Sehr große Ausbeute beim 5. Biber-Jugend-Cup

Unsere freundlichen Nachbarn aus Biberach luden für den heutigen Tag zum 5. Biber-Jugend-Cup ein, so einer Einladung konnten wir natürlich nicht widerstehen. Mit einer Gruppe von zehn Heilbronner Spielern, Saygun Sezgin, zwei Elternteilen und dem „Heilbronner im Exil“ Philipp Wenninger machten wir uns auf dem Weg zur Böllingertal-Halle. Dabei hatten wir in jeder Altersklasse Teilnehmer gemeldet.

In der U8 hatte Felix Hagenmeyer die Position des Setzranglistenersten inne, was in der U8 (15 Teilnehmer) aber noch nicht so viel bedeutet, da die meisten Spieler dort keine DWZ besitzen. Zwischenzeitlich leistete Felix sich aber auch einen kleinen Ausrutscher und verlor in den ersten vier Runden eine Partie. Er ließ sich danach aber nicht mehr beirren, gewann die restlichen drei Spiele und letztlich auch die U8 mit sehr starken 6/7. Erfreulich war aus meiner Sicht auch, dass Felix nach seiner einzigen Niederlage nicht aufsteckte, sondern nur stärker daraus hervorging.

Sein Bruder Jannis war unser einziger Teilnehmer in der U10. Logischerweise sind in der U10 die meisten Spieler erfahrener und auch besser als in der U8, was die Aufgabe für Jannis nicht leichter gemacht haben wird. Am Ende stand ein gutes ausgeglichenes Punktekonto mit 3,5/7 zu Buche und bei einem 7. Platz (15 Teilnehmer) auch die beste Buchholz – Jannis hatte über das gesamte Turnier hinweg nur mit den besseren Spielern in der U10 zu tun. Folglich eine respektable Leistung, auf die man aufbauen kann.

Die U12 hatten wir förmlich eingenommen mit vier Teilnehmern. Die beiden frischgebackenen württembergischen Schulschachmeister Nikolas und Leonard Sawadski wurden von Denis Kübler und Jonathan Breitenbach komplettiert. Schlussendlich verkaufte sich jeder der Spieler ziemlich gut. Jonathan hatte zwar mit 3/7 ein negatives Punktekonto, sein Buchholzpunkte-Vorsprung von sechs Punkten auf den Nächstplatzierten impliziert jedoch, dass er wie Jannis in der U10 öfters mit den stärkeren Gegnern zu tun hatte. Mit dem 12. Platz unter 21 Teilnehmern landete Jonathan im gesunden Mittelfeld.
Bei Denis war zu beobachten, dass er doch Einiges auf dem Kasten hat, dieses Können aber mangels Konzentration manchmal einfach nicht abrufen will. Symptomatisch war dabei meine Spaß-Partie gegen ihn, in der er sich mit sehr starkem Spiel einen Vorteil von einer ganzen Dame erarbeitet hat, dann jedoch bei der Vorteilsverwertung ein paar Probleme hatte. Am Ende steht ein gutes Ergebnis mit 4/7 da, was im 9. Platz resultierte.
Punktgleich mit Denis und einen Platz vor ihm landete Leonard. Anzumerken ist hier, dass Brüderduelle immer etwas unangenehm sind, vor allem, wenn beide Spieler im gleichen Verein sind. Über das Turnier hinweg zeigte Leonard, wieso er bei den Schulschachmeisterschaften des Regierungspräsidiums Stuttgart eine Punkteausbeute von 100% erzielen konnte, an manchen Stellen fehlte einfach noch ein Quäntchen Spielstärke. Die wird aber sicherlich noch kommen.
Wie bei Leonard konnte man bei Nikolas feststellen, dass er doch sehr stark spielen kann, wenn er sich konzentriert. Genau genommen war bei all unseren Spielern zu sehen, dass sie sich in den meisten Partien durchgehend konzentrieren können, was vor allem bei den jüngeren Jahrgängen bemerkenswert ist. Daher wäre es vermessen, zu sehr den Umstand zu kritisieren, dass es wegen zu schnellen Spielens bei Nikolas zwei Niederlagen setzte. Letztendlich landete er es mit 5/7 auf einen sehr starken dritten Platz und damit aufs Podium.
Die U12 wurde übrigens von Tobias Kölle von den SF Kornwestheim gewonnen, welcher mit einer DWZ von 1496 eine bemerkenswerte Spielstärke für sein Alter zeigt. Folglich war es nicht überraschend, dass er mit souveränem Spiel das Turnier mit 7/7 gewann.

