Wenn man noch jung ist, aber zu langsam

Nachdem es das letzte Wochenende wieder etwas ruhiger zuging, so spielten nur unsere jeweiligen dritten Mannschaften, war heuer wieder viel los, bevor das Wochenende 10./11. März wieder ziemlich ruhig ist. Man merkt schon, dass das Saisonende immer näher kommt.

Am Samstag, dem 3. März, gab es wieder einen unrühmlichen Doppelspieltag der BW-Jugendliga sowie Verbandsjugendliga, was unsere beiden Top-Jugendmannschaften betraf. Zu allem Überfluss fand auch noch der Biber-Jugend-Cup bei unserem Nachbarverein statt. Wer jetzt in welcher Weise an der Terminüberschneidung schuld ist, möchte ich nicht beurteilen und ist auch nicht Thema dieses Beitrags, ich meine mich nur zu erinnern, dass der Termin des diesjährigen Biber-Jugend-Cups bereits bei der Vorjahresveranstaltung im April 2017 veröffentlicht wurde.
Glücklicherweise erklärten sich die Sontheimer Gegnerschaft der zweiten Jugendmannschaft, das Spiel auf 16:30 Uhr zu verlegen, damit unsere Jugendlichen noch beim Biber-Cup teilnehmen konnten. Leider sind von diesem Event noch keine Daten auf der Biberacher Homepage auffindbar, diese werden nachgereicht.

Glück brachte die Teilnahme am Schnellschachturnier den Jungs jedoch nicht, das Heimspiel wurde gegen die Leute aus dem Kreis Heidenheim mit 1:5 verloren. Einzig Eric Krohmer und Lukas Dietzel konnten ihren Gegnern Paroli bieten, an den anderen Brettern wurde klar, dass die Gegnerschaft einfach überlegen war. Zwar ist noch mit einer Niederlage gegen Bebenhausen zu rechnen, jedoch hat die aktuell vorletztplatzierte Mannschaft den Klassenerhalt in der eigenen Hand, da noch Spiele gegen die Tabellennachbarn aus Nürtingen sowie Sindelfingen ausstehen. Zu Letztgenannten geht es gleich am 17. März, dort wird es durchaus um die Wurst gehen.
Zweite Jugendmannschaft.

Rein hypothetisch konnte auch noch die Erste aus der Bundesjugendliga Süd (verwenden wir mal den hochoffiziellen Begriff) absteigen, da HN-Biberach (überraschend) gegen schwach aufgestellte (das nicht ganz so überraschend) Sasbacher gewann. Dies öffnete die Tabellensituation wieder komplett, denn einerseits war Sasbach eigentlich auf Kurs Top 3 und damit „DVM-Qualifikation“, andererseits konnte Biberach so Punkte gegen den Abstieg sammeln, zudem müssen sie noch gegen die letztplatzierten Außenseiter aus Bruchsal spielen. Es sieht also ganz danach aus, dass zum ersten Mal seit 2010/11 zwei badische Mannschaften aus der höchsten Jugendspielklasse absteigen würden, wodurch „wir“ Württemberger den Abwärtstrend erstmal stoppen könnten.
Unseren Beitrag gegen den Abwärtstrend konnten wir in Walldorf leisten. Immerhin wussten wir, dass deren starkes Brett 2 David Färber am Spieltag lieber um die badische Jugendeinzelmeisterschaft spielen wollte, wodurch klar war, dass Walldorf höchstens auf Augenhöhe mit uns sein würde. Der Rest der Walldorfer zeigte sich nicht wirklich von Kampfgeist durchflutet. An Brett 1 bot Adrian Gschnitzer unserem Simon Degenhard nach sieben Zügen (!) ein Remis an, was unsere Seite dankend annahm. Ignorieren wir mal den mangelnden Siegeswillen, war das für uns gut, da dies das einzige Brett war, an welchem wir nominell unterlegen waren.
Severin Bühler bekam in den ersten 20 Zügen sogar zwei Remisangebote, schlug diese jedoch selbstbewusst aus und wurde mit einem Sieg belohnt.
An den anderen Brettern lief es ziemlich wie erwartet. Kim-Luca spielte an Brett 2 ein solides Remis gegen einen ähnlich starken Gegner, während Daniel Schäfer und Jonas Dudt ihre DWZ-Überlegenheit in Siege ummünzten. Zudem kam Markus Rupp zu einem erfolgreichen Debüt in der ersten Jugendmannschaft, er kam an Brett 6 zu einem wichtigen Sieg. Markus kratzt zwar schon leicht an der U20-Marke, aber er zeigt, dass es für niemanden zu spät ist, wenn derjenige noch besser werden will!
Zählen wir mal kurz durch, die Erste gewann also 5:1 in Walldorf. Aufgrund der Sasbacher Niederlage ziehen wir dank besserer Brettpunkte auf Platz 3 ein, wahrscheinlich wird auch noch Baden-Baden nach Mannschaftspunkten aufschließen, ihr Spiel gegen Bruchsal ist immer noch nicht gemeldet. An der Tabellenspitze trennten sich Schwäbisch Gmünd und Karlsruhe 3:3 (inklusive einiger Streitereien, wie ich hören musste).

