Ein Königreich für einen Wecker!

Nach der kurzen Verschnaufpause am letzten Wochenende waren heute wieder zwei Teams im Außeneinsatz: Unserer 4. Mannschaft gelang in Schwaigern dabei ein perfektes Ergebnis: Mit Siegen von Carsten, Lars, Felix, Ardit, Lukas und Jannis gewannen wir „zu Null“ und halten den 3. Tabellenplatz.

Unsere Zweite war nach dem Debakel in Ludwigsburg heute in Bietigheim-Bissingen gewissermaßen in Zugzwang. Auch wenn wir letztendlich ebenfalls beide Mannschaftspunkte mitnehmen konnten – souverän war das heute nicht:

„Mein Königreich für ein Pferd“ ließ Shakespeare seinen Richard III. verzweifelt ausrufen. An Springern mangelt es unserer Zweiten zwar nicht, dafür leiden unsere Spieler offenbar an akutem Schlafmangel in Nächten auf Spieltage. Dieses Mal mussten wir Marcel aus dem Bett klingeln mit dem genialen Plan, dass ich in Heilbronn auf ihn warte, während die übrigen Spieler pünktlich in Bietigheim ihre Partien starten konnten. Irgendwann dämmerte mir dann jedoch, dass ich seit der letzten Runde ebenfalls mit einem kampflosen Minus vorbelastet bin und somit bei einer heutigen erneuten kampflosen Niederlage sowohl Marcel als auch ich für den Rest der Saison gesperrt werden würden. Wie gesagt, genialer Plan…

Zum Glück schaffte es Marcel „rechtzeitig“ und dank der sonntagmorgentlich eher unbelebten Autobahn konnten wir mit moderater Verspätung und verkraftbarem Bedenkzeitverlust die Mannschaft komplettieren. Nicht viel später fielen schon die ersten Entscheidungen: Kim-Lucas Gegner vermischte zwei Eröffnungsvarianten und lief ihm damit sozusagen frontal ins Messer – nach gerade einmal 12 Zügen hatte Kimi eine Mehrfigur und kurz darauf steckte der schwarze König schon in einem Mattnetz:

Weiß am Zug: Wie geht es dem schwarzen Monarchen an den Kragen?

Die Antwort der Gastgeber ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Severin bekam eine Eröffnung Marke Eigenbau mit heterogenen Rochaden vorgesetzt; allerdings kam sein Angriff am Damenflügel nicht aus den Startlöchern und nach einer übersehenen Gabel war es dann aus.

1:1 nach einer guten Stunde also und die Tendenz an den restlichen Brettern sah eher durchwachsen aus: Unsere Ü30-Fraktion bestehend aus Ole und Robert versuchten ihre Gegner in königsindischen Stellungstypen auszumanövrieren, hatten aber außer etwas optischem Vorteil (noch?) nichts Greifbares. Auch Thomas und Marcel hatten mit unterschiedlichen Farben ähnliche Stellungstypen auf dem Brett; hier gab es jeweils eine Art Reti-Slawisch ohne weißes d4. Thomas gab kurz nach Abschluss der Eröffnung zwei Leichtfiguren für Turm und Bauer – wo genau seine Kompensation dafür lag, weiß ich nicht, aber Thomas‘ Partien sind mir ohnehin zu hoch. Marcel war ebenfalls auf Krawall aus, schob seinen Bauern nach d4 vor und verzichtete auf die Rochade, um die halboffene h-Linie für einen Königsangriff zu nutzen. Während meine Partie sehr langsam Gestalt annahm, gab es die nächste klare Tendenz bei Patrick: Dieser hatte nämlich in der Eröffnung fehlgegriffen, woraufhin sein Gegner mit einer Abwicklung alle (wirklich alle!) Linien gegen Patricks König öffnen konnte. Mit Dame, Turm und drei Leichtfiguren gegen Patricks Dame, zwei Türme und Springer sah es also ganz nach einer baldigen Führung unserer Gastgeber aus.

Mit der näher rückenden Zeitkontrolle stand uns heute aber das Glück zur Seite: Thomas‘ Gegner übersah einen netten taktischen Trick, der Thomas zwei unaufhaltsame verbundene Freibauern verschaffte, die seinen Gegner schließlich zur Aufgabe zwangen. Kurz darauf konnte mein Gegner bei knapper Zeit seine Verteidigungsaufgaben nicht lösen und überschritt in bereits hoffnungsloser Stellung die Zeit:

Nachdem Robert einsehen musste, dass es heute keinen Durchbruch geben würde, und daher Remis machte, kam Bietigheim noch einmal auf einen Punkt heran, da Marcels Spielanlage nicht aufging: Sein vorgerückter Bauer wurde schwach und alsbald erobert, zum Angriff kam Marcel auch nicht mehr, sodass sich letztlich seine eigene Königsstellung als schwächer erwies. Das resultierende Endspiel mit mittlerweile zwei Minusbauern war dann nicht mehr zu halten. Ärgerlich, aber glücklicherweise für den Mannschaftskampf nicht mehr besorgniserregend, da Oles Gegner ein schwerer Rechenfehler unterlief, der Ole eine glatte Mehrfigur und uns somit den Mannschaftssieg einbrachte.

Nun spielte also nur noch Patrick, der mit gewohnter Zähigkeit versucht hatte, seine Königsstellung zusammenzuhalten. Tatsächlich war die Stellung noch viel komplizierter als sie aussah und selbst ein vom Bietigheimer Spitzenbrett hinterher vorgeschlagener scheinbarer Killerzug hätte wohl „nur“ zu einer Mehrfigur gegen zwei Bauern und Gegenspielmöglichkeiten geführt – für den Computer klar gewonnen; für uns Menschen in der praktischen Partie wohl eher zwischen unklar und chaotisch. Nach ein paar weiteren ungenauen Zügen nutzte Patrick die Gegelenheit zu einem starken Qualitätsopfer, wonach vom weißen Angriff nur noch eine Mehrfigur übrig blieb – aber da Patrick mittlerweile einen dritten Bauern kassiert hatte, hatte er nun gute Gewinnchancen:

Auf dem Papier stehen nun ein 5:3-Sieg gegen einen klaren Abstiegskandidaten und zur Winterpause vier Mannschaftspunkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze; tatsächlich ist heute Einiges gut gegangen, was genausogut hätte schiefgehen können. Bis zum nächsten Spiel im Januar sollten wir also ein paar Hausaufgaben machen – und Wecker kaufen…


Kommentare

Ein Königreich für einen Wecker! — 1 Kommentar

  1. zu Patricks Partie: 61…Sxa5+ gewinnt auch, aber …Se6 ist einfach ein dummer Zug, ich mein, der stellt einfach einzügig eine Figur ein? So viel Zeitnot kann man gar nicht haben?
    Die Idee, mit dem Springer nach f4 zu kommen, ist schon richtig, nur a) sollte man keine Figur dabei einstellen und b) muss man Weiß erst dazu zwingen, seine Verteidigungsaufstellung Lg2+Sh3 einzunehmen, sonst greift man mit …Sf4 ja nix an.

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