Immer wieder Karlsruhe

von am Mi., 28. Januar 2026 | Kommentare

Das Grenke-Open wird auch dieses Jahr stattfinden. Freut euch! Wie sonst treffen sich tausende Schachspieler:innen über Ostern in Karlsruhe, um dort der schönsten Sache der Welt zu frönen – Selbsthass nach einer unnötig eingestellten Partie.

„Hass“ und „Karlsruhe“ passen zumindest bei mir ganz gut zusammen und damit meine ich nicht meine (vormals stärkere) Affinität zum VfB Stuttgart, welche natürlich nach sich zieht, dass man alles aus Baden hassen muss. Ehefrau? Wird geliebt. Aber aus Baden? Hass, Hass, Hass! Sorry, ist Naturgesetz. Über Schwaben lacht die Sonne, über Baden die ganze Welt (oder so).
Die Gründe für meinen „Hass“ sind eher persönlicher Natur. Einerseits habe ich in Karlsruhe lange studiert und wegen zahlreicher Rückschläge kaum positive Erinnerungen an meine Zeit dort. Außerdem lief das Grenke-Open bei mir nie besonders gut. Mein bestes Jahr war 2024, als ich gegen einen 2000er ein Matt in 1 eingestellt habe und am Ende einen ganzen Elo-Punkt gewonnen hatte. Das sollte alles über meine persönliche „Grenke experience“ sagen.

Auch in der aktuellen Saison mauserte sich Karlsruhe zu einem Gegenspieler in meinem Schachleben. Während Untergrombach laut einem Spieler, dessen Aussagen ich grundsätzlich skeptisch betrachte, gar nicht um den Aufstieg spielen würde, gewannen die Karlsruher SF Match um Match. Und tatsächlich stellten deren nördliche Nachbarn aus Bruchsal (fasst ihr das schon als Beleidigung auf?) nur in den ersten beiden Runden Großmeister auf. Danach, bis Runde 7, spielten die Untergrombacher mit FM Benedikt Dauner an 1. Nicht schlecht, aber auch nicht gut genug, um aufzusteigen.
Während sich die beiden nordbadischen Vereine am 17./18. Januar bekämpften, mussten wir etwas weiter in den Süden, genau genommen nach Baden-Baden. Was ist das eigentlich? Mittelbaden? Gibt es das? Südbaden ist es ja bestimmt nicht. Zumindest baden kann man in Baden-Baden, die Caracalla-Thermen werden auf Google gut bewertet. Die Thermen hat Kaiser Caracalla zwar nicht selbst gebaut, aber immerhin hat er (scheinbar) ein gallisches Kleidungsstück so gerne getragen, dass ihm der Spitzname „Caracalla“ zuteil wurde. Naja, besser als „Kichererbse“ zu heißen.

Der Plan war, gegen Baden-Baden irgendwie zu überleben. Die Grenke Dudes dürfen, wie so oft erwähnt, nicht aufsteigen. Da aber sonst alle gegen die OSG verloren hatten, wären 1-2 Mannschaftspunkte schon schnieke gewesen. Damit hätte unsere Mannschaft einen USP (unique selling point, nicht die Pistole) bezüglich der Frage „wer darf aufsteigen?“. Hier begann der Kampf vielversprechend. Pascal brachte uns nach genau 30 Minuten in Führung. Wer mitdenkt, wird schon vermuten, dass es sich um einen kampflosen Punkt handelte. Sein Gegner Artem Dobrosmyslov kam per Bahn aus Belgien angereist. Das sollte wohl reichen, um nachvollziehen zu können, was passiert ist (hihi ich habe die Bahn gedisst ich bin richtig lustig heheheheheheha Alman-Humor).
Meine Gegnerin IM Ketino Kachiani-Gersinska fiel durch zwei Dinge auf. Einerseits, dass viele Leute sie kannten und andererseits, dass sie kein Schach spielen wollte. Mit Weiß wählte sie eine der langweiligsten Englisch-Varianten und bot früh Remis. Gut, ich hatte zwar nicht mit 1.c4 gerechnet, aber etwas mehr Elan hätte ich schon erwartet. In Anbetracht unserer unerwartet frühen Führung verzichtete ich darauf, in einem ausgeglichenen Endspiel auf Gewinn zu spielen.

Für den neutralen Zuschauer war es auch super, was danach passierte. Unsere Jungs stellten viel ein oder vergaben ihre bessere Stellungen reihenweise. Ich hätte wie Pascal zurück ins Hotel gehen sollen. Er zerknüllte übrigens sein Partieformular mit großer Anstrengung. Normalerweise macht man das doch nur, wenn man verliert…
Jedenfalls sollte sein „Sieg“ der einzige des Tages bleiben. Johannes bot ebenfalls (relativ) früh Remis, obwohl er angenehmer stand. Die Badener durften sich gleich zwei Mal revanchieren. An 1 nutzte GM Vadim Milov einen Moment der Schwäche unseres Fabians. Und an 6 gewann Julius Semling gegen Philipp Huber, wodurch die Niederlage seines Zwillingsbruders Johannes in der Vorsaison gesühnt wurde. Philipp büßte dann im Restaurant, als er eine Pizza mit 1971 extra Zutaten bestellte, von denen jede mindestens 1,50€ kostete. Ja, so sieht Verantwortungsbewusstsein aus! Er würde sicher einen guten Bundeskanzler abgeben.

