Ins Preisgeld geschummelt, ums Preisgeld gebracht

Mit Christi Himmelfahrt beginnt die Phase im Jahr, in der wir von möglichen Turnierteilnahmen überflutet werden, bevor es wieder ins Sommerloch geht. Den Anfang machen diverse Opens über Himmelfahrt, für uns Heilbronner sind dabei vor allem das Open in Sulzfeld und die Stuttgarter Stadtmeisterschaft interessant. Dabei konnten wir insgesamt sehr erfolgreich abschneiden!

Fangen wir in der Hauptstadt an: Hier war Philipp Wenninger ganz auf sich alleine gestellt, sogar sein Bruder Patrick leistete ihm keine Unterstützung und gesellte sich zu den anderen in Sulzfeld. Philipp startete gewohnt stark und setzte sich in den Runden 1-3 als Favorit durch, zur Belohnung bekam er es mit dem Topgesetzten (und späteren Sieger) GM Ivan Ivanisevic zu tun, welcher schon öfter gegen die absoluten Supergroßmeister unserer Zeit spielen durfte. Mit fast schon angsteinflößender Leichtigkeit knöpfte Philipp dem Serben nach weniger als 20 Zügen ein Remis ab.
Wirklich leichter wurde es nicht, mit GM Maiorov wartete ein weiterer Brocken. Jener erwies sich mit Weiß dann doch etwas zu stark. In der Folgerunde musste Philipp wieder mit Schwarz ran, gegen einen Spieler mit 2170. Für die Meisten wohl uns mehr als in Ordnung, wenn man hier mit Schwarz ein Remis abgibt, aber Philipp hatte eben ca. 160 Punkte mehr (zum Vergleich: ich würde gegen einen 2080er auch mit Schwarz auf Gewinn spielen), schlug eine Zugwiederholung aus und riskierte dementsprechend das Remis. Leider wurde er nicht belohnt und verlor, wodurch er aus dem Rennen um die Preisgelder flog. Die letzte Runde gewann er noch gegen Torsten Schulte und schloss das Turnier mit 4,5 Punkten auf 7 Runden und einem 12. Platz (88 Teilnehmer) ab.

Stuttgarter Stadtmeisterschaft.

Nach Sulzfeld hingegen entsendeten wir gewissermaßen eine ganze Armee. Insgesamt nahmen 11 Spieler unseres Vereins im A- und B-Open teil. Fangen wir mit dem B-Open (76 Teilnehmer) an.

Dort spielten Maximilian Breitenbach, Daniel Schäfer und Nilofar Banai. Nilofar zeigte insgesamt eine solide Leistung und holte 3 Punkte, was den 56. Platz bedeutete.
Besonders heiß waren Daniel und Max. Daniel wollte vor allem seine Leistung bei der WJEM wettmachen, was ihm auch ziemlich gut gelang. Zwar waren vereinzelte Aussetzer dabei, die auch mehr oder weniger konsequent bestraft wurden, insgesamt zeigte Daniel aber eine ansprechende Leistung mit einigen guten Ansätzen. Am Ende holte Daniel 5,5 Punkte und wurde Sechster.
Max war am Ende ein Sieger, aber nur Sieger der Herzen. Er fegte anfangs über das ganze Feld hinweg und ließ seinen Gegnern in den ersten fünf Runden kaum eine Chance. In Runde 6 kam es zum augenscheinlich vorentscheidenden Duell um den Turniersieg gegen den zweiten Spieler mit 5 Punkten. Hier lief es gar nicht gut und Max verlor seine Dame für praktisch nichts. Die Verwertung dieses Vorteils war dafür sehr verbesserungswürdig, sodass Max sich weiter ins Zeug legte. Am Ende gewann er die Dame sogar zurück und bot in Gewinnstellung seinerseits (!) Remis an. Sein Gegner nahm dies natürlich mit Erleichterung an und so war noch alles offen.
Leider war Max am letzten Tag wohl nicht in Form und so verlor er in Runde 7 erneut Material, dieses Mal eine Qualität. Sein Glück verließ ihn zudem auch und so verlor er diese letzte Runde. Das kostete ihn nicht nur den geteilten ersten Platz, Max fiel komplett aus den Preisrängen heraus und wurde nur Fünfter.
Beide konnten ein stattliches DWZ-Plus verbuchen – +96 bei Max und +89 bei Daniel.

