Wie ein Pfannkuchen

Nach der Tracht Prügel gegen Böblingen stand mit Feuerbach ein weiterer potenziell ungemütlicher Gegner bereit, welcher wie Böblingen Punkte gegen den Abstieg brauchten. Durch Siege gegen Lauffen und Hall waren wir gewarnt, schafften es aber tatsächlich, eine etwas schwächere Mannschaft als gegen Böblingen aufzubieten, wodurch wir diesen Negativrekord (leider) unterboten. Feuerbach trat hingegen mit einer soliden Mannschaft und komplett wie von uns erwartet an.

Nachdem ich leicht zu spät aufgestanden bin und meinen leckeren Eiersalat aufgrund von Zeitknappheit nicht essen konnte, raste ich an der Bundesgartenschau-Baustelle vorbei, baute darauf, dass sonntags um 9:45 Uhr eh keiner unserer geliebten mobilen Blitzer an der Straße steht und kam dann um 9:50 Uhr am Jugendheim an. Dort erwarteten mich nicht 15 HSchVer und Feuerbacher, die sehnsüchtig die Macht meines Schlüssels herbeisahen, sondern Tobias und Thomas.
Glücklicherweise trudelte der Rest zügig ein und ein halbwegs pünktlicher Start konnte dadurch gewährleistet werden, dass ich das Aufsetzen des Kaffees ausnahmsweise mal nicht in den Sand setzte.

Mein Gefühl sagte mir, dass es heute besser werden sollte als gegen Böblingen. Robin bestätigte mir diesen Eindruck nach wenigen Stunden und nur 21 Zügen. Nach einem Crashkurs in der Tarrasch-Verteidigung aus weißer Sicht kam genau das aufs Brett, was wir als Hauptvariante angesehen hatte. Als selbstständiges Denken gefordert war nach 12 Zügen, wählte sein Gegner, der bekannte Schreiber Harald Keilhack, eine ungewöhnliche Abwicklung und ließ einen seiner Springer nach a5 ins Abseits stellen. In der folgenden taktischen Abwicklung zeigte Robin sich gewohnt stark und entschied mit einem schönen Doppelangriff die Partie, da plötzlich zwei schwarze Leichtfiguren hingen. Robins Gegner hat sich vermutlich etwas wie ein Pfannkuchen gefühlt – platt.

„Leider“ schlug Robin mich um dreieinhalb Züge. Mit Schwarz bekam ich interessanterweise bis einschließlich des 12. schwarzen Zuges eine Variante aufs Brett, in der ich schon IM Lampert besiegt hatte. Auch heute wählte mein Gegner nicht die kritische Variante, ein Figurenopfer mit Kompensation, von dem ich wusste, dass es sich laut PC im 0.00-Bereich bewegt – so eine Variante spielt man ohne Vorbereitung aber nicht, weswegen Christian Beyer sie wie Jonas Lampert damals verwarf. So war es wie damals in Deizisau einfach ein taktischer Bauerngewinn und dieses Mal schaffte ich es, mich besser zu konsolidieren und nicht erst im Endspiel zu gewinnen. Nachdem ich rochieren durfte, spielte ich noch meinen Plan a6-a5-a4 aus und der weiße Läufer auf b3 war einfach weg, witzigerweise hätte Weiß dagegen nichts machen können außer noch mehr Bauern zu opfern bei schlechter Stellung, wodurch es egal war und ich so oder so auf Gewinn stand.

Eberhard fühlte sich mal wieder in einem katalanischen Stellungstyp mit Weiß wohl. Daniel Klaus litt mit Schwarz aufgrund seines üblichen eingesperrten weißfeldrigen Läufers, jedoch wählte Eberhard wahrscheinlich nicht immer die kritischen Fortsetzungen. So konnte Schwarz mit c6-c5 das weiße Zentrum auflösen und danach mit b6-b5 den weißen Bauern auf c4 anhebeln. Das entstehende Turm-Läufer-Endspiel war ausgeglichen, weil der schwarze Problemläufer über b5 rauskam und Schwarz keine Probleme hatte. Ein Remis war also der logische Schluss.

Simon merkte man an Brett 4 die fehlende Praxis an. Er spielte einer seiner üblichen seichten Varianten gegen Armin Zimber, erreichte dank ungenauem Spiel jedoch eine schöne Druckstellung mit schwachen schwarzen Feldern von Schwarz, abermals war ein schlechter Läufer (Lb7 eingesperrt von Bauern c6 und e6) das Thema. Simon tauschte jedoch die letzten Figuren ab, die auf schwarzen Feldern spielten konnten, abgesehen von den Damen, wodurch Schwarz Gegenspiel gegen den ebenfalls isolierten Bauern auf d4 bekam. Dort verlor Simon den Faden und verbrauchte viel Zeit, wodurch er eine taktische Wendung übersah und eine Figur verlor. Damit rückten die Feuerbacher wieder näher und die andere Partien waren teilweise bei Weitem nicht so eindeutig, wie wir es gerne gehabt hätten.

