Landesliga: Das erwartete Ergebnis in Marbach

Zum Auswärtsspiel der Zweiten ein Bericht von Teamchef Ole Wartlick:

In der 2. Runde musste das junge Heilbronner Team in der Landesliga Unterliga bei der erfahrenen Mannschaft in Marbach antreten. Von der Papierform war Marbach klar favorisiert. Immerhin konnten wir den ersten Achter aufbieten, während der Gegner etwas ersatzgeschwächt antrat. Nach den Aufstellungen war ein 5:3 Sieg für Marbach zu erwarten und genau dieses Ergebnis war am Ende zu verbuchen. Die Mathematik hat doch recht…

Zum Spielverlauf:

Am Spitzenbrett entwickelte sich in der Begegnung Thomas Tschlatscher gegen Bernhard Lach ein spannender Kampf. Auf das wohlbekannte 1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. Lb5 folgte 3. … Lb4. Es ergaben sich im weiteren Verlauf ungewöhnliche Stellungsbilder. Nach der Partie analysierten beide Spieler noch viele Varianten. Dabei gaben die beiden Protagonisten auch offen zu, dass sie sich vorbereitet hatten und ihnen bekannten Varianten folgten. Thomas schnappte sich im 10. Zug den schwarzen Bauern auf e5. Nach dem 12. Zug entstand folgende Stellung:

Weiß hat einen Bauern mehr, doch Schwarz verfügt über Entwicklungsvorsprung. Der Computer sieht die komplizierte Stellung im Gleichgewicht und gibt 17. b5 Sd4 mit späterer Eroberung des Bb5 nach Ld7 an. Ein Mensch würde anstelle Sd4 eher die Springerroute über e5 nach d3 wählen, mit sehr bequemer Stellung. Sicherlich hat Thomas aus diesem Grund 17. b5 verworfen.
Im nächsten Zug hatte Thomas möglicherweise Angst vor der eigenen Courage des Bauernraubs und gab mit 17. d4 den Mehrbauern zurück. Schwarz stand darauf etwas besser. Mit Können und dem notwendigen Quentchen Glück (Remisangebot erhalten und angenommen) rettete Thomas die Partie schließlich im 28. Zug in den Remishafen. Gratulation an Thomas, der mit zwei Remisen gegen starke Gegnerschaft das Tor am 1. Brett bisher sauber hielt!

An Brett 3 erwischte Patrick gegen Jörg Rabl nicht seinen besten Tag. Nach gelungener Eröffnung stellte er zu Beginn des Mittelspiels einen Bauern ein. Davon geschockt fand er nicht die beste Fortsetzung, sondern gab gleich noch eine Qualität dazu. Die schnelle Aufgabe der Partie war die Folge.

Unser Vereinspräsident Ramin gab am 2. Brett seinen Einstand in der zweiten Mannschaft. Nach vielen Jahren in der ersten Mannschaft verstärkt er nun unser Team in der Landesliga. Seine Partie gegen Martin Ramsauer war von respektvollem Abtasten geprägt, keiner der beiden Kontrahenten wollte ein unkalkulierbares Risiko eingehen. Im 23. Zug wurde das Unentschieden vereinbart. Marbach spielte zu diesem Zeitpunkt schon auf Absicherung des Mannschaftsergebnisses.

Simon zeigte sich am 7. Brett kämpferisch und spielte mit Weiß gegen Uwe Jazeschen einen scharfen Sizilianer mit Bauernsturm auf entgegengesetzten Flügel. Während Simons weißer König sich auf b1 hinter einem auf b2 gelandeten schwarzen Bauern verstecken konnte, war der Monarch seines Gegner dem vollem Angriff ausgesetzt. An einer Stelle verpasste Simon allerdings den entscheidenden Schlag. Sein Gegner nutzte anschließend seine Verteidigungsressourcen und konnte die Partie in ein ausgeglichenes Turmendspiel abwickeln. Die Punkteteilung ließ dann auch nicht lange auf sich warten.

„Magic-Marcel“ konnte am 4. Brett dieses Mal nicht zaubern. Seine Partie geriet nie aus dem Gleichgewicht, ein Figurenabtausch folgte dem anderen. Im 27. Zug nahm Marcel das Friedensangebot seines Gegners Uwe Rapp an.

Ähnlich verlief die Begegnung Jürgen Klemm gegen Christian Biefel an Tisch Nummer 6. Christian wählte die slawische Verteidigung und stand immer etwas passiv. Nach Rücksprache mit dem Mannschaftsführer gab er die Partie im Mittelspiel nach einer Zugwiederholung remis.

Auch ihr Berichterstatter vermeldet ein unspektakuläres Remis an Brett 5 gegen Joshua Lüdke. Nach gelungener Eröffnung hatte ich leichten Druck auf die schwarze Stellung. Doch im Mittelspiel gelang es mir nicht, den Gegner vor Probleme zu stellen. Ich musste nach einem unterlassen Abtausch das Läuferpaar geben und konnte die Partie mit etwas Mühe im Gleichgewicht halten. Mein Gegner bot aus mannschaftstaktischen Gründen ein Remis an, was ich nach kurzem Zögern und mit Blick auf den verlorenen Mannschaftskampf annahm.

Anton geriet an Brett 8 mit Schwarz nicht ins erhoffte Französisch, sondern in einen königsindischen Angriff:
151018_PKAW
Ich kann nur spekulieren, warum Anton hier gerade 10. e6-e5?! gezogen hatte. Möglicherweise war er erfreut darüber, seinen weißfeldrigen Läufer befreien zu können. Verständlich, aus Sicht eines Französisch-Spielers! Doch schauen Sie sich die entstandene Stellung einmal mit königsindischen Augen an: Normalerweise sind hier die Farben vertauscht. Denken Sie sich die weißen Figuren schwarz angestrichen und umgekehrt die schwarzen Figuren weiß angestrichen. Die Stellung ist für alle Königsindisch-, Pirc- und sonstigen Königsfianchettospieler ein Traum. Die eingefleischten g6/Lg7 (bzw. hier g3/Lg2) Anhänger behaupten sogar, dass Stellungen mit dieser Bauernstruktur für die Seite mit dem fianchettierten Läufer schon gewonnen sei!
Achten Sie – die Figuren wieder in den richtigen Farben – auf das für die weißen Leichtfiguren zugängliche Feld d5. Im Gegensatz dazu kann Schwarz keine Figur auf das Feld d4 stellen. Und so kam es, wie es kommen musste, auch weil der Weißspieler eine sehr gute Technik zeigte.
Der weiße Springer d2 hoppelte über c4 und e3 nach d5. Anton tauschte diesen Riesenspringer gegen seinen weißfeldrigen Läufer ab, doch Weiß erhielt darauf einen mächtigen Freibauern auf d5. Alle Verteidigungskünste halfen nichts – Anton musste im 54. Zug aufgeben.

In der Endabrechnung gelang den Marbachern ein nie gefährdeter 5:3 Sieg, bei 2 Siegen und 6 Remisen. Doch auch wir können zufrieden sein, haben wir doch bewiesen, dass wir auch gegen stärkere Spieler bestehen können. Mit dem so gewonnenen Selbstvertrauen sollten uns in den kommenden Runden auch Mannschaftspunkte gegen den Abstieg gelingen. In der nächsten Runde am 15.11. im Heimspiel gegen Öhringen 1 ist schon eine Gelegenheit dazu.

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