Ein Tropfen auf dem heißen Stein

Nachdem die zweite, dritte und auch vierte Mannschaft keinen besonders glücklichen Saisonstart hingelegt haben, wollten wir von der ersten Mannschaft das Ganze ausbügeln. Zudem, dank einer erneuten, enormen terminlichen Umstrukturierung, startete unsere 1. Jugendmannschaft bereits jetzt schon in die neue Saison in der Baden-Württemberg-Jugendliga U20.

Charakteristisch für diese Saison der BW-Liga ist, dass manche Mannschaften vom Wegfall der älteren Spieler betroffen sind. So musste bei uns Patrick Wenninger in „Rente“ gehen, während es den SC Eppingen z.B. viel härter traf, so mussten mit Christopher Noe (2400+), Jonas Hacker (2300+) und Danijel Gibicar (2200+) gleich drei Stützen ausscheiden. Unser Gegner der 1. Runde, die SG Königskinder Hohentübingen, verlor immerhin ihr Brett 1, Lauritz Jansen (2000+).
Als „Ausgleich“ war unser Brett 1, Tobias Peng, ebenfalls abwesend, dafür debütierte Daniel Schäfer in der BW-Liga. Sein Einsatz stellte sich auch als goldrichtig heraus, denn sein Gegner sah kein Land und hatte nach 15 Zügen schon einen ganzen Turm weniger, ohne jegliche Kompensation. Damit stand es 1-0.

Simon Degenhard debütierte gewissermaßen auch, und zwar an Brett 1. Da Tobias nächste Saison altersbedingt herausfällt, kann er sich schon an diesen Platz gewöhnen. Auch Simon hatte keine besonders kräftezehrende Partie. Den gekünstelten weißen Aufbau widerlegte er gekonnt und der weiße Scheinangriff verpuffte schnell, sodass Simon mit seiner über den Damenflügel einfallenden Dame entscheidendes Material im weißen Zentrum einsacken konnte. Sein Gegner übersah zwar, dass Simons Dame, auf sich alleine gestellt, tatsächlich in Gefahr war, gefangen zu werden, dennoch ein ordentlicher Sieg.

Ebenfalls kam der neue Mannschaftsführer, Marcel Mikeler, an Brett 2 zu einem angenehmen Sieg. Sein Gegner behandelte die königsindische Verteidigung viel zu passiv, nur um dann unmotiviert und mit den Figuren auf den falschen Feldern, den klassischen Hebel f7-f5 anzusetzen. Marcel verstand es, wenn auch mit leichter Mithilfe des Gegners, die Schwächen um den schwarzen König gut auszunutzen und fiel mit der tödlichen Kombination von Dame + Springer ein. 3-0 für uns.

Kim-Luca lief mit Schwarz eine gewisse Zeit lang dem Ausgleich hinterher, bekam die Stellung dann aber im beginnenden Endspiel in den Griff. Mit Damen und zwei Leichtfigurenpaare (Läufer und Springer) stellte Kim-Luca eine kleine taktische Falle, in die der Gegner auch prompt tappte. Das Resultat war ein gewonnenes Bauernendspiel, welches Kim-Luca jedoch viel zu fahrlässig behandelte. Irgendwann wurden so viele Ungenauigkeiten begangen, dass die Stellung einfach remis war, weil Weiß die Möglichkeit hatte, den schwarzen gedeckten Freibauern zu unterminieren und somit alle Freibauern zu entschärfen. 3,5-0,5.

Auch bei Severin kam schlussendlich ein Bauernendspiel aufs Brett. Im partieentscheidenden Moment verrechnete sich unser zweiter Debütant und übersah, dass sein Bauer sich mit Schach umwandelt. So wählte er eine Remisabwicklung, was aber nicht weiter schlimm war, da wir schon gewonnen hatten.

Dmitrys Partie an Brett 4 mutete komisch an. Nach einigen normalen Entwicklungszügen brachen plötzlich jeweils ein Springer auf jeder Seite auf eine wahre Fressorgie auf. Dmitrys Vorteil war hier, dass er nicht rochiert hatte, wodurch die zerstörten Königsflügel ihn bevorzugten. In der Folge schaffte er es aber nicht, seinen Damenflügel komplett zu entwickeln und auf der g- sowie h-Linie spielentscheidenden Druck auszuüben. Dies erlaubte seinem Gegner, sich zu konsolidieren und Dmitry musste eine Zugwiederholung aufs Brett bringen.

