Landesliga – Kantersieg gegen Ingersheim

In der 6. Runde ging es nach Ingersheim. Bis auf Carole konnten wir in Bestbesetzung antreten und galten entsprechend Favorit. Aber wie die Jahre zuvor es immer gezeigt haben, ist es nicht leicht, dem auch gerecht zu werden. Diesmal klappte es und wir holten 6,5 Punkte, bei drei Remisen.

Der Spielablauf

Nach einer guten  Stunde warf ich einen Blick auf die Bretter. Robin hatte seinem Gegner mal wieder seine Spezialvariante kredenziert. Und der hatte für die 7 Züge, die bisher gespielt wurden eine ganze Stunde investiert. Dadurch, dass sich hier oft verwickelte Stellungen ergeben, ein guter Vorteil. Am zweiten Brett hatte Nicolas Damengambit auf dem Brett (12 Züge), und hatte mit gespielten c5 schon völligen Ausgleich. Jürgen hatte Königsindisch auf dem Brett, wo er nicht d5 gespielt hatte und dem Gegner exd4 gestattet hatte. Aktuell waren 19 Züge gespielt und Jürgen hatte mehr Raum, mehr aber auch nicht. Ich hatte im Französischen Rubinstein mit dxe4 gespielt und nach 16 Zügen waren schon 3 Leichtfiguren getauscht, inklusive des schwachen weißfeldrigen Läufer, was immer zufriedenstellend für Schwarz ist. Zurzeit suchte ich nach einer Umgruppierung meiner Figuren, um am Damenflügel, wenn möglich mit c5, Linien zu öffnen und entsprechend die weiße Bauernkette anzugreifen.

Auf den hinteren Brettern sah es wie folgt aus. Julian hatte ebenfalls Königsindisch auf dem Brett (Korrektur: Philidor). Im Gegensatz zu Jürgen hatte er seinen Läufer nicht fianchettiert und im Vergleich mit Jürgens Partie, stand Julian schlechter. Schwarz hatte genügend Raum und auch Figurenspiel. Das äußerte sich darin, dass Julian auch schon fast eine Stunde Bedenkzeit investiert hatte. Und da heute wohl Königsindischtag war, konnte ich das auch auf Simons Brett bewundern. Allerdings hatte Simon die Eröffnung nicht gut behandelt und sich gerade dafür entschieden, mit Sf4 einen Bauern zu opfern. Der Springer stand auf h5 und nach g4 hieß es entweder Rückzug und Tempoverlust oder wie gesagt, das Bauernopfer auf f4 mit einer vagen Hoffnung, die nun exponierte weiße Königsstellung anzugreifen. Meiner Einschätzung nach gab es nicht genügend Kompensation für den Bauern. Bei Thomas (12 Züge) stand es ausgeglichen, mit kleinem Raumvorteil für Thomas. Bei Wicki sah es nicht gut aus. Wicki hatte mit Sbd7 den klassischen Fehler gemacht, der Weiß es ermöglicht hatte, e5 zu spielen und nach dxe5, fex5, Sge4 kam das Bauernopfer e6  und seitdem hing der König in der Mitte und Weiß hatte riesiges Angriffsspiel. Gerade hatte Weiß auf b3 aus die Dame zum Tausch angeboten, was meines Erachtens leicht dämlich war. Gut Wicki konnte nun eine starke Angriffsfigur tauschen, Td6 schien mir aber besser. Zusammenfassend standen wir vorne gut, hinten etwas schlechter.

Eineinhalb Stunden später hatte sich das Spiel an Brett 1 verschärft, es sah unklar aus. Nicolas stand aktiver, aber noch war die Stellung ausgeglichen. Bei Jürgen gab es ein verwickeltes Figurenspiel, Die Bauern waren mehr oder minder festgelegt (Schwarz hatte den a-Bauern nach a4 vorgeschoben), und kontrollierte mit seinen Springer die Löcher in Jürgens Stellung. Hier konnte jeder Fehler spielentscheidend sein. Mein Gegner hatte erfolgreich den Sprengungszug c5 verhindert, allerdings standen seine Bauern nun inaktiv, sollte ich die Linien öffnen können, könnte mir das nutzen. Das erreichte ich auch, als er e5 einen Zug lang nicht unter Beobachtung hatte. Julian stand zweischneidig, er musste aufpassen, dass er nicht den c4-Bauer verlor. Simon hatte aus unerfindlichen Gründen wieder seinen Bauern zurück. Sah mal wieder besser aus. Thomas hatte sich eine Qualität  heraus gespielt, das sah gut aus. Wicki hatte den ersten Angriff abgewehrt, stand aber immer noch unter Druck. Mein Gegner stellte seinen Turm ein. Vielleicht hat er ihn auch geopfert, um seinen c-Bauern zu erhalten, habe vergessen ihn zu fragen. Nachdem dann die restlichen Schwerfiguren getauscht wurden, spielte mich mit Turm gegen Springer, und eroberte seine Damenbauern. Da gab er auf. Thomas gewann zehn Minuten später auch seine Partie und es stand zwei zu Null. Wicki hatte es geschafft, fast alle Figuren und Bauern zu tauschen und die Stellung war remis. Trotzdem spielte sein Gegner noch weiter. Robin stand etwas wackelig. Insbesondere sein König konnte bei Unachtsamkeit schnell in Gefahr geraten. Von seinem Zeitvorteil hatte Robin fast alles aufgebraucht: nur noch 20 Minuten gegenüber 14 Minuten. Nikolas hatte auch schon Material gewonnen, das musste klar der dritte Punkt sein. Auf Jürgens Brett war ein zähes Ringen im Gange. Unklar, wie es enden würde. Bei Julians Partie konnte ich auch nicht abwägen, wer besser stand. Die schwarze Dame stand in latenter Bedrängnis, aber die schwarzen Figuren konnten gutes Spiel entwickeln, was sie aber nicht taten, zumindest taten sie es falsch. Der Versuch von Schwarz, durch Angriff auf die Dame, den Springer auf c3 zu kassieren, war ein Eigentor, der dazu führte, dass auch die schwarze Königsgemahlin einem Angriff ausgesetzt wurde. Die ganze Variante kostete Schwarz eine Figur, worauf er aufgab. Wickis Gegner machte endlich remis und es spielten noch Simon und Jürgen. Simon wickelte ab in ein Turmendspiel, er kam mit einem Mehrbauern heraus, konnte aber diesen nicht verwerten. Am längsten ging dann Jürgens Partie, der es schaffte seinen b-Bauer entscheidend in Bewegung zu setzen. Als Schwarz nun beschäftigt war, das Umwandlunsgfeld b8 zu bewachen, konnten die weißen Figuren sich entfalten. Jürgen eroberte den g-Bauern und danach brachten die verbundenen Freibauern die Entscheidung.

