Land unter, Pokal in Sicht!

Am Sonntag fuhren Kim-Luca, Thomas, Enis und ich zur zentral ausgetragenen Doppelschlussrunde des Unterlandpokals nach Steinheim an der Murr.
Zur Ausgangslage: Obwohl wir bis jetzt jeden Kampf gewonnen hatten lagen wir, da in diesem Wettbewerb nur Brettpunkte zählen, hinter Ludwigsburg, Lauffen, Ingersheim und Öhringen. Dass Öhringen zurückzog, bedeutete zwar, dass wir nur noch 3 Mannschaften überholen mussten, ruinierte andererseits aber unsere Buchholz, da wir als einzige der Aspiranten schon gegen Ö gespielt hatten.
Enis forderte mal wieder zwei 4:0 Siege, ich war der etwas realistischeren Ansicht, das zwei Mal 3:1 für den ersten Platz reichen sollte.

Vormittags ging’s gegen Ingersheim, unsere Nemesis des KO-Pokals. Kim-Lucca erledigte seinen Gegner im Evans-Gambit dermaßen schnell, dass ich jenen als vorletzten Aushilfsersatzspieler einschätze; tatsächlich hat er alle 4 anderen Spiele gewonnen, was die Leistung unseres Nachwuchstalents betont.

Mein Gegner hielt meinen Aufbau für harmlos – bis ihm die sinnvollen Züge ausgingen, während ich eine Figur nach der anderen in Position bringen konnte; der große Knall war unausweichlich.

Thomas vereinfachte die Stellung nach der Eröffnung etwas zu sehr und berechnete dann viele lange Varianten, um noch etwas Leben in der Stellung zu halten – als er endlich ein Ungleichgewicht erreicht hatte, übersah er ein zweizügiges Matt. Im Schach gibt’s ebenso wenig eine B-Note wie im Fußball.

Enis bekämpfte den Engländer seines Gegners mit einem bekanntem Bauernopfer für Initiative. Einige unsaubere Verteidigungszüge später hatte Enis seinen Bauern zurück und eine Turm auf h4 über dem gegnerischem Monarchen hängen. Bei korrekter Gegenwehr hätte Enis wohl eine Qualle spucken müssen, doch der Gegner tauschte lieber Damen. Nach einem giftigem Freibauernvorstoß griff er endgültig fehl: Die weiße Bauernstellung war ruiniert und ein gesicherter Freibauer auf e2 garantierte uns den 3:1 Sieg und damit das erste Etappenziel.

Im parallelem Spitzenduell besiegte Ludwigsburg Lauffen 2,5:1,5; ich bekam von den einzelnen Partien wenig mit, doch wäre wohl jedes Ergebnis von 4:0 bis 1:3 gerechtfertigt gewesen.

In der Mittagpause packte ich mal wieder das Meuchlerspiel „Ohne Furcht und Adel“ aus, doch mit Regelerklärungen reichte uns die Zeit nicht ganz. Bei Abbruch führte Kim-Luca knapp.

Vor der letzten Runde lagen wir einen Brettpunkt hinter Ludwigsburg, konnten diese also durch einen 3:1 – Sieg überflügeln, während ein 2,5:1,5 – Erfolg nur Brettpunktegleichstand bringt.

Kim-Luca kam zwar ganz anständig aus der Eröffnung, fand dann aber bei heterogenen Rochanden keinen guten Plan und mußte sich der überlegenen Erfahrung seines Gegners beugen.

Enis machte im Grünfeldinder guten Druck am Damenflügel, während sein Gegner sich in seltsamen Opfern verstieg. Ausgleich.

Thomas‘ Partie war zwar interessant, aber nie ernstlich aus der Remisbreite.

