Eine Bärenkeule, bitte!

Nachdem uns letztes Mal der Bär verspeist hatte, gingen wir heute dennoch zuversichtlich ans Werk. Unsere heutigen Gegner, die Stuttgarter SF I, blicken zum Einen auf eine grandiose Vergangenheit zurück (u.a. Spielzeiten in der 2. Bundesliga), zum anderen, im völligen Kontrast, haben sie in dieser Saison bis jetzt ähnlich wenig wie wir hinbekommen. Zwar haben sie einen Mannschaftspunkt, jedoch dafür gegen Erdmannhausen verloren, welche bekanntlich wie wir als Underdog in die Saison gingen.

Gut war, dass wir Ulrich wieder dabei hatten. Ebenso ein gutes Zeichen war die Aussage der Stuttgarter, dass das Ausweichlokal (ein Hallenbad in Stuttgart) ihnen kein Glück bringen würde. Na dann, mal sehen!

Für ein erstes positives Erlebnis sorgte Simon. Anders als in der vorherigen Runde zeigte er sich gut vorbereitet und kam mit ausreichend Zeit aus der Eröffnung. Danach ging alles plötzlich drunter und drüber und Figuren flogen gewissermaßen auf dem Brett herum. Simon brachte ein starkes Qualitätsopfer und hätte sicher irgendwo in Vorteil kommen können, zog es aber vor, den Gegner Dauerschach geben zu lassen, um nicht zu viel zu riskieren.
Zu ähnlicher Zeit war auch Jürgens Partie vorbei. Gegen den extrem erfahrenen Gerhard Lorscheid hatte er mit Weiß einen angenehmen Eröffnungsvorteil, weil Schwarz sich ziemlich zahm aufbaute. Rein statisch gesehen hatte Jürgen auch sicher Vorteil („reines“ 4 vs. 3 am Königsflügel, wobei die schwarze Damenflügelmehrheit keinen Freibauern bilden konnte), da aber die Stellung insgesamt ziemlich geschlossen war, einigte man sich auch hier auf remis.

In die Reihe der Remisspieler gesellte sich auch Julian. Auch er konnte mit Weiß eine angenehme Stellung für sich beanspruchen. Als es im Mittelspiel begann, heiß herzugehen, wurde er von einem Remisangebot des Gegners vielleicht etwas überrascht. Von außen sah es „einfach“ aus, Julians Sicht der Dinge konnte auch nur andeuten, wie komplex die zu berechnenden Varianten waren. Frei nach dem russischen Sprichwort „nach einer Niederlage erst einmal ein Remis“ nahm Julian das Angebot an, anstatt unnötig viel zu riskieren.
Ich hatte es mit dem nominell stärksten Stuttgarter zu tun und in meiner dritten Schwarzpartie bekam ich das dritte Mal einen zurückhaltenden Aufbau mit den Zügen Sf3, c4, g3 vorgesetzt. Hatte ich die Stellung in der 2. Runde nach dem Damentausch ziemlich schlecht behandelt, hatte ich heute diese Probleme nicht, da ich früh d5 spielen konnte, um Raum im Zentrum zu gewinnen. Die weißen Leichtfiguren standen sich alle gegenseitig auf den Füßen und es roch für mich schon nach relativ risikolosem Vorteil, aber auch ich nahm den Spatz in der Hand und das Remisangebot meines Gegners an.

