Einen Titel müssen wir noch verteidigen und zwar den des Pokalsiegers.
Unfreiwillig, aber völlig legal haben wir für den diesjährigen württembergischen Pokal zwei Teams gemeldet. Unfreiwillig, weil ich eigentlich am 30. Oktober 2025 geschrieben hatte, dass wir nur einen Freiplatz stellen würden. Legal wäre es laut Georg Hahn, Verbandsspielausschuss-Mitglied für den Pokal, dennoch gewesen. Und wenn’s legal ist, ist es wohl auch legitim, denn Anfang Mai erhielt ich die Aufforderung, zwei Teams zu melden – entgegen meiner Bitte letztes Jahr.
Also wurde es Zeit für den Ludwigsburger Trick. Der geht wie folgt: an den ersten vier Brettern in Team 1 werden irgendwelche Leute gemeldet. Der Rest wird mit den stärksten Spielern aufgefüllt. Repeat for Team 2. Dann hat man mit dem besten Team zwei Chancen im Pokal. Supidupi.
…nur merkte ich dann, dass die Ausschreibung genau diesen Trick verbot. Ich lebe wohl noch im Jahr 2016. In 2026 war es Pflicht, zwei komplett voneinander unabhängige Kader zu melden. Notgedrungen machte ich die „Zweite“ zum Jugendteam. Nur meinen Boy Richi nahm ich in „mein“ Team auf. Die Aufstellung schickte ich an den frischgebackenen Mannschaftsführer Dennis Birke und wünschte ihm viel Glück. Er würde es brauchen.
Ganz meisterlich erhielt HSchV 1 auch noch spielfrei in der ersten Runde. HSchV 2 bekam es mit HN-Biberach zu tun. Philipp Müller bedankte sich während der DJEM noch bei mir, weil unser Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg den Biberachern den Klassenerhalt bescherte. Das war halt ein Kollateralschaden, welchen wir in Kauf nehmen mussten.
Fast hätte ich die Biberacher hier „noisy neighbours“ genannt. So wurde Manchester City lange von United-Fans bezeichnet, weil United ja alles gewann, während City maximal im Mittelfeld mitspielte. Aber da ich mich (glücklicherweise) nicht mehr daran erinnern kann, wann United zuletzt eine Premier League-Saison vor City beendete, möchte ich HN-Biberach nicht so ein Prädikat wie „noisy neighbours“ verleihen. Wer weiß, vielleicht machen sie es dann City gleich und werfen uns auf Platz 2 im innerstädtischen Ranking. Ach ja, es gibt noch einen anderen Fußballverein namens „FC United of Manchester“, welcher in der 7. englischen Liga spielt – das wäre dann wohl das Pendant zum SV Böckingen.
Also, wer einen guten Spitznamen für unsere ewigen Konkurrenten kennt, gerne her damit.
Ein schönes Detail des Kampfes war, dass beide Teams quasi nur mit Eigengewächsen antraten. Bei uns waren das Daniel Schäfer, Dennis Birke, Calvin Wolff und Konstantinos Tselepidis. Auf Biberacher Seite wollten Jens Hoffmann, Alexander Arns und Robin Gerold die Punkte holen. Komplettiert wurden sie vom „Opa“ Eugen Holzinger.
Jener Eugen Holzinger opferte im Mittelspiel eine Figur für Angriffschancen. Calvin verteidigte sich jedoch umsichtig und konnte später im Endspiel gewinnen. Im Allgemeinen waren Endspiele die Partiephase des Tages. Bei meiner Ankunft im Spielsaal (irgendjemand musste das obige Foto ja schießen) hatte Daniel zwar einen Bauern weniger, aber ein gut unterstützter Freibauer auf c3 würde mindestens die Qualität gewinnen. Dennis hatte das Läuferpaar und eine entfernte Bauernmehrheit am Damenflügel, litt jedoch unter Zeitmangel. Und Kosta hatte früh einen Bauern gewonnen. Unter meinem strengen Blick versuchte er, zwei verbundene Bauern auf den a- und b-Linien durchzubringen.
Die Entscheidung fiel lustigerweise am Brett mit der ausgeglichensten Stellung. Denn Alexander Arns schaffte es nicht, einen Zug auszuführen, bevor sein Blättchen fiel. Als Daniel auch noch die Aufgabe seines Gegners entgegennahm, war der Kampf auch ohne Calvins Erfolg (dieser geschah chronologisch als dritter) schon entschieden. Denn selbst bei einem 2-2 wäre die Berliner Wertung auf unserer Seite gewesen.
Die Kirsche auf der Sahne war, dass Kosta nach einigem Hin und Her noch ein Endspiel Dame vs. Turm gewinnen konnte. Keine einfache Angelegenheit, wenn der Gegner sich gut verteidigt. Mit einem 4-0 ging es für die Jugendtruppe ins Viertelfinale.
Der Spruch „Ici, c’est Paris“ wird von Fans des Fußballklubs Paris Saint-Germain zum Anfeuern des eigenen Teams benutzt. Wenn Paris die Champions League verteidigen kann, dann schaffen wir es vielleicht auch, den SVW-Pokal erneut zu gewinnen.