Mit potenziell drei Mannschaften bei sechs Mannschaftspunkten, nicht so weit entfernter Tabellenspitze (Gmünd 8 MP, Karlsruhe 7 MP), einigen ausstehenden direkten Duellen:
HSchV – Karlsruhe und HSchV – Baden-Baden
Sasbach – Gmünd und Sasbach – Karlsruhe
usw.
…sowie den Biberachern im Nacken, welche zwar nur 4 MP haben, dafür gegen die beiden Schlusslichter aus Walldorf und Bruchsal spielen müssen, ist die Liga mal wieder offener, als ich Schwarzmaler es in den vorherigen Berichten ausgemacht habe. Am 17. März wird es bei einem weiteren Auswärtsspiel in Karlsruhe sehr spannend werden!
Erste Jugendmannschaft.

Neben dem Biber-Jugend-Cup mussten einige unserer Jugendlichen auch noch auf die Württembergischen Blitz-Mannschaftsmeisterschaften verzichten, welche aufgrund des letzten Spieltages der 2. Bundesliga Süd vom 24. Februar auf den 3. März verlegt werden mussten. So wurden den Schönaichern und Böblingern doch die Teilnahme ermöglicht – es wäre ja auch langweilig ohne die gewesen – während Titelverteidiger Deizisau aufgrund der Deutschen Pokal-Mannschaftsmeisterschaft verzichten musste. Aber die bekommen sowieso einen Freiplatz.
Zwar wurde im Rundensystem gespielt, was eine ordentliche Setzliste an sich obsolet machte, dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn die TWZ-Schnitte nicht einfach nach dem gesamten 10er-Kader ermittelt worden wären, sondern anhand der tatsächlich anwesenden Spieler. Rein nach Gefühl würde ich sagen, dass wir vom Elo-Schnitt hinter Schönaich 1 (mit GM Marin Bosiocic, Elo 2611), Böblingen und Biberach auf Augenhöhe mit Bebenhausen sowie Schmiden gesetzt waren.
Während des gesamten Turniers war in unserer Vierer-Mannschaft sehr oft „ich bin einfach zu langsam“ zu hören, aber nicht hauptsächlich von Robin Stürmer, welcher das oft sagt, sondern von Niko Pogan und mir an Brett 2 bzw. 1. Von Steffen Mages war das nicht zu hören, aber der ist auch ein Profi-Onlinespieler auf Lichess.org, was er auch während des Turniers unter Beweis stellen durfte – so schaffte er es, einen seiner Gegner mit Minusturm sowie Minusfigur zu „flaggen“, d.h. über die Zeit zu heben.
Meine Wenigkeit schaffte es hingegen, ein paar Mal auf Zeit zu verlieren oder aufgrund von zu hohem Zeitverbrauch die Partien einzustellen, negativer Höhepunkt war wohl das Spiel gegen den Jugendlichen Tobias Kölle von Schönaich 2, als ich gegen diesen in ausgeglichener Stellung einfach ein Matt in 1 übersah. Immerhin gewann ich gegen den Kleinen beim Pfalz-Open, also habe ich die Ausrede, dass ich ja eigentlich besser bin, nur viel zu langsam (wer kann es mir vorwerfen – bin ja auch zehn Jahre älter als der Junge).