Eine dieser eindeutigen Partien schob Julian nach Hause. Nach 6 Stunden Vorbereitung auf eine Eröffnung spielte Winfried Klehr mit Weiß eine komplett andere Eröffnung. Aufgrund fehlender weißer Ambitionen konnte Julian leicht ausgleichen. Dann kam er auf ein interessantes Manöver Te8-e5-h5, wobei er auf dem Weg einen Springer auf e5 abtauschte, um den schwachen Punkt h2 unter Beschuss zu nehmen. Weiß verstärkte das schwarze Spiel noch mit den Lockerungsübungen f2-f3 und g2-g3 und so hatte Julian kein großes Problem, mit Turm auf der h-Linie, Dame auf b6, Läufer auf h3 und Springer auf g4 (Weiß hatte noch f3-f4 gezogen) einen vernichtenden Angriff zu haben. In folgender Stellung hätte Julian sein Spiel sofort krönen können:

Wie ist es schnell vorbei?

Wie ist es schnell vorbei?


Julian schaffte es, von den 12 Engine-Empfehlungen keine zu nehmen (Lxf1 hat er gespielt), obwohl man ihn für diesen natürlichen Zug natürlich nicht kritisieren kann.

Mit drei Spielen und einer 3,5-Führung war der Sieg zum Greifen nahe. Einen ersten kleinen Schritt ging Jürgen. Sein Gegner Hans-Reiner de Boer zeichnete sich bei seiner Partie gegen mich dadurch aus, gerne viel zu tauschen und eher ausgeglichene, „einfache“ Stellungen anzustreben, so auch heute. Jürgen hatte dafür in einem Turm-Läufer-Endspiel ein Motiv auf dem Brett, das wir schon zwei Mal hatten – den schlechten weißfeldrigen Läufer von Schwarz. Zusätzlich hatte Jürgen einen isolierten Bauern auf h7, der ihm Sorgen bereitete. Mit der Zeit konnte Jürgen die Läufer tauschen und seinen Turm aktivieren, was seine Bauernschwächen aufwog. Als der Damenflügel verschwand, hatte Weiß plötzlich die kaputte Struktur (h4/f2/f4 gegen h5/f6/e6), jedoch war dies an einem Flügel leicht zu verteidigen und so stand es 4-2.

Das Motiv des schlechten Läufers war in der Hälfte aller Partien zu finden, so auch bei Thomas gegen Frank Herbert-Schweizer. Wie bei Eberhard entstand dieses Problem aus einer katalanischen Struktur. Thomas erreichte dank schwarzer Ungenauigkeiten schnell eine dominante Stellung, ließ dann aber locker und folglich befreite sich Schwarz mit e6-e5. Danach war das Spiel wieder offen bei beiderseitiger beginnender Zeitnot. Dort machte Thomas den zweiten vorm ersten Zug und nahm zuerst einen Bauern auf b7 mit seiner Dame, bevor er den Deckungsspringer des Bauern c6 mit f2-f4 vertrieb. So konnte Schwarz Te8-b8 spielen und plötzlich war die weiße Dame weg, da das Feld a6 durch einen Springer auf c7 genommen wurde. Der Rest war leider nicht mehr der Rede wert.

Bei einem Stand von 4-3 hing es an Tobias, welcher mit Schwarz gegen Gerhard Schuster bestehen musste. In einer scharfen, zu Tobias passenden Eröffnung spielte Tobias 1x zu gierig und plötzlich konnte man die Züge zum Matt runterzählen – Matt direkt war es nicht, aber Weiß hätte mit Läufer b3, Springer g5, Dame h6 und halboffener f-Linie viel zu starken Angriff gehabt. Glücklicherweise hatte Weiß nur noch 10 Minuten für 20 Züge und wählte eine unklare Fortsetzung, aus welcher Tobias sich mit einem relativ glatten Mehrbauern stahl. Das Blatt wendete sich also wie ein Pfannkuchen bei Zubereitung in der Pfanne.
Robin bezeichnete den Partieverlauf treffend mit „Würfelschach“, wodurch wir froh waren, dass Tobias seine Stellung bis Zug 41 halten konnte. Danach sah sein Gegner (und der Feuerbacher Mannschaftsführer) ein, dass nichts außer schemenhafte Kompensation für den Minusbauern in einem Dame-Läufer-Endspiel sichtbar war, und bot mit einem schlechten Zug Remis an. Tobias hatte danach realistische Gewinnchancen, jedoch wollte er Julians Herz schonen und willigte in Remis ein.

