Landesliga – Sieg in Ludwigsburg

In der vorletzten Runde gab es im Auswärtsspiel in Ludwigsburg einen 5:3 – Sieg. Obwohl Heilbronn sich damit auf den zweiten Platz vorschob, wird Marbach der Aufstieg wohl kaum zu nehmen sein. Nichtsdestotrotz war es ein erfolgreicher Tag. Hier ein Bericht von Robin Stürmer:


Nicolas spielt selten aber sehr gut: er verbrauchte zwar viel Zeit, um gegen den Skandinavier seines Gegners eine starke Aufstellung zu entwickeln, doch wie er von dieser ausgehend dann nach der Stellungsöffnung aus einem leichtem Entwicklungsvorsprung vermittels feinster Damenmanöver entscheidendes Übergewicht herausholte, war schon beeindruckend. Damit liegt seine Bilanz für uns jetzt bei 5 aus 5 (Und grob geschätzte 4 der Gegner waren ordentliche Kaliber.).

Ich hatte endlich wieder eine Partie wie ich sie mag: zuerst mit provakativen Manövern (Lc8-g4-f5-c8) das Feuer auf sich ziehen, dann sauber die gegnerische Initiative eindämmen und die sich unweigerlich im feindlichen Hinterland einstellenden Schwächen zum gnadenlosen Auskontern nutzen. Besonders gefreut hat mich mein „Gewinnzug im höheren Sinne“: Lange Rochade im 25. Zug. Das damit implizierte passive Turmopfer konnte er nicht annehmen, weil er den Mattangriff dann nur mit Damenverlust aufhalten hätte können. In der nachfolgenden Analyse war das Ludwigsburger Brett Eins der Meinung, meine Stellung wäre soooo furchtbar schlecht, aber egal was er auch probierte, ich fand immer nach eine versteckte Riposte.

Thomas hatte eine Stellung, wie er sie eigentlich mag, doch verirrte sich im Endspiel sein Turm vor die eigene Bauernkette nach d4 und war dann etwas eingeklemmt. Deshalb war trotz eines Mehrbauern kaum nennenswerter Vorteil in Sicht. Nach langem und zermürbendem Ringen übersah er wohl in ungefähr ausgeglichener Stellung eine Springergabel, doch war die letzte Partie glücklicherweise nicht mehr für den Ausgang des Mannschaftskampfes relevant.

Als ich bei Ramin das erste Mal reinschaute, hatte er im geschlossenem Englisch/Sizilianisch-Zeug einen Springer auf d4 und den zweiten auf dem Weg ihn zu verankern; es sah also gut aus. Beim nächsten Mal, war nicht nur der Springer abgetauscht, der Gegner hatte selber d4 durchgedrückt, was mir gar nicht gefiel. Beim dritten Reinschauen hatte Ramin gerade einen Springer weniger; den würde er zwar sicher zurückgewinnen, doch bekam der Gegner dafür nicht nur einen Bauer, er hatte noch noch die Auswahl diverser anderer Stellungsvorteile. Er entschied sich für ein (Einfach-)turmendspiel mit zentralem Mehrfreibauern, Bauern auf beiden Flügeln, sowie aktivem Turm, während Ramins Turm defensiv gebunden war. Vor rund 15 Jahren hatte ich mal eine ganz ähnliche Stellung im 39. Zug auf Zeit gewonnen und bei der Analyse festgestellt, dass sie trotz der scheinbar drückenden Überlegenheit bei korrektem Gegenspiel nicht zu gewinnen gewesen wäre. Also bestand für Ramin noch Hoffnung. Tatsächlich schaffte er es bei geringer Bedenkzeit sauber zu verteidigen und in eine theoretische Remisstellung (Beide Randbauern weniger, Könige am selben Flügel, eigener Turm aktiv) abzuwickeln.

Jürgens Partie bewegte sich lange im ungefähr Ausgeglichenem mit kleineren Ausschlägen in beide Richtungen. Das Bauernendspiel wäre bei beiderseits korrektem Spiel auch Remies gewesen, doch sein Gegner meinte im Tempokampf tricksen zu können, was Jürgen mit einem sehr schönem Königszug bestrafte, wonach die Drohung eines Partie-entscheidenden Bauerndurchbruchs nicht mehr zufriedenstellend pariert werden konnte.

Julian hatte im beschleunigtem Drachen auch endlich mal wieder einen Stellungstyp, wie er in liebt. Er attackierte e4 mit Sh6 und f5 wonach er richtig aktive Hopselspringer bekam. Dem Gegner gelang es Julians Initiative auf Kosten mehrerer Bauern ins Endspiel verflachen zu lassen. Nachdem Julians Zeitnot überstanden war (Spiel schneller! Wenn du eine Partie in Zeitnot wegstellst, war der entscheidende Fehler nicht, dass du mit wenig Zeit schlecht spielst, sondern dass du davor unnötig Zeit vergeudet hast.), blieb der Rest mit zwei verbundenen Mehrfreibauern eigentlich Sache der Technik, doch Julian wählte irgendwie den allerlängsten (aber wenigstens sicheren) Gewinnweg.

Von Marcels Partie sah ich nur, dass bis zum Remis im Turmendspiel nie jemand nennenswerten Vorteil hatte.

Bei der Analyse stellte ich fest, dass Tobias‘ Stellungsbewertung fast so optimistisch wie deine ist. Nach der Eröffnung und den ersten Abwicklungen hätte er nach Remieswegen Ausschau halten müssen, überschätzte seine Stellung aber völlig und kriegte den gegnerischen Angriff voll auf die Nase. Ganz zum Schluss war noch witzig, wie sein einsamer Mehrspringer von drei verteilten Freibauern (einer davon verdoppelt) völlig überfordert wurde.

Kommentare

Landesliga – Sieg in Ludwigsburg — 3 Kommentare

  1. Schöner Bericht, Robin! Vorallem diese bildhafte Sprache… 😉
    meine Freundin konnte sich besonders für den Ausdruck „richtig aktive Hopselspringer“ begeistern 😀
    Vielleicht solltest du ab jetzt öfter schreiben!

    Du hast ja recht mit dem schneller spielen, aber ich finde dieses Mal hab ichs in der Zeitnot sogar ganz gut hinbekommen – wenngleich die beste Variante, die ich hätte einschlagen können vom Computer mit +1.2 für mich (ein Mehrbauer und aktives Figurenspiel) bewertet wird, meine hingegen nur mit +0.8 (zwei Mehrbauern und aktives Spiel für den Gegner).

    18. …Da8 wäre übrigens tatsächlich der beste Zug gewesen – auf 19. b4 muss dann aber Tcc8 folgen (erhält den Druck auf c4); das aggressive Sf3+ führt, wie wir richtig gesehen hatten, nur zum Remis.

    Beste Grüße

  2. PS. ich weiss übrigens immer noch nicht genau, wo mein Gegner für sich eine „Traumstellung“ gesehen haben will – ich hatte eigentlich durchgehend leichten bis ordentlichen Vorteil 😛

  3. Überoptimistische Stellungsbewertung ist nicht nur bei uns weit verbreitet.

    Letztes Mal ist mir Ramin mit seinem Bericht zuvorgekommen, und sonst war Christian immer schneller. Das letzte Mal habe ich vor längerem unser Spiel gegen Marbach kommentiert.