Damit kommen wir auch schon zum Hauptproblem unserer Performance. Gegen die Zweitvertretungen der Favoriten bzw. allgemein gegen die schwächeren Mannschaften ließen wir sowohl Brett- als auch Mannschaftspunkte unnötig liegen, was uns gegen die Favoriten in Zugzwang brachte, wenn wir die Top 2 und damit die Qualifikation zu den „Deutschen“ erreichen wollten. Jedoch war klar, dass wir nicht alles gegen die Top-Mannschaften gewinnen würden. So spielten wir 2:2 gegen Biberach 2, verloren 1:3 gegen Schönaich 2 (auch Robin übersah dort ein Matt in 1) sowie 1,5:2,5 gegen Böblingen 2, auch das 2:2 gegen Ausrichter Spraitbach war mehr als unnötig, da diese nicht mit ihren russischen Großmeistern antraten.
So verloren wir auch gegen Bebenhausen 1:3, welche, so ehrlich muss man sein, an jenem Samstag eine Klasse für sich waren. Die Tübinger verloren keinen einzigen Mannschaftskampf und holten sich verdient den Meistertitel. Gratulation dazu!
Neben den ganzen verpassten Gelegenheiten von uns hatten wir natürlich auch ein paar positive Ereignisse zu verbuchen. Direkt nach der Niederlage gegen Schönaich 2 durften wir gegen Schönaich 1, antreten, denen wir sogar ein 2:2 abnahmen, aber auch nur, weil Niko mit glatter Mehrfigur von seinem IM-Gegner über die Zeit gelupft wurde. Mein persönliches Highlight war, dass ich GM Bosiocic tatsächlich schlagen konnte, diese Partie möchte ich euch nicht vorenthalten, auch wenn eine Blitzpartie eher weniger lehrreich ist:

Nach dem Sieg war mir dann auch Vieles egal, was ich davor verbockt hatte oder danach noch verbocken würde, jetzt musste ich ja das unantastbare Brett 1 sein.
„Back to back“ ging es nach den Duellen gegen Schönaich mit Böblingen weiter. Auch hier holten wir gegen die Erste Zählbares, gar einen 3:1-Sieg, welcher sogar ein 4:0 gewesen wäre, wenn ich folgende Entscheidung richtig getroffen hätte:


Hier wählte David Ortmann mit Schwarz …Sa5, eine typische Reaktion auf den Damenausfall auf b3. Es folgte 11. Da4+ b5? (eigentlich ja konsequent nach a7-a6…) 12. Sxb5?! axb5 13. Lxb5+ Sd7 und in der Folge verrechnete ich mich leider und behielt eine Minusfigur gegen wenige Bauern. Das „unnatürliche“ 12. Lxb5+! axb5 13. Sxb5 +- hätte sofort gewonnen, da Matt droht und bei Abwehren des Matts einfach der Turm flöten geht. Schwarz kann nicht am Material festhalten: 13…e6 14. Sc7+ Ke7 15. Sxa8 Dxa8? 16. Tc1 und der weiße Angriff wird zu stark.
Dafür rächte sich dann deren Zweite in der Folgerunde, wie bereits erwähnt. Es sollte einfach nicht sein mit der absoluten Top-Platzierung.
Immerhin schlugen wir noch Schmiden/Cannstatt, ein gutes Vorzeichen für unser Oberliga-Duell vor heimischer Kulisse am 18. März.