Umso bitter waren dann die Kuriositäten bei der Siegerehrung. So gab es Ratingpreise für U14 und U16, aber diese Bezeichnungen wurden vom Turnierleiter etwas kreativer interpretiert. In der aktuellen Saison beinhaltet die U14 die Jahrgänge 2002/2003 und die U16 damit logischerweise die Jahrgänge 2000/2001. Daniel (Jg. 2002) und Max (Jg. 2000) hätten demnach die Ratingpreise gewinnen müssen. Jedoch wurde Daniel in die U16 gesteckt, weil er Jahrgang 2002 ist und damit schon 14 Jahre alt sein muss – und nicht mehr „unter 14“ ist. Tatsächlich ist Daniel schon 14, aber die Altersgruppen sind nun einmal so definiert, wie sie definiert sind.
Max gewann dafür dann gar nichts – und dabei ist er trotz Jahrgang 2000 noch nicht 16 Jahre alt, weil er in diesem Jahr noch Geburtstag haben wird. Das entbehrt meiner persönlichen Meinung nach jeder Logik, jedoch konnten wir daran auch nichts ändern.

Eine komplette Schachmannschaft, bestehend aus Nikolas Pogan, Thomas Tschlatscher, Simon Degenhard, Patrick Wenninger, Jonas Dudt, Michael Eberhard, Thomas Leykauf und mir, versuchte sich im A-Open (118 Teilnehmer).
Michael holte wie seine bessere Hälfte 3 Punkte, im Gegensatz zu ihr stand bei ihm das Brett aber sehr oft in Flammen, wodurch die beiden sich wohl gut ergänzen!?
Jonas folgte Michaels Beispiel und probierte sich in einigen Stellungen an spekulativen Opfern. Das war durchaus von Erfolg gekrönt und mit seinen 1600 DWZ konnte er auch einen Spieler mit einer Zahl von über 2000 besiegen! 2,5 Punkte hören sich da wenig an, sind aber viel, wenn man bedenkt, dass Jonas als absoluter Underdog ins Rennen ging. +44 DWZ war das folgerichtige Ergebnis. Die größte Lücke wurde ebenfalls offensichtlich: 2,5/3 mit Weiß und 0/4 mit Schwarz sprechen für sich.
Dass Thomas Leykauf ebenfalls voll auf Angriff spielte, sollte jedem klar sein, der ihn kennt, manchmal fehlte ihm dabei etwas die Konsequenz. Dennoch reichte es im insgesamt eindeutig überlegenen Feld zu zwei Punkten und einer ansprechenden Leistung, auch wenn mehr drin war.
Der Rest der Spieler hatte dann die Ambition, an den vorderen Bretter zu spielen bzw. sich dort festzusetzen. Bei Simon klappte das nicht ganz so gut. Gleich in Runde 1 gab er ein Remis ab und musste damit noch zufrieden sein. Danach kämpfte er sich trotz einer Niederlage gegen den Lauffener Frank Amos zurück und remisierte in der letzten Runde gegen FM Joachim Sieglen. Damit holte Simon solide 5 Punkte und platzierte sich in den Top 20.
Auch Patrick gab früh Punkte ab, jedoch war sein Gegner bei seiner ersten Niederlage der an Eins gesetzte, hierzulande weitläufig bekannte GM Zigurds Lanka. Hier verpasste Patrick eine sehr remisliche Fortsetzung im Endspiel und verrechnete sich dafür im Bauernendspiel. Dadurch blieb der ganze Punkt beim GM. In der Folge verlor Patrick aber nur noch ein Mal und schaffte in der letzten Runde mit Schwarz gegen Veaceslav Cofman (2170) noch einen Coup, der ihn ziemlich nah an die magische Grenze von 2000 DWZ brachte. Genau genommen landete Patrick mit 5 Punkten bei 1996 DWZ – aber lange wird das nicht mehr dauern.

Nebenbei bemerkt war Lankas Endspielführung fast immer makellos, zwar überzog er in Runde 3 ein Endspiel gegen einen 2000er massiv, dafür überspielte er den Zweitgesetzten Christopher Noe auf atemberaubende Weise. Noe hatte zwischenzeitlich zwei Bauern für eine Qualität mit einem weit vorgerückten Freibauern auf c6. Trotzdem schaffte Lanka es, einen weißen Bauern nach dem anderen zu nehmen, ohne dass der c6-Bauer wirklich gefährlich wurde. Am Ende setzte sich die Qualität durch.