Kommentare

Landesliga – Kantersieg gegen Ingersheim — 2 Kommentare

  1. Ich hatte ihn überspielt und stand klar besser. Blöderweise musste ich meinen Zeitvorteil verbraten um all die fast-Gewinnvarianten zu berechnen, in denen ich dann doch noch jedesmal eine versteckte Ressource für ihn fand. In der Analyse hab ich den Gewinnweg gefunden (passives Bauernopfer)aber in der Partie war der Vorteil halt weg und ich mußte froh sein, dass er nicht genug Zeit hatte, um zu gewinnen, sondern mich ins Dauerschach entkommen ließ. Dieses Remis wurmt mich besonders, weil er wirklich schlecht gespielt hat und ich zu unfähig war, es auszunutzen.
    Nicolas hatte Damenindisch gespielt; allerdings muß ich zu deiner Verteidigung einräumen, dass diese Variante (mit a3 und d5; heißt glaub ich Petrosjan, aber mein Gedächtnis kann mich trügen) sehr stark nach Damengambit aussieht.
    Du mußt endlich den Unterschied zwischen Turm und Qualität lernen! (Da ich das jetzt schon zum mindestens dritten Mal anmerke, frag ich mich langsam, ob du das absichtlich falsch machst.).
    Jürgen stand aus der Eröffnung raus überlegen und es war nur eine Frage der Zeit, bis seine Gegner der Dauermassage nicht mehr standhalten können würde.
    Julian hatte es nicht mit Königsindisch, sondern mit Philidor zu tun. Er hatte nie einen Bauern auf c4 und stand auch nie zweischneideig oder gar schlechter. Allerdings hatte er die Zeit gebraucht um die ganzen Varianten durchzurechnen. Bei der Analyse haben wir zwei Sachen festgestellt: Es gab (genau) einen, langen, schwer zu berechnenden Remiesweg für Schwarz und der Gegner ist in Punkto Berechnung taktischer Abwicklungen nicht gerade der beste. Simons Bauernopfer war sehr gut und durchaus stellungstypisch. Er hatte mehr als ausreichende Kompensation. Schade dass er es nicht geschaft hat zu gewinnen.
    Obwohl ich dich sonst ob deiner überoptimistischen Stellungsbewertung tadelte, ist es diesmal umgekehrt.
    Wieso hat die Heimseite eigentlich ein buntes Gemisch aus englischen und deutschen Begriffen (z.B. : 3 Comments / Komentare deaktiviert) ?

    • So klar gewonnen war es ja nicht, da du, wie gesagt in vielen Varianten, versteckte Ressourcen fandest. Sagen wir also, es war eine gewonnene Stellung, wo man genau spielen und den richtigen Zug finden musste. Und nachdem du das nicht gemacht hattest, standest du nicht mehr vorteilhaft. Bei Nicolas wollte ich schon Damenindisch schreiben, war mir aber nicht sicher, ob es das auch war, hatte halt seine Partie nicht richtig im Kopf. Jürgen hatte klar den Raumvorteil und die bessere Stellung, aber Schwarz stand sicher und kompakt. Zu dem Zeitpunkt konnte man noch von einer relativen Ausgeglichenheit reden.
      Was meinen Kommentar zu Julians Partie betrifft, so hat wohl eine Verwirrung mich ergriffen. Richtig, es war kein Königsindisch, sondern die Hanham-Variante im Philidor. Witzigerweise stand Schwarz fast identisch, wie Jürgens Gegner, so dass ich die beiden Partien durcheinander geworfen habe. Bei Jürgen stand der Bauer auf c4. Ich habe aber nicht behauptet, dass Julian schlecht stand – ich sagte, dass er im Vergleich zu Jürgen schlechter stand (zumindest wollte ich das so ausdrücken). Julians Gegner hatte mehr Raum zum Manövrieren seiner Figuren, ging aber einem falschen Plan nach, wo die Dame nach b4 ging und später nach a3 getrieben wurde.
      Simon stand einfach schlechter, klar ein Rückzug des Springers kam gar nicht in Frage, statt dessen war Sf4 der einzige gangbare Weg, aber die Kompensation war den Bauer nicht wert. Nur, weil sein Gegner schlecht weiterspielte, kam Simon ins Spiel zurück. Simon kann ja mal seine Partie analysieren oder zumindest sagen, was der Computer dazu meint.

      Homepage: Ich habe am Sonntag ein Update für das „Theme“ eingespielt. Dadurch ist der Mix von Englisch/Deutsch eingetreten. Ich schaue, ob man irgendwo eine Einstellung ändern muss. Eventuell hat das Theme auch einen Bug. Wird sich rausstellen.