Heilbronn sends their regards
von Enis Zuferi am Di., 30. September 2025 | KommentareAch ja, Ende September. Für mich aus mindestens zwei Gründen eine super Zeit: einerseits geht der Sommer vorbei – endlich beschränken sich meine Outfits nicht mehr auf „T-Shirt + möglichst dünne Hose“ (kurze Hosen verabscheue ich) – andererseits kann ich wieder der Sache frönen, welche ich nur zu gerne immer machen würde, wenn nicht dieses Hamsterrad der „Arbeit“ wäre. Die Ligen starten wieder!
Aber halt. Offiziell arbeite ich noch gar nicht, außerdem hab ich dieses Jahr immerhin schon fünf (mehr oder weniger) große Turniere gespielt, welche, sagen wir mal…durchwachsen liefen.
Immerhin gab es mit dem Württembergischen „Masters“ zuletzt wieder Aufwind, auch wenn ich die finale IM-Norm knapp verpasst habe. Da mir einfiel, dass ich Enis Zuferi bin und ein ziemlich guter Schachspieler, war ich für den Saisonstart voll motiviert. Und welchen besseren Ort gab es, seine Motivation in Zählbares umzuwandeln, als die erste Mannschaft? Die Ausgangslage war diffus. Netto traten wir mit einem kleineren Kader als zuvor an, außerdem gab es zwei organisatorische Gesichtspunkte, welche uns ein Dorn im Auge waren. So würde die Zweite immer spielen, wenn auch die Erste spielt. Wer hat sich denn das ausgedacht? Perfider finde ich persönlich die neue Regel (oder Neuinterpretation einer alten Regel?), dass Samstag und Sonntag nun gemeinsam als ein Spieltag zählen. So dürfte beispielsweise Richard Walter, wenn er an einem Samstag in der ersten Mannschaft spielen würde, am darauf folgenden Sonntag nicht in der zweiten Mannschaft spielen. Angeblich wurde diese Regel wegen Angelegenheiten im Bezirk Alb-Schwarzwald notwendig. Verschwörungstheoretiker (die gibt es ja genug, sitzen mittlerweile auch im Weißen Haus) würden vermuten, es gehe nur darum, den Heilbronner SV zu schädigen. Keine Sorge, wir haben auch diese Saison vor, alle Titel in Württemberg zu holen! Und 2027, 2028, 2029…
Als besonders belastend erwies sich jedoch die Planung für den ersten Spieltag. Dabei meine ich nicht das Spiellokal, welches mal wieder hervorragend von Prof. Ole Wartlick und dem FM (Facility Management) am Bildungscampus vorbereitet wurde. Nein, es ging um die Spieler (nicht gegendert, weil wir leider nur Männer im Team haben). Wir mussten auf das Schweizer Trio verzichten, weil die Schweizer Nationalliga A soooooooo wichtig war. Spoiler: Noah Feckers Team Zürich holte nur ein 4-4 in zwei Runden, während Fabian Bänziger und Theo Stijve erleben mussten, wie ihre Luzerner Kollegen zweimal vermöbelt wurden. Karma dafür, wer MIR absagt!
Nein, okay, so nachtragend bin ich nicht. Leid tat es mir für die zweite Mannschaft, denn sie musste ohne Simon Degenhard, Ivan Ramirez Marin und Gunnar Schnepp antreten. Ein Deutscher, ein Mexikaner und ein Österreicher. Fällt da jemandem ein politisch nicht korrekter Witz ein? In einer Bar oder so?
Jedenfalls stand das Team dann mit 8 FMs (FIDE-Meistern), inklusive unserer Neuzugänge Eduard Miller (vom SC Erlangen) und Johannes Mundorf (vom SK Dinslaken). Simon fuhr kurz nach Delphi und befragte das mächtige Orakel. Es sah einen Dreikampf zwischen Deizisau, Untergrombach und uns vor. Wie schön, dass wir gleich in der ersten Runde gegen Deizisau spielen durften. Ein Omen? Schließlich starteten wir in unserer Oberliga-Meister-Saison auch mit einem Sieg gegen Deizisau…
Natürlich war ich der einzige Spieler, welcher das Poloshirt trug. Welch Schande. Aber ich ging ebenfalls beim Spielen mit gutem Beispiel voran und besiegte Hanna Marie Klek nach wechselhaftem Verlauf. Dabei war das sogar die Partie, welchen den ganzen Mannschaftskampf entschied. Zuvor sah ich bei Philipp Huber schnell, dass er Probleme haben würde. Ich mein, er tauschte FREIWILLIG seinen zweiten Läufer gegen einen weiteren Springer ab und tauschte auch noch die Damen. Iossif Dorfman brachte mir bei, dass Damen mit Springern besser zusammenarbeiten. Diese Lektion hat Philipp nun auf schmerzhafte Weise selbst erfahren, mit Valery Bronznik als Lehrer.
