Wie der Vater, so nicht der Sohn

Oder auch „wie der ältere Bruder, so nicht der jüngere“ ? Um was geht es hier eigentlich?

Ich selbst sagte nach längerem Überlegen dankend ab – die Physikdidaktik-Präsentation war dann doch zu dringend, die DVM zu anstrengend – glücklicherweise hielt das eine kleinere Gruppe nicht davon ab, doch am Staufer-Open in Schwäbisch Gmünd (2. – 6. Januar) teilzunehmen. Fast parallel dazu (beginnend am 3. Januar) fanden die Bezirksjugendeinzelmeisterschaften statt, bei welchen wir wieder ordentliche Platzierungen erzielen konnten.

Das B-Open beehrten von unserem Verein Thomas Leykauf und Karl-Werner Weißbeck. Aufgrund der Beschränkung des B-Opens (TWZ<2000) hatten beide natürlich einen schweren Stand. Mit drei respektive dreieinhalb Punkten landeten sie beide grob innerhalb der Erwartung. Thomas erzielte Platz 173, Karl-Werner schob sich knapp vor ihn auf Platz 168 (204 Teilnehmer). Beide Väter schickten ihre Söhne (zwangsweise, aufgrund TWZ) in das A-Open. Ergänzend zu Simon Degenhard und Simon Weißbeck spielte das Brüdergespann Philipp und Patrick Wenninger mit. Ziele gab es sicher einige, Simon D. konnte seine 2300 holen, Philipp nahm einen neuen Anlauf für eine IM-Norm, scheiterte er doch gerade in Gmünd sehr knapp im Jahr 2016. In Schwäbisch Gmünd hat sich das "beschleunigte Schweizer System" etabliert. Die Startrangliste wird nicht in zwei Hälften geteilt, sondern geviertelt, woraufhin Viertel Nr. 1 gegen Viertel Nr. 2, sowie Nr. 3 gegen Nr. 4. Dies hat einige interessante Auswirkungen zur Folge. Vor zwei Jahren durfte ich gleich gegen GM Roland Schmaltz spielen, in einem gewöhnlichen Open wäre ich mit >2200 kaum der Underdog in Runde 1 gewesen. So kam es, dass Patrick nicht der Underdog war und Philipp gleich einen 2100er abbekam. Dies verlangte gleich den ersten Tribut, Patrick verlor und Philipp kam nicht über ein Remis hinaus.
Simon Weißbeck traf es am Härtesten. War er schon in Runde 1 der Schwächere in der Paarung, bekam er in Runde 2 sogar noch einen stärkeren Gegner vorgesetzt und durfte gleich mit zwei Niederlagen starten.
Sein Namensvetter wurde nach seinem Erstrundensieg gleich gegen IM Jaroslaw Krassowizkij gepaart, aber um gegen den zu bestehen, muss der Junge noch viel von mir lernen, wie es scheint.

Insgesamt blieb das für alle Beteiligten ein ruhigeres Turnier. Simon W. und Patrick spielten ca. innerhalb Erwartung und erzielten die Plätze 130 (4 Punkte) bzw. 119 (4.5 Punkte) unter 220 Teilnehmern. Simon D. verfehlte den Meilenstein 2300 aufgrund zweier Niederlagen gegen schwächere Spieler, er reihte sich eine Position hinter seinen Setzplatz ein – 5.5 Punkte und Platz 51.
Philipp war einer der acht Teilnehmer im ganzen A-Open, welche ohne Niederlage blieben. Für den ganz großen Wurf reichte es dann jedoch nicht, da sich zu viele Remis aufsummierten. Dennoch sind 6.5 Punkte ein Zeichen einer sehr starken Leistung, leider darf er sich aufgrund zweier Banalitäten nicht über eine Norm freuen. Platz 12 (Setzplatz 21) hieß es am Ende.

Ergebnisse Staufer-Open.

So ganz niveauvolles Schach wird bei Bezirksjugendeinzelmeisterschaften nicht geboten, dennoch haben alle genannten Teilnehmer des Staufer A-Opens gemeinsam, dass sie diese Jugendlaufbahn durchlaufen haben. Von den 67 Teilnehmern – neun Teilnehmer mehr als letztes Jahr trotz des unerwarteten Boykotts eines bestimmten Vereins – stellten wir ein Dutzend Spieler (leider keine Spielerinnen), alle mit gewissen Erwartungen.
Calvin Wolff durfte bei seinen ersten Schnellschachturnieren schon einige Erfolge feiern. Erst kürzlich erreichte er beim NJO einen starken 2. Platz in der U8. Bei den BJEM musste die U8 in der U10 spielen, zudem musste Calvin am eigenen Leib erfahren, dass die lange Bedenkzeit andere Anforderungen stellt. Mit drei Punkten aus sieben Runden schrammte er knapp an einer Qualifikation vorbei (5. Platz U8), aber keine Sorge, bei den ersten BJEM wurden selten Meister geboren.
In der U12 (16 Teilnehmer) hatten Felix Hagenmeyer und Dennis Birke einen ähnlich schweren Stand, Felix gehörte auch noch zum jüngeren Jahrgang. Bezüglich Turniersieg hatten sie beide nichts zu melden, die U12 wurde von Malte Kluge (Kornwestheim) und Colin Ensslinger (SF Schwaigern) dominiert. Mit etwas Buchholz-Glück sowie 4 Punkten konnte Felix den 4. Platz und letzten Qualifikationsplatz zur WJEM ergattern. Dennis holte 50% der Punkte und schnappte sich Platz 11. Beide durften sich auch über ein stattliches DWZ-Plus freuen.

