeit betrieben, die sich nun ausgezahlt hat. Es wäre auch völlig verfehlt, gar von einer enttäuschenden Saison zu sprechen, ob des Verpassens der DVM; die Fakten haben in dieser Saison klar für die anderen Teams gesprochen, was uns jedoch nicht abhalten wird, stärker zurückzukommen in der nächsten Saison!

 

Zu allerletzt doch noch ein persönlicher Blickwinkel, der mir an der Stelle erlaubt sei (für alle, die das immer noch nicht verstehen: Das was jetzt kommt ist meine eigene Meinung!):

Seit Jahren beobachte ich die Vorgänge in der damaligen BW-Liga, heute heißt sie Jugendbundesliga. Leider fällt dort in letzter Zeit immer wieder auf, dass einige Teams wohl vergessen haben, was es bedeutet in der höchsten Liga Baden-Württembergs zu spielen. Ich kann nur sagen, was es für mich heißt: Diese Saison setzt meiner Meinung nach letztendlich die Spitze!

Fangen wir mal vom Anfang der Saison an, wo sich eine zweite Karlsruher Mannschaft (in allen Ehren!) für diese hohe Liga qualifiziert. Dass dabei eigentlich Viernheim den Aufstieg geschafft hat, aber weil nur mit vier(!) Spielern angetreten, dieser verwehrt wurde, zeugt meiner Ansicht nach vom Problem auf Badener Seite, irgendwie Vereine für die Jugendligen zu begeistern. Dort gibt es im Gegensatz zur Verbandsjugendliga in Württemberg keine vergleichbare Instanz oder gar eine Bezirksjugendliga, da seit Jahren nur maximal 3-4 Mannschaften an der Verbandsjugend-„Runde“ in Baden teilnehmen. Dann sagt Schwäbisch-Gmünd ab, die Einzelheiten kenne ich nicht; Fakt ist, dass man offensichtlich auch schon hätte zwei Monate früher Bescheid sagen können – seien es Kommunikationsprobleme oder ähnliches – so viele Spieler können gar nicht urplötzlich verschwunden sein.

Plötzlich fallen auch bei Mannschaften wie Sasbach zunehmend 0:6 kampflose Ergebnisse auf. Ok, man kann ja mal Probleme bei der Spieleraufstellung bekommen, aber das zwei Mal in einer Saison? Die Termine stehen bei aller Liebe schon seit Ende August fest, und dann trägt man sich diese in den Terminkalender ein; noch dazu hat man ganze 16 Spieler gemeldet. Für mich riecht das eher so, als wird die Jugendbundesliga nicht so ganz ernst genommen…  Sieht man nur in die Tabelle, kann man nur froh sein, dass das 6:0 von Biberach gegen Sasbach keine Auswirkungen auf den Endstand hatte, da Bebenhausen trotz dessen einen halben Brettpunkt mehr behalten hatte.

Auch das Baden-Baden (in der letzten Saison bereits) mit 5 Spielern bei uns antritt, noch kurz gegen uns gewinnt und uns die Quali zur DVM wegschnappt, nur um dann zurückzuziehen finde ich auch nicht so toll, aber na gut…

Auf den Protest unsererseits gegen Bebenhausen bzw. dessen Ausgang will ich eigentlich nicht mehr näher eingehen, allerdings trägt die Entscheidung des Schiedsgerichts aus meiner Sicht nicht gerade zu einer Erhöhung der Seriösität der Jugendbundesliga bei!

Das alles tut mir vor allem für Mannschaften wie Biberach (Schade, leider nur Platz 4) und vor allem Karlsruhe leid, die zwar zwei Mal mit einem Mann weniger spielten (allerdings durch Krankheit!), aber trotzdem nie absagen, und spielen sie auch mit (nach DWZ) noch so klar unterlegenen Spielern! Dieser Kampfeswille wurde unter anderem durch ein 3:3 gegen uns belohnt.

Fakt ist aber auch, dass ich mit diesem Vorstoß wohl nur auf Kritik stoßen werde und sicherlich auch der ein oder andere Erklärungen für die oben beschriebenen Sachverhalte hat. Was ich will ist letztendlich auf die Problematik aufmerksam machen, dass man nicht ewig entweder acht Mannschaften in der Jugendbundesliga halten kann bzw. nicht ewig mit 6 Spielern pro Mannschaft spielen kann. Schon jetzt sind eklatante Probleme sichtbar, genügend Spieler an die Bretter zu bekommen oder gar Aufstiegsmannschaften zu finden. 4 Spieler pro Mannschaft wie in den Altersklassen u10 bis u16 ist längerfristig durchaus eine Alternative wert!

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