Schachbezirk Heilbronn (+ friends)
von Enis Zuferi am Do., 8. Januar 2026 | KommentareNachdem ich mich beim IM-Turnier am Münchner Flughafen verausgabt hatte, blieb ich in der ersten Januarwoche schön zuhause, um aus der Ferne die Kämpfe bei den Bezirksjugendeinzelmeisterschaften (BJEM) und beim Staufer-Open zu beobachten.
Zunächst ganz kurz zum IM-Turnier: am Ende war ich „best of the rest“, jedoch leider nicht IM. Hinter den beiden quasi-GMs Nikoloz Petriashvili (Georgien) und Ruben Gideon Köllner (beide über 2500 Elo), die mit jeweils 7 aus 9 das Turnier dominierten, landete ich mit 5,5 Punkten auf dem dritten Platz. Zur finalen Norm fehlte mir ein Punkt. Dies entsprach dem Punktestand von Richard Walter im selben Turnier. Ergebnistechnisch kein gutes Turnier, jedoch nahm er es sportlich, sodass er sich auf die Lerngelegenheiten dieses Turniers fokussieren kann.
Noch knapper war es im GM-Turnier. Nach verhaltenem Start legte Eduard Miller los und gewann drei Partien in Folge, unter anderem auch gegen den semi-legendären GM Igor Glek. Die Kinder von heute können sicher mit dem Namen nichts anfangen. In der Schlussrunde profitierte Eduard fast von der Lustlosigkeit seines Gegners, einem jungen türkischen IM. Leider ließ der Neu-Heilbronner ihn entkommen und verpasste mit 5/9 die IM-Norm um einen halben Punkt.
Die Partien wurden bis Runde 7 live übertragen. Danach gab es, sagen wir mal, organisatorische Probleme. Meine zwei letzten Partien habe ich daher auf Lichess hochgeladen: Runde 8 gegen IM Köllner und Runde 9 gegen ein talentiertes indisches Kind, welches eine Performance über 2200 spielte.
Für Kosta Tselepidis und Calvin Wolff bedeutete dies eine Doppelbelastung. Zuerst begleiteten sie mich beim IM-Turnier und spielten im parallel stattfindenden Open mit. Ergebnistechnisch lief es für beide okay und sie erspielten sich jeweils ein gutes DWZ-Plus. Gerade für Kosta wichtig, weil er erst kürzlich über die 1600 DWZ gekommen ist, da will man nicht gleich wieder abstürzen. Nebenbei wurden ein paar Schwächen im Spiel aufgedeckt, sodass beide etwas zu lernen haben. Calvin versüßte sich seine Teilnahme noch durch einen Jugendpreis.
Mit von der Partie war auch Dennis Birke. Sein persönliches Highlight war sicherlich der Sieg gegen FM Jochen Schöllmann (2175 Elo). In der Partie opferte Dennis mutig einen Bauern im Berliner Endspiel und als es nur noch einen Zug gab, um das Gleichgewicht zu wahren, griff der FM taktisch fehl, was Dennis mit einer kleinen Kombination ausnutzte. Eine schön gespielte Partie!
Kommen wir damit zur Doppelbelastung. An Silvester kehrten wir abends nach Heilbronn zurück. Bereits am 2. Januar ging es für Calvin, Kosta und viele andere Heilbronner Kids weiter mit den BJEM. Dabei rechneten wir uns in jeder Altersklasse Chancen heraus. Nichtsdestotrotz hätte man sich ein derartiges Ergebnis wohl kaum erträumen können. In der U10 trumpfte Katherina Kaleva groß auf. Sie verlor nur eine Partie und konnte mit 5,5/7 den Verfolger Daqian Darius Liang (SF Kornwestheim) um 1,5 Buchholzpunkte distanzieren. Katherina war damit nicht nur bestes Mädchen, nein, sie gewann die komplette U10. Super Sache!
Über den „Kleinsten“ verfügten wir mit Lasse Ries (U12) und Kosta (U14) über die zwei DWZ-Favoriten der Altersklassen. Leider verlor Lasse die entscheidenden Partien gegen die ärgsten Konkurrenten Mihail Bogoros (Freiberg) und Fabrizio Rumore (Sachsenheim). Der Meistertitel war damit weg, aber die Qualifikation zur WJEM ist ohnehin das Wichtigste. Diese holte sich Lasse als Fünftplatzierter. Vom Verein begleiten ihn Kai-Wen Liu (4.) und Levin Buchmüller (6.), welcher davon profitiert, dass mit Emma Hellriegel ein Mädchen vor ihm gelandet ist.
In der U14 spielte Kosta gegen seinen Vereinskollegen Leon Kübler Remis und verlor den Meistertitel schon aus dem Blick. Nach einer kurzen WhatsApp-Therapiesitzung schöpfte er jedoch neuen Mut und war ab sofort „locked in“, also total fokussiert. Es folgten eine Siegesserie und ein Schreckmoment in der letzten Runde. Glücklicherweise bekam Kosta ein Remisangebot (DWZ beeindruckt wohl doch) in schlechter Stellung, welches er nach etwas Überlegung annahm. Mit 3 Buchholzpunkten Vorsprung holte er sich den Titel. Als einziger Spieler blieb er in der U14 ungeschlagen und er besiegte zudem seinen Konkurrenten Alexander Lu (Kornwestheim) im direkten Duell. All in all ziemlich verdient. Ebenfalls qualifizierten sich Leon (3. Platz, 5/7) und Shi-Ting Zheng als Mädchen.
