Das Zähmen der Wölfe

Mit einer starken Mannschaft stand heute in der Verbandsliga Nord der SV Stuttgart-Wolfbusch auf dem Plan. Vom Beginn eines sich anbahnenden Liga-Marathons weiß Robin Stürmer zu berichten:

„Heute ging’s nach Wolfbusch. Wir waren ziemlich gut aufgestellt, sie hingegen deutlich gebeutelt.
An Eins demonstrierte Enis gegen den Häcker Primus den Vorteil umfangreicher Theoriekenntnisse: In dieser unverschämt scharfen halbslawischen Hexentanz-Variante rochierte sein Gegner lang, als Td8 ohne Königssprung korrekt gewesen wäre. Danach war’s halt kaputt. An einer Stelle dachte Ulrich noch, der Gegner könne mittels Doppelopfer auf f2 und g2 Matt setzen, aber tatsächlich läuft Enis‘ König dann nach f4 und konsolidiert das Mehrmaterial. Schwarz wehrte sich zwar noch lange und zäh, aber Mehrbauer plus Läuferpaar ist halt zu viel.

An zwei bekam ich es mit Häcker Senior zu tun. Da ich mich nicht besonders fit fühlte , legte ich die Partie mit Schwarz sehr zahm an und bot nach 13 Zügen im Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern Remis an. Die Stellung enthielt zwar durchaus noch Dynamik aber halt von der Sorte „Wer zu viel will, überzieht“, weshalb mein Gegner akzeptierte. Das ersparte mir nicht nur eine Menge Anstrengung, sondern gab mir auch die Möglichkeit, die anderen Partien zu begutachten und deshalb jetzt diesen Bericht zu schreiben.

An Drei hatte unser IM mit Weiß eine schöne Druckstellung gegen Bogoljubow-Indisch (Ich hoffe, ich hab den richtig buchstabiert. Anmerkung Enis: hab es korrigiert 😉), die er zügig ausbaute. Als seinem Gegner die Zeit knapp wurde, öffnete dieser die Stellung und bot Remis an, was natürlich abgelehnt wurde. In sehr kritischer Position stellte er dann einzügig die Dame ein.

Adam verstand die Eröffnung nicht und bekam eine Ruine mit äußerst schwachem e5-Bauern. Zum Glück wurde bei dessen taktischer Eroberung fast alles abgetauscht und das entstehende Läufer-Endspiel konnte er mittels einer brettumfassenden Festung verteidigen.

Jürgen hatte an 5 nur leichte Vorteile, bis sein Gegner beim Damentausch auf g6 mit dem f- statt dem h- Bauern zurücknahm. Danach ging plötzlich alles. Für eine Qualität bekam er gefühlte unendlich (tatsächlich nur 4) Freibauern am Damenflügel mitsamt überragendem Figurenspiel und kurz darauf den ganzen Punkt.

Simon bekam es an 6 mit Sonja Klotz (gebürtig Häcker aber ausgeheiratet) zu tun. Sie bekämpfte seinen Franzosen mit dieser komischen Abart der Tarrasch-Variante, in der Weiß das Zentrum mit Bauern zementiert aber dafür einen Wanderkönig bekommt. Simon fand sich nicht wirklich zurecht und verbrauchte zu viel Zeit. Da sie aber auch nicht den idealen Plan fand, stand Simon zu Beginn der Zeitnotlotterie eher besser. Während dieser ließ er sich in eigentlich klar besserer Stellung einzügig mattsetzen. Wie oft muss ich eigentlich noch darauf hinweisen, dass der spielentscheidende Fehler in solchen Fällen die unnötige Zeitverschwendung ist?! Wahrscheinlich noch sehr oft 😛

Ramin kam gegen Sandra Weber mit Alapin gegen Sizilianisch sehr angenehm aus der Eröffnung. Ich hätte in der c-Linie Druck gemacht, doch er drängte sie lieber mit einem Aufmarsch am Königsflügel in die Defensive. Das schien auch zu funktionieren und er eroberte einen Bauern auf d5 bei anhaltend guter Stellung. Nach der Zeitnotlotterie stand er klar schlechter. Danach war ich draußen, Simons Partie analysieren. Anscheinend hat sie inkorrekt geopfert und noch verloren. Genau genommen hat sie gar nicht geopfert, der richtige Zug wäre es sogar, die Qualität zu opfern, wodurch Sandra mit Freibauern auf f3 und g4 und Läufer auf h4 sehr gute Chancen gehabt hätte.

Julian spielte wie so oft seinen beschleunigten Drachen und bekam diesmal endlich keine der vielen Abweichungen, sondern das, was er eigentlich will aufs Brett. Trotzdem verschwendete er viel zu viel Zeit. Er rechtfertigte sich damit, das seine Gegner noch langsamer spielte, aber das ist überhaupt kein Argument! Nach der Zeitnotlotterie (Robins Lieblingswort heute! stand Julian klar schlechter, aber irgendwie hat er es noch Remis gehalten.

Insgesamt ein verdienter 2,5-5,5 – Sieg, doch hätte er auch knapper sein können. In zwei Wochen geht’s gegen Lauffen (leider zuhause) weiter. Es wäre schön, wenn Nicolas dann dabei wäre.“

Wieso sprach ich oben von einem Marathon? Wie Robin bereits geschrieben hat, empfangen wir in zwei Wochen die Lauffener, welche den Hallern heute ein 4:4 abnehmen konnten. Drei Wochen darauf (drei Spiele in fünf Wochen sind viel!) warten ebenjene Haller auf uns, was eine Neuauflage des „Aufstiegsduells“ der Saison 2013/14 darstellt. Vorentscheidend wird hier aber gar nichts sein, da auf alle Mannschaften im Jahr 2016 noch fünf sehr harte Spiele warten.