Damit schlugen wir Feuerbach mit 4,5-3,5 und können aufatmen, da wir die Tabellenführung aus eigener Kraft behielten.
Schwäbisch Hall trat wie erwartet schwach an, aber besiegte die noch schwächer angetretene Stuttgarter Dritte mit 4,5-2,5 (ja, es wurden nur sieben gegen sieben gespielt). Damit bleibt Hall mit 7 MP auf leichter Tuchfühlung und hat es bei einem potenziellen Patzer unsererseits (10 MP) aufgrund des Letztrunden-Duells gegen Grunbach selbst in der Hand, noch massiv in den Aufstiegskampf einzugreifen. Absteigen werden sie aber wohl nicht mehr.
Genauso wenig wird Lauffen noch absteigen, denn die Unterländer landeten zuhause mit einem 4,5-3,5 gegen Stuttgart II einen Big Point in Sachen Klassenerhalt und eliminierten dabei die letzten Stuttgarter Aufstiegsmöglichkeiten. So lauert Lauffen wie Hall mit 7 MP und muss ebenfalls noch gegen Grunbach spielen.
Im Prinzip abgestiegen ist Willsbach. In Wolfbusch konnten sie gegen eine solide aufgestellte Wolfbuscher Mannschaft leider nichts holen und verloren mit 2,5-5,5. Mit 4 MP Rückstand auf den 8. Platz war es das wohl, wodurch unsere Zweite auch weiß, dass sie noch ein paar Punkte in der Landesliga holen sollten.
Und was macht Grunbach? Tatsächlich verloren sie in Böblingen mit 3-5! Damit sei den Böblingern verziehen, dass sie gegen uns gewannen, weil wir jetzt wieder den 2 MP-Vorsprung haben. Nebenbei verloren die Ostalbler den zweiten Platz an…Wolfbusch! Nach einem Saisonstart mit 0-2 sind die Stuttgarter „plötzlich“ Zweiter und mit einem halben Brettpunkt Vorsprung erster Verfolger.

Noch drei Endspiele:
Stuttgart III (A)
Stuttgart II (H)
Willsbach (A)

Erste Mannschaft.

Nebenbei fanden noch zwei andere Veranstaltungen an diesem Wochenende statt. Das Spiel der Vierten wurde aufgrund des Leintal-Jugendopens auf den 12.2. vorverlegt (den Schulferien sei Dank). So trat man in Künzelsau mit Daniel, Denis und den Molliqaj-Brüdern an. Ich werde es wahrscheinlich noch so oft schreiben, bis sich meine Sehnenscheidenentzündung wieder meldet, aber Daniel bestätigte seine Formkurve und gewann. Den anderen Spielern war die fehlende Erfahrung anzumerken und so verloren sie leider allesamt, mit einem 1-3 als Endergebnis.

Vierte Mannschaft.

Und wie erwähnt, gab es da noch das Leintal-Open. Aufgrund der Vorverlegung konnte auch die Vierte teilnehmen. Ich war leider nicht da und kann daher nur von Ergebnissen berichten, die aber durchweg positiv sind. Es wurde mit dem 3-1-0-Punkte-System gespielt (warum auch immer, ich kanns nicht verstehen, es ist ein Jugendopen und auf Kreis-/Bezirksniveau sind Jugendliche trotz Freundschaften nicht als Remisschieber bekannt; so bestraft man nur die, die nach hartem Kampf nur zwei Remis erreichen in zwei Runden, während andere vorne verlieren und hinten gewinnen):
U8/U10/U12 (47 TN, 7 Runden):
10. Nikolas Sawadski 13,0 P. U12: 7./24
17. Ardit Molliqaj 12,0 P. U12: 9.
31. Albion Molliqaj 9,0 P. U10: 11./19

U14 (29 TN, 5 Runden):
5. Daniel Schäfer 10,0 P. – Ratingpreis 1301-1500!
17. Denis Kübler 6,0 P.

U16/U18/U25 (24 TN, 5 Runden).
1. Kim-Luca Wasielewski 12,0 P. – Damit auch 1. Platz U16!
Mit einem gut getimeten Schweizer Gambit in Runde 2 stahl sich Kim-Luca am Ende an die Spitze, während ganz vorne alle in Runde 5 ihr Remis machten. 😉
3. Patrick Wenninger 11,0 P. – 1. Platz U25!
18. Nadja Ignatova 4,0 P. U16: 12./15

Herzlichen Glückwunsch an alle!

Ergebnisseite des Leintal-Opens (nach unten scrollen auf der Seite)

Damit geh ich mal schlafen.


Kommentare

Wie ein Pfannkuchen — 3 Kommentare

  1. …zugegeben, man kann es schon finden 😉
    Ich hatte nur gesehen, dass ich nach Lxf1 zwingend noch eine zweite Qualle dazugewinne, da er ja mit dem Springer auf f1 zurückschlagen muss, um h2 zu decken. Und darauf folgte dann zwingend …dxe4 Dxe4 Sf2+ mit glatter Gewinnstellung.

    • Tja, da hättest du aus dem Läufer wohl besser einen „Geher“ gemacht 😉

      Aber es sagt schon Einiges über die Stellung aus, wenn es ein doppelter Qualitätsgewinn mit glatter Gewinnstellung nicht unter die Top 12 schafft 😀

      Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch zum Sieg!

      Sekt stelle ich aber noch keinen kalt 😉

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