Wurden die bis jetzt genannten Partien noch relativ schnell beendet, ging es jetzt etwas mehr zur Sache. Ulrich bekommt auf seine alten Tage wohl Lust aufs taktische Wirbeln und so opferte er gegen den jungen Mark Kvetny eine Figur gegen zwei Bauern, um einen gedeckten Freibauern und starken Druck auf der Diagonale a1-h8 zu bekommen. Wie gegen Jedesheim übersah Ulrich eine Kleinigkeit, hatte dafür etwas Glück, als sein Gegner wiederum ein Detail übersah. Es entstand ein interessantes Endspiel Turm + 1 Bauer vs. 2 Leichtfiguren, wobei die Leichtfiguren unkoordiniert waren und Ulrichs Bauernwalze immer zu laufen drohte. Es war schwer, in der Analyse einen Gewinn zu finden – zum Beispiel schien es so, dass Schwarz in manchen Varianten sogar die Verwandlung eines weißen Freibauern erlauben könnte, um mit zwei Läufern vs. Dame ein 3 gegen 3 am Königsflügel zu verteidigen – und so konnte Ulrich während der Partie nicht verhindern, dass eine Remisabwicklung aufs Brett kommt.

Nun wurde die Zeit bei allen knapp und die Stellungen erreichten die kritischen Momente. Ramin kam zu seinem ersten Oberligaeinsatz und dankte es gleich mit einer starken Leistung. Sein Gegner Rolf Fritsch, welcher noch vor zwei Wochen zusammen mit Ulrich Württemberg bei der Deutschen Senioren-Mannschaftsmeisterschaft vertrat, nahm in einem Londoner System den Bauern auf c5 mit und verteidigte ihn mit allen Mitteln. Irgendwie wollte er dann aber nicht auf die sichere, kurze Seite rochieren, sondern rochierte schlussendlich lang. Das machte es Ramin einfach, Linien gegen den weißen König zu öffnen. Zudem profitierten ausnahmsweise wir mal von einer massiven Zeitknappheit und Ramin schaffte es, seinen Gegner vor dem 40. Zug mattzusetzen. Führung!

Die absolute Erleichterung folgte dann kurz darauf. Robin spielte gewohnt frech und nahm in einem Engländer einfach mal einen Bauern auf c4 mit, wovon Ulrich sagte, dass das eigentlich schlecht wäre. Robins Standardargument ist hier „mein Gegner muss es am Brett finden!“ und auch heute zog es. Beide Spieler verbrauchten ziemlich viel Zeit und hatten in der zweiten Hälfte vor Zug 40 eher weniger Zeit, um die Stellungsprobleme zu lösen. Letztendlich blieb Robin bei einem Bauern Vorsprung und schaukelte das Ding nach Hause. Mannschaftssieg!

Als Letzter blieb noch Niko übrig. Mit einer gewohnt ruhigen Spielanlage erlangte er einen kleinen, lang anhaltenden Vorteil. Nach dem Damentausch fand er sich aufgrund seines Raumvorteils in einem angenehmen Endspiel wieder, wobei er nicht drumherum kam, Leichtfiguren abzutauschen, um Fortschritte zu machen. Dies verminderte den positiven Effekt seines Raumvorteils und um nicht mehrere Stunden Wasser aus einem Stein quetschen zu müssen, bot Niko Remis an, welches sein Gegner natürlich dankend annahm.

Somit gewannen wir unerwartet 5-3 bei den Stuttgartern, das Hallenbad bringt ihnen wohl immer noch kein Glück. Nach zwei mehr oder weniger unglücklichen Niederlagen scheinen wir nun endlich in Fahrt zu kommen. In zwei Wochen kämpfen wir zuhause gegen Bebenhausen bereits um die nächsten Punkte. Einen Tag davor, am 12. November, spielen wir ebenfalls zuhause (14 Uhr) die 1. Runde des KO-Pokals gegen Ingersheim. Hoffentlich besiegen wir unseren Fluch mal!

Erste Mannschaft.


Kommentare

Eine Bärenkeule, bitte! — 3 Kommentare

    • Danke für die Information!
      Da habe ich zwar schon gelebt, aber da ich das erst 2010/11 regelmäßig Verbandsliga und höher gespielt habe (bis auf ein Zwischenjahr Landesliga 2013/14), habe ich bis 2010 auch so ziemlich gar nichts von Dingen mitbekommen, die außerhalb Heilbronn passiert sind…

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