Was machten unsere Freunde aus Karlsruhe? Die spielten tatsächlich nur 4-4 gegen den Abstiegskandidaten SV Hockenheim. Mit von der Partie war mal wieder die Schweizerin FM Lena Georgescu, gegen die ich Anfang 2025 bereits spielen durfte. Zwar werden wir in der deutschen Liga wohl nicht aufeinandertreffen, aber vielleicht beim vorletzten Spieltag in der Schweizer Liga, der sogenannten Schweizerischen Gruppenmeisterschaft. Dort durfte ich kürzlich gegen IM Sébastien Joie gewinnen, sodass ich in diesem Monat ein Elo-Minus vermeiden konnte. Damit konnte ich zum Sieg meines Teams, dem Schachclub Payerne, über Nyon beitragen. Jetzt muss Payerne „nur noch“ gegen Sprengschach Wil (wo die Semling-Zwillinge spielen) und Kirchberg (wo neben Lena Georgescu auch IM Adrian Gschnitzer aus Walldorf spielt) gewinnen, um den ersten Meistertitel überhaupt zu feiern. Das wird ein heißer Februar für mich.

Den Grundstein für diesen heißen Februar wollten wir noch beim Match gegen den SC Brombach, ebenfalls eine Heimat vieler Schweizer Spieler, legen. Wie der Zufall so will, bekam ich es zum vierten Mal in 13 Monaten mit dem jungen FM Moritz Collin zu tun. Zum Zweck der Eigentherapie habe ich die Partie inklusive Kommentaren auf Lichess veröffentlicht.
So wie Pascals kampfloser Punkt am Vortag unseren einzigen Sieg darstellte, markierte meine Niederlage den einzigen Makel unseres Kampfes. Ganz klar bin ich der Jesus der Moderne, wie ich hier alle Sünden auf mich genommen habe. Von ihren Lastern befreit, fanden ein paar meiner Jünger wieder den Weg zum Sieg. So zum Beispiel Pascal (sicherlich das Wort, welches hier im Bericht am meisten vorkommt), welcher seinen alternden Gegner IM Heinz Wirthensohn gekonnt austricksen konnte.

Unser Topscorer hat hier mit Schwarz gerade …Le7-c5 gespielt. Wirthensohn spielte Sxa5 bxa5 Ld4 und dachte, er würde entscheidendes Material gewinnen. Aber falsch gedacht. Welchen Trick hatte Pascal auf Lager?

Auch an anderen Brettern gab es einige Sinuskurven zu bestaunen. Simon Degenhard verpasste wie am Vortag die Verwertung seines Vorteils und musste Remis machen. Sein Schweizer Namensvetter Simon Schnell sorgte wohl für das Highlight des Tages. Total auf Gewinn stehend reklamierte er eine dreimalige Stellungswiederholung! Huber nahm natürlich sofort an. Ich übertreibe nicht, der Brombacher hätte mit einer kurzen forcierten Variante mindestens zwei Bauern gewonnen. Gegenspiel? Fehlanzeige.
Ähnlich gut machte es IM Nicolas Brunner, welcher unserem Noah Fecker mit 30 Minuten Zeit- und 2 Bauern Stellungsvorteil einfach mal Remis anbot. Sein Teamkollege GM Mihajlo Stojanovic machte es insofern professioneller, dass er mit Weiß alles abtauschte und Fabian keine Wahl ließ. Abgerundet wurde der Kampf durch einen Doppelsieg der Ex-NRWler Eduard Miller und Johannes Mundorf. Hier noch eine Stellung aus Eduards Partie:

Weiß (FM Gregor Haag) hat zwar im Moment einen Bauern mehr und droht Figurengewinn (Lxc5 nebst Txd7), aber sein König steht unter Druck. Es gibt einen Zug für leichten Vorteil und eine Variante, welche die Balance hält. Wer findet beide?
Es muss nicht erwähnt werden, dass Haag mit Sekündchen auf der Uhr (Zug 20!) nicht bis zur Zeitkontrolle durchhielt.
Insgesamt ein 5-3 gegen Brombach, womit wir zufrieden sein können. Baden-Baden spielte gar nur 4-4 gegen Schmiden/Cannstatt, vor allem dank eines überraschenden Doppelerfolgs der Ex-Heilbronner Tobias Schmidt und Thilo Kabisch an den Spitzenbrettern. Damit wäre sogar die reguläre Meisterschaft noch erreichbar, falls Baden-Baden nicht mehr so stark antritt. Sie waren immerhin so „fair“ und haben gegen alle Aufstiegsaspiranten gewonnen. Folglich kommt es am 7. und 8. Februar in Fellbach zu einem kleinen Finale. Schmiden/Cannstatt lädt uns (11 MP), Karlsruhe (11 MP) und Ettlingen (juckt nicht) ein. Wie ich von Tobias Schmidt gehört habe, werden sie ein besserer Ausrichter als Bebenhausen sein. Und wir werden möglichst vier Mannschaftspunkte nach Hause mitnehmen, um mit größtmöglichem Selbstvertrauen die zentrale Endrunde am 28. Februar/1. März in Böblingen anzugehen.

1. Mannschaft

Stichwort „Selbstvertrauen“: das dürfte die zweite Mannschaft jetzt getankt haben. Das Schicksal des Teams wurde erneut auf dem Rücken der Topscorer Thomas Tschlatscher, Ryszard Cwiek und Richard Walter getragen, welche mit ihren drei Siegen entscheidend zum Erfolg gegen den SK Wernau beitrugen. Ich drücke die Daumen, dass auch bei den anderen Spielern der Knoten platzt und der Klassenerhalt nicht unbedingt bei der zentralen Schlussrunde in Heilbronn gegen den Tabellenführer SK Sontheim/Brenz gesichert werden muss.

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