Zum Ende der Saison 2004/05, also vor über 20 Jahren, startete ein gemeinsames Projekt der badischen und württembergischen Schachjugend. Die „BW-Jugendliga“ wurde ins Leben gerufen. Der Heilbronner Schachverein war als Meister der Verbandsjugendliga 2004/05 direkt in der ersten Saison der neuen höchsten Jugendliga vertreten.
Solange die Liga „BW-Jugendliga“ hieß, war uns der Erfolg auch treu. Seit 2006 gewannen wir die BW-Jugendliga zwei Mal und noch bemerkenswerter war, dass wir in ausnahmslos jeder Saison in den Top 3 landeten. Die Top 3 sind in der „BW-Jugendliga“ wichtig, weil sie die Qualifikation für die Deutsche Vereinsmeisterschaft U20 (DVM) bedeuten. In manchen Jahren gab es „Überteams“, welche quasi konkurrenzlos Meister wurden, aber keines dieser Teams konnte über 10 Jahre derart konstant um die vorderen Plätze mitspielen.
Zur Saison 2017/18 wurde die Liga schließlich in „Jugendbundesliga Süd“ umbenannt. Da begann der ganze Spuk. Keine Qualifikation zur DVM mehr und in 2022/23 erstmalig der Abstieg in einer Jugendliga. Der Geist der vorherigen Teams schien uns gemeinsam mit dem alten Namen der Liga verlassen zu haben.
Die „Mission Wiederaufstieg“ begann vielversprechend. Ausnahmslos jedes Spiel in der folgenden Saison 2023/24 der Verbandsjugendliga wurde gewonnen. Die online dargestellte Tabelle zeigte den Heilbronner SV auf Platz 1 mit zwei Mannschaftspunkten Vorsprung auf Göppingen. Allen war klar: ein 3-3 würde reichen, um in die Jugendbundesliga zurückzukehren. Gesagt, getan. Nach Beendigung der letzten Partie jubelten die Heilbronner – und die Göppinger. Keiner verstand die Welt. Erst der Hinweis auf das unnötig komplizierte System der Verbandsjugendliga (Vorrunde und Aufstiegsrunde, Streichung eines Ergebnisses), welches im Vorfeld nicht an den Mannschaftsführer (meine Person) gesendet wurde, brachte Klarheit. Göppingen stieg auf. Noch eine bittere Pille zu schlucken.
Und auch in der Saison 2024/25 klappte es nicht. Da war es sogar eindeutiger. Nach der Vor- und Aufstiegsrunde insgesamt nur der 3. Platz. Ernüchternd.
Es war Zeit für verzweifelte Maßnahmen. Damit wir endlich den Aufstieg schaffen, verpflichteten wir einen gefährlichen Spieler aus dem Aserbaidschan, welchen wir in jedem Spiel einflogen, um uns einen unfairen Vorteil in jedem Kampf zu verschaffen. Also, das dachte zumindest die Konkurrenz. Aber Hummat Suleymanov war seit drei Semestern ein gewöhnlicher Student am Bildungscampus in Heilbronn und auch kein Großmeister. Traurig, dass man da überhaupt Unruhe stiften muss, indem man als Gegner drei Tage vor dem direkten Duell die Spielberechtigung des Spielers hinterfragt.
Noch ein Hoffnungsschimmer: das alte System einer gewöhnlichen Liga wurde wieder eingeführt. Kein merkwürdiges Rumgerechne mehr, kein Streichen von Ergebnissen, keine zwei jubelnden Teams am Ende. Einfach Schach spielen, gewinnen und vorne sein.
Beim „Gewinnen“ hatte jedoch zuerst der SK Bebenhausen die Nase vorne. Das machte schon Angst. Die Tübinger Ergebnisse in den ersten vier Runden lauteten 6-0, 5-1, 5,5-0,5 und 5,5-0,5. Waren sie überhaupt aufzuhalten?
Sechs Heilbronner Junioren gaben die Antwort: ja. Zuerst wurde ein Bebenhäuser Patzer ausgenutzt. Wir besiegten Kornwestheim, während Stuttgart-Wolfbusch dem Tabellenführer beide Punkte stahl. In der vorletzten Runde kämpften beide Konkurrenten um jeden Stein, so konnte der Kampf nur mit 3-3 enden. Matchball Heilbronn.
Am 9. Mai war es dann soweit, mit einer Reise zum SV Stuttgart-Wolfbusch sollte die ewige Jagd enden. Aller guten Dinge waren wohl drei? In der dritten Saison VJL musste es doch klappen. Schon früh berichtete der Topscorer der gesamten Liga, Konstantinos Tselepidis, von einem Heilbronner Doppelschlag an den Brettern 5 und 6. Lightning does indeed strike twice. Zwar ging Brett 4 verloren, jedoch waren die anderen Stellungen so gut, dass selbst der Spitzenspieler Felix Hagenmeyer aufatmen konnte. Sowohl er als auch der württembergische U18-Meister Richard Walter schoben ihre Vorteile gekonnt nach Hause. Von der Last befreit, versuchte Dennis Birke noch, seinen Mehrbauern im Turmendspiel zu verwerten, jedoch ohne Erfolg. Der wichtige Erfolg wurde ohnehin schon eingefahren. Meister in der Verbandsjugendliga und Aufstieg in die Jugendbundesliga Süd. Die parallel stattfindende Niederlage des Verfolgers Bebenhausen in Öhringen wurde mit einem Zucken des Mundwinkels zur Kenntnis genommen.
Das Meisterteam einmal alleine und einmal mit „Coach“. In allen sieben Kämpfen haben dieselben sechs Leute gespielt. Ein bemerkenswerter Zusammenhalt.
Die nächste Mission ist dann eine gute Platzierung bei der „Heim-DVM“ U20 vom 26. bis zum 30.12.2026.