Gegen Ende merkten wir, dass die Luft raus war (leider war die Luft im Spielort eher weniger „raus“ trotz geöffneter Tür, was zu stickiger Atmosphäre führte), ein weiterer negativer Höhepunkt war die Schlussrunde gegen Ebersbach, welche ebenfalls 2:2 ausging (oder haben wir sogar verloren?), weil Robin und ich wieder grottenschlecht spielten.

Wir wurden „sicher“ Fünfter hinter Bebenhausen, Böblingen, Schönaich und Biberach (jeweils die ersten Mannschaften), was daran lag, dass wir den Anschluss an oben verloren, die anderen Top-Mannschaften sich dafür weniger Blöße gegen die schwächeren Teams gaben, was quasi Schützenhilfe für uns war. Dafür gab es jedoch gar nichts, die Geschenkekörbe erhielten die besten Vier. Immerhin gewannen wir die „Bezirksmeisterschaft“, da wir alle Unterländer Vertreter souverän schlagen konnten, namentlich Bad Wimpfen, Ingersheim, Ludwigsburg und Willsbach.
Leider gibt es noch keine Daten auf der SVW-Seite zu finden, daher hier zwei Impressionen von unserer Mannschaft:

Wir, kurz bevor wir von Schönaich 2 geplättet werden.

Einfach grinsen und alles wird gut, gegen Schmiden siegten wir souverän 3:1.

Topscorer bei uns dürfte Steffen gewesen sein, welcher meiner Erinnerung nach 2 Remis spielte und 4 Mal verlor. Bei 26 Runden – eine Mannschaft kam einfach nicht – sind das 21 Punkte, was überragend ist, da selbst an Brett 4 einige gute Leute aufgestellt waren.

Falls die Tabellen kommen, wird das hier sein. Wer eine Erwähnung unserer Mannschaft im Bericht sucht, wird enttäuscht sein.

Das Wochenende rundete die zweite Mannschaft ab, welche zu Gast bei Schwäbisch Hall 2 war. Realistisch gesehen ging es um gar nichts mehr, immerhin durfte Simon Weißbeck zu seinem Saisondebüt in der Zweiten kommen, dachten wir zumindest. Die Haller ließen ihr Brett 3 einfach frei, schade war es um Simons Spielpraxis.
Man merkte unseren Kämpfern die entspannte Gehirnmuskulatur an, denn an Brett 2, 4 und 8 schenkten wir den Gegnern einfach die Punkte. Glücklicherweise holte der Rest die Kohlen aus dem Feuer, mit Siegen von Patrick Wenninger (stark!) an Brett 1 sowie Kim-Luca Lahouel an Brett 7 blieb uns wenigstens ein Mannschaftspunkt, da Christian Biefel und Ole Wartlick Remis spielten. Neckarsulm zog durch einen Sieg gegen Öhringen auch nach Mannschaftspunkten an uns vorbei.
Ob wir jetzt gewonnen hätten, wäre auch so egal gewesen, da Kornwestheim sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen ließ, Ingersheim schlug und mit 15:1 Mannschaftspunkten den Aufstieg in die Verbandsliga Nord vorzeitig erreichte. Herzlichen Glückwunsch dazu! Wir haben vielleicht im nächsten Jahr wieder eine Chance, da der potenzielle Absteiger Erdmannhausen vom DWZ-Schnitt her nicht mehr so gefährlich ist wie früher.
Willsbach wird definitiv nicht mehr vom aktuell einzigen Abstiegsplatz wegkommen, die anderen Mannschaften dürfen sich jedoch auch nicht so sicher fühlen. Sollte es auch noch Lauffen treffen, welche ihr Schicksal in der VL Nord mit zwei direkten Duellen gegen die Schlusslichter Erdmannhausen und Feuerbach selbst in der Hand haben, dann wird noch eine Mannschaft absteigen. Dies kann einige hart treffen: Marbach, Hall 2, Öhringen, Ludwigsburg 2 (Aufsteiger) oder gar den Verbandsliga-Absteiger Ingersheim. Wahrscheinlich wird es bei einem Absteiger bleiben, jedoch wissen wir selbst, dass wir uns nicht zu sicher fühlen dürfen.
Zweite.


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