Man hat bei den Partien gemerkt, dass viele der Jungs noch sehr eingerostet sind von den Sommerferien, aber die Gegner hatten scheinbar das gleiche Problem, gegen einen 4,5-1,5-Sieg sagen wir nichts. Beim nächsten Spiel beim Titelverteidiger Sasbach müssen wir sowieso mit einer Niederlage rechnen, also haben wir mit diesem Sieg schon einmal vorgelegt.

Erste Jugendmannschaft.

Dann war es am vergangenen Sonntag endlich so weit. Nach über 30 Jahren wieder eine Oberliga-Saison, natürlich als Underdog, aber gerade deswegen mit Ambitionen und Kampfeswillen. Mit dem SV Jedesheim stand gewissermaßen ein direkter Konkurrent um den Klassenerhalt vor der Tür, denn die Quasi-Bayern wären letztes Jahre beinahe abgestiegen und waren eine der Streitparteien in der „Causa Bebenhausen“, aufgrund derer die Oberliga diese Saison mit 11 Mannschaften spielt.
Um 7:45 Uhr machten sich die meisten Spieler (bis auf Julian und Adam, welche direkt hinfuhren) auf den langen Weg. Sonntags sollte ja ohnehin kaum Verkehr zu erwarten sein, dementsprechend glitten wir mühelos auf der Autobahn zum Ziel, selbst durch die verkehrsreiche Zone um Stuttgart herum. Pünktlich waren wir fast alle da – alle, bis auf Mannschaftsführer Julian, wer sollte sonst fehlen. Glücklicherweise kam er mit wenig Verspätung um 10:04 Uhr ein, sodass wir vollzählig starten konnten.
Bei uns fehlte nur unser Franzose, Nicolas Blum, während Jedesheim schon etwas mehr zu leiden schien. Die Brett 2-4 fehlten allesamt, wodurch wir uns durchaus Chancen ausrechneten.

Jedoch wurde uns ziemlich schnell ein Dämpfer versetzt. Ulrich kam gegen GM Dejan Pikula sehr gut aus der Eröffnung und erreichte eine Stellung, von der man sagen könnte, dass man „fast jeden Zug“ spielen könnte. Von der ungewöhnlich lange läutenden 12 Uhr-Kirchenglocke abgelenkt, spielte Ulrich tatsächlich „irgendeinen“ Zug – nur um danach festzustellen, dass dieser Zug den ganzen Vorteil hergab. Offensichtlich von dieser Entwicklung mitgenommen, fand Ulrich keine guten Züge mehr und verlor die Partie relativ schnell.

Bei Adam hingegen passierte nie besonders viel. Die Partie plätscherte so vor sich hin, hier und da gab es tatsächlich Möglichkeiten auf Vorteil für Adam, jedoch waren beide Spieler wohl zufrieden mit dem zähen Spiel und einigten sich auf Remis durch Zugwiederholung, als der Trend leicht in die andere, schwarze Richtung zeigte.

Für den Ausgleich sorgte Robin, wenn auch auf ungewöhnliche Art. Er spielte mit Schwarz gegen einen jungen Gegner eine sehr scharfe und in Theoriebüchern nicht zu findende Eröffnung. Dies zahlte sich auch aus, da sein Gegner lange überlegte und schlussendlich einen Bauern für weitreichende Kompensation opferte. Aufgrund der knapp werdenden Zeit fand Weiß nicht mehr die druckvollen Züge und Robin konnte sich mittels Damentausch konsolidieren. Unerklärlicherweise ließ Robin dann die Stellung aus seinen Händen gleiten – und sein Gegner verlor auf Zeit. Ein etwas glücklicher Punkt, wenn auch Robin die Partie größtenteils unter Kontrolle hatte.

Danach liefen wir wieder einem Rückstand hinterher. Julian befand sich nach circa 10 Zügen am Scheideweg: sollte er sich weiter entwickeln oder einen riskanten Angriff starten? Wie es in Julians ungebändigter Natur liegt, entschied er sich für den Angriff und musste feststellen, dass Weiß zu gut zentralisiert sowie entwickelt war, um mit den eigenen wenigen Figuren etwas zu reißen. Zwar gewann Julian im Endeffekt einen Bauern, jedoch waren das gegnerische Läuferpaar sowie die zerstörte schwarze Bauernstruktur Garanten des weißen Vorteils. So verlor Julian seinen Bauern wieder und landete in einem hoffnungslosen Bauernendspiel.

