Der Biber zeigt Zähne, der Falke fährt die Krallen raus

Im Erwachsenenbetrieb stehen alle schon voll im Saft, die fünfte Mannschaft zähle ich mal nicht ganz zu den „Erwachsenen“, da sie nur aus Kindern besteht und dem Einstieg dient. Doch wie sieht es bei der Jugend aus?

Die Voraussetzungen könnten auf jeden Fall besser sein. Mit Tobias Peng, Marcel Mikeler und Dmitry Ignatov schieden gleich drei jahrelange Säulen des Teams altersbedingt aus. Zudem stieg die zweite Mannschaft (glücklicherweise!) endlich in die Verbandsjugendliga auf. Überflüssig wie ein Kropf sind die vier Terminüberschneidungen bei ganzen sieben Spieltagen. Immerhin wird das Konstrukt durch Neuzugang Tobias Schmidt verstärkt, welcher neben seiner Spielstärke noch den positiven Nebeneffekt mitbringt, dass er als Spieler des Jahrgangs 1999 noch 2018/19 in der BW-Liga spielen kann.

Unglücklicherweise war Tobias gleich am 1. Spieltag verhindert und es war auch noch ein Doppelspieltag, sodass wir uns schon ziemlich verrenken mussten, um zwei Teams zu stellen. Dankenswerterweise konnten wir sonst auf alle anderen Leute bauen.
Die Zweite eröffnete um 14 Uhr am 23. September 2017 zuhause gegen Göppingen die Saison, während die Erste im Derby bei Biberach zu Gast war.
Etwas Erleichterung brachte die Tatsache, dass auch Göppingen am Ausbluten war, durch den Wegfall der 1997er verloren sie gleich fünf Spieler. So wurde aus einer vermeintlich klaren Niederlage direkt ein offenes Match, tatsächlich mit dem besseren Ausgang für uns. Wegweisend war dafür der Sieg von Nikolas Sawadski an Brett 1 gegen einen 200 Punkte stärkeren Gegner. Die anderen Bretter waren eine 50:50-Gelegenheit, was sich auch fast so bestätigte, denn die anderen fünf Bretter gingen 3:2 für uns aus – in der Summe also ein immens wichtiger 4:2-Sieg in der ersten Runde. Wenn man bedenkt, dass Teams wie Bebenhausen mit 2100 an Brett 1 spielen, ist jeder Punkt wichtig.

Zweite Jugendmannschaft.

Abseits von Tobias waren alle in Biberach „am Start“, zur Komplettierung liehen wir uns Max Breitenbach von der Zweiten aus, welcher vor seiner Zusage öfter andeutete, aufgrund gewisser nächtlicher Aktivitäten indisponiert zu sein. Was konnte da schon schief gehen.
Bis auf an Brett 1, wo Simon Degenhard als eindeutiger Favorit mit Weiß auf Alexander Arns traf, konnten wir bei allen anderen Partien auf Basis der DWZ von einem offenen Rennen ausgehen. Der Plan war also, möglichst nichts an 2-5 zu verlieren und Simon somit ganz schön unter Druck zu setzen, er würde das ja schaffen.
Gut ging das Ganze jedoch nicht los, denn ziemlich schnell hatte Daniel Schäfer gegen Noah Geltz eine Dame weniger:


Daniel erlebte hier mit 8…cxd4?? 9. Sb5 +- einen eher schwarzen Moment in einer noch so jungen Karriere.

Somit stand es 0:1 und der Rest war gefordert, glücklicherweise lieferte jeder auch ab. Max setzte in einem klassischen c3-Italiener mit Isolani den weißen Königsflügel gut unter Druck. Mutig opferte er eine Figur für zahlreiche Matt- und Figurrückgewinnungsdrohungen. Der ultimativ kritische Moment war hier zu finden:


Sein Gegner René Späth setzte hier mit 20. Lxf7+?? fort – wie kann das sein, ein Schachgebot und nebenbei schlägt Weiß einen Bauern, wie soll dieser Zug verlieren? Die Begründung ist für erfahrenere Leute einleuchtend, die einhergehende Öffnung der f-Linie ist der Todesstoß für Weiß. Nach 20…Kh8 21. Tf4 Dh2+ 22. Kf1 Se3+ 23. Kf2 Dxg2+ 24. Kxe3 Dxg3+ 25. Ke4 Tad8 26. Db5 (deckt Matt auf d3) Dg2+ waren es nur noch wenige Schachs bis zum Matt. Sofortiges 20. Tf4 mit Aufrechterhaltung der Drohungen Txf7/Lxf7+ wäre eindeutig widerstandsfähiger gewesen.

An Brett 2 gab es gewissermaßen das „Duell der Abstinenten“, Kim-Luca Lahouel gegen Jens Hoffmann, beides talentierte Spieler, welche aber scheinbar viele andere Interessen haben, sodass Schach öfter auf der Strecke bleiben muss. In einer gewöhnlichen Caro-Kann-Hauptvariante ergab sich eine typische Stellung. Weiß hatte Raumvorteil, während Schwarz zwar etwas gedrückt stand, jedoch eine absolut solide unangreifbare Bauernstruktur aufwies. Im Laufe der Zeit schien Jens zu viel zu wollen und riss seine Stellung auf, ohne wirkliche Angriffschancen zu bekommen. Dies wurde von Kim-Luca mit einer thematischen sowie gut durchdachten Kombination bestraft.