In der U14 (30 Teilnehmer) starteten wir wieder nur mit einem Teilnehmer, was jedoch nicht bedeutete, dass keine gute Platzierung angestrebt werden konnte. Daniel bekam in der 1. Runde mit Jens Hoffmann gleich den Erstgesetzten und damit einen Brocken vorgesetzt. Von der zu erwartenden Niederlage ließ er sich aber keineswegs entmutigen und erzielte in den verbliebenen sechs Runden sehr starke 4,5 Punkte. Damit war mit dem 7. Platz ein Abschluss in den Top 10 gesichert, auf Tuchfühlung mit einigen Favoriten und vor ein paar DWZ-stärkeren Spielerinnen und Spielern.

Für mich ungewöhnlich, für jüngere Spieler unangenehm, für den Biber-Jugend-Cup charakteristisch waren die Altersklassen U16, U18 und U25 zusammengelegt. Insgesamt waren 29 Spieler anwesend. Als Zweitgesetzter hatte ich ein paar Ambitionen, das Turnier zu gewinnen, während es für Patrick Wenninger und Kim-Luca Wasielewski darum ging, mit den „Großen“ mitzuhalten und für die ein oder andere Überraschung zu sorgen.
Patrick erwischte leider keinen guten Tag und erreichte mit 4/7 den 12. Platz. Der Start war mit 3/4 vielversprechend, dann setzte es eine unglückliche und unpassende Niederlage gegen den jungen Patrick Fischer aus Biberach. Eine weitere überraschende Niederlage besiegelte das mäßige Ergebnis. Mir bleibt hier zu sagen: Kopf hoch, es ist nur Schnellschach. Dort entscheiden einzelne Aussetzer über die gesamte Partie, was auch schwächere Spieler ausnutzen können.
Kim-Luca wurde bereits in der zweiten Runde von mir ausgebremst. Es ist natürlich doof, dass zwei Vereinskollegen gegeneinander spielen müssen, beim Betrachten der Setzliste hatte Philipp bereits herausgefunden, dass Kim-Luca sowieso gegen einen von uns beiden spielen musste. Da ist es schwer zu entscheiden, was das kleinere Übel gewesen wäre. Zwei weitere Niederlagen gegen Julian Maisch und Schulschach-Teamkollege Alexander Eurich besiegelten das Endergebnis von 4/7 Punkten. Jedoch landete Kim-Luca auf dem 11. Platz vor Patrick, was vielleicht eine kleine Genugtuung war.
Nebenbei bemerkt kann ich versichern, dass sich Kim-Lucas Niederlage nicht negativ auf seine Position in der Schulschach-Mannschaft auswirken wird 🙂
Damit bleibt nur noch mein Schicksal. In den ersten zwei Runden sollte man ja als Zweitgesetzter keine Probleme haben. Die erste Runde gewann ich auch ziemlich schnell, die zweite Runde hielt leider Kim-Luca für mich bereit. Ich gebe ja zu, dass es etwas fies war, eine Variante gegen ihn zu spielen, in der er sich nicht auskannte. Ehrlich gesagt hatte ich erst nach ca. 10 Zügen realisiert, dass auf dem Brett die einzige Variante war, die ich nicht mit Kim-Luca durchgesprochen hatte. Witzig war die Partie dennoch, da ab Zug 15 in jedem Zug ca. vier Figuren auf dem Brett hingen, keine aber wirklich genommen werden durfte. Mit besserer Rechenpower konnte ich mich dann durchsetzen.
In der dritten Runde wollte es gegen Tobias Hermann nicht so wirklich klappen. Ich hatte ihn mit Schwarz aus der Eröffnung heraus überspielt und kondensierte meinen Vorteil so weit, dass ich einen gut unterstützten Freibauern auf d2 hatte. Der Gewinnweg war aber für eine Schnellschachpartie unmöglich zu sehen und so endete die Partie in einem Zeitnot-Gezocke. Nachdem ich mit 15 vs. 40 Sekunden zeitlich gesehen klar hinten lag, einen einfachen Damengewinn nicht sah und mehr aus Trotz zwei Remisangebote ablehnte, gewann ich irgendwie noch auf Zeit, als ich zwei Sekunden übrig hatte. Nun ja, nicht ganz glorreich, aber gewonnen.