Bei Johannes Mundorf war wenig los. Zwar spielte sein Gegner Marc Gustain nicht sehr ambitioniert im Mittelspiel, aber er hatte leider auch Weiß. Da kann man sich ein paar Ungenauigkeiten erlauben. Im ausgeglichenen Turmendspiel machten sie dann pünktlich im 40. Zug Remis. Ein Brett dahinter boten Gunnar und Tim Zacke das komplette Gegenteil. Die Könige wanderten in ihren Hälften umher, die Figuren flogen kreuz und quer und die Engines bekamen gleichzeitig Herzinfarkte und Schlaganfälle. Am Ende setzte sich glücklicherweise die Elo durch. Ebenfalls scharf legten Ivan und Vera Nebolsina die Partie an. Es begann mit einem Doppelfianchetto, wobei dies nur die Ruhe vor dem Sturm war. Ivan opferte – von Inkrement lebend – zwei Leichtfiguren und der Computer fand es sogar gut! Leider fehlte ihm dann die Zeit (und auch die Nerven?), um den Gewinnweg zu finden, als seine Gegnerin nicht optimal verteidigte.
Ganz klar siegten dafür Pascal und Simon. Beide ließen ihren Gegnern nicht den Hauch einer Chance und knüpften an ihre starken Leistungen aus der Vorsaison an. Simon kenne ich persönlich ja schon sehr lange, daher freut es mich, dass er wieder aufzublühen scheint. Jedoch soll das Pascals Erfolg nicht schmälern. In Mannschaftskämpfen holte er für den Heilbronner SV bis jetzt zehn Punkte aus elf Spielen, bei zwei Remisen. Die Ausstiegsklausel liegt bei 420 Millionen Euro.
Nach meinem Sieg versuchte Eduard noch, IM Ruben Köllner zu besiegen. Nachdem Christopher Noe nach vielen Jahren die letzte GM-Norm errungen hatte (Glückwunsch dazu!), geht der unrühmliche Titel „stärkster IM Deutschlands“ wohl nun zu Köllner über. Aber selbst der stärkste IM kocht auch nur mit Wasser. Zunächst wurde Eduard überspielt, aber als sich eine taktische Gelegenheit bot, griff er zu und landete in einem klar besseren Endspiel. Jedoch tauchten technische Schwierigkeiten bei der Verwertung auf, sodass Köllner nicht nur davonkam, nein, er erhielt sogar eine Gewinnchance im Endspiel Turm + Springer vs. Turm! Ironischerweise verpasste der Deizisauer diese Möglichkeit und bot mit seinem „Blunder“ Remis an, welches Eduard dankend annahm.
Der Saisonstart schien gut zu werden, das 5-3 gegen Deizisau war der erste Schritt. Die Blicke gingen nun einerseits zur Speisekarte des Restaurants Charivari, in welchem wir den Abend ausklingen ließen, andererseits auch zu den anderen Paarungen. Besonders lustig fand ich das Aufeinandertreffen unserer beiden ehemaligen Spieler Nikolas Pogan (jetzt Böblingen) und Tobias Peng (Untergrombach). Da sie beide nun nicht mehr für uns spielten, konnte ich mich voll auf den humoristischen Aspekt dieser Begegnung fokussieren. Schließlich war die Zeit vorbei, in welcher mich ihre haarsträubenden Eröffnungen oder merkwürdigen Züge beunruhigten. Beim Durchspielen aller Partien fiel mir das auch auf – es ging in ihrem Kampf hin und her. Erst überspielte Tobias Nikolas, dann glich der Böblinger durch aktives Spiel im Endspiel aus und als Tobias unbedingt gewinnen wollte, überzog er. Jedoch wurde er nicht bestraft, sondern stahl sich mit dem ganzen Punkt davon. Wahrlich eine Tragödie oder Komödie, je nach Perspektive.