Kommentare

Das Zähmen der Wölfe — 4 Kommentare

  1. Guter Bericht!

    Danke, Enis für die Kommentare zu meiner Partie. Hier meine Kommentare zu deinen Kommentaren 😉

    17…Sc4 war natürlich mein Plan, habe ich dann aber verworfen, da ich nicht sah, wie es nach 18.Sxf6+ Lxf6 19. Lxc4 Lxc4 20. Ld4 weitergehen sollte. Den a2-Bauern scheint man wegen Ta1 nicht nehmen zu können. Aber Schwarz hat das ultrafiese 20… Lg5! und nach 21. Tc2 kann man eben doch auf a2 nehmen, da nach 22. Ta1 Lb3 folgt und den c2-Turm angreift.

    27…Sxd5 habe ich natürlich gesehen, wollte mir aber nicht in der Folge den b5-Bauern abholen lassen. Da meine Gegner vorher Kf2 gezogen hatte, dachte ich, er hat das Motiv vielleicht gar nicht gesehen. So zog ich a6 um b5 zu decken und Sxd5 zu drohen. Keine Ahnung, ob er es danach gesehen hat, auf jeden Fall konnte er es mit den Springer-Manövern verhindern. Als es dann im 30. und 32. Zug wieder ging, gefiel es mir wieder nicht besonders, wäre aber definitiv besser gewesen als meine Wahl.

    Dass er im 39. Zug nicht eiskalt cxb5 gespielt hat, ist mehr als menschlich. Ich hätte gedacht, dass er Txf5 nebst Te3+ nicht überlebt. Aber es scheint zu gewinnen für ihn.

    Warum denkst du, 44. Tg3 war nicht gut, nur weil er erst danach auf a3 geschlagen hat? Er hat damit meinen Turm von der f-Linie gezwungen. Fand ich eigentlich nicht so schlecht von ihm.

    Was die Zeiteinteilung angeht: mal wieder schuldig im Sinne der Anklage 😉

    Grüße

    • 27…Sxd5 muss man natürlich nicht spielen.
      Spätestens im 32. Zug hätte ich es aber gemacht. Unser IM hat mir die Weisheit eingetrichtert, dass ein Springer auf c6 nicht geduldet werden darf. Hab ja letzte Saison gegen Stuttgart II meine eigene, schlechte Erfahrung mit so einem Kraken/Oktopus auf c6 gemacht. Nach 32…Sxd5 33. Txd5 Txc6 34. Txb5 sollte …a3 gehen. Die weißen Bauern laufen nicht so schnell wie deine im Zentrum (…f5 kommt z.B. mit Tempo). Mit genauem Spiel kann Weiß sich sicher halten, aber er ist es, der genau spielen muss (in der Partie war es ja andersrum).

      Naja, wenn ich eh auf a3 nehmen will, dann kann ich es gleich tun. Ich sehe den Mehrwert bei der Ablenkung des Turms von der f-Linie nicht. Schließlich kann dein Turm niemals über die f-Linie aktiv werden (wird immer ein Bauer im Weg stehen), sodass du früher oder später auf jeden Fall ein Tempo verbrauchen musst, um den Turm wegzuziehen.
      Das eine Tempo könnte halt irgendwann wichtig werden.

      Die Engine findet 53…Kh7 als Reaktion auf Ta8+ übrigens nicht gut, ich kann mir das nur dadurch erklären, dass der König dann irgendwie auf h7 festklebt, und nach Kf7/Kg7 könnte er gleich nach f6 und evtl. e5…

  2. Hi,

    Robin und Enis, danke für den Bericht und die Kommentare. Julians Partie muss ich mir noch anschauen, aber mein Kandidat für die „Partie des Tages“ ist ganz klar Jürgens Partie – das Qualitätsopfer gegen unendlich viele Freibauern hatte schon was!

    Ich habe mir jetzt tatsächlich mal die Zeit genommen, meine „Leistung“ ein bisschen anzuschauen. Der Aufmarsch am Königsflügel sah halt logisch aus, weil mir ihre Dame auf a5 halt etwas abseits vorkam. Vielleicht hat Weiß da auch einfach mehr als einen guten Plan. Die Zeitnotlotterie (nette Wortschöpfung übrigens!) lief bei mir ja eigentlich gut, wenn da nicht der verflixte 40. Zug gewesen wäre. Danach war die Partie zwar immer noch ein Spiel auf Tor, aber leider auf meines…

    Die Phase direkt nach der Zeitkontrolle hat sie wirklich stark gespielt und alle kleinen Tricks und Drohungen meinerseits abgeblockt. Sie hat zwar im 49. Zug kurz den Faden verloren, aber das konnte ich nicht ausnutzen (im 52. Zug wäre wohl eine Remisabwicklung drin gewesen), woraufhin ich wieder breit stand. Ganz am Ende hätte sie sogar die Qualität gegen meinen Freibauern opfern können und wäre immer noch besser gestanden. Die Partiefortsetzung war dann halt echt bitter für sie.

    Ich denke, der Sieg war in der Höhe definitiv nicht verdient; wenn man die Zeitnot- und sonstigen großen Patzer rausrechnen würde, wären bestimmt keine 5.5 Punkte zusammen gekommen. Naja, hoffen wir, dass uns das Glück treu bleibt!

  3. Hallo
    BeiEnis Partie sieht Houdini nach den doppelten Figurenopfer schwarz leicht
    im Vorteil.Ich denke er hätte so spielen müssen mangels Alternative, Rechnen konnte ich das zwar nicht genau,aber lieber unklar als klar verloren.
    Uli