Erste steigt auf! [Update: Bericht online]

Mit einem 6:2-Sieg ließ unsere Erste heute in Willsbach nichts mehr anbrennen und gewinnt somit die Verbandsliga Nord! Zum ersten Mal seit über 30 Jahren werden wir in der nächsten Saison wieder in der Oberliga Württemberg (der dritthöchsten Spielklasse Deutschlands) spielen!

Ein ausführlicher Bericht ist jetzt vorhanden:

Praktisch gesehen war es schon entschieden, aber die theoretische Gefahr, nicht aufzusteigen, bestand noch, sodass wir mindestens einen Mannschaftspunkt aus Willsbach entführen wollten. Für Pessimisten war es wohl eher die „Aufstiegsgefahr“, die viel zu hoch sei, denn wie sollen wir denn in der Oberliga bestehen?

Wie dem auch sei, empfingen uns die Willsbacher in den Lichtensterner Werkstätten gastfreundlich und kündigten gleich an, uns ein Bein stellen zu wollen. Da wir aber keine Fußballer sind, die sich beim kleinsten Körperkontakt sterbend auf dem Boden wälzen, ließen wir uns davon natürlich nicht beeindrucken.
Auf mich selbst bezogen, war ich ein Mal mit Willsbach in die Oberliga aufgestiegen, wodurch ich – zumindest glaube ich das – der einzige Spieler der aktuellen Mannschaft bin, der einmal Oberliga Württemberg gespielt hat. Auf der Gegenseite hatten daher die meisten Spieler schon Oberliga-Erfahrung, allen voran der Routinier Ferdinand Lang, der 1983/84 zur letzten Oberliga-Mannschaft – bis heute – des Heilbronner Schachvereins gehörte!

Routine war bei uns nicht unbedingt das Stichwort, so zogen Tobias Peng, Patrick Wenninger und ich den Altersschnitt merklich nach unten. Tobias und Patrick wackelten dafür auch ein bisschen an den Brettern 7 und 8 gegen Thomas Unterkoffler und Hans Speh. Tobias opferte nach Damentausch einen Bauern für schleierhafte Kompensation (nur das Läuferpaar und sonst nichts), setzte seinen Gegner dann aber mit aktiven Zügen unter Druck. Letztlich brach er in die schwarze Stellung ein und holte sich genug Material zum Gewinnen.

Auch bei Patrick wurde in die schwarze Stellung eingebrochen, aber das war für uns die falsche Richtung. Nach ungenauen Zügen begann ein kleines Feuerwerk an Figurenopfern und Patrick blieb nur eine Ruine als Königsstellung. Als Weiß zum finalen Schlag ausholen wollte, stellte er eine Figur ein, die Patrick in komplett verlorener Stellung dankend annahm. Interessanterweise hätte Patrick noch für den Sieg arbeiten müssen, aber Weiß hatte genug gesehen und gab auf.

Adam musste nur eine Niederlage gegen einen Haller IM ertragen; ansonsten spielte er solides und gewinnbringendes Schach. Gegen Bernd Hähnle wählte er einen dubios aussehenden Aufbau, welchem aber nicht die beste Erwiderung entgegengesetzt wurde. So konnte Adam sich befreien und landete in einem Endspiel, das eher für einen Alapin-Sizilianer charakteristisch war. Gerade als Adam die Initative übernehmen wollte, übersah er einen kleinen taktischen Trick, der seinen König entscheidend zurückdrängte, und willigte ins Remis ein.

Robin hingegen ist nicht der Inbegriff des absolut soliden Spiels. Auch heute, bei dem Versuch der Revanche gegen Michael Kleinknecht, war direkt ab dem 5. Zug Feuer auf dem Brett. Und das Feuer schlug unkontrolliert in alle Richtungen aus – ein Mal konnte Robin die weiße Dame mit einem Abzug gewinnen, ein anderes Mal übersah sein Gegner eine vorteilsbringende Fortsetzung. So ging das dann auch 35 Züge lang, bis sich die meisten Figuren „abgetauscht“ hatten im Sinne von „Weiß schlägt eine hängende schwarze Figur, dafür schlägt Schwarz eine hängende weiße Figur“. In der Folge spielte Robins Gegner zu gierig und ließ einen entscheidenden Gegenangriff zu. Trauriger Zuschauer war der weiße Springer auf g1, der in 41 Zügen keinen einzigen Zug gemacht hat und dann von der schwarzen Dame geschlagen wurde.

Gegen den nominell stärksten Willsbacher, Karl Wartlick, wählte Ulrich ein sehr theorielastiges Gambit mit langfristiger Kompensation. Schwarz kannte die besten Züge jedoch nicht und verbraucht sehr viel Zeit, sodass er bereits im Mittelspiel in Zeitnot war. Dies ermunterte Ulrich zum Zaubern und bei zwei Gelegenheiten schlug er eiskalt zu:

Hopp hopp!

Hopp hopp!

Dieser Bauer auf c6 sieht gefährlich aus.

Dieser Bauer auf c6 sieht gefährlich aus.

Wer beide Aufgaben löst, kann sich am Freitag beim Jugendtraining Kekse abholen.

Wie bei Robin wollte auch Jürgen sich eine Revanche nicht entgehen lassen, steckte er letzte Saison doch eine empfindliche Niederlage gegen Alexander Pfaff ein. Mit Weiß strebte er die gewohnt ruhigen Stellungen mit sehr leichtem weißen Vorteil an. Diesen wandelte er dann in einen Mehrbauern um, ging dafür in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern. In diesem Endspiel fand er sein Glück nicht, so wurde jeder seiner Gewinnversuche irgendwie neutralisiert. Am Ende gab er seinen Mehrbauern zurück und willigte ins Remis ein.