Die größte Gruppe (19 Teilnehmer) inklusive unserer größten Delegation stellte die U14. Dort gab es mit den Sawadski-Zwillingen klare Turnierfavoriten, Quartett komplett gab es mit Jannis Hagenmeyer und Eric Krohmer. Ersterer konnte seinem jüngeren Bruder leider nicht nacheifern, hatte es selbstverständlich jedoch viel schwerer als Felix in der U12. Drei Punkte aus sieben Runden sind ein ordentliches Ergebnis. Eric orientierte sich an Dennis in der U12 und holte 50%, er landete ebenfalls ziemlich in der Mitte (Platz 12).
Auch hier gab es gewissermaßen einen dominanten Spieler, glücklicherweise hieß er Nikolas Sawadski und war vom Heilbronner Schachverein. Freilich profitierte er vom Schwächeln des Erstgesetzten, ließ selbst jedoch nichts anbrennen und schenkte seinem Zwillingsbruder das obligatorische Remis in der Schlussrunde (vielleicht haben sie auch nicht geschoben, aber darauf würde ich nicht wetten). Sechs Punkte bedeuteten die unangefochtene Meisterschaft in der U14. Seinem Bruder reichte das Schlussrundenremis zu 4.5 Punkten knapp zum Erreichen des letzten Qualifikationsplatzes, dem dritten Platz.

In den älteren Spielklassen stellten wir die Teilnehmer, welche bei der DVM noch ziemlich gebeutelt wurden. Die U16 stand im Zeichen von Severin Bühler und Daniel Schäfer. Beide rissen jetzt keine Bäume aus, erreichten jedoch die erwarteten Ziele. Severin wurde mit 6 Punkten und einem hauchdünnen Vorsprung in der zweiten Feinwertung Bezirksmeister, während Daniel sich souverän mit 5 Punkten auf dem 3. Platz für die WJEM qualifizierte. Nach der DVM war es für beide wichtig, dass sie solide Erfolge feiern konnten. Ergänzt wurden die beiden von Lukas Dietzel. Er spielte ein solides Turnier mit 3 Punkten.
Die U18 war die kleinste Gruppe, konnte aber als eigenständige Entität existieren. Markus Rupp durfte weitere Erfahrungen sammeln, leider schaffte er es nicht, den weitaus erfahreneren Gegnern Paroli zu bieten. Das andere Extrem bot Kim-Luca Lahouel. Er nutzte einen Ausrutscher des Mitkonkurrenten Lucas Pepi (SF Schwaigern) aus, blieb selbst mit einer weißen Weste zurück und holte sich klar den Bezirksmeistertitel mit 6.5 Punkten.

Somit qualifizieren sich Felix Hagenmeyer (U12), Nikolas & Leonard Sawadski (beide U14), Severin Bühler, Daniel Schäfer (beide U16) und Kim-Luca Lahouel (U18) für die WJEM 2018, welche Anfang April stattfinden werden. Herzlichen Glückwunsch an alle Qualifikanten und Meister!

BJEM 2018.

Zu guter Letzt gab es noch ein Landesliga-Spiel der Zweiten gegen Marbach. Die Schillerstädter haben rein vom DWZ-Schnitt eine starke Mannschaft beisammen, bis jetzt scheint es jedoch nicht zu laufen. Genau dort wollten wir angreifen.
Viele unserer Spieler waren noch gebeutelt – DVM, Staufer-Open oder Familienereignisse – so setzte Severin Bühler aus, während sein Vater Robert spielen musste. Also nicht ganz „wie der Vater, so der Sohn“, genau wie beim Staufer-Open.
Als fast schon logische Konsequenz gab es sehr viele Remis und nur drei entschiedene Partien. An Brett 1 war Patrick dem erfahrenen Bernhard Lach letztendlich unterlegen. Robert Bühler an Brett 6 zeigte sich frisch und ausgeruht, folglich gab es einen Sieg. Den entscheidenden Punkt holte tatsächlich Marcel Mikeler an Brett 3 gegen einen merklich stärkeren Gegner, so ließ er „Magic Marcel“ wieder aufblitzen. Jürgen Menschner (in Gewinnstellung), Christian Biefel, Ole Wartlick, Kim-Luca Lahouel und Daniel Schäfer waren die Remis-Übeltäter.
Mit dem 4,5:3,5 wahrte die Zweite die Aufstiegschance aus eigener Kraft. Kornwestheim und Neckarsulm gewannen 5:3 bzw. 5,5:2,5, alle drei direkten Duelle stehen noch aus. Das Gespinst des Abstieges wurde hiermit auch zu 100% verbannt, Willsbach verlor nämlich (gegen Neckarsulm). Ein Saisonziel wäre schon mal erreicht.

Zweite.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.