Welche schöne Zugfolge ließ er hier vom Stapel?

Mit einer Führung im Rücken spielte sich das Ganze auch schon merklich leichter, während die Biberacher jetzt in Zugzwang waren. Jonas Dudt spielte seine Eröffnung als Weißer ambitionslos und ließ Patrick Fischer leicht ausgleichen, objektiv musste man sogar von schwarzem Vorteil sprechen, obwohl die Bauernstruktur völlig symmetrisch war. Meine Empfehlung, Remis anzubieten, nahm Jonas (dankenswerterweise!) als Anlass, sich tiefer in sein Springer-Läufer-Endspiel hineinzuknien. In der Folge spielte er einfach präziser und schaffte eine kombinierte Aktivierung von König, Läufer und Springer, während Schwarz nur seine Bauern schwächte. Als Jonas mit Mehrbauern in ein Bauernendspiel gehen konnte, war die Sache glasklar entschieden, wir hatten somit einen Mannschaftspunkt sicher. Zudem war Brett 1 noch offen, wodurch wir uns schon fast als Sieger sehen konnten.

Severin an Brett 3 konnte zwar nicht mit Simeon Triantafillidis als Gegner rechnen (wir gingen davon aus, dass Jens Hoffmann nicht spielen würde), dennoch bereiteten wir uns am vorhergehenden Freitag im Training auf Simeon vor. Zugute kam uns, dass ich persönlich beim Biberacher Schach-Sommer zwei Mal gegen Simeon 1. e4 spielte und er immer gleich antwortete, das Schicksal griff uns also unter die Arme. Alles ging wie geplant auf und Severin erreichte eine dominante Stellung. In der Folge spielte er jedoch zu passiv und erlaubte seinem Gegner, diejenige dynamische Spielweise zu zeigen, welche ich schon beim Schach-Sommer aushalten musste.


Schwarz hatte gerade 19…Df7 gespielt und Severin hatte die Qual der Wahl. Einfaches Decken von f2 mittels 20. Dd2 wäre simpel und stark gewesen, da …Lxh3 an Sxh4 scheitert und Weiß danach Zeit hat, auf c5 zu nehmen. Sofortiges 20. dxc5 wird von der Engine leicht präferiert, mit der kritischen Folge …Lxh3 21. Dd4 Lf6 22. Se5 +-, da Schwarz seinen Laden nicht mehr zusammenhalten kann. Severin entschied sich jedoch für 20. Sxh4?? Dxf2+ 21. Kh1 Dxh4 22. dxc5 Lxh3! und plötzlich war er schwer unter Bedrängnis und hätte eigentlich in einem Endspiel Damentausch ums Remis kämpfen müssen. Glück im Unglück, Simeon entschied sich dazu, den Angriff weiter fortzuführen, jedoch war jener Angriff ohne Leichtfiguren zum Scheitern verurteilt und Severin konsolidierte seinen Materialvorteil schnell zum Gewinn.

Gewonnen hatte die Erste schon, blieb nur die Partie an Brett 1, welche wir als „Sieg“ eingeplant hatten, jedoch eher zu den schlechteren auf unserer Seite gehörten. Simon spielte die Eröffnung zu lasch und ließ Schwarz mehrere Möglichkeiten dazu, bei heterogenen Rochaden entweder im Zentrum oder am Damenflügel für Einiges an Unruhe zu sorgen. Schlussendlich bekam Simon zwar das Läuferpaar, aber seine Königsflügelsstruktur war mit einem doppelten f-Bauer und einem gut unterstützten schwarzen Springer auf f4 eine Ruine. Immerhin hatten wir den Zeitvorteil auf unserer Seite, denn Alexander verbrauchte wie gewohnt sehr viel Zeit im Mittelspiel und sah sich dann zu einigen suboptimalen Entscheidungen gezwungen. Simon konnte die Dominanz der Springer brechen, einen Freibauern bilden und Damen tauschen, was sich letztendlich als entscheidend herausstellte.

Summa summarum ein möglicherweise etwas zu hoch ausgefallenes 5:1 gegen Heilbronn-Biberach (3,5:2,5 oder 4:2 schien angemessener), der Sieg an sich war dennoch verdient. Am 14. Oktober geht es mit dem nächsten Doppelspieltag weiter, beide Teams spielen zuhause, die Erste gegen Schwäbisch Gmünd, die Zweite dafür gegen Hohentübingen – bei der Ersten müssen wir einen Sieg einplanen, die Zweite kann dafür aufgrund der nominellen Überlegenheit der Tübinger frei aufspielen, es kommen noch schlagbare Gegner.

Erste Jugendmannschaft.

Kleine Rundschau noch zur BW-Liga: Ganz wie erwartet lief es nicht, so schlug Gmünd zu fünft (!) die an sich überlegenen Walldorfer (vor allem die ersten beiden Bretter mit 2200 und 2300 sind ein Bollwerk) mit 3,5:2,5. Auch Baden-Baden verlor, wenngleich massiv ersatzgeschwächt, mit 3,5:2,5 gegen Karlsruhe. Einzig Sasbach erfüllte seine Favoritenrolle, zwar auch mit einem Mann weniger, jedoch gegen die badischen Aufsteiger aus Bruchsal, welche die mit Abstand schwächste Mannschaft der ganzen Liga stellen und damit klarer Abstiegskandidat sind. Bis zum 14. Oktober genießen wir also mal die „Tabellenführung“, dann sind alle wieder gefordert.


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