Trauriger Held des Tages war folgender Mann:

Mannschaftsführer Julian sorgt für guten Mannschaftsgeist, organisiert das Team und holt Punkte! Zumindest manchmal...

Mannschaftsführer Julian sorgt für guten Mannschaftsgeist, organisiert das Team und holt Punkte! Zumindest manchmal…

Nach der Partie gegen Ferdinand Lang teilte Julian uns mit, dass er unbedingt gewinnen wollte. Da war er an sich auf einem guten Weg, denn er überspielte seinen Gegner aus der Eröffnung heraus und gewann einen wichtigen Zentralbauern. Weit und breit war kein Gegenspiel für Weiß zu sehen und wir erwarteten hier einen vollen Punkt. Leider erwischte Julian wie so oft seine chronische Zeitnot und er fing an, seine Stellung nach und nach zu verschlechtern. Am Ende hatte er keinen Mehrbauern, sondern eine Minusqualität und die Verwertung dieses Vorteils im Endspiel war für seinen Gegner keine große Aufgabe mehr. Schade Julian! Aber die nächste Saison kommt ja schneller, als wir alle denken.

So komme ich mal wieder zum Schluss, denn ich durfte mich am Längsten anstrengen. Wolfgang Kolb machte mir das Leben lange schwer, in einer Stonewall-Struktur musste ich immer auf die thematischen Durchbrüche …c5 und …e5 aufpassen. Dabei war ich einmal unaufmerksam und ließ meinem Gegner eine einzige Chance zu …e5. Glücklicherweise nutzte er sie nicht und fand sich in einem schlechteren Endspiel mit dem typisch schlechten Stonewall-Läufer wieder. In Zeitnot patzten wir beide noch ein bisschen rum, er aber mehr und so konnte ich neben meinen Leichtfiguren auch meinen König entscheidend aktivieren, was zum Sieg reichte.

Damit endete die Saison 2015/16 mit einem für uns erfreulichen Ende; abschließend gab es noch zwei Überraschungen.
Zum Einen wurde mir von Ole Wartlick ein Sekt mit französischem Qualitätssiegel überreicht. Ob das eine Anspielung darauf war, dass wir mal wieder keinen eigenen Sekt organisiert haben?
Zusätzlich zum Sieg in Willsbach bekamen wir noch eine Urkunde für unseren Sieg in der Verbandsliga, aber nicht vom Schachverband, sondern von den Willsbachern selbst!

Macht sich nett im Jugendheim.

Macht sich nett im Jugendheim.

Vielen Dank dafür und viel Erfolg für die nächste Saison!

Eine große Feier gab es (noch?!) nicht, beim gemeinsamen Pizzaessen auf Vereinskosten ließen wir den Tag ausklingen. Sogar Cheffe war, obwohl er nicht gespielt hat, anwesend und beschenkte uns mit diesem Foto:

Säulen des Erfolgs.

Säulen des Erfolgs.

Wie kann Cheffe auf dem Bild sein, obwohl es mit seiner Kamera gemacht wurde? Welcher mysteriöse Mr. X hat das Foto denn geschossen?


Kommentare

Erste steigt auf! [Update: Bericht online] — 9 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch! Ich erinnere mich noch an den Jojo-Effekt zu meiner Zeit, als die erste mehrere Jahre zwischen Landes- und Verbandsliga hin- und hergewechselt hat. So lange ist der Aufstieg in die Verbandsliga doch noch gar nicht her? Da zahlt sich die Jugendarbeit (?) wohl mal aus? 🙂

    Wenn ihr mal zweite Bundesliga spielt, komme ich gerne zum Zuschauen vorbei, von dem her: ranhalten. 🙂

    Herzliche Grüße aus Karlsruhe
    Jochen

  2. Schöner Bericht mal wieder Enis! Zu Ulis Partie: 1.Stellung: Sd4 mit Sd5 nach xd4 und zur 2.Stellung Lxf7+ Txf7, Txd8 Dxd8 c7 Dc8, Te8….mit c8D.

  3. Herzlichen Glückwunsch auch vom Lokalrivalen aus Böckingen! Wird ein hartes Stück Arbeit, euch irgendwann wieder einzuholen! :-* Und was euren traurigen Helden des Tages angeht…nehmts ihm nicht allzu übel, wenn er gelegentlich Probleme mit der Zeitdisziplin hat…da muss irgendwas während seiner Ausbildungsjahre in Böckingen schief gelaufen sein! Die Verantwortung übernehmen selbstredend wir! 🙂

  4. Haha Jürgen.. 🙂
    Nee, das hat nichts mit „traumatischer Kindheit“ zu tun.. Das muss ich schon auf meine Kappe nehmen.. 😉

    Viel Erfolg Euch am Sonntag!

  5. Ich hab grad zufällig gelesen, dass Rudis Gnadengesuch stattgegeben wurde, und es daher nächste Saison 11 Mannschaften in der Oberliga geben wird. Dies bedeutet zwei Spieltage (aber nur ein Spiel) mehr und löst möglicherweise die Terminkopplung von Ober- und Landesliga. Desweiteren gibt’s dann wohl nächstes Jahr einen Absteiger mehr, was die Mission Klassenerhalt signifikant erschweren sollte.

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