Eine Nummer zu groß

Zum Abschluss einer tollen Saison durfte unsere 2. Mannschaft heute bei der zentralen Schlussrunde der Landesliga in der Stauferhalle in Bad Wimpfen noch einmal an die Bretter. Obwohl wir unser Saisonziel bereits vor zwei Runden erreicht hatten, versprach die Tabellenkonstellation vor der letzten Runde noch Einiges an Spannung:

Mit dem SC Ingersheim saßen uns nämlich die Tabellenführer gegenüber, welche mit einem Punkt Vorsprung vor dem SV Marbach auf jeden Fall gewinnen mussten, um sicher aus eigener Kraft den Aufstieg zu schaffen – dies umso mehr, da Marbach mit Bad Wimpfen eine vermeintliche Pflichtaufgabe zu bewältigen hatte. Bad Wimpfen selbst steckte noch mit einem Bein im Abstiegskampf, da sie nur einen Punkt Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hatten. Dort stand vor der heutigen Runde der SK Bietigheim-Bissingen, der gegen die ursprünglich zu den Meisterschaftsfavoriten gehörenden Ludwigsburger also dringend punkten musste. Und dies wäre beinahe gelungen, da Ludwigsburg nur mit sechs Spielern antrat und Bietigheim-Bissingen somit nach Ablauf der Karenzzeit mit einer 2:0-Führung und auch sonst passablen bis guten Stellungen auf dem besten Weg zu mindestens einem Unentschieden war – welches gereicht hätte, um nach Brettpunkten an Bad Wimpfen, bei denen sich bald eine klare Niederlage abzeichnete, vorbeizuziehen. Letztendlich konnten die anwesenden Ludwigsburger ihr DWZ-Übergewicht jedoch in Punkte umwandeln und behielten mit 4,5:3,5 knapp die Oberhand. Personalnot hatte auch Bad Wimpfen, die ein Brett kampflos abgaben, aber darauf kam es letztendlich nicht mehr an: Marbach gab sich keine Blöße, siegte klar mit 6:2 und setzte Ingersheim somit unter gewissen Druck.

„Am Anfang ist es immer knapp, doch am Ende zeigt sich, wer stärker ist.“ Diese weisen Worte eines starken Spielers bewahrheiteten sich heute erneut. Obwohl es für uns realistisch betrachtet um nichts mehr ging, wollten wir natürlich keine Geschenke verteilen und Ingersheim zumindest einen Kampf liefern. Und getreu dem ersten Teil des erwähnten Zitats war zumindest am Anfang von der nominell klaren Überlegenheit unserer Gegner noch nicht allzu viel zu spüren: Kim-Luca verlor zwar früh einen Bauern, der gegnerische Mehrbauer war aber ein isolierter Doppelbauer unter permanentem Beschuss von Kimis Turm. Mit seinem dazu noch abgesperrten König hatte sein Gegner also auf jeden Fall noch viel Arbeit vor sich. Thomas gab gegen Marcel Bluma ebenfalls einen Bauern, dafür nahm seine Stellung immer mehr Festungscharakter an und Marcel kam gegen den verbands- und oberligaerfahrenen Werner Schuran ziemlich passiv aus der Eröffnung raus, aber das ist man ja von ihm gewöhnt. Auf der anderen Seite riss Christian in einem ziemlich unorthodoxen Damengambit früh die Initiative an sich und Patrick hatte einen kleinen Entwicklungsvorsprung und ein bisschen Druck. Während der vierten Spielstunde schlug jedoch der zweite Teil des Zitates (man könnte wohl auch sagen: die Realität) bitter zu: Thomas wählte fälschlicherweise einen „halbaktiven“ Zug, wonach sein Gegner die Festung knacken konnte und Patrick, der von seiner gestrigen Partie wohl einfach ein bisschen zu erschöpft war, leistete sich genau einen Fehler, woraufhin seine Stellung nicht mehr zu halten war. Christian ließ sich eine Gelegenheit zur Vereinfachung entgehen, woraufhin die Partie zwar komplizierter wurde, aber eher in Richtung „schlecht-für-uns-kompliziert“. Geistesgegenwärtig bot er daher Remis an, was sein Gegner aufgrund seiner knappen Zeit annehmen musste. Ole wich in seiner Lieblingsvariante von der mit einem interessanten Springerausfall von der bekannten Theorie ab, vermisste in der Folge aber schmerzlich seinen weißfeldrigen Läufer. Ihr präzises Spiel brachte seiner Gegnerin Anja JehleMüller zwar einen Mehrbauern ein, aber Ole hatte immer gerade genug Gegenspiel, um die Partie Remis zu halten. Marcel hatte zwischenzeitlich Material verloren, schleppte seine Ruine zwar noch über die Zeitkontrolle, musste aber kurz darauf aufgeben. Stand nach der Zeitkontrolle also 1:4 und Kim-Luca hatte seine Stellung dank Zeitnot und damit einhergehender Angst vor Gespenstern soweit verschlechtert, dass der gegnerische (weiße) Mehrbauer auf einmal auf h7 stand und die Partie gewann. Damit war der Kampf endgültig entschieden, sodass Simon und ich nur noch dafür sorgten konnten, dass die Niederlage mit 3:5 nicht übermäßig hoch ausfiel.

An dieser Stelle nochmals herzlichen Glückwunsch an die sympathische Mannschaft aus Ingersheim zum Aufstieg in die Verbandsliga und viel Erfolg nächste Saison!

Trotz der heutigen Niederlage können wir aber ebenfalls auf ein sehr erfolgreiches Spieljahr zurückblicken: Dass wir als Aufsteiger die Saison auf dem 4. Tabellenplatz abschließen würden, hätte vor der Saison und erst recht nach den beiden deutlichen Auftaktniederlagen wohl kaum jemand gedacht – aber unsere Jugendlichen haben eindrucksvoll gezeigt, welches Potential sie besitzen, allen voran Simon (6,5/9) und Kim-Luca (6/8), die mit ihrer Leistung auf den Plätzen 5 und 6 der Topscorer-Liste der gesamten Liga stehen sowie Thomas, der am Spitzenbrett starke 5/9 erzielte!


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