Der dritte von vier Favoriten, Philipp Müller, machte es mir leider zu einfach und verlor in der Eröffnung bereits eine Leichtfigur. Mit 4/4 durfte ich mir dann bereits einen Preis aussuchen. Da ich ja sowieso ein viel zu starker Schachspieler bin, ließ ich die Schachbücher links liegen und holte mir ein Kochbuch; dennoch bleibe ich Boz’s Kebap selbstverständlich treu.
Runde 5 hielt dann den Kampf der Giganten, clash of the titans, Yin gegen Yang, Gut gegen Böse bereit: Philipp durfte mit Weiß gegen mich spielen. Er wich meinem Grünfeld aus (und machte mich mit Patrick zusammen nach dem Turnier eben im Grünfeld ein, hätte er halt nur in der Turnierpartie Grünfeld zugelassen…) und es entwickelte sich eine dynamisch ausgeglichene Stellung, in der er einen zentralen Freibauern bekam, ich dafür mit meinem Läuferpaar seine Figuren erheblich einschränken konnte. Als er es verpasste, mein Läuferpaar zu halbieren, gingen ihm die sinnvollen Züge aus und ich erlangte zusätzlich zu einem positionellen sowie materiellen Vorteil einen massiven Zeitvorteil. Wie gegen Tobias Hermann scheiterte es dann an der Technik und ich ließ zu viel Gegenspiel zu. Wir landeten in einem Remis-Endspiel Läufer + zwei Bauern vs. Turm. Trotzdem spielte ich weiter, da Philipp mir selbst vor der ersten Runde sagte, dass Zeit ein entscheidender Faktor in Blitz-/Schnellpartien sei. So ließ er mit zwei Sekunden auf der Uhr seinen Turm stehen und gab auf.
Die 6. Runde hielt den letzten der Turnierfavoriten für mich bereit, namentlich Julian Maisch. Eine mir unbekannte Variante im Grünfeld behandelte ich mit Weiß so, wie ich grad Lust hatte und erreichte auch eine Stellung, in der Schwarz kein Gegenspiel hatte. Hier scheiterte ich ausnahmsweise nicht an meiner eigenen nicht-perfekten Technik, öffnete die Stellung zum richtigen Zeitpunkt und gewann mit zwei Türmen auf der 7. Reihe.
Praktisch gesehen war ich schon durch, nach einem Kurzremis zwischen Philipp und Philipp war es dann auch theoretisch sicher. Trotzdem wollte ich gegen Luca Pravez vom SSV Bruchsal unbedingt gewinnen. Ausgleichen konnte ich mit Schwarz leicht, jedoch reichte es nie wirklich für mehr. Ich opferte dann noch einen Bauern und hatte, wie man so sagen würde, „tremendous compensation“ – mein Mattangriff mit Turm, Springer und König schien fast durchschlagend. Zwar sah ich den Weg, auf Vorteil zu spielen, hatte aber nur noch 45 Sekunden und erzwang ein Dauerschach.
Damit gewann ich das U25-Turnier klar mit 6,5/7, auch wenn es keine 100% waren. Es hätte ja ohnehin nicht mehr Preisgeld gegeben, wenn ich 7/7 gemacht hätte.
Süß fand ich übrigens noch Philipps Aktion, seinen Preis (ein Hot Wheels-Auto – ich hatte mich schon gefragt, was er damit will…) an Leonard weiterzugeben. Vielleicht steckt doch eine soziale Ader in ihm?!

Hinter den Biberachern waren wir die größte und erfolgreichste Gruppe. Wir regeln es beim Nikolaus-Open ja so, dass wir nicht die Mannschaftspreise für uns beanspruchen. Die Biberacher fanden es hingegen fair, uns den Preis für die größte Gruppe zu geben, während sie selbst den Preis für die erfolgreichste Gruppe gewinnen. Wobei man die Sinnhaftigkeit des Preises für die „stärkste“ Mannschaft wohl diskutieren muss, da einfach die Punktzahlen aller Spieler eines Vereins addiert wurden. Eine Gewichtung im Bezug auf die Anzahl der Spieler wäre insofern fairer, als dass die gesammelten Punkte auch wirklich vergleichbar miteinander sind.

Abschließend bleibt mir nur noch, allen Teilnehmern bis auf mir selbst wegen der teilweise sehr guten Platzierungen zu gratulieren!
Alle Ergebnisse findet man hier: Homepage der Biberacher

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