Kommen wir dann zu mir, ausnahmsweise nenne ich mich aus diversen Gründen nicht als Letzter. Mein Turnier verlief etwas seltsam, so gewann ich erwartungsgemäß die ersten drei Runden und fand mich an Brett 1 wieder, mit Schwarz gegen Noe. Da behandelte ich ein Endspiel nicht annähernd so gut, wie ein Lanka es tun würde. Und so entschied der Freibauer auf d6 doch das Spiel, anstatt dass ich ihn rechtzeitig gewinnen würde. Für den Rest des Turniers bekam ich nur noch schwächer gewertete Gegner, was mir zwar gute Chancen auf Punkte gab, meine Zweitwertung jedoch in den Keller stieß. Anders als sonst war hier die „Ratingleistung“ die Zweiwertung, die sich rein aus dem Gegnerschnitt und den erzielten Punkten berechnen lässt. Ich gewann alle Partien, holte so 6 Punkte und schummelte mich etwas glücklich auf den 3. Platz, was mir 350 € einbrachte.

So ein Turnier ohne vereinsinterne Paarung zu überstehen, wäre natürlich ein Wunder. Und so traf das Schicksal Niko und Thomas ausgerechnet in der letzten Runde. Dabei hätten sie kaum unterschiedlicher durchs Turnier kommen können.
Niko war einer der Turnierfavoriten und wollte zumindest in das Preisgeld kommen. Dabei ging es gar nicht gut los und er kam in keine besonders gute Stellung. Die Runde rettete er dann aber noch mit präzisem Spiel. In Runde 2 wurde er dafür vollends ausgebremst. Dabei überspielte er seine Gegnerin an sich komplett und zwang sie zu einem inkorrekten Figurenopfer. Ein unachtsamer Moment kostete Niko seinen ganzen Vorteil und wie Philipp in Stuttgart überzog er eine an sich ausgeglichene Stellung. In der Folge kämpfte Niko sich verbissen zurück, bis zur letzten Runde…
Thomas hingegen war im Prinzip die ganze Zeit ganz vorne. In Runde 3 gelang ihm ein erster Coup und schlug einen 2200er. Für Thomas ungewöhnlich, spielte er in Runde 4 mit Weiß im Prinzip nur auf Remis und das wurde es auch, obwohl sein Gegner im reinen Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern Remis ablehnte. Dafür steigerte er sich mit Schwarz wieder und er überspielte FM Maximilian Ruff (2259 Elo) langsam, aber sicher im Endspiel. Thomas war plötzlich Favorit auf den Turniersieg. Gegen den späteren Sieger Vladimir Podat überzog er seine Stellung etwas und konnte die Stellung mit Minusqualität trotz Bauern an nur einem Flügel nicht halten. Runde 7 hielt dann die schicksalhafte Paarung gegen Niko bereit. Während es für Niko aufgrund schlechter „Ratingleistung“ um nichts mehr ging, konnte Thomas mit einem Sieg noch in die Top 5 einziehen. Und so geschah es dann auch, Niko übersah einen taktischen Schlag, welcher Thomas zwei Leichtfiguren für einen Turm einbrachte. Mit Geduld verwertete Thomas diesen Vorteil und durfte sich über einen 5. Platz und 150 € freuen.

Das wird natürlich keinen Einfluss darauf haben, wie wir in der kommenden Saison aufstellen werde, keine Sorge, Niko 😉

27. Sulzfeld Open.

Die Kuriositäten der Siegerehrung machten aber nicht vor dem A-Open Halt. So ließ sich der Turnierleiter zu Aussagen hinreißen, die ich hier zum Teil wiedergebe:
„Auf dem 3. Platz Enis Zuferi – der schlechteste Spieler mit 6 Punkten!“
„5. Platz Thomas Tschl-Tschlatsch-Tschlatschler, nein…Tschlatscher. Sensationell mit unter 2000 Elo. Nicht mit Engine-Hilfe!“

Obwohl die vergangene Zeit sicher hart für die Sulzfelder gewesen ist, sollten solche Aussagen doch eher im Turnierleiterbüro bleiben. Man braucht einen Spieler nicht indirekt des Engine-Betrugs bezichtigen, nur weil er eine niedrige Elo hat.

Wie dem auch sei – nach Himmelfahrt kommt Pfingsten und da stehen die nächsten Turniere an wie die Offene Deutsche Juniorenmeisterschaft, das Krefelder Open und das Pfingst-Jugendopen Gernsheim. Wir werden die Turnierszene weiter aufmischen!


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