Ich selbst bekämpfte den Königsinder wie schon so oft mit meinem awerbachähnlichem Eigenbau. Diesmal experimentierte ich damit, das Zentrum teilweise zu öffnen, was besonders riskant war, da ich die lange Rochade zwar angedeutet, aber noch nicht durchgeführt hatte. In der sehr dynamischen Stellung opferte ich dann meine Bauerstruktur für Blockadestellung. Weil mein Gegner Angst vor der Vielzahl meiner taktischer Motive hatte, investierte er 3 Tempi, die Damen zu tauschen – Tempi, die ich zum Bauernfressen nutze. Nach dem Damentausch rochierte ich kurz – nicht ganz mein Lieblingszug, aber fast. In beginnender Zeitnot wollte er seine Bauern zurück haben, doch dafür luchste ich ihm eine Qualität ab. Jetzt musste ich nur noch sein vom Läuferpaar unterstütztes Zentralfreibauernpäärchen unter Kontrolle kriegen. Die kritische Stellung entstand nach meinem 34. Zug:

Anmerkung Enis: Wie ihr seht, findet die Engine in Robins Variante eine „brute force“-Lösung. Das ändert aber nichts daran, dass Robins Lösung ästhetischer ist!

Unschön ist mir aufgefallen, dass die Zuschauertraube, welche sich in der Endphase um mein Brett drängte, auf meine ausdrückliche und wiederholte Aufforderung hin nicht kollektiv einen halben Meter wegbewegte und der Mannschaftsführer der Ludwigsburger auch noch der Meinung war, das sei völlig in Ordnung und ich hätte kein Recht, meinen Platz zu fordern. Ja Hallo, geht’s noch? Wie unsportlich ist das denn? Da vermisst wohl ein Raucher die Möglichkeit, seine Gegner einzunebeln und sucht nach anderen Möglichkeiten, sie zu bedrängen!

Da wir nur 2,5: 1,5 gewonnen hatten, waren wir mit Ludwigsburg punktgleich. Auch Lauffen hatte durch einen Sieg gegen Besigheim zu uns aufgeschlossen. Vor Ort hieß es, LB wäre nach Buchholz II knapp vor uns und Laufen dritter, doch auf der offiziellen SVW-Seite sind wir Erster vor Lauffen, LB dritter. Mysteriös, Mysteriös.

Kommentare

Land unter, Pokal in Sicht! — 1 Kommentar

  1. Hi Robin & Co.,

    hübsche Varianten, aber 35.Kh2? Le5+ sieht ziemlich remisig aus – 36.Kg1 Lf4 37.Tc2 Ld3 38.Txc7+ Lxc7 und Schwarz hält seine zwei Bauernasse erst mal am Leben; 36.g3 Tg7 37.Te3 La6=; 36.Kh1 Lg3=; 36.Kh3 Lf4=.
    Nach 35…Lf2? 36.Te2! e3 37.Sxc4! d4!? verstehe ich 38.g3 nicht. Usually I’m a pawn grapper, but h4 is not that tasty! Spiel doch 38.a5 und umgehe einfach die Tc5-Ressource, indem du deinen a-Bauern nach vorne peitscht.
    Nach 38.g3 Tc5 droht Schwarz einzig d4-d3, warum also nicht 39.Ta2 oder 39.Tb2, um 39…d3 mit 40.Sxe3 (gleiches Motiv wie bei direkt 38…d3? 39.Sxe3) zu erwidern?
    Nach 39.Txf2?! exf2 40.Kg2 d3 41.a5 d2 42.Td1 Txc4 43.Txd2 Ta4 gefällt mir Enis Vorschlag 44.Td7+, aber auch 44.Td5 sollte gewinnen – deine ästhetische Lösung sehe ich hier nirgends.
    Mein Vorschlag:
    44.Td5 Ta2 45.h5 Kg7 46.g4 Kg8 47.Tb5 Kf7 48.Tb7+ Kg8 49.Ta7 und der Gewinnplan sieht vor, mit dem weißen König diagonal zum a-Bauern zu laufen, den a-Bauern nach a6 zu stellen und zu warten, wann sich der schwarze Turm von der a-Linie begibt, um Tb7, a7, Tb8+, a8D zu haben. Da Schwarz passiv steht, ist selbst a+h gegen h gewonnen, aber auch a+h gegen keine schwarzen Bauern ist ein denkbares Abspiel, was Weiß gewinnt.