Hin und her ging es auch bei Philipp Hubers Partie. Mein Eindruck war, dass er zwischenzeitlich etwas schlechter stand und ein paar Probleme hatte. Philipp schmetterte meine Sorgen ab. Schließlich gewann er auch, was war denn so schlimm? Der Verdacht ließ mich jedoch nicht los…
Moment! Ich kann es ja beweisen mit meinen besten Freunden Stockfish und Leela.
I rest my case.
Schade nur um Niklas Wunders Partie, er hatte bis zu diesem Zeitpunkt wirklich eine mustergültige Partie gespielt, in der alles richtig war – Eröffnung, Mittelspiel, Qualitätsopfer für verbundene Freibauern. „Leider“ verließen ihn dann die Nerven…
Dies war definitiv ein Omen, auch wenn es die letzte Partie des Wettkampfes war. Wenn wir schon so eine Partie gewinnen könnten, was würde uns dabei stoppen, den gesamten Kampf mit 8-0 zu gewinnen? Stanislav Sokratov wollte es gegen mich versuchen, nachdem er am Vortag Thilo Kabisch überzeugend geschlagen hatte.
Auch Sokratov konnte die Dampfwalze nicht stoppen. Für alle anwesenden Biberacher tat es mir leid. 1-0, 2-0, 3-0…es nahm kein Ende. Johannes war Ana-Maria Bursan eindeutig überlegen und Simon machte gegen Holger Namyslo da weiter, wo er am Vortag aufgehört hatte. Wirklich eine schöne Behandlung einer Najdorf-Struktur, da ging mein Herz auf. Gunnar schüttelte den Rost ab und überspielte Rainer Birkenmaier nach Strich und Faden. Pascal hatte wie Ivan etwas Glück, aber beide profitierten davon, dass ihre Gegner Achim Engelhart und Thomas Oberst das hohe Verteidigungsniveau nicht die ganze Partie über halten konnten. Der Biberacher Topspieler Bernhard Sinz versuchte sich gegen Eduard mit einer Mode-Variante gegen die Réti-Eröffnung, aber er spielte viel zu früh f7-f6 und wurde von einem zentralen Bauernsturm fürchterlich durchgewirbelt. Und nachdem Philipp mit seinem absolut souveränen Sieg den Kampf beendete, war es klar: 8-0.
Ich persönlich hatte noch nie 8-0 gewonnen. 7,5-0,5 oder 7-1, ja. Mit letzterem Ergebnis starteten wir in der vergangenen Saison gegen Schwäbisch Hall. Wie die Saison danach weiterging, wissen wir. Nicht so schön. Das Liga-Orakel sieht jetzt nur noch einen Zweikampf zwischen Untergrombach und uns, denn Deizisau verlor auch noch gegen Schmiden/Cannstatt. Aber wer glaubt denn schon an Monte-Carlo-Simulationen?
In Kurzform noch die anderen Mannschaften:
Am Samstag gab die zweite Jugendmannschaft ihr Debüt in der Verbandsjugendliga. Wahrscheinlich wünschten sie sich, nicht aufgestiegen zu sein, denn Bebenhausen schickte sie mit der Höchststrafe nach Hause. Glücklicherweise waren die Jugendlichen davon nicht so sehr beeindruckt, wie man vermuten sollte. Denn am Sonntag spielten viele von ihnen in der Kreisklasse (fünfte Mannschaft). Dort machten sie ihren Job viel besser und besiegten den SC Künzelsau.
2. Jugendmannschaft
5. Mannschaft
Besonders schön fand ich, dass auch die zweite Mannschaft ihr erstes Saisonspiel gewann. Zwar waren sie ersatzgeschwächt, aber jeder der siegreichen Spieler spielte seine Stärken aus und trug einen wichtigen Punkt zum Erfolg bei. Thomas Tschlatscher war gegen IM Mark Heidenfeld zäh genug, Neuzugang Ryszard Cwiek rang FM Fabian Matt mit Schwarz nieder, Steffen Mages ließ einen (korrekten!) Opferreigen auf Emilian Hofer herab und Richard Walter sowie Jannis Hagenmeyer nutzten ihre jugendliche Energie, um Siege zu holen. Weiter so!
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