Fehlt nur noch die U16. Da die ältesten der U18 in der Regel zu wenig Spieler:innen sind, spielen sie gemeinsam mit der U16. Ratingtechnisch waren wir hier abgeschlagen, denn unsere Spieler waren an 5, 13, 19 und 20 (von 22) gesetzt. Und bei Calvin hatte ich ein wenig meine Bedenken. Nachdem er in München mal wieder einen Premium Ragebait platziert hatte, indem er zum 348. Mal in seinem Leben schlecht aus der Eröffnung kam (und das mit mir als Trainer), wollte ich mir nicht ausmalen, wie es gegen die Theoriefreaks namens Markiyan Bodriyenko (Kornwestheim) oder Tim Schulz (Öhringen) laufen würde. Klar, Calvin war schon immer ein Kämpfer, erst vor einem Jahr gewann er noch eine „-10“-Stellung in Basel noch gegen einen höher gewerteten Gegner. Aber man kann sich nicht aus allem herauskämpfen.
Jedoch schien mein halber Ausraster in München Wirkung gezeigt zu haben. Calvin gewann Partie um Partie. Und das absolute Highlight war: „z.B. gegen Idar stand ich aus der Eröffnung +2“ war das noch unser Calvin? Er stand mal GUT nach der Eröffnung??? Unfassbar, wirklich. So trat das ein, was ich ihm schon oft prophezeit hatte. Wenn er mal seine Eröffnungen in den Griff bekommen würde, dann wäre er deutlich stärker. Nachdem er in der 6. Runde Idar Geray (HN-Biberach) auch noch aus dem Weg geräumt hatte, war ihm mit 6/6 weder der Gesamtsieg noch der Meistertitel U16 zu nehmen. Dass er seine gute Stellung gegen Markiyan in der Schlussrunde nicht gewinnen konnte, war dann auch nicht mehr so schlimm. Vielleicht geht ja etwas bei der WJEM U16. Seine Heilbronner Mitstreiter Noah Ben Mast, David Chanthavong und Jonas Guehi werden ihn nach wechselhaften Turnierverläufen leider nicht begleiten können.
Zu Buche stehen also drei Meistertitel und zusätzlich, falls ich richtig gerechnet habe, sieben weitere Heilbronner, welche bei der WJEM mitspielen dürfen. Zu den fünf Qualifikanten gesellen sich die Kaderspieler Richard Walter (U18) und Leonard Jüngling (U12). Mit ein wenig Glück können wir in mehreren Altersklassen um den Titel mitspielen. Das wird die Zeit zeigen.
Alle Ergebnisse BJEM Unterland 2026
Leo nutzte die Gelegenheit, nicht bei den BJEM spielen zu müssen und versuchte sein Glück im B-Turnier des Staufer-Opens. Dort erwischte er einen schwierigen Start und verlor etwas Motivation. Jedoch zeigte er für ein Kind in seinem Alter eine bemerkenswerte mentale Leistung und rappelte sich wieder auf. So begann er die zweite Turnierhälfte mit drei Siegen in Folge, auch gegen einen knapp 300 Punkte höher gewerteten Gegner. Darüber hinaus blieb er bis zum Turnierende ungeschlagen, indem er gegen zwei weitere Ratingfavoriten remisierte. Der Kampfgeist blieb erhalten und wertvolle Erfahrungen wurden gesammelt. So kann es weitergehen.
Ebenso spielte Thomas Leykauf mit, welcher das Turnier zur Hälfte abbrach. Die letzte Niederlage war wohl eine zu viel.
Gegensätzlich dazu kämpfte Neuling Sophie Oswald trotz einiger Niederlagen bis zum Schluss. Am Ende holte sie 2 aus 9, jede Erfahrung ist wichtig. Ihr Mannschaftskollege Jannis Heising entwickelte sich dabei zum heimlichen Heilbronner Star. Mit 0/2 beginnend legte Jannis eine Siegesserie hin, welche ihresgleichen suchte. Er beendete das Turnier mit sehr starken 5 Punkten. Dass Jannis nach kurzer aktiver Zeit bei knapp 1500 DWZ steht, sollte ein Beleg dafür sein, dass es nie zu spät ist, mit Schach anzufangen. Weiter so, ihr beiden!
Im A-Turnier komplettierte Simon Degenhard das Vater-Sohn-Gespann Degenhard/Leykauf. Das beschleunigte Schweizer System sorgt von Runde 1 an für schwierige Paarungen, sodass Simon mit ein paar Remisen startete. Mit 6/9 ging nur eine Partie gegen den favorisierten Zarko Vuckovic (Augsburg) verloren, mit dem Simon sich bereits im Staufer-Open 2025 messen musste. Vielleicht klappt es beim dritten Versuch. Ebenfalls mit von der Partie war Pascal Neukirchner, welcher in den ersten sieben Runden nichts anbrennen ließ. Ein paar Remis, ein paar Siege und so stand er bei 5/7, alles noch drin. Den Siegeswillen konnte man durch den Bildschirm hindurch spüren, als Pascal in der vorletzten Runde gegen WFM Svenja Butenandt viel Material für eine langfristige Initiative opferte. Leider verlor er den Faden und auch bald die Partie. Am Ende befanden sich bei Pascal 5,5 Zähler auf dem Punktekonto.
Chess-Results Staufer A
Nächstes Jahr spiele ich mit! (vielleicht)
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