Jürgen ist der Nächste auf der Liste. In einer Benoni-Struktur stellte er sich mit Schwarz etwas passiv hin und ließ seinen Gegner Raum gewinnen. Dieser konnte scheinbar mit dem Raum nicht so viel anfangen, verbrauchte sehr viel Zeit und gewährte Jürgen Gegenspiel am Königsflügel. Als Folge dieses Gegenspiels gewann Jürgen eine Qualität, einigte sich aber einen Zug später auf Remis, weil er kein gutes Mittel gegen die weiße Damenflügelinitiative fand. Der Computer findet nach dem Qualitätsgewinn zwar einen einzigen Weg zum Vorteil, für den musste man aber schon ziemlich Nerven aufbringen.

Meine Wenigkeit spielte ja bereits, wie schon erwähnt, eine Saison Oberliga. Mit 4/9 spielte ich vor allem für meine DWZ damals (~1900) keine schlechte Saison an Brett 3/4. Um dieses Ergebnis zu verbessern, wollte ich die erste Runde nicht verlieren. Wie üblich war die (kurze) Vorbereitung für die Katz, da bei Jedesheim viele Spieler fehlten. Dennoch ging die Eröffnung mehr als gut und nach 10 Zügen hatte ich mit Schwarz bereits mehr als ausgeglichen. Eine Phase des Manövrierens kostete sowohl den Gegner als auch mich Zeit und die beginnende Öffnung der Stellung um Zug 25 herum katalysierte den Spielverlauf nur. Beide übersahen wir Möglichkeiten, letztendlich beging ich den letzten Fehler (taktischer Patzer) in der Partie. Mein Gegner schaffte es bis zur Zeitkontrolle, dachte dann fast eine halbe Stunde nach, fand einen computerhaften Weg zum Vorteil dann aber nicht und wir einigten uns auf ein Remis durch Dauerschach.

Ebenfalls oberligaerprobt ist Niko, aber das war ja noch nicht seine höchste Ligazugehörigkeit. Sein Gegner wählte die Tarrasch-Verteidigung und Niko verpasste den einen Moment, einen lang anhaltenden Vorteil in Anspruch zu nehmen. So hatte er zwar das Läuferpaar gegen Läufer und Springer in einem Endspiel mit einem Turmpaar, jedoch besaß sein Gegner Kompensation in Form von aktiveren Figuren und einem starken Zentrum. Niko legte schlussendlich alles auf einen Sieg aus und opferte seinen Läufer für zwei Bauern, aber bei fast auf das Minimum reduziertem Material (Turm + 2 Bauern vs. Turm + Läufer und sonst nichts) war es kein Problem, Remis zu halten.

Der Letzte im Bunde war Cheffe. Mit Weiß strebte er eine ruhige Stellung an, in welcher er plötzlich die Zügel anzog und sowohl im Zentrum als auch am Damenflügel gefährlich expandierte. Auch sein Gegner kam schnell unter Zeitdruck. Als der Druck scheinbar zu stark wurde, entschloss sich Cheffe, am Königsflügel eine weitere Front zu öffnen. Dabei bedachte er nicht, dass seine Türme zu sehr am Damenflügel kleben und so übernahm sein Gegner die Initiative. Als Folge der Entlastung tauschte sich zu viel ab und im Endspiel Läufer vs. Springer konnte Schwarz einfach sein Pferd für den letzten Bauern hergeben, sodass unsere Niederlage besiegelt war.

Am Schluss verloren wir etwas unglücklich 3,5-4,5. Unglücklich deswegen, weil wir mehr Chancen vergeben haben als unsere Gegner, leider gehört das auch dazu – die Chancen konsequent zu nutzen. Das haben uns die etablierten Oberliga-Vereine noch voraus.

Wir stehen bereits etwas unter Druck, da einige unerwartete Ergebnisse bei den anderen Spielen zu sehen waren. So gewann zum Beispiel das sehr geschwächte Erdmannhausen mit 5-3 gegen die Stuttgarter Schachfreunde. Obwohl Stuttgart bei Weitem nicht mit der Stammmannschaft angetreten war, zeigt Erdmannhausen damit, dass sie nicht abzuschreiben sind, obwohl sie im DWZ-Schnitt selbst auf uns 80 Punkte Rückstand haben. Ebenfalls mit 5-3 schlug Biberach Schwäbisch Gmünd. Aufsteiger Weiler im Allgäu schlug Sontheim/Brenz mit 4,5-3,5, wobei da natürlich die Frage ist, wie oft Legionär GM Robert Cvek (2525 Elo) eingesetzt werden kann.
Am 16. Oktober gibt es zuhause gegen Schwäbisch Gmünd die nächste Chance zu gewinnen.

Erste Mannschaft.


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