Eine Runde weiter und den Traum im Blick

Im württembergischen Pokal geht es nun Schlag auf Schlag.

Fand die erste Runde noch vor drei Wochen am 14. Juni statt, so werden uns nun keine Pausen mehr gegönnt. Die finalen Runden wurden am 5., 12. und 19. Juli angesetzt. Los ging es mit einem doppelten Auswärtsspiel unserer beiden Pokalteams.

Nun forderten der Sommer und Konkurrenzveranstaltungen ihren Tribut. Einer war auf einer Hochzeit, der andere wollte Rocket League bis 3 Uhr nachts spielen und der dritte war bei der BW-Endrunde U14. Für das Auswärtsspiel des zweiten Teams in der Nähe von Reutlingen wurde erst am Vortag ein Team gefunden. Just in time I guess?
Die „Erste“ hatte im Gegensatz dazu eher Luxusprobleme, vier Leute auszusuchen. Schlussendlich nahm ich die Jugendlichen Richard Walter und Esat Tuna Turker sowie den jung gebliebenen Philipp Huber mit. Da war ich ja schon der Opa.

Gegner war (mal wieder) der SK Sontheim/Brenz, bei welchem wir ein letztes Hurra des Jungtalents Neil Albrecht erwarteten. Aber keine Sorge, wir sehen ihn bald wieder, denn er wechselte zum Münchener SC, welche wie wir in der 2. Bundesliga Süd spielen.
Im Zuge dieser Erwartung bereitete ich Richard auf Neil vor und einigte mich mit den anderen, dass der DJEM-Teilnehmer an Brett 1 spielen würde. In Sontheim angekommen, dachte ich zuerst, dass unser Plan schiefgehen würde, denn es waren vier Sontheimer da, jedoch kein Neil. Dennoch hielt ich am Plan fest und wurde insofern belohnt, dass Neil tatsächlich eingeplant war – Sören Pürckhauer war dafür als „non-playing captain“ da.
Dies bedeutete auch, dass wir hinten drückend überlegen schienen. Esats DWZ von über 2460 mag zu hoch sein, jedoch sollte er gegen Ben Kaufmann (souveräner Württ. Meister U14) doch der Favorit sein. Und Philipp war wegen anderen Dingen im Leben etwas eingerostet, dafür hatte er Weiß gegen Bens Vater Thorsten.

Trotz der scheinbar sehr guten Chancen hinten barg unsere Aufstellung ein gewisses Risiko. Wir gaben unser Weißbrett an 1 ja an Richard und auch wenn ich vollstes Vertrauen hatte, würde eine Niederlage an 1 wehtun. Ok, aber nicht den Tag vor dem Abend loben. Esat erfüllte seine Aufgabe und gewann in 19 Zügen. Dahingegen lieferten sich die beiden Spieler an Brett 4 einen großen Kampf, ein Spielstärkeunterschied war nicht wirklich erkennbar – naja, zumindest bis zum Ende. Wie es so oft kommt, übersah der schwächer gewertete Spieler einen taktischen Schlag und Philipp konnte mit einem schönen Turm-Sperrzug auf der siebten Reihe die Partie entscheiden:

Hier brauchte der zukünftige Dr. Huber nicht lange, um mit Te7! den Gegner zur Aufgabe zu zwingen. Wegen der Mattdrohung auf g7 darf der Springer nicht nehmen, ein Turmtausch löst das Problem nicht und Te7 Tg8 Txc7 würde einen glatten Turm für Weiß gewinnen.

Trotz des 2-0 fiel die Anspannung nicht ab, im Gegenteil. Ich verwechselte in der Eröffnung Varianten und kam in eine schwierige Stellung. Wenigstens fand ich eine gewisse Zeit lang die besten Verteidigungszüge, sodass ich den Vorteil meines Gegners Thomas Brückner auf ca. +0,6 beschränken konnte – was bei einem Minusbauer meinerseits schon ganz gut war. Wie auch an Brett 4 war es wichtig, das taktische Radar am Leben zu erhalten und so erhielt ich bei wenig Zeit eine goldene Gelegenheit:

Mein Spinnensinn klingelte und wenn das passiert, dann ist der Rest einfach – …Sxf3! und die Stellung ist nicht mehr zu retten, weil der Springer auf f3 tabu ist (…Dd2+ nebst Qualitätsgewinn) und alle Zwischenzüge nur dazu führen, dass Weiß schnell Matt geht – wie es dann auch kam. Noch einmal Glück gehabt.
Der Mannschaftskampf war damit entschieden, leider reichte es für Richard nicht mehr, noch ein Remis mitzunehmen. Irgendwo im Endspiel bog er falsch ab. Jedoch erreichten wir das Halbfinale und Richard konnte Erfahrung sammeln. Die beiden Jugendlichen werden sich ohnehin bald wieder am Brett begegnen.

Wir erfüllten unser Soll und so richteten wir unseren Blick auf die andere Mannschaft. Mutig per Bus und Bahn (trotz Baustelle zwischen Stuttgart und Reutlingen) angereist, gingen Dennis Birke, Calvin Wolff, Raunak Sadhwani (nein, nicht der GM) und Noah Mast als Underdogs ins Rennen. Calvin setzte jedoch ein Ausrufezeichen und besiegte einen über 150 Punkte stärkeren Gegner mit Schwarz. Noahs Niederlage war schmerzhaft, jedoch sprach die Berliner Wertung für unsere Jungs. Nach etwas Drama wurde dies tatsächlich relevant. Raunak verlor auf dem Weg in ein Bauernendspiel einen Bauern und normalerweise sollte dies zur Niederlage führen. Jedoch fand er noch eine Festung, welche sein Gegner prompt zuließ – Remis. Währenddessen konnte auch der Ausgang von Dennis‘ Partie nicht mehr angezweifelt werden, hier wurden ebenfalls die Punkte geteilt. So setzte das Jugendteam das nächste Ausrufezeichen und darf sich im Halbfinale am 12. Juli mit dem SK Bebenhausen messen.

„Mein“ Team bekommt es zeitgleich mit dem TSV Schönaich zu tun. Wegen der deutlichen Überlegenheit der Bebenhäuser scheint das Württembergische Pokalfinale HN vs. HN ziemlich unrealistisch zu sein (und auch die Erste muss Schönaich erstmal schlagen), aber der